graswurzelrevolution
nr. 0 (1972)
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stern / zerbrochenes gewehr
seite 1
>> nr. 0 (1972)

graswurzelrevolution

Gewaltfrei - radikal-demokratisch - antiautoritär - sozialistisch

Die Anerkennung des Rechts auf Selbstbestimmung und die Notwendigkeit der Abschaffung der "Herrschaft des Menschen über den Menschen", einer Herrschaft, die mit struktureller und instrumenteller Gewalt aufrecht erhalten wird, müssen Grundziele eines jeden systemumwälzenden Kampfes sein, damit ein echter Fortschritt gegenüber den bisherigen Systemen erzielt werden kann. Zur Erreichung dieser Ziele ist eine Organisierung aller Linken notwendig, welche es versteht bisherige theoretische Überlegungen über Strategie und Taktik in die Praxis umzusetzen, dabei wird jedoch der freie Gedankenaustausch unter Gruppen und Militanten mit revolutionärem Anspruch die Möglichkeit geben, die richtige Strategie zu entwickeln.

Diese Zeitung soll dies ausgehend vom Militarismus leisten. Antimilitaristischer Kampf versteht sich als ein Aspekt des Kampfes gegen Herrschaftsstrukturen. Er ermöglicht auch auf breiter Ebene linke Aktivisten zu sammeln. Die Armee bildet den offensichtlichsten Eckpfeiler eines jeden Systems, da es auf Unterdrückung beruht, auch wenn sie - wie in der BRD - mit einem scheinliberalen Mäntelchen von langen Haaren bzw. - innere - Führungstechniken umhüllt wird. Nicht von ungefähr enthüllt der Militarismus am deutlichsten seine Fratze, wenn ein pseudodemokratischer Staat in eine, wenn auch noch so geringe Krise - gescheiterte Stadtguerilla, steigende KDV-Zahlen - kommt: Notstandgesetze mit detaillierten Ausführungsbestimmungen, Polizeiterror sind die unausweichliche Folge. Dagegen gilt es die Masse zu mobilisieren.

"Je größer die Massenbasis der revolutionären Bewegung, desto geringere Gewaltanwendung ist notwendig" (Wilhelm Reich, Was ist Klassenbewußtsein, 1934). Gleichzeitig ist es klar, daß nur eine ausreichende Massenbasis die Ergebnisse einer Revolution sichern kann. Wir propagieren keineswegs die absolute Gewaltfreiheit, allerdings sind wir der Ansicht, daß die Möglichkeiten gewaltfreier Aktionen noch lange nicht ausgeschöpft sind. Ihr Einbeziehen in revolutionären Kampf ermöglicht eine Miteinbeziehung weiterer Teile der Bevölkerung und nicht zuletzt eine Bewußtseinsänderung der auf die Politik der Herrschenden verpflichtenden Massen. Die Linke in der BRD hat dich zu lange auf die einfache Reaktion auf die Gewalt der Herrschenden mit revolutionärer Gegengewalt beschränkt, ohne die Gewalt der Herrschenden in ihren verschiedenen Erscheinungsformen zu differenzieren, um abgestufte Gegenmaßnahmen auf Massenbasis zu ergreifen. Die Verabsolutierung von Gewalt oder Gewaltfreiheit hat zu lange, als moralische Vorentscheidung, die Möglichkeit zu klarer Analyse genommen, denn eine solche Analyse muß in der Auswahl von genehmen Fakten zur Bestätigung der eigenen Meinung werden. Dezentralisierung von Information und Entscheidung, eine Parteiunabhängige (nicht im Sinne der BILD-Zeitung) Basisbewegung wird erst verhindern können, daß aus falscher Analyse voreilige Entschlüsse zu gewaltsamen Aktionen gefaßt werden, wenn objektiv die Bedingungen dafür noch gar nicht gegeben sind. Aktionen müssen sich dabei nicht unbedingt auf den Produktionssektor beschränken, sondern können auch im Reproduktionsbereich angesetzt werden. Konsum und Freizeitindustrie beeinflussen nicht unwesentlich das Verhalten der Masse.

In der Fülle "Linker" Schriften soll der Schwerpunkt dieser Zeitung Möglichkeiten zur Umsetzung bloßer Theorie in die Praxis anbieten, soll Möglichkeiten zeigen, aus dem Dilemma zwischen unvermittelter Theorie und seichten Handlungsanleitungen herauszukommen, die sich darauf beschränken parlamentarisch Spielregeln anzupreisen und in der Logik des Systems bleiben. Neben Information (vor allem aus dem Ausland), die allein - ohne festen Bezugsrahmen in ihrer Fülle geradezu entpolitisieren kann, sollen Aktionsmodelle und konkrete Handlungsanweisungen stehen, die nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben, aber Anregungen geben können für den Kampf hier in der BRD. Wir besitzen nicht ein Nonplusultra an Praxis, wir haben nicht die revolutionäre Theorie für uns gepachtet; deshalb wird es ein Ziel der Zeitung sein, daß ihr Inhalt von mehreren Gruppen von Einzelaktivisten mitgestaltet werden kann und die Redaktion in gewissen Abständen von einer Gruppe zur anderen übergeht. Dabei ist natürlich eine Grundübereinstimmung mit dem im ersten Abschnitt unvollständig umrissenen Zielen einverstanden sind. In wie weit sich die Vorstellung von einer Rotation in der Zeitungsredaktion verwirklichen lassen wird, hängt nicht zuletzt von der Aktivität des Lesers ab. Die Wirkung dieser Zeitung wird sich nicht nur in unseren Fähigkeiten erweisen, tatsächlich Theorie und ihre Möglichkeiten der Umsetzung in die Praxis zu zeigen, sondern auch in der Unterstützung nicht zuletzt aller, die sich mit uns in der Notwendigkeit einer Umwälzung der bestehenden Verhältnisse solidarisch erklären.

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