Die Ausbeutung der Tiere
Zu Rinderwahnsinn und BSE haben wir uns in der Graswurzelrevolution bislang noch nicht zu Wort gemeldet. Welche LeserIn meinte, dieser Kelch ginge an ihr vorüber, die müssen wir nun enttäuschen. Einem überraschten Erschrecken der Öffentlichkeit und kurzzeitig drastischem Rückgang des Fleischkonsums nach Bekanntwerden des Rinderwahnsinns ist inzwischen wieder Verdrängung und der durch nichts begründbare Nationalismus gewichen, in der BRD werde die industrielle Massentierhaltung schon nicht zu solchen Auswüchsen wie in England führen, wo Tiermehl an pflanzenessende Kühe verfüttert wurde. Und der jüngste nationale Aufschrei in dieser Farce, England schlachte nun seine verseuchten Kühe nicht, ficht gewaltfreie AnarchistInnen nicht an: das Schlachten von Kühen war uns immer ein Greuel, so oder so. Anstelle einer Kommentierung der Absurditäten einer offiziellen Diskussion, die längst zur Tagesordnung übergegangen ist, starten wir hier eine Artikelserie über die industrielle Ausbeutung der Tiere, in welcher Stück für Stück alle Bereiche betrachtet werden, in denen Tierausbeutung eine Rolle spielt, auch solche Bereiche, in denen sie gemeinhin nicht vermutet wird, wie etwa Kultur oder Sprache. Der Gefahr, uns lächerlich zu machen, setzen wir uns gerne aus - eine linke Zeitung wie "Konkret" jedenfalls machte sich nicht lächerlich, als sie eine Polemik gegen radikale TierrechtlerInnen mit dem witzigen Slogan ankündigte: "Wahlrecht für Stechmücken?" Dem haben wir zu entgegnen, daß wir das Wahlrecht für Tiere nicht fordern, sondern für Menschen abschaffen wollen, und daß das geistige Niveau des Diskurses von CDU/SPD/FDP/B'90Grüne/PDS - etwa beim Thema Rinderwahnsinn - mitunter demjenigen einer Stechmücke durchaus nahe kommt. (Red. Süd)
Mythen über Fleisch und Milch
Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik etwa 40 Millionen Schweine geschlachtet. Des weiteren fallen 600 000 Kälber, 7 Mio. Rinder, 250 Mio. sogenannte Masthähnchen, 28 Mio. Legehennen, 14 Mio. Puten, 13 Mio. Enten, 2"5 Mio. Schafe, 1 Mio. Gänse, 11 000 Ziegen und 18 000 Pferde. Eingepfercht in die engen Stallungen der Massentierhaltung führen diese Tiere meist ein klägliches, hoffnungsloses Dasein und warten wochen-, monate- oder oft auch jahrelang auf den qualvollen Transport zum Schlachthof und auf das Messer, das ihnen die Kehle durchschneidet und sie von ihren Leiden erlöst.
Wider die Reform der Massentierhaltung
Inzwischen haben viele Menschen schon einmal die grauenhaften Bilder gesehen, die das Leben, die Transporte und das Sterben der sogenannten Nutztiere aufzeigen. Doch während ,verantwortungsbewußte" BürgerInnen von der zeitlichen Begrenzung der Transporte und einer artgerechten Haltung reden, und während die zuständigen PolitikerInnen hin- und herdebattieren (und dabei die angeblich wichtigen Entscheidungen immer wieder vertagt werden), fristen die Tiere weiterhin ihr klägliches Dasein, werden weiter transportiert und getötet. Und das Volk konsumiert wie gewohnt - Hauptsache, es schmeckt! Solange es noch billiger ist, lebende Tiere anstatt totes Fleisch auf die Reise zu schicken, wird sich an den Transporten nicht viel ändern. Es sollte auch einleuchten, daß 80 Mio. Deutsche mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 63 kg Fleisch im Jahr gar nicht anders versorgt werden können als mit der Massentierhaltung. Es geht nicht darum, ob Tiere überhaupt leidfrei gezüchtet und geschlachtet werden können, sondern wie sie tatsächlich leben und sterben. Andernfalls dienen die Diskussionen lediglich dazu, die Ausbeutung und Tötung von fühlenden Lebewesen bei den neugierig gewordenen KonsumentInnen wieder gesellschaftsfähig zu machen.Wer aber wirklich etwas verändern möchte, wem es nicht gleichgültig ist, daß alljährlich Abermillionen unschuldiger Tiere für den Genuß der Menschen ihr Leben lassen müssen, der/die sollte die Normen dieser Gesellschaft brechen und Widerstand leisten. Und er/sie sollte kein Fleisch mehr essen und keine Tierqual mehr durch unbedachtes Kaufverhalten in Auftrag geben. Daß Menschen kein Fleisch zum Leben brauchen, ist schon lange bekannt, auch wenn die Fleischindustrie jedes Jahr Millionen ausgibt, um die Öffentlichkeit anhand von Werbespots, Zeitungsanzeigen und gut bezahlten "Fachautoritäten" vom Gegenteil zu überzeugen.
Als Alternativen zum Fleisch sind heute ca. 40-50 verschiedene Gemüsearten, vielerlei Hülsenfrüchte, Nüsse und 20 verschiedene Obstsorten bekannt. Im Gegensatz zur pflanzlichen Nahrung gibt es gerademal fünf verschiedene Tierarten als Fleischlieferanten. Die vegetarische Ernährung (vegetarisch im eigentlichen Sinne des Wortes; also rein pflanzlich - vegan!) bietet eine Vielfalt an Geschmack, Konsistenz und Farbe. Von Mangelerscheinungen kann keine Rede sein: alles, was der menschliche Organismus zum Leben braucht, ist ausreichend in pflanzlicher Nahrung vorhanden. Auch das heißgeliebte Vitamin B12!
Beispiel Milch
Viele VegetarierInnen essen anfangs zwar kein Fleisch und sind gegen die Tötung von Tieren, doch Käse und Milch konsumieren sie - über die Ausbeutung der Tiere wird immer noch zuwenig nachgedacht. Am Beispiel Milch möchte ich aufzeigen, woran man/frau sich durch Milchkonsum beteiligt.
Um sich selbst am Leben zu halten, verbreitet die Milchvermarktungsindustrie einige Mythen. Ein solcher Mythos ist zum Beispiel die Behauptung, die Milch, die wir zu uns nehmen, sei lediglich ein Überschuß, den das säugende Kälbchen nicht mehr trinkt. Die Wahrheit sieht "etwas" anders aus: Die Tiermilch war ursprünglich ausschließlich für die Tierkinder vorgesehen. Tiermilch ist in ihrer Zusammensetzung ganz auf das Wachstum des Jungtieres abgestimmt. Je schneller ein Tierkind sein Gewicht verdoppeln muß, um baldmöglichst von seiner Mutter unabhängig zu sein, um so höher ist der Milcheiweißgehalt (Beispiele: Kaninchenmilch hat 41 % Eiweißgehalt bei Gewichtsverdoppelung in 6 Tagen; Kuhmilch 21 % bei 47 Tagen; Muttermilch 11 % bei einer Gewichtsverdoppelung des Menschenbabys in 180 Tagen).
Ein weiterer Mythos der Milchproduktion ist die verbreitete Annahme, Milch sei ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung (besonders wegen ihres Kalziums), ohne die es zu Mangelerscheinungen kommt. Doch niemand muß regelmäßig Milchprodukte verzehren, um seinen/ihren Kalziumbedarf zu decken. Hinzu kommt, daß durch das Homogenisieren und Pasteurisieren das Kalzium der Milch kaum noch für den menschlichen Organismus verwertbar ist. Daher holt sich der menschliche Organismus das von ihm benötigte Kalzium dort, wo es am meisten vorkommt: aus den Knochen (Rückenschmerzen, Knochenschwund) und den Zähnen (Karies). Würde das Kalzium der Milch der Knochenentkalkung vorbeugen, dürfte es gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft, in der übermäßig viele Milchprodukte verzehrt werden, keine Knochenbeschwerden geben. Hingegen kommt in asiatischen Ländern, in denen die Menschen keine oder nur sehr wenig Milch zu sich nehmen, Knochenschwund kaum vor. Außerdem enthalten Sojabohnen, Nüsse und Mandeln mehr als doppelt soviel Kalzium wie die Kuhmilch. Geradezu zynisch erscheint das Märchen, Menschen, welche sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten ernähren, würden an Mangelerscheinungen leiden, wenn man/frau die Nahrungsauswahl von McDonald's, Pommesbuden und Grillhäuschen bedenkt, von welchen sich die Menschen hierzulande nahezu ausschließlich ernähren, wenn sie nicht gerade ein "gutdeutsches" Eisbein zwischen ihren Kiefern zermalmen. Während sie sich Betablocker reinschieben und schnaufend ein paar Runden um den Block rennen, erzählen sie VegetarierInnen, sie würden nicht gesund leben!
Milch, nämlich Muttermilch, benötigen Menschen nur im Säuglingsalter, wenn sie keine feste Nahrung zu sich nehmen können. Sobald die Muttermilch nicht mehr nötig ist, ist auch keine Kuh-, Schafts- oder Ziegenmilch nötig. Wer trotzdem nicht auf Milchprodukte verzichten will, kann auf Soja-, Mandel- oder Reismilch zurückgreifen, welche sich gut zur Zubereitung von Joghurts, Eiscremes, Sahneeigenschaften oder Puddings eignen. Auch ein/e VegetarierIn braucht auf nichts zu verzichten!
Thorsten Kubis
(wird fortgesetzt)
