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Jugendumweltkongreß goes sustainable?

Ein Juchs um den Jukß bringt Konflikte ans Licht / Diskussion um Agenda 21 auf dem Jukß

Vom 28.12.97-3.1.98 findet wieder der Jugendumweltkongreß statt - diesmal in Münster. Motto des Kongresses ist "Stadt und Land - wir gestalten die Zukunft". Erwartet werden wie in den vergangenen Jahren etwa 1 000 TeilnehmerInnen. (Red.)

Doch vor den Spaß beim Kongreß hat eine gefälschte Presseerklärung - die auch der GWR zuging - erst einmal für Unmut gesorgt. In dem Fake mit der Überschrift "Die Sackgasse ins 21. Jahrhundert" wird vermeldet, daß die VeranstalterInnen des Jukß beschlossen hätten, alle sich positiv auf die Agenda 21 beziehenden Veranstaltungen aus dem Programm des Jukß zu streichen. "Sie reagieren damit auf die innerhalb der Umweltbewegung immer lauter werdende Kritik an dem beim Erdgipfel 1992 in Rio verabschiedeten 'Fahrplan für das 21. Jahrhundert.'" Einer fiktiven Sprecherin der BUNDjugend wird dazu folgende Erklärung in den Mund gelegt: "Im Originaltext der Agenda 21 finden sich ganze Aktionspläne zur 'umweltfreundlichen' Förderung von Atom- und Gentechnologie. Auch nur kleinste Ansätze einer Kritik an diesen destruktiven Technologien sucht man in diesem Mammutwerk vergeblich. Die Umweltbewegung hat mit dem Propagieren einer 'Lokalen Agenda' offenbar fünf Jahre lang blind auf das falsche Pferd gesetzt. Damit muß jetzt Schluß sein!" (1)

Diese Presseerklärung führte zu einiger Verärgerung, leider aber nicht zu der notwendigen Diskussion. In einer Stellungnahme einer der Jukß-OrganisatorInnen heißt es: "Das ist natürlich alles völliger Unsinn. Auf dem Jukß wird es diverse Agenda-Seminare geben, die die Agenda nicht verteufeln werden. Eine kritische Betrachtung, die es in der Umweltbewegung auch gibt, findet natürlich auch seinen Raum." (2)

Die Auseinandersetzung um den 'richtigen' Umgang mit der Agenda 21 tobt in der Jugendbewegung schon seit längerem, allerdings nicht unbedingt auf hohem Niveau. GegnerInnen der Agenda 21 halten der Jugendumweltbewegung immer wieder entsprechende Zitate aus der Agenda 21 zur Atom- oder Gentechnologie vor, während BefürworterInnen die angeblichen Chancen der Agenda bzw. ihre abgebliche Offenheit betonen. Doch so wenig sich die Agenda 21 auf die ausgewählten Zitate rezutieren läßt, so falsch ist die weitverbreitete Agenda-Euphorie.

Die gefälschte Presseerklärung hat die Diskussion jedoch nicht voran gebracht. Im Gegenteil: "Ich rege mich als Teil des Jukß-Vorbereitungsteams darüber auf, daß irgendwer im Namen des Jukß und der BUNDjugend solche Scheiße an die Presse und Umweltverbände verbreitet. Wer schon zu solchen Maßnahmen greifen muß (Jukß-Papier besorgen, Absendeort fälschen...) hat doch wirklich ein Rad ab, daß er oder sie das nicht in seinem eigenen Namen macht." (3)

Die Aufregung geht jedoch am Kern vorbei. Fakes gehören zur guten libertären Aktionstradition, und die gefakete Presseerklärung ist nun so schlimm nicht. Die Aufregung um das Fake zeigt eher, daß es mit einer offenen Streitkultur innerhalb von Teilen der Jugendumweltbewegung auch nicht so weit her ist.

Man kann sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, alle Seminare, die sich "positiv auf die Agenda 21 beziehen" zu streichen. Schon die Definition, was ein positiver Bezug denn ist, dürfte nicht einfach sein. Doch schon die Formulierung in der Stellungnahme zum Fake, "eine kritische Betrachtung findet natürlich auch seinen Raum", klingt doch mehr nach Alibi als nach wirklicher Auseinandersetzung.

Es macht mit Sicherheit keinen Sinn, die Agenda 21 allein an Zitaten aus dem Papier selbst zu kritisieren, sondern sie ist im Zusammenhang mit der Diskussion um das Konzept der Nachhaltigkeit zu sehen. Dieses Konzept - und damit auch die Agenda 21 - ist aber vehement als Herrschaftsdiskurs zu kritisieren, und ein paar Partizipationsmöglichkeiten - die alles andere sind als demokratische Elemente - ändern daran grundsätzlich nichts. Das Problem der Agenda 21 sind nicht ein paar Zitate, das Problem ist die ideologische Basis, und die ist tief verwurzelt im kapitalistischen Herrschaftsdiskurs.

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Anmerkungen

(1) gefälschte Presseerklärung des Jukß vom 9.11.1997

(2) Kathrin Gutmann, Taz, Jukß und Agenda 21, mail in /CL/GRUPPEN/ JUGENDUMWELTBEWEGUNG vom 12.11.97

(3) ebenda

Anmeldung

Jukß-Büro
Glatzer Weg 9
48151 Münster
Tel.: 0251/7636336


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