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239 mai 1999
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stern / zerbrochenes gewehr
beilage: nein zu bomben, krieg, vertreibung!
>> 239 mai 1999

Der schleichende Übergang zu Bodentruppen
oder die NATO auf dem Weg nach Vietnam

Sie schlittern weiter, die NATO-Oberen. "Keine Bodentruppen", ein Dementi, das keiner mehr glaubt. Der Bodenkrieg schleicht in drei Bereichen heran.

1. Der Bodenkrieg aus der Luft

Seit dem 22. April sind die Apache-Hubschrauber des US-Heeres in Albanien stationiert. Die Süddeutsche Zeitung kommentierte die Stationierung mit dem Begriff "Bodenkrieg aus der Luft". In der militärischen Funktion sind die Apache-.Hubschrauber der deutsch-französischen Kampfhubschrauber-Entwicklung Tiger ähnlich: "Gut geeignet für Flächenbombardements aus niedriger Höhe", ausgerüstet mit Waffen mit spezieller Durchschlagskraft, u.a. auch mit Munition mit abgereichertem Uran. (Zur Uran-Munition: Der Metallkern dieser Uran- Panzergranaten besteht aus abgereicherten Uran, das besonders hart und außerdem brennbar ist. Beim Einschlag wird Radioaktivität freigesetzt, die sich als strahlende Wolke verbreitet Eingesetzt werden

diese Urangranaten neben den Apache-Hubschraubern auch von US-Kampfflugzeugen vom Typ A-10.) Die Apache- Hubschrauber werden von 2.000 Heeres-Soldaten aus dem mittelfränkischen Illesheim begleitet.

2. Die Elitekampfeinheiten

Von den Kernstaaten der NATO sind eine ganze Reihe von Sonderkommandos im Einsatz um Jugoslawien herum. Stützpunkte sind in den Aufmarschgebieten der NATO, in Bosnien-Herzegowina und in Mazedonien.

Die USA, Großbritannien und Frankreich haben dort etwa tausend Kommandotrupps stationiert. "Zu deren wichtigsten Aufgaben gehört es, mit Erkundigungen auf feindlichem Gebiet Luftangriffe oder auch die Ankunft von Bodentruppen vorzubereiten. Die Vorauskommandos am Boden

ergänzen die Informationen über Angriffsziele, die bei bemannten und unbemannten Aufklärungsflügen oder durch Spionagesatelliten gesammelt wurden", so das ZDF. Von britischer Seite ist der "Special Air Service" (SAS) vor Ort, von französischer das "Commandement des opérations spéciales" (COS) und die US-Marine-Truppe namens Seal (Sea Air Land).

Welche Aufgaben sie haben kann nur spekuliert werden, ich rechne aber damit, daß erste Einsätze hinter den feindlichen Linien schon stattgefunden haben. Auch Deutschland hat seit 1996 eine solche Spezialtruppe, das Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Calw, sie ist allerdings noch nicht im Kriegsumfeld. Doch was nicht ist wird wohl demnächst.

3. Die Chamäleon-Einheiten oder von "humanitären" Truppen zu Kämpfern

Robert Burns von AP schrieb es in der Frankfurter Rundschau ganz deutlich: "Auch wenn ein Teil der derzeit auf dem Balkan stationierten NATO-Soldaten vornehmlich mit humanitären Hilfsleistungen beschäftigt ist oder sich auf einen Einsatz in einem späteren Friedenskontingent vorbereitet, könnten diese Einheiten doch die Vorhut einer Invasionsstreitmacht bilden. Vorausgesetzt, die NATO-Führung beschließt, daß sie ihre Ziele nur noch mit dem Einsatz von Bodentruppen erreichen kann." 12.000 Soldaten der NATO sind derzeit in Mazedonien stationiert.

Dazu kommen die ca. 2.000 bis 8.000 in Albanien und die SFOR-Truppen in Bosnien-Hercegovina stationierten Truppen, alles enbenfalls Chamäleon-Einheiten, sie sind ebenfalls "umwandelbar".

4. Bodentruppen was ist das?

Aber was versteckt sich hinter dem Begriff "Bodentruppen" genau? Ich will es eigentlich nicht schreiben. Denn leider war bisher die Erfahrung, daß wir mit unseren Prognosen leider immer recht behielten.

Hinter dem Begriff Bodentruppen verbirgt sich der Einsatz von 200.000 bis 300.000 NATO-Soldaten. Lothar Rühl, früherer Staatssekretär im "Verteidigungs"ministerium und heute Professor an der Universität Köln hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) geschrieben, daß der derzeitige NATO- Oberbefehlshaber Wesley Clark 200.000 bis 300.000 bei einer Landoperation für ganz Serbien bräuchte. Rühl ist das zu viel des Guten, deshalb fordert er "den Luftkrieg wirken zu lassen", "dann wird die NATO den Krieg gewinnen", "auch ohne daß sie eine ganze Armee gegen Jugoslawien einsetzt, wohl aber mit dem Einsatz von Bodentruppen zum gegebenen Zeitpunkt, mit oder ohne Waffenstillstand zuvor."

Bodentruppen bedeutet, direkter Krieg in Jugoslawien, Totalzerstörung des Landes, Kampf und Krieg auf Jahre und auch Tote auf NATO-Seite, Kosovo könnte zum Vietnam der NATO werden. So werden Bundeswehr-Soldaten von höchstwahrscheinlichen Mördern (durch den Abwurf von Bomben auf Jugoslawien) wohl auch zu Füllmaterial für Zinksärge.

Kämpfen wir dafür, daß es nicht zu einem Bodenkrieg kommt. Die Zustimmung an der Heimatfront bröckelt. Laßt uns weiter daran arbeiten, mit Argumenten und Aktionen, daß dieser Krieg beendet wird!

Tobias Pflüger
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