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concert for anarchy
>> 247 märz 2000

T.Rex: Children of the revolution

"Revolutionen" sind längst zum beliebten Accessoire in einer auf Rückgriffen basierenden Kultur geworden. Vor allem in der Werbung werden mehr oder weniger profane Dinge mit Symbolen vergangener großer Geschichten geschmückt. Ein Hersteller von Fotoapparaten rühmt sich der technischen Beihilfe zum bekannten Che Guevara Foto, Telefontarife unterliegen einer Dauerrevolution und in der Mode gelten seit einiger Zeit die Siebziger als letzter Schrei. Die Popkulturforscher sehen darin eine allgemeine Tendenz zur "Retrokultur". Für die auch der Song "Children of the Revolution" heute funktionalisiert wird. Viele, die die 70er offenen Ohres durchlebt haben, werden die stampfenden Rhythmen und die einfachen Refrains noch als Ohrwurm wiedererinnern. Vor einem hohen, verzerrt klingenden Chor im Hintergrund, verkündet Bolan: Aber du wirst sie nicht an der Nase herumführen, die "Children of the Revolution". Ihm ist das bedingt gelungen, wenn es überhaupt zutrifft, daß in den Siebzigern Kinder der Revolution anzutreffen waren. Denn T. Rex hatten Erfolg. Sie lieferten Hits, denen in Kneipen und Diskos nur schwer zu entgehen war. Aber ihr Glam- Rock wurde auch als infantil und seicht abgelehnt und der affektierte Narzissmus Bolans als kommerzielle Strategie kritisiert. Marc Bolan, wie sich Mark Feld nannte, war kein Kind einer Revolution, sondern wurde in der Nachkriegszeit (1947) in London geboren. Seinen ersten Auftritt im Showgeschäft absolvierte er als "Mod", eine Scene deren modische Kleidung nur im Kontrast zu lässiger Kleidung "revolutionär" erscheint. Später wandte er sich esoterischen Kulten zu, arbeitete mit vielen elektronischen Effekten und kultivierte exzentrische Bühnenauftritte. Bolan begann seine Karriere zunächst im kleineren Kreis des "underground". Mehrere Bands dienten ihm als Stationen zu "seinen" T. Rex, mit denen er vollends zum Teenager-Star wurde, der Millionen Platten verkaufte und die Fans in Konzerten zum Kreischen brachte. Diesen Zielen opferte er nach einem Jahr der ersten Formation "Tyrannosaurus Rex" den sich nach links entwickelnden Bongospieler Took. T. Rex setzten seit 1970 erfolgreich auf eine Show, die den Kult um die Person Bolan förderte. Bolan war die Band. Autokratisch beendete er die fünfjährige Bandgeschichte und griff sie nach zwei Jahren wieder auf. Er führte seine Band an der Nase herum. Auch die Children of the Revolution waren für ihn nur eine Geldquelle, die am besten sprudelt, wenn sie sich so recht verscheißern ließen. Sein Bekenntnis im Text, er fahre Rolls Royce, weil es gut für seine "Voice" sei, hat seine persönliche Geschichte jedoch nicht bestätigt. Denn er kam - standesgemäß? - 1977 bei einem Autounfall ums Leben.

Children of the revolution

Well you can bump & grind
And its good for your mind
Well you can twist & shout
let it all hang out

But you won't fool the Children of the Revolution
No you won't fool the Children of the Revolution

Well you can bump & grind
And its good for your mind
I drive a Rolls Royce
'cause it's good for my voice

Marc Bolan
Zuerst veröffentlicht auf T.Rex: Tanx, 1973
Very Best of Marc Bolan, 1998

Kinder der Revolution

Gut, du kannst rackern und dich schinden
und es ist gut für dein Gefühl
Gut, du kannst dich drehen und brüllen
zeig es allen

Aber du wirst sie nicht an der Nase herumführen die Kinder der Revolution
Nein, du wirst sie nicht verscheißern die Kinder der Revolution

Gut, du kannst rackern und dich schinden
und es ist gut für dein Gefühl
Ich fahre einen Rolls Royce
weil es gut für meine Stimme ist

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