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252 oktober 2000
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stern / zerbrochenes gewehr
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Gratulation zum 50.

Wetterleuchten! Künstler-Manifeste des 20. Jahrhunderts, Edition Nautilus, Hamburg 2000, 128 S. / m. Abb. / 18 DM

Wenn wir früher mal von der 'klammheimlichen Freude' gesprochen haben, dann meinten wir wohl etwas anderes, als der klammheimlichen Freude über ein Jubiläum einer Buch-Reihe aus dem Hamburger Nautilus-Verlag. Ohne großes Trara wurde in diesem Sommer der 50. Band der "Kleinen Bücherei für Hand und Kopf" ausgeliefert, ohne dass die Fanfaren erklangen, und das Konfetti durch die Luft wirbelte - jedenfalls ist mir ähnliches nicht aufgefallen.

Der Verlag scheint es schon gemerkt zu haben, denn der 50. Band dieser Reihe ist programmatisch: "Wetterleuchten!" Der Band versammelt KünstlerInnen-Manifeste des 20. Jahrhunderts, die die Gesellschaft und vor allem die Kunst widerspiegelten bzw. nachhaltig beeinflussten. Ob russischer Konstruktivismus, Futuristen, Dada, Surrealismus, die französischen Lettristen (über die m.E. zu wenig bekannt ist), die Situationisten u.v.m., kommt hier in grundlegenden Aussagen zu Wort - auch wenn sie manchmal gegeneinander arbeiteten. Aber, und das macht dieses Büchlein eben interessant, geht es auch um "feministische Brückenköpfe" oder die noch weniger bekannten Avantgarde-Bewegungen von polnischen oder rumänischen KünstlerInnen. Bei aller Plakativität (einiger) dieser Pamphlete, so handelt es sich doch um kreative Auseinandersetzungen mit der Gesellschaft in einem progressiven Sinne. Diese Arbeit wird wohl so lange gemacht werden bis sich diese Gesellschaft in eine kreative, selbstbestimmte verändert, solange brauchen wir die ProvokateurInnen, die Kunst-Guerilla, die uns mit ihren Mitteln auf Mißstände aufmerksam macht, mitunter sie uns entgegenschreit. Leider sind z.Zt. nicht mal die Hälfte der veröffentlichten Titel dieser Buchreihe lieferbar, wo es nicht nur um Kunst im engeren Sinne geht, aber immer frei nach der Devise des Dada- und Surrealisten Francis Picabia: "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann." In diesem Sinne harren wir der Dinge und warten auf die nächsten 50 Ausgaben 'für Hand und Kopf'. Inzwischen lässt sich vielleicht was mit den Händen machen. Lutz Schulenburg, Hanna Mittelststädt und der restlichen Verlagscrew ist zu gratulieren mit Fanfaren und Konfetti, oder so...

Jochen Knoblauch
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