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Herausforderungen und Antworten gewaltfreier und anarchistischer Bewegungen in anderen Sprachräumen

Rudolf de Jong

Er hat es nicht geschafft, einen eigenen Text für den Reader zu schicken. Wir empfehlen zur Einführung seinen Aufsatz aus GWR 200, S.14/15: Wiedereroberung der Straße? Sozialökonomische Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert

Michael Randle

Daß von Michael Randle ebenfalls kein Text vorliegt, haben wir selbst zu verantworten. Wir empfehlen als Einführung seinen Text "Der Befreiung entgegen", erschienen in Wolfram Beyer (Hrsg.): Gewaltfreie Revolution, OPPO-Verlag Berlin

Claire Auzias und Marianne Enckell

haben sich im Sommer zu einer gemeinsamen Vorbereitung getroffen. Hier ihr gemeinsames Papier.

Wir, Claire und Marianne, haben uns entschlossen, einige Themen gemeinsam vorzuarbeiten, halten jedoch zwei individuell unterschiedlich gefärbte Vorträge.

Die uns gestellten Fragen wollen wir in zwei Blöcken behandeln.

(1) Persönliche Bestandsaufnahme der letzten 30 Jahre

Da wir schon etwas älter sind als die Graswurzelrevolution, werden wir mit dem Jahr 1967 beginnen.

Claire war in den USA, auf einem Campus in Vermont, wo sie die Gegenkultur, die Beatniks, die Pille, die Frauenbewegung und die Black Liberation Movement kannte: was für ein Glück, diese Blütezeit der Freiheit!

Marianne war am Ende des Studiums und trat ins "aktive Leben" ein. Den Anarchismus hatte sie durch die Anti-Franco- und die antimilitaristische Bewegung kennengelernt, sie arbeitete dann in der anarchistischen Bibliothek CIRA und mit der Gruppe Anarchisme et non violence (Anarchismus und Gewaltlosigkeit). Es begann aber eine Zeit, in der sie durch anderes bewegt wurde.

Mai 1968. Die eine ist in Lyon in der "Bewegung 22. März" und an den Barrikaden aktiv, konfrontiert mit radikaler Gewalt; die andere lebt in Genf, wo die Bewegung "17. Mai" heißt und die Einheit von ArbeiterInnen, StudentInnen, Lehrlingen und SchülerInnen die radikalste Utopie darstellt.

Claire übernimmt die gewaltsamen Analysen dieser Jahre, bis hin zur Praxis der "individuellen Enteignung" - dann bis zum Blut, zum Gefängnis, zur Sucht.

Nach einer Zeit des Umherstreunens trifft Marianne auf Kommunen, Kriegsdienstverweigerer, Frauen- und Homosexuellenbewegungen. Anarchisme et non violence findet ihr Ende.

Um 1975 kehrt die Vernunft zurück. Claire ist aktiv in der Frauenbewegung in Lyon, beschäftigt sich später bis 1988 mit feministischen Studien in Paris. Marianne, die immer mit dem CIRA beschäftigt ist, nimmt an Interrogations teil, einer Zeitschrift für internationale anarchistische Forschungen, an Studien über Technobürokratie und Spätkapitalismus, und knüpft Kontakte nach Italien.

Der Mord an Pinelli 1969, der Tod von Holger Meins, Andreas Baader und Ulrike Meinhof, die Zeugnisse aus dem Gefängnis von Petra Krause und von italienischen GenossInnen erschüttern uns während all diesen Jahren und zwingen uns, Grundentscheidungen zu treffen. Mensch kann nicht von Stadtguerilla sprechen und in Kirmesbuden schiessen üben; mensch kann nicht mehr sagen, in einer Zeit wo der Staat so gewalttätig wirkt, daß es die gewalttätigen AnarchistInnen sind, die die Gewalt legitimieren.

1984, internationales AnarchistInnentreffen in Venedig. Fünf Jahre Energie für Marianne, mit der Zeitschrift MA! in Genf und einer Bezugsgruppe, die die richtigen Fragen stellt und außerordentliche Ansprüche hat. 1989, Fall der Mauer. Durch ihre Kontakte mit Roma in Osteuropa entdeckt Claire erneut ein Zusammengehörigkeitsgefühl, menschliche Wärme, allerlei Phantasien.

Heute treffen wir uns wieder im CIRA, bei internationalen Symposien, auf einer Tagung über Anarchismus und Gewaltlosigkeit...

(2) Aktuelle Betätigungsfelder

Claire wird folgendes ansprechen:

  • die Frauenbewegung, und warum sie sie verlassen hat,
  • den Aufstieg des National-Populismus in Frankreich und neue Kampf- und Organisationsformen, wie z.B. die Gruppe Réflex-Scalp,
  • die Roma und deren emanzipatorische Herausforderungen

Marianne möchte folgende Fragen ansprechen:

  • Menschenrechte, soziale Rechte, "reformistische" Aktivitäten,
  • das Bedürfnis nach Legitimation, nach Anerkennung,
  • die angeblichen nationalen Besonderheiten des Anarchismus.

Wir freuen uns über diese Gelegenheit, uns auf internationaler Ebene auszutauschen und Kontakte zwischen Kulturen, Geschichten, Generationen knüpfen zu können.

Bietet der klassische Anarchismus Lösungsmöglichkeiten für aktuelle Probleme? Ohnehin, wie jedes klassische Denken, weil es kein anderes Denken gibt als das klassische, das aufgeklärte. Wenn das Denken eine atheistische Aktivität ist, ohne Dogmen und ohne vorgefaßte Rezepte - seien sie anarchistisch oder nicht -, warum sollten wir plötzlich ein Denken für ungültig erklären? Hat sich etwas auf der Erde so weit geändert, daß unsere Werkzeuge überlebt sind? Ist es nicht mehr nötig, nachzudenken?

Claire Auzias, Marianne Enckell, September 1997
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