graswurzelrevolution
302 oktober 2005
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stern / zerbrochenes gewehr
editorial

Anarchie in Berlin?

Verteilt die Macht, damit sie keineN mächtig macht!

Liebe Leserinnen und Leser,

was uns die PolitikdarstellerInnen in Berlin unmittelbar nach der Bundestagswahl geboten haben, ist für AnarchistInnen eine Bestätigung ihrer parlamentarismuskritischen Thesen.

In der am Wahlabend abgehaltenen "Elefantenrunde" hat uns Gerhard Schröder ein Beispiel dafür gegeben, was passieren kann, wenn Menschen zu viel Macht haben. Schwere Zeiten für KabarettistInnen, wenn sich selbstverliebte Politiker so realsatirisch benehmen, dass sie kaum noch zu karikieren sind. Das Kleben am Regierungssessel, der Realitätsverlust, der bei der Besatzung im "Raumschiff Bundestag" stattfindet, die Tendenz zur Selbstverherrlichung, der Rausch und die Arroganz der Macht, selten war das für so viele Menschen so spürbar, wie in dieser Wahlnacht.

Bakunin wusste schon vor 140 Jahren: "Gib dem größten Revolutionär Macht und er wird zum Tyrannen". Oder, so müssen wir heute ergänzen, zu einer Witzfigur. Der (Noch-)Kaiser ist nackt und seine Parteisoldaten stehen stramm.

"Die Chaos-Wahl. Keine Macht für niemand", so titelte Der Spiegel daraufhin auf seinem Wahlsonderheft ´05.

Keine Macht für Niemand? Anarchie in Berlin?

Der semantische Ursprung des Wortes "Anarchie" findet sich in der griechischen Sprache. "Anarchie" leitet sich vom griechischen "an-archia" (ohne Herrschaft) ab. Ursprünglich, in der Antike, benutzten die Griechen den Begriff für die Zeit zwischen den Wahlen, für einen Zustand ohne Führung. Von daher liegt der Spiegel mit seinem von der Anarchorockband Ton Steine Scherben geklauten Titel nicht ganz falsch.

Aber mit unserem Ziel einer herrschaftsfreien, gewaltlosen Gesellschaft hat diese Form von "Anarchie" nicht viel zu tun. Stärker noch als im Bundestag manifestiert sich Herrschaft hierzulande in den Zentralen von Deutsche Bank, DaimlerChrysler, Bertelsmann, Springerverlag und Co.

Wer auch immer die neue Regierung bilden wird, wird weiter im Sinne der Wirtschaftslobby und der mit ihr verwobenen Massenmedien arbeiten. Das heißt, die neoliberale Politik der Umverteilung von unten nach oben, die Militarisierung, die Atomstaatspolitik, die menschenunwürdige Abschiebepraxis und Asylpolitik, der Abbau von Grundrechten und der Ausbau des Repressions- und Überwachungsapparates werden fortgesetzt.

Fazit:

Unser Widerstand von unten gegen die Politik von oben ist notwendiger denn je.

Bernd Drücke (GWR-Koordinationsredakteur), 24.9.05

inhalt
transnationales

Das Versinken der Stadt New Orleans

Die umgelenkte ArbeiterInnen-Revolution
>> Ein viertel Jahrhundert nach der Gründung der ersten unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc ist die Restauration des Kapitalismus in Polen vollzogen

"Lasst New Orleans nicht sterben"


aktuelles

Zur Hölle mit den Anderen
>> Die "offene Gesellschaft" und ihre Freunde

Keine Satire
>> Es geht mit Deutschland voran. Es lebe der Charity-Konsum!

Schluss mit den Angriffen auf die Pressefreiheit!
>> Wir protestieren gegen die Repression gegen LabourNet und aaa

Gendreck weg-Erntefest
>> Gentechnik-GegnerInnen bekennen sich zu Freiwilligen Feldbefreiungen und kündigen weitere Aktionen an

Der kurze Herbst der Anarchie
>> Oder: Wie wählten Anarchisten?

Linkes Ruckeln
>> Das Sozialforum in Erfurt

A-Camp 2005

Stoppt deutsche Waffen in aller Welt!
>> Anti-Kriegs-Demo zwecks Abschaffung des Bombodroms in Nordhorn

Veranstaltungsangebot zum Bertha-von-Suttner-Jahr


kommentar

Reaktionäre Botschaft im Pop-Gewande


transnationales / antimilitarismus

"Einen langen Atem entwickeln"
>> Der Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan wurde vom türkischen Militärgericht zu vier Jahren Haft verurteilt


libertäre buchseiten

"Das A im strahlenden Kreis"
>> Von linkeck zu Bakunin - 35 Jahre Karin Kramer Verlag. Ein Interview mit Karin und Bernd Kramer

Anarchismus und Lebensreform
>> Franz Prisching: G'roder Michl, Pazifist und Selberaner

Setzkasten
>> Neues vom Verlag Graswurzelrevolution

Tierra y Libertad
>> Drama en cuatro Actos

"Anarchismus in der Postmoderne"
>> Beiträge zur anarchistischen Theorie und Praxis

Nelly Sachs und Simone Weil
>> Zwei "große Beunruhigende"

War is a Crime against Humanity

Neoanarchismus

Feministisches und marxistisches Denken für das 21. Jahrhundert
>> Der Argument-Verlag publiziert historisch-kritische Stichworte für die sozialen Bewegungen

Alternativen zur Sozialdemontage

Die Dritte Welt im 2. Weltkrieg
>> "Unsere Opfer zählen nicht", ein Dokument aus Sicht der Kolonialisierten


bücher

Operaismus
>> Ein Kapitel Bewegungsgeschichte mit Gegenwartsbezug

Realzapatistischer Kollektivismus
>> In "Das Aroma der Rebellion" analysiert Philipp Gerber die alternative Kaffee-Ökonomie im Rahmen des indigenen Aufstandes in Chiapas, Mexiko


antirassismus

Safari mit "Buschleuten"
>> Protest gegen rassistische Ausstellung in Erfurt


anti-atom

Anti-Atom-Bewegungen in Russland
>> "Radiation knows no borders, so neither do we". Ein Interview mit Julia zum Widerstand in Ekaterinburg

Kriminalisierung wegen der Proteste gegen die Ahaus-Castoren


anarchismus

Coming Out für Linksradikale


aktion

gewaltfreiheit globalisieren
>> War Resisters' International Konferenz: 23.-29. Juli 2006, Schloss Eringerfeld, Paderborn


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