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325 januar 2008
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In Bewegung bleiben - Perspektiven schaffen!

Auf zu den Perspektiventagen vom 17.-20. Januar 2008 in Berlin

Die Perspektiventage sind ein Versuch verschiedene Menschen und Bewegungen, die für emanzipatorische Veränderung kämpfen, zusammen zu bringen und ihre Ideen und ihre Politik spektren- und themenübergreifend aufeinander zu beziehen.

Das heißt, Fragen gemeinsam zu stellen und für Perspektiven nach Verbindungspunkten zu suchen. Dies erwächst aus der Hoffung, dass aus Kristallisationspunkten eine Stärke und Qualität entsteht, die Emanzipation voranbringt und Kämpfe gesellschaftlich sichtbarer macht.

Die Perspektiventage machen einen Raum auf, der Platz für Reflexion, Suchbewegungen, Aktionen und Planungen ermöglicht. Sie stellen ein Experiment dar, dass den Versuch wagt, kein herkömmliches Kongresskonzept zu setzen, sondern eine Struktur bereit zu stellen, die einerseits einen klaren Rahmen schafft, andererseits kaum Inhalte vorgibt und trotzdem zu konkreten Perspektiv-Verabredungen kommen will. Inhaltlich vorbereitete Blöcke sollen sich mit offenen Blöcken abwechseln, dies beinhaltet breite Formen der Beteiligung unter Einsatz verschiedener Moderationstechniken. Partizipative Formen wie Fishbowl und Open Space werden transformiert und ausprobiert. Dies fordert viel von den Teilnehmer_innen, denn aktives, verantwortliches Mitgestalten ist auch anstrengend. Weder unmoderierte Großplena, wo sich oft die Lautesten und Stärksten durchsetzen, noch frontale Podien, die die Teilnehmer_innen zu reinen Zuhörer_innen degradieren, sind erstrebenswert. Doch Orte, an denen offene Räume, Fishbowl oder Open Space ausprobiert wurden (u.a. BUKO, CampInski), blieben in der Vergangenheit oft ungenutzt oder verstummten bald, da die aktive Debatte nicht gewagt wurde. Kommunikation ist auch ein Übungsfeld und jede unbekannte Form muss sich erst angeeignet werden. Die Perspektiventage sind in diesem Punkt auch ein Lernfeld. Genau wie die Moderationsgruppe, die im Vorfeld in einem Moderationsseminar am 5./6.Januar 2008 in Berlin lernen möchte, wie Moderation so wenig manipulierend wie möglich einen emanzipatorischen Prozess begleiten kann.

Wie kam es zu all dem?

Die Perspektiventage sind eine Reaktion auf die Prozesse, die rund um Heiligendamm bei den G8 Protesten in Gang gesetzt wurden. Hier kamen spektrenübergreifend Menschen und Bewegungen zusammen. Nach den Protesten entstand ein Vakuum, denn die Debatten und Erprobungen, die in den Camps und bei den Blockaden in Gang gesetzt wurden, hatten keinen anknüpfenden Ort.

Diesen möchten die Perspektiventage ermöglichen und damit Raum für Fragen geben, die auch über die G8 Proteste hinaus und auch für Leute und Bewegungen von Bedeutung sind, die nicht dabei waren oder sich nicht beteiligt haben.

Fragen nach Veränderung: In was für einer Welt wollen wir leben? Wie können wir das erreichen? Inwieweit können wir schon heute Veränderung leben?

Entscheidend ist hier der themen- und spektrenübergreifende Bezug, der immer wieder hergestellt werden soll. Denn die Proteste um Heiligendamm haben gezeigt, welche Kraft und Dynamik sich entfalten kann, wenn über Spektrenabgrenzungen hinweg zusammen agiert wird. Dies gilt auch für die Themen. Viele Bewegungen sind Teilbereichsbewegungen, die sich einem Themenfeld widmen oder Partikularinteressen vertreten und nur punktuell den Bezug zu anderen Bewegungen suchen. Wie kann die Kampagnenpolitik, die vielerorts vorherrscht, Schnittstellen aktivieren? Bei welchen Themen und Kämpfen kommen wir zusammen? Das sind Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt werden. Ebenso eine Reflektion der unterschiedlichen Protest- und Widerstandsformen und in wie weit sie nachhaltig wirken. Die Perspektiventage sind Mitmachtage, die davon leben, dass sich Viele einbringen mit ihren Ideen, Fragen und Inhalten, auch in der Organisation und in der Moderationsgruppe.

Lisa Machwas, Vorbereitungsgruppe
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