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332 oktober 2008
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Geschichtsschreibung von unten

Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

Rheinisches JournalistInnenbüro/Recherche International e.V. (Hg.): Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte, Köln 2008, 224 DIN A4-Seiten, ISBN 978-3-9812168-0-6, 15 Euro

Im Oktober 2005 wurde das bei Assoziation A erschienene Buch "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" in der Graswurzelrevolution Nr. 302 ausführlich besprochen. GWR-Autor Markus Beinhauer bezeichnete es als "fundiertes Nachschlagewerk, das in keiner öffentlichen Bibliothek fehlen sollte". Das ORF stellte fest, dass die "vielfältigen Perspektiven dieses Buchs ... die Dimension des Welt-Kriegs bewusst" machen, was entsprechende Konsequenzen für die Geschichtsschreibung haben sollte.

"Wir haben diese Anregungen aufgegriffen und in zweijähriger Arbeit in Zusammenarbeit mit Lehrern, Historikerinnen und Erziehungswissenschaftlerinnen Unterrichtsmaterialien zum Thema entwickelt, die gerade erschienen sind", erklärt Mitherausgeber Karl Rössel in einem Brief an die GWR-Redaktion.

Das freut uns sehr. Die Unterrichtsmaterialien enthalten fundierte Hintergrundtexte, historische Quellen sowie bewegende Berichte von ZeitzeugInnen über Folgen des Zweiten Weltkriegs in Asien, Afrika und Ozeanien. Zeittafeln, Karten und 200 Fotos erleichtern den Einstieg ins Thema. Im Anhang werden Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung gemacht sowie Filme, Bücher und Radiosendungen vorgestellt. Auf einer beiliegenden CD finden sich 32 Hörbeispiele von ZeitzeugInnen aus 13 Ländern im Originalton sowie eine PDF-Datei aller Texte, Fotos und Karten des Buches.

Während die meisten historischen Bücher die Geschichte aus Sicht der Herrschenden darstellen, betreiben die AutorInnen von "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" im besten Sinne Geschichtsschreibung von unten. Sie beleuchten ein wichtiges Kapitel, das bisher in der offiziellen Geschichtsschreibung kaum vor kommt.

"Mit Entsetzen stellten die von der Front zurückkommenden afrikanischen Soldaten fest, dass sie, zu Hause angekommen, erneut den Status des Kolonialisierten einnehmen mussten und sich jedem Weißen zu unterwerfen hatten. Diese bittere Erfahrung lieferte den Nährboden für die Unabhängigkeitsbewegungen", so der Kameruner Historiker Kum'a Ndumbe III. Brutal gingen die Kolonialmächte nach Kriegsende gegen die - vor kurzem noch - Gefährten vor. So tötete die französische Armee am 8. Mai 1945 in Algerien bis zu 45.000 ehemalige Soldaten und ZivilistInnen, die de Gaulle an sein Versprechen erinnern wollten, dem Land mit Kriegsende die Freiheit zu geben.

Das vom Rheinischen JournalistInnenbüro herausgegebene Buch ist herausragend. Es gehört nicht nur in jede Schule und in jedes sozialwissenschaftliche Uni-Seminar, sondern ist für alle historisch interessierten Menschen von unschätzbarem Wert.

Bernd Drücke
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