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>> 346 februar 2010

Bisher schwerster Störfall in der Gronauer Urananreicherungsanlage

Anti-Atomkraft-Bewegung fordert die sofortige Stilllegung der UAA

Am 21. Januar 2010 hat sich in der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau der bisher schwerste Störfall ereignet.

In der Anlage trat Uranhexafluorid aus. (Uranhexafluorid ist radioaktiv und reagiert mit Wasser zu Flusssäure). Ein Arbeiter wurde kontaminiert und zunächst in ein Gronauer Krankenhaus gebracht. Dort angekommen, wurde er postwendend in ein Krankenhaus in den Nachbarort Ochtrup transportiert, um dann letztlich nach Münster gebracht zu werden.

Ersten Angaben zufolge bestand für die Bevölkerung "natürlich" keine Gefahr und dem betroffenen Arbeiter sei es gut gegangen.

Da wunderte man sich jedoch, weshalb er dann mit einem Krankenwagen in das Gronauer Krankenhaus gebracht werden musste …

Zwischenzeitlich wurde, kurz vor Redaktionsschluss der Graswurzelrevolution, am 23. Januar bekannt, dass im Urin des Arbeiters Uran nachgewiesen wurde.

Die Gronauer Urananreicherungsanlage ist seit dem 15. August 1985 in Betrieb. Ihr Zweck: Vorbereitung von Natururan für den späteren Einsatz in Atomkraftwerken. Seit 1985 hat es bereits wiederholt "meldepflichtige Vorkommnisse" in der UAA gegeben. Dabei wurde nach offiziellen Angaben aber bislang noch nie ein Mitarbeiter der Anlage in Mitleidenschaft gezogen. Der jüngste Störfall hat somit eine neue Qualität erhalten.

Seitens der Anti-Atomkraft-Bewegung wurde schon länger befürchtet, dass das Ausmaß der Störfälle mit zunehmendem Alter der Anlage zunehmen würde.

Diese Befürchtung hat sich bewahrheitet. Die wichtigste Konsequenz, die daraus zu ziehen ist: Die UAA Gronau muss sofort stillgelegt werden (alle anderen Atomanlagen natürlich auch). Selbstverständlich muss auch der genaue Hergang des Störfalls aufgearbeitet werden. Alle Informationen, auch über Freisetzungen, müssen auf den Tisch.

Der jüngste Störfall in der UAA Gronau war am Tag danach ein Thema, das bundesweit für Resonanz sorgte. Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände in Gronau, im Münsterland und weit darüber hinaus forderten die Stilllegung der UAA. Am späten Nachmittag des 22. Januars versammelten sich 35 AtomkraftgegnerInnen zu einer spontanen Mahnwache vor dem Tor der UAA. Am 24. Januar 2010 nahmen 100 Leute an einer Mahnwache vor dem Gronauer Rathaus teil, um den Protest zu den Verantwortlichen in Gronau zu tragen. Die Stadt ist zwar nicht die zuständige Genehmigungs- und Aufsichtbehörde, Bürgermeister und Stadtrat könnten aber den bisherigen Schmusekurs gegenüber dem Betreiberkonzern Urenco aufgeben und sich massiv für die Stilllegung der UAA einsetzen. Da es seit der Kommunalwahl Ende August 2009 eine neue Mehrheit im Gronauer Stadtrat "links" von der CDU gibt, sind neue Töne aus dem Rathaus Richtung Urenco nicht ausgeschlossen.

Immerhin: Ende 2009 hat sich die Stadt gegen den Bau eines neuen AKW in den Niederlanden ausgesprochen.

Nachdem 2005 noch der massive Ausbau der UAA Gronau unter Rot-Grün in Düsseldorf und Berlin genehmigt wurde und 2011 mit dem Bau eines Uranoxid"zwischen"lagers neben der UAA begonnen werden soll, erscheint die Hoffnung auf ein baldiges Ende des atomaren Spuks in Gronau etwas utopisch.

Doch erinnern wir uns: Früher gab es in der Atom-Stadt Hanau sogar mehrere Atomfabriken.

Und inzwischen sind alle stillegelegt. Das Unmögliche lässt sich also mitunter doch realisieren. Warum nicht auch in Gronau?

Ende der 90er Jahre gab es schon einmal in Gronau breitere Proteste (3000 Unterschriften von wahlberechtigten Personen) gegen die UAA nach einem Störfall, damals ohne Personenschaden. Jetzt wurde Urenco demaskiert, alle Verharmlosungen endeten mit einem Mitarbeiter in der Klinik. Das kann neue Proteste und Sorgen um das eigene Leben schüren. Ergänzend zum örtlichen Protest ist auch, wie in der Vergangenheit, die überörtliche Unterstützung des Widerstandes gegen die UAA wichtig.

In Planung ist bereits eine Aktion am Ostersonntag (4. April 2010) im Rahmen der bundesweiten Ostermarschaktivitäten.

Schließlich ist nicht nur die Radioaktivität in der UAA gefährlich, sondern ebenfalls die Anreicherungstechnik als solche, die grundsätzlich auch zur Produktion von Atomwaffen dienen kann (Stichwort Pakistan / Iran). Es ist auch davon auszugehen, dass die inzwischen traditionellen Sonntagsspaziergänge an der UAA, die seit Ende 1986 immer am ersten Sonntag im Monat stattfinden, wieder mehr Zulauf bekommen werden. Wichtig für den UAA-Widerstand wird auch die NRW-Tschernobyl-Demonstration am 24. April in Ahaus sein.

Wer den Widerstand gegen die UAA unterstützen möchte, kann sich direkt mit dem AKU Gronau in Verbindung setzen (Tel. 02562-23125) und sich über dessen Homepage auf dem Laufenden halten: www.aku-gronau.de.

Udo Buchholz (AKU Gronau / BBU-Vorstandsmitglied)
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