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352 oktober 2010
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Durchblick aus dem Knast

"Power durch die Mauer, bis sie bricht"

Thomas Meyer-Falk, Nachrichten aus dem Strafvollzug, Blaulicht Verlag 2010, ISBN 978-3-941552-04-3, 9,90 Euro

Seit Jahren berichtet Thomas Meyer-Falk immer wieder kritisch aus dem Knast heraus, thematisiert gesamtgesellschaftliche wie auch knastspezifische Themen. Nun ist ein Sammelband von Gedichten und Texten unter dem Titel "Nachrichten aus dem Strafvollzug" erschienen. Das Buch beinhaltet Beiträge zu Sicherungsverwahrung, Zwangspsychiatrisierung, Zwangsarbeit in Knästen und vielem mehr.

In einem Blick in die Vergangenheit berichtet der Autor von Gefängnisprotesten in den 70er Jahren und von Gewalt- und Racheakten an den Gefangenen durch Gefängniswärter. 1973 wurde z.B. ein fünfundzwanzigjähriger Inhaftierter der JVA Mannheim von drei Wärtern in seiner Zelle umgebracht. Das Buch fordert auf, diese Geschehnisse nicht zu vergessen und immer wieder daran zu erinnern.

Es kommt auch zur Sprache, wie resigniert, unpolitisch und duckmäuserisch die meisten Gefangenen agieren. Dass Knast Menschen kaputt macht, ist sicher nicht überraschend und doch ist der Frust widerständiger, wacher Gefangener ob ihres Umfelds verständlich. Umso erfreulicher, dass es noch inhaftierte Menschen gibt, die nach dem Motto handeln "Freiheit muss man sich nehmen".

Obwohl das Buch keinem roten Faden folgt und sich einige Texte inhaltlich überschneiden oder ähneln, bietet es gerade durch die vielen Einzeltexte einen Einblick mit welch absurden Problemen Menschen in Haft konfrontiert sind und wie auch Gefangene den Sozialabbau zu spüren bekommen.

Der Autor resümiert mit den Worten: "Strafvollzug und Verbrechen eignen sich als Projektionsfläche für Ängste und als Instrument ‚Sicherheitspolitik' zu betreiben und Auflage bzw. Einschaltquote zu steigern. Objektiv rechtfertigen lassen sich die Steigerung der Zahl der Gefangenen und Verwahrten ebenso wenig, wie der Rückgang der Vollzugslockerungen. Letztlich sind Gefangene auch nur Spielball von Politik, Justiz und Medien."

Es bleibt zu hoffen, dass dieses wertvolle Buch die notwendige Debatte um die Alternativen zu Knast und Strafe anstößt.

Hanna Poddig
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