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372 oktober 2012
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Ein Beitrag zur Erforschung der Neuen Sozialen Bewegungen

Hartmut Rübner: "Die Solidarität organisieren". Konzepte, Praxis, Resonanz linker Bewegung in Westdeutschland nach 1968

Hartmut Rübner: "Die Solidarität organisieren". Konzepte, Praxis, Resonanz linker Bewegung in Westdeutschland nach 1968, Rotes Antiquariat - Plättners Verlag, Berlin 2012, 16,80 Euro, ISBN 9783980880725

"Für die Entwicklung der Linken nach 1968", schreibt Hartmut Rübner, "waren zwei Fragen von entscheidender Tragweite.

Erstens: Welche Organisationsform ist für eine Gesellschaftstransformation geeignet und zweitens: Wie sind die von den Verfolgungsmaßnahmen von Polizei und Justiz betroffenen Genossinnen und Genossen notwendigerweise zu unterstützen" (S. 21).

Weil diese beiden Fragen zusammenhingen, ist Rübners Arbeit nicht nur eine Geschichte der Solidaritätsbewegung, die sich als Reaktion auf die staatliche Repression gegen die neuen Sozialbewegungen nach 1968 bildete, sondern gleichzeitig eine Geschichte der zahlreichen Gruppierungen aus dem Spektrum der Neuen Linken, die sich jenseits der realsozialistischen DKP und der damals reformorientierten SPD orientierten.

Die "Justizkampagnen des SDS" gegen die Verfolgung der 1968er Bewegung durch Polizei und Justiz bildeten die Vorgeschichte für eine breite Solidaritätsbewegung, aus der Anfang der 1970er Jahre die Rote Hilfe hervorging, die sich bald in einen maoistisch-parteikonformen und einen autonomen Flügel spaltete. Mit dem autonomen Flügel verbunden war das international vernetzte Schwarzkreuz, das sich 1971/72 aus dem Anarchosyndikat Wetzlar bildete.

In Zusammenarbeit mit der Exilorganisation der CNT organisierte das Schwarzkreuz, zu dessen Aktivisten Horst Stowasser gehörte, u.a. Protestversammlungen spanischer ArbeitsmigrantInnen gegen unerträgliche Bedingungen in Wohnheimen.

Eine wichtige Rolle in der Solidaritätsbewegung spielten auch die mit der Roten Hilfe verbundenen linken Anwaltskanzleien und das Sozialistische Büro, das mit dem Pfingstkongress 1976 und dem Russell-Tribunal 1978 öffentlichkeitswirksame Kampagnen gegen die staatliche Verfolgung durchführte.

In den 1970er Jahren sind Rote-Hilfe Gruppen für 90 Orte der Bundesrepublik und Westberlin nachweisbar. Welche rege publizistische Tätigkeit sie entwickelten und wie weit der Horizont dessen, was man als politische Repression definierte, ist dem sorgfältig bearbeiteten Anhang "Verzeichnis der Broschüren der Solidaritätsinitiativen (1967-1980) zu entnehmen (S. 239-267). Inhaltlich handelt es sich dabei vor allem um juristische Ratgeber-Literatur, Analysen zu Berufsverboten, Strafvollzug, Psychiatrie und Ausländergesetzgebung, interne Programmschriften und Rechenschaftsberichte.

Rübner löst seinen Anspruch, einen Beitrag zur "Erforschung der Neuen Sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik" zu leisten und "darüber hinaus auch zum Verständnis des Spannungsverhältnisses von linkem Radikalismus und dem Komplex der Inneren Sicherheit" beizutragen, ein (S. 17).

Ich kann mich deshalb dem Urteil von Karl Heinz Roth anschließen, der in seinem Geleitwort schreibt, das Buch "schließt eine Forschungslücke der bundesdeutschen Geschichte, und nähere sich "mit der gebotenen Distanz einem Schlüsselproblem der neuen Sozialbewegungen seit dem Ende der 1960er Jahre" (S. 7)

Dieter Nelles
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