graswurzelrevolution
292 oktober 2004
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stern / zerbrochenes gewehr
editorial

In Liebe und Dankbarkeit
Wir trauern um Wolfgang Zucht

Liebe Leserinnen und Leser,

als drittgrößter Waffenexporteur der Welt ist Deutschland mitverantwortlich für die meisten Kriege. Sechzig Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Kriegen, die auch mit deutschen Waffen geführt werden. Eine der Ursachen, die sie zur lebensgefährlichen Flucht nötigt, ist der Waffenexport. "Kleinwaffen sind weltweit für mehr Tote, Verletzte und Flüchtlinge verantwortlich als jede andere Waffenart. Wir wollen die bestehende Logik umkehren: Anstatt offene Grenzen für Waffen wollen wir Menschen in Not aufnehmen und zugleich durch ein Verbot von Rüstungsexporten und besonders von Kleinwaffen und Munition dafür sorgen, dass künftiges Leid durch Krieg, Terror und Gewalt verhindert wird", so die DFG-VK. Sie ruft gemeinsam mit anderen Organisationen unter dem Motto "Grenzen öffnen für Menschen, Grenzen schließen für Waffen!" zu einer Protestaktion am 3. Oktober um 14.30 Uhr auf dem Römerberg in Frankfurt/M. auf. (1)

Die Situation der Geflüchteten in Deutschland, Ungarn, Dänemark, Frankreich und Österreich, rassistischer Terror, aber auch das erfreulich solidarische Verhalten von vielen sind Themen dieser GWR. Außerdem: Anti-Atomkraft, TTIP, Repression, Klimabewegung, Syriza, Anarchismus,...

"Neue Ideen werden nur bekannt aufgrund der Beharrlichkeit einer wagemutigen Minderheit!" (Bart de Ligt)

Dass die GWR so langlebig ist und heute auch in nicht anarchistischen Kreisen ein hohes Ansehen genießt (vgl. GWR 401), haben wir nicht zuletzt Wolfgang Zucht zu verdanken.

Seit 1958 war er Mitglied der Internationalen der Kriegsdienstgegner (IdK). Zwischen 1960 und 1965 lebte er in Hannover und kam durch den Ostermarsch gegen Atomwaffen in Kontakt mit einem Freundeskreis, der sich um die Kriegsdienstverweigerung herum gebildet hat. (2) Beeinflusst u.a. von Tolstoi, Gandhi, Landauer und Kropotkin gründeten sie im April 1965 die "Direkte Aktion" als "Organ gewaltfreier Anarchisten" (Untertitel). Sie erschien 13mal bis 1966 und war eine Vorläuferin der 1972 in Augsburg gegründeten GWR.

Von 1965 bis 1973 lebten Wolfgang und seine geliebte Frau Helga Weber in London und arbeiteten dort im Büro der War Resisters' International (WRI), dem antimilitaristischem Netzwerk, dem auch die GWR angehört. Nach ihrer Rückkehr nach Kassel wurden beide Mitherausgeber/in der GWR. Wolfgang war bis zuletzt im GWR-HerausgeberInnenkreis aktiv. Helga ist es noch immer.

Beide haben mit ihrer Warmherzigkeit, ihrem solidarischen Handeln und dem 1976 gegründeten Verlag Weber, Zucht & Co. die Graswurzelbewegung und ihr Organ geprägt (3). Wolfgang war ein lieber Freund und Genosse, ein wundervoller und liebenswerter Mensch. Am 30. Januar wurde er 86 Jahre alt. Am 17. September 2015 ist er gestorben. Wir werden ihn nicht vergessen und widmen ihm und Helga diese und die kommenden Ausgaben.

Bernd Drücke (GWR-Koordinationsredakteur)

Anmerkungen:

(1) Weitere Infos: www.dfg-vk-hessen.de/aktuell/aufschrei-grenzen-oeffnen/

(2) Siehe: www.graswurzel.net/285/wezu.shtml & Gedenkseite für Wolfgang Zucht: http://dadaweb.de/wiki/Wolfgang_Zucht_-_Gedenkseite

(3) Siehe: www.graswurzel.net/verlag/wezuco-intro.php & http://www.graswurzel.net/verlag/wezuco.php

Termine

12. - 30.10., Frankfurt/M., Gegenbuchmasse, Veranstaltungen zur Buchmesse. www.gegenbuchmasse.de/2015.html

13.10., 19 Uhr, Nordpol, Münsterstr. 99, Dortmund: Anarchopazifismus. Geschichte(n) von unten und Perspektiven des libertären Antimilitarismus. Referent: Bernd Drücke (GWR). Infos: http://afrheinruhr.blogsport.de/2015/09/18/do-schwarzer-tresen-anarchopazifismus

16.10., 19.30 Uhr, DFG-VK, Mühlgasse 13, Frankfurt/M.: Anarchismus Hoch 2. Buchvorstellung mit Bernd Drücke (GWR). Infos: www.dfg-vk-hessen.de/bildungswerk/ahoch2/

 

inhalt
quergestellt

Für einen gerechten Welthandel
Widerstand gegen TTIP und CETA auch in den USA


es wird ein lächeln sein

Gilt in der Anarchie die Straßenverkehrsordnung?
Ein Gespräch mit dem Buchautor Jochen Knoblauch


nachruf

Ein Langmütiger ist gegangen
Persönliche Gedanken zum Tod von Wolfgang Zucht (geboren am 30.1.1929 - gestorben am 17.9.2015)


so viele farben

Nicht mehr alle Latten am Zaun
Refugees erschüttern die Festung Europa, Mohammad liebt Bach

#refugeeswelcome? Welcome!
Der Staat schaut weg - Initiativen helfen!

Bericht aus Budapest
Von Willkür, “refugee crisis” und Ungarn-Bashing

Noch mehr Krieg und noch mehr Bomben
Frankreichs Antwort auf die Fluchtwelle ist an Zynismus kaum zu überbieten

Hundert Euro pro Person für jeden Kilometer
Geflüchtete, Helfer und Schlepper an der deutsch-dänischen Grenze. Ein Erlebnisbericht

Immer wieder Sachsen
Ist der Osten der Republik tatsächlich rassistischer als der Westen?

"Tag der deutschen Patrioten"
Nazi-Mobilisierung ohne Erfolg

Unser täglich Brandanschlag gib uns heute
Der terroristische Mob tobt


freunde und helfer

Schluss mit der Überwachung!
Bespitzelung vom Gericht für unrechtmäßig erklärt. Verdeckter Ermittler Simon Bromma in Heidelberg


geld oder leben

Vernunft und Eigenverantwortlichkeit
Großes Halali des NRW-Innenministers Ralf Jäger

#Bildboykott
Initiative: Springers Hetzpresse die Werbung abdrehen

Crash mit Ansage


prima klima

Lebenslaute statt Klimakiller
Spektakuläre Aktion gegen den Braunkohletagebau im rheinischen Revier


quergestellt

Atomklo für immer?
Herausforderungen und Perspektiven für den Widerstand gegen das Atommülllagerprojekt in Bure


einspruch

Syriza - Scheitern oder Revolution?
Gedanken zu: Sozialismus über Nacht?, Artikel von Nicolai Hagedorn, GWR Nr. 401, September 2015, Seite 7


nachruf

Ein "schwarzer" Roter
Nachruf auf Arno Klönne (1931 - 2015)


kleine unterschiede

Emanzipationsfeindlich
Die sexistische, diskriminierende Denkwelt der Alice Schwarzer und ihre Kampagne für die Kriminalisierung der Prostitution

Anarchismus ohne Adjektive, Feminismus mit Tücken
Die Anarchistin Teresa Mañe Miravet (alias Soledad Gustavo) wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden


es wird ein lächeln sein

Anarchie

"Denen die Stimme leihen, die geknechtet sind wie wir"
Eine Hommage an den Journalisten Albert Camus

Die wahre Geschichte des A im Kreis

Ein Bärendienst
Buchbesprechung: Srdja Popovic, Protest! Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt


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