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414 dezember 2016
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"Mehr Platz für Anarchie"

Der neue Wandkalender der Anarchistischen Bibliothek und Archiv Wien stellt zwölf österreichische Anarchistinnen vor

Im Rahmen ihrer Spendenaktion legt die Anarchistische Bibliothek und Archiv Wien einen Wandkalender für das Jahr 2017 vor.

Jeder Monat ist einer österreichischen Anarchistin gewidmet, vornehmlich aus dem Umfeld des "Bundes herrschaftsloser Sozialisten" (BhS), einer gewaltfrei-anarchistischen Organisation. Da ihre Namen meist eher unbekannt sind, werden sie in aller wünschenswerter Ausführlichkeit vorgestellt und biographiert. Damit gesellt sich dieser Kalender in eine ganze Reihe toller Projekte zu Leben und Werk mehr oder weniger gut bekannter Frauen der anarchistischen Bewegung (allen voran Lou Marins Buch zu Rirette Maîtrejean. Vgl. meine Rezension in den Libertären Buchseiten/GWR 412, Oktober 2016).

Jedoch - wie soll ich's sagen - ich hoffe, die Namen eurer Freundinnen und Freunde sind kurz, denn viel Platz für Geburtstagseinträge bleibt nicht.

Viel Text macht sich auf der Kalenderseite breit in der gefühlten Schriftgröße 5 Punkt, ohne Zeilenabstand. An den ohnehin schon kaum vorhandenen Rand quetschen sich die Portraits der Biographierten. Nein, der Kalender ist keine Augenweide, er widerspricht im Grunde allem, was man im Layout-Grundkurs mal gelernt haben könnte - und genau deshalb ist dieser Kalender perfekt für das Jahr 2017.

Lesen wir diese Layoutkatastrophe doch mal als Subtext mit: Hier wird nämlich nicht versucht, uns etwas kurz, präzise und einfach vor Augen zu stellen, in der Hoffnung, der Inhalt möge irgendwie seinen Weg von dort ins Kurzzeitgedächtnis finden. Dieser Kalender versucht gar nicht Komplexität zu reduzieren und den Inhalt dem Primaten des 'Eyecandy' unterzuorden.

Er stellt uns stattdessen in epischer Breite, mit der nötigen Tiefe und profunder Recherche die Lebensgeschichten von zwölf wunderbaren Frauen vor, die wir leider viel zu lange vergessen haben. Auf die Verpackung wird dabei zu Recht gesch***, ein echtes Statement in Zeiten von Populismus, hetzerischer Boulevardpresse und fragmentierten Informationspixeln à la Twitter. Dieser Kalender sagt, 'ich nehme dich als kompetente_n und interessierte_n Leser_in ernst genug, um dir zuzutrauen, dass du dich über den Monat durch eine Kalenderseite Bleiwüste kämpfst'. Was für ein Kompliment!

2017 wird ein hartes Jahr. Um in dieser Zeit frei und kritisch bleiben zu können, müssen wir auf die vergessenen Geschichten schauen und die unbequemen, sperrigen Texte lesen, die Zusammenhänge in ihrer nun einmal vorhandenen Komplexität darstellen und sie dadurch erst erfassbar machen. "Mehr Platz für Anarchie" macht dabei einen wunderbaren Anfang. Auf 2017, das Jahr der Bleiwüstenrevolutionen!

Kerstin Wilhelms-Zywocki
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Anmerkungen

Den Solidaritätskalender für die Kampagne "Mehr Platz für Anarchie" gibt es gegen eine Spende von 33 Euro (plus Versandkosten: Österreich 5,50 Euro, EU 9,90 Euro). Bestelladresse: Anarchistische Bibliothek und Archiv, Lerchenfelder Straße 124-126, Hof 3, Tür 1a, A-1080 Wien. Er kann auch bestellt werden unter: https://mehrplatz.a-bibliothek.org


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