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417 märz 2017
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Anti-Kriegs-Analysen

Henrik Paulitz: Anleitung gegen den Krieg. Analysen und friedenspolitische Übungen. Akademie Bergstraße, Seeheim 2016, 231 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 978-3-9818525-0-9

Wie es der Titel "Anleitung gegen den Krieg. Analysen und friedenspolitische Übungen" schon ankündigt, will das Werk Arbeitsmethoden vermitteln, ähnlich wie man sie an den Universitäten lehrt. Die beigefügten "friedenspolitischen Übungen" erinnern an Aufgaben bei Seminaren; manchmal fallen sie etwas banal aus. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Autor sich inhaltlich zurückhält, im Gegenteil. Seine Forderung lautet: Weg vom Geschrei der Tagespresse, hin zu einer Analyse dessen, was in den heutigen Kriegen wirklich passiert! Vor allem nimmt er die wirtschaftlichen Grundlagen und Interessen bei Kriegen in den Blick. Dabei kommt er zu der überraschenden Feststellung, dass Kriege um Rohstoffe und Ölquellen weniger darum gehen, diese auszubeuten, sondern weithin im Gegenteil darauf abzielen, die Ausbeutung durch nicht gewünschte Akteure zu verhindern. In den Blick kommt auch die Rolle der übernationalen Konzerne, deren ökonomische Macht inzwischen die vieler Staaten übersteigt. Und es wird deutlich, dass sie die Staaten als ihre Erfüllungsgehilfen betrachten. Paulitz plädiert daher auch dafür, die Zwangslage vieler Staaten wahrzunehmen, die oft gegen ihren Willen zur Aufrüstung gezwungen werden. Das betrifft sogar die USA, ebenso wie Deutschland, dessen militärische Zurückhaltung seinen PolitikerInnen bereits unverhüllte Drohungen durch die Konzernspitzen eingebracht hat. Paulitz kann daher auch mit Ausdrücken wie "Empire" oder Imperialismus nichts mehr anfangen, er findet sie unscharf.

Eine seiner Schlussfolgerungen lautet: Die sogenannten "Kollateralschäden" sind die eigentlichen Kriegsziele! Schon seit Jahrzehnten wird darauf hingewiesen, dass die ZivilistInnen in heutigen Kriegen die Haupt-opfer sind. Paulitz bringt diese Angriffe auf Wehrlose sogar mit der in den Medien immer wieder vorgebrachten These von der (vermeintlichen) Überbevölkerung in Zusammenhang und sieht Angriffe auf die Zivilpersonen geradezu als Versuch der "Lösung" dieses "Problems": ein schauderhafter Gedanke!

Wie aber können Gegenstrategien entwickelt werden?

Diese Frage ist nicht der Hauptgegenstand des Buches. Erhoben wird aber die Forderung, die übernationalen Konzerne zur Öffentlichkeit zu verpflichten. Sie dürfen sich nicht mehr hinter der Fassade vom "Geschäftsgeheimnis" verstecken. Die Frage ist, mit welchen Mitteln sie unter Druck gesetzt werden können. Die jüngsten Blockadeaktionen von Kohle-Abbaugebieten nehmen bereits die Akteure ins Visier, ebenso wie seit Jahrzehnten die Anti-Atom-Initiativen. Ein Punkt, der jede Art von Engagement enorm verkompliziert, ist die Informationslage, besser: die Manipulation der Öffentlichkeit. Dass Hilfsprojekte und Hilfsorganisationen oft mehr Schaden als Nutzen anrichten und sogar die Weiterführung von Kriegen mit finanzieren, ist bereits beschrieben worden. Fast niemand kann wissen, ob sein Engagement wirklich Teil der Lösung oder Teil des Problems ist. Aber dieses Dilemma ins Auge zu fassen und, wenn nötig, daraus ehrliche Konsequenzen zu ziehen, befreit vom blinden Aktionismus.

Selbstverständlich hat der Autor keine Patentlösung, er fasst auch viele Informationen nur zusammen, die bereits lange im Gespräch sind. Sein analytischer Ansatz ist aber eine Voraussetzung dafür, über bloße Verschwörungstheorien hinauszukommen und Druck auf die wahren Akteure aufzubauen.

Gerd Büntzly
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