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417 märz 2017
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Am Ende der Idee steht die Tat

Ein Comic erzählt die Geschichte und das Scheitern der anarchistischen Siedlung "Essai"

Nicolas Dubon: Essai, Carlsen Comics, Hamburg 2016, 22,50 x 30 cm, Hardcover, 96 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-551-72817-3

"Ich bin überzeugt, dass am Ende der Idee die Tat steht, dass das Beispiel eine Propaganda der Tat ist. Wir Anarchisten haben beschlossen, vom Wort zum Handeln überzugehen", erklärt Fortuné Henry, Gründer der anarchistischen Siedlung "Essai", seinen Besuchern, die gekommen sind, sich selber ein Bild von der gelebten Anarchie in den Wäldern der französischen Ardennen zu machen.

"Essai" heißt soviel wie "Versuch": Es ist der Versuch, Anarchie in der Praxis vorzuleben, zu demonstrieren, dass Anarchie mehr ist als bloß eine "schöne Idee", nämlich ein praxistauglicher Entwurf eines menschlichen Zusammenlebens in Frieden und frei von Herrschaft.

Sozialrevolutionäre Idee

"Essai" soll der Vorstellung Henrys nach Vorbild für weitere anarchistische Kolonien und somit Initialpunkt einer weltweiten, gewaltfrei-anarchistischen Revolution werden.

Den Besuchern von "Essai" gegenüber stellt Henry fest: "Nichts ist so beneidenswert wie Glück und so ansteckend wie das Vorbild." Einige der Besucher gehen achselzuckend wieder nach Hause. Andere bleiben dort und werden Teil des anarchistischen Kollektivs.

Die anarchistische Theorie auf der Probe

Die Theorie ist schön, die Theorie ist abstrakt. In der Praxis gibt es dagegen natürlich Reibungen. Überbleibsel bürgerlichen Denkens oder auch einfache menschliche Regungen führen zu Konflikten und Streit.

Exemplarisch wird im Comic das Thema "Eifersucht" aufgegriffen. Es steht für verschiedene Konflikte im Zusammenleben, die in einem solchen Versuch kollektiv gelöst werden müssen und das Funktionieren der gelebten Anarchie zuweilen auf eine harte Probe stellen. BewohnerInnen alternativer Wohnprojekte wird das sehr bekannt vorkommen.

Hintergrund

Der Comic basiert auf einer wahren Begebenheit, der 1903 durch den Anarchisten Fortuné Henry in den Wäldern der französischen Ardennen gegründeten Siedlung "Essai" und seiner Geschichte.

In ruhigen, ausladenden Bildern erzählt der Grafiker und Autor Nicolas Debon malerisch und mit wenigen Worten auskommend von der Idee der Anarchie und dem Versuch ihrer praktischen Umsetzung.

"Essai" ist der erste in deutscher Sprache erhältliche Comic von Nicolas Debon. Bewertung: Empfehlenswert!

Minou Lefebre
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