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Der (lyrische) Aufstand

Clemens Schittko: Ein ganz normales Buch. Freiraum-Verlag, Greifswald 2016, 127 Seiten, 14,95 Euro

Clemens Schittko: der Aufstand kommt so oder so. Gonzo-Verlag, Mainz 2017, Reihe: Verstreute Gedichte XV, 11 Seiten, 5 Euro

Der Berliner Lyriker Clemens Schittko ist ein politischer Dichter, selbst, wenn er das selbst in Frage stellt. Seine neueste Publikation mit dem Titel "der Aufstand kommt so oder so" ist ein Beweis dafür, dass politische Lyrik funktioniert.

Im letzten Jahr erschien von Clemens Schittko der Titel "Ein ganz normales Buch", der unter anderem das Gedicht "Politik interessiert mich nicht" enthält. Als Schriftsteller gibt es nichts schlimmeres als festgelegt zu werden. Dies liegt aber (auch) im Auge des Betrachters, und wenn das "ganz normale Buch" mit dem Gedicht "Wo bleibt die Revolution" endet, dann sind wir genau wieder am Ausgangspunkt angelangt.

Schittko, Jahrgang 1978, gehört zu jenen DDR-sozialisierten Menschen, die sich, um ihrer Leidenschaft des Schreibens zu frönen, in den "blühenden Landschaften" mit diversen Jobs durchschlagen müssen und mussten. Was bleibt ist die Beharrlichkeit. Inzwischen lebt Schittko in Berlin-Friedrichshain, eingekeilt zwischen einem "offiziellen" Literaturbetrieb und der "umherschweifenden Prenzlauer Berg Connection". Zahleiche Einzelpublikationen, sowie Veröffentlichungen in Sammelbänden und Zeitschriften machen ihn zu einer festen Größe in der Berliner Literaturszene.

Schittko verzichtet weitgehend auf Wortspielereien oder längere Sätze, die sich durch die Entertaste zu Gedichten verarbeiten lassen. Seine Gedichte sind (meistens) lang. Sie haben einen starken Rhythmus, der danach verlangt, laut gesprochen zu werden. Es ist nicht seine Art Utopien zu beschreiben, sondern es geht ihm mehr um den alltäglichen und unerträglichen Status quo, mit seiner antisozialen Gesellschaft, einer menschenverachtenden Politik, und einem mörderischen Kapitalismus.

Er schlägt die lyrische Pauke in der urbanen Einöde.

Der neue Titel ist programmatisch: "Der Aufstand kommt so oder so". Dieses nur elf Seiten umfassende Schmankerl gehört zu einer lyrischen Reihe, die sich "Verstreute Gedichte" nennt, seit 2012 unregelmäßig im Gonzo-Verlag erscheint und jetzt achtzehn Hefte im DIN-A-6-Format umfasst. Alle Hefte zusammen ergeben ein wunderbares Konglomerat der aktuellen jungen Lyrik.

Die Gedichte von Schittko sind lesenswert. Sie klingen nach. Ihr eindringlicher Sprachrhythmus treibt die Gedanken vor den Worten her. Es gibt beim ihm nichts Plakatives, keine platten Sprüche oder dumpfe Parolen.

Schittkos Gedichte bauen sich auf aus einer Gedankenwelt alltäglichen Unverständnisses über eine konstruierte Welt, die uns das Elend als Wohlstand verkaufen will. Beim Lesen spürt man die Gedankengänge des Autors. Sehr empfehlenswert.

Kurz gesagt: "Ich sage, dass es lächerlich ist / noch an den Staat zu glauben / oder auch an die Demokratie / oder auch nur daran, dass Wahlen irgendetwas ändern würden / der Aufstand kommt so oder so"

Jochen Knoblauch
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