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stern / zerbrochenes gewehr
transnationales 16.11.2008 

Gewaltfreier Widerstand und Sozialer Ungehorsam in Israel/Palästina

Veranstaltung mit einer Aktivistin der "Anarchists Against The Wall"

Münster, Montag, 17. November 2008 20 Uhr, Interkulturelles Zentrum "Don Quijote" (Scharnhorststr. 57). Veranstaltet von der Gruppe B.A.S.T.A., der antimilitaristischen gruppe und der Zeitung "graswurzelrevolution"

Zum wiederholten Mal sind im November die Anarchists Against The Wall aus Israel in der Bundesrepublik Deutschland zu Gast. Diesmal wird die Rundreise, die sie in 10 verschiedene Städte im gesamten Bundesgebiet führen wird, vom Ya-Basta-Netz organisiert. Das Ya-Basta-Netz ist ein Netzwerk verschiedener Gruppen und Einzelpersonen, die die Solidarität mit den Zapatistas und ihrem Politikverständnis zusammengeführt hat, und das dieses Politikverständnis auch hier - in unseren Kämpfen - umsetzen will.

Dreiundsechzig Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus und sechzig Jahre nach der Staatsgründung Israels gibt es seit einigen Jahren wieder verstärkt Debatten um die Positionierung von deutschen Linken zur Politik Israels gegenüber der palästinensischen Bevölkerung. Leider geht es dabei zu vielen wohl eher um ihre Identität hier, und nicht so sehr um die Menschen dort. Unter anderem deswegen haben wir die Anarchists Against The Wall eingeladen, um mehr von ihnen und vor allem von ihrer Sichtweise zu erfahren. Darüber hinaus hoffen wir, dass es nicht bei einer einmaligen Rundreise bleibt, sondern dauerhafte solidarische Verbindungen entstehen können. Sowohl die Anarchists wie auch wir leben in einem kapitalistischen, Krieg führenden Staat. So wie wir hier als radikale Linke gegen den deutschen Staat kämpfen, gegen seine Kriege, gegen Unterdrückung, gegen Repression - eben gegen die Staatlichkeit -, kämpfen die AATW in Israel als AnarchistInnen gegen das Handeln des israelischen Staates, gegen Besatzung, Unterdrückung, Repression, eben gegen die Staatlichkeit. Auch aus diesem Grund und trotz der Unterschiedlichkeit gesellschaftlicher Kontexte ist es für uns wichtig, von ihrer Praxis und ihren Erfahrungen vielleicht etwas lernen zu können.

Die "Anarchists Against The Wall"

Die Anarchists Against The Wall haben sich 2003 als fester Zusammenhang gegründet. Anlaßwar ein Widerstandscamp von PalästinenserInnen und israelischen AktivistInnen bei Mas'ha. Das Camp richtete sich gegen den Bau einer Sperranlage, die der israelische Staat baut. Offiziell soll dieser Zaun bzw. die Mauer dazu dienen, SelbstmordattentäterInnen vom israelischen Staatsgebiet fernzuhalten. In Mas'ha befürchteten die BewohnerInnen, etwa 90% des umliegenden Ackerlandes zu verlieren. Deshalb wurde dort ein Widerstandscamp errichtet. Leider haben sich die Befürchtungen der DorfbewohnerInnen bewahrheitet. Das Camp wurde damals sehr brutal geräumt.

Auch in Bil'in gelang es den gemeinsamen Anstrengungen von Israelis und PalästinenserInnen nicht, den Mauerbau zu verhindern oder zumindest den Verlauf für die DorfbewohnerInnen nicht zur kompletten Katastrophe werden zu lassen. Aber gleichzeitig gab es auch die gemeinsamen Erfahrungen im Widerstand. Diese Praxis des gemeinsamen Widerstandes wird von den Anarchists bis heute weitergeführt. Der Name "Anarchists Against The Wall" ist also Programm: sie kämpfen gemeinsam mit der palästinensischen Bevölkerung gewaltfrei gegen die fortschreitende Errichtung der Sperranlage durch den israelischen Staat. Auf ihrer Homepage http://www.awalls.org/ dokumentieren die Anarchists Übergriffe des Militärs gegen die palästinensische Bevölkerung und israelische AktivistInnen. Aktuell gibt es dort Berichte über Auseinandersetzungen um die Belagerung des Dorfes Ni'lin bei Ramallah.

Die Anarchists Against The Wall sind zu einem Störfaktor bei der Besetzung palästinensischen Territoriums durch den israelischen Staat geworden. Die israelische Justiz wendet auf sie Anti-Terror-Paragraphen an. Die Repression gegen sie droht, ihre auch dokumentarisch wichtige Arbeit zu verunmöglichen.

Am 7. Dezember 2008 wird Anarchists in Berlin gemeinsam mit dem palästinensischen Bürgerkomitee des Dorfes Bil'in (Bil'in Popular Comitee - http://www.bilin-village.org/english) die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte verliehen. Wir gratulieren aufs allerherzlichste und freuen uns sehr auf die Rundreise mit ihnen. Und natürlich hoffen wir, dass ganz viele Menschen genauso neugierig und gespannt auf die kommenden Veranstaltungen und Treffen sind, wie wir.

Ya-Basta-Netz
http://www.ya-basta-netz.de.vu/

Aufruf der Anarchists Against The Wall: Helft uns dabei, den gemeinsamen Kampf weiterzuführen!

Lieber Freund, liebe Freundin,

die steigenden Kosten des gemeinsamen israelisch-palästinensischen Kampfes gegen die Besatzung und sich vervielfachende staatliche Repressionsmaßnahmen gegen palästinensische AktivistInnen zwingen uns dazu, diesen dringenden Spendenaufruf zu verfassen. Wir bitten dich um deine Hilfe, um die Arbeit der israelisch-anarchistischen Gruppe Anarchists Against The Wall (AATW) fortzuführen - und was vielleicht viel wichtiger ist -, es uns zu ermöglichen, den Fonds zu erweitern, damit er auch die Bedürfnisse unserer palästinensischen PartnerInnen bei politischen Repressionsmaßnahmen seitens des Staates Israel abdecken kann.

Seit 2003 unterstützt die Gruppe den palästinensischen Kampf gegen die israelische Besatzung und speziell gegen die Trennungsmauer. Woche für Woche nehmen die AATW an den Aktionen des palästinensischen Widerstandes in diversen Teilen der Westbank (einschließlich der Ortschaften al-Ma'asara, Süd Bethlehem, Beit Ummar, Nord Hebron, Bil'in und seit neuem fast täglich Ni'ilin im Westen von Ramallah) teil. Dort greift die Armee zu harten Maßnahmen, um die Demonstrationen zu unterdrücken, wie z.B. immer öfter scharfe Munition zu verschießen, die Ortschaften zu belagern und Ausgangssperren zu verhängen. Hunderte, wenn nicht Tausende AktivistInnen wurden festgenommen und Dutzende wurden für die Teilnahme an den Demos angeklagt.

Glücklicherweise wird die Gruppe von einer hingebungsvollen Anwältin, Gaby Lasky, vertreten. Lasky hat unermüdlich gearbeitet, um bei Demos oder direkten Aktionen in der West Bank und in Israel festgenommenen AktivistInnen Schutz zu bieten. Obwohl die Unterstützung der AATW fast ein Vollzeitjob ist, willigte sie ein, nur einen kleinen Teil ihrer Arbeit bezahlt zu bekommen. Trotz einer erfolgreichen Spendensammlung im letzten Jahr schulden die AATW Lasky immer noch ungefähr 15.000,- US-Dollar. In letzter Zeit beobachten wir eine ansteigende staatliche Verfolgung unserer palästinensischen PartnerInnen. Innerhalb unserer Solidarität wollen wir nun Spenden sammeln, um den schon existierenden Fonds der AATW zu erweitern, sodass wir die Verteidigungskosten von festgenommenen PalästinenserInnen mit übernehmen könnten. Dies geschieht zusätzlich zu den zuvor erwähnten Schulden und Ausgaben für unsere Aktionen, wie Transport und Kommunikation.

In Würde und Solidarität,
Anarchists Against The Wall

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