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stern / zerbrochenes gewehr
transnationales / ökonomie 26.5.2003 

G8: Zur Situation rund um Evian

Hier sind Informationen, die alle die nach Evian fahren kennen sollten. Tipp:
Informiert euch vorab über die Geographie der Region und die laufenden
Initiativen! Der folgende Bericht erfolgt nach einem Koordinationstreffen in Lausanne am Wochenende 10.-11. Mai. (Stand: 12. Mai 2003)

Der G8 Gipfel rückt näher und die Situation rund um Evian hat sich in den letzten Tagen enorm verschärft. Betrachten wir zuerst Lausanne, dann Genf/Annemasse, dann wiederum wie sich das gesamte Szenario abzeichnet.

Lausanne

1. Mai-Vorfall und politische Lage

Die beiden Anti-G8-oordinationsplattformen hatten sich auf eine gemeinsame 1. Mai-Demo geeinigt. Am Ende der Demo hatten die lokalen AnarchistInnen eine "Black-Bloc-Theateraktion" vor, sie waren als schwarze Blöcke verkleidet und haben Pflastersteine aus Schaumstoff gegen ein Luxusgebäude geschmissen. Schön und witzig, doch 3 unvermummte Gestalten bedienten sich zweier Blumenstöcke die sie ins Schaufenster schmissen. Die Schaufenster gingen zu Bruch.

Auch wenn der Schaden lächerlich war (im Vergleich z.B. zu dem was in Zürich am gleichen Tag ablief), wurde der "Vorfall" genutzt um eine breit angelegte und gut organisierte Hetze durch die Medien zu verbreiten, die Bevölkerung abzuschrecken und die politischen Zusammenhänge - besonders die radikaleren -innerhalb von Stunden fast völlig zu isolieren. Leider ziemlich erfolgreich.

Die Bürokraten der institutionalisierten Linken (Parteien, ATTAC...), die ursprünglich (scheinbar) bereit waren auch in Lausanne Anti-G8-Protest auf die Straße zu tragen, haben den Vorfall streng verurteilt und offiziell ihr Vorhaben für den 1. Juni ganz nach Genf verlagert. Es bleibt offen wie sich die Basis dazu verhalten wird, es sieht aber eher schlecht aus. Die Hysterie hat sich in der kleinen Stadt mit 120.000 Einw. schnell verbreitet. Um einen Eindruck zu geben: es gab ein öffentliches Infotreffen zwischen Polizei/Behörden und lokalen Händlern, zu dem über 1000 kamen (500 konnten nur reingelassen werden). Auf der anschließenden Pressekonferenz haben 2 Händler gemeint sie seien bewaffnet und würden auf Demonstranten schießen, falls ihre Schaufenster zu Bruch gingen, und solchen Statements stimmen Leute in Gesprächen im Bus oder auf der Straße tatsächlich zu.

Am Wochenende wurde die neue Aufteilung in eine rote und eine gelbe Zone in der Zeitung offiziell bekannt gegeben. Ursprünglich waren 2 von einander getrennte rote Zonen geplant (um den Hafen und um Hotels im Stadtzentrum), nun wurden die Übernachtungsorte zum Hafen hin verlegt, und um diese, sowie den Hafen mit den Fähren nach Evian verläuft die neue rote Zone. Es ist also nicht mehr möglich hier zu blockieren. Die gelbe Zone in der Proteste verboten sind, streckt sich breit um die ganze rote Zone herum und kann bei Bedarf auch geschlossen werden. Mit dem Einsatz von Containern zum Absperren wie in Genua/Göteborg ist zu rechnen - wurde von der Polizei und der Presse erwähnt. Neben 500 Gipfeldelegierten sind in Lausanne übrigens auch die Vorsitzenden von IWF und Weltbank untergebracht.

Das Camp oulala c'village wird stattfinden. Die Verhandlungen über den Ort dauern noch immer an, aber dieser dürfte sich im Westen der Stadt befinden. Hier wird an einer Struktur gearbeitet für Übernachtung, Verpflegung und Aktionsvorbereitungen. Es wird aufgerufen, Material mitzubringen (Küchen, Zelte,...), große Gruppen werden gebeten, sich anzukündigen.

Zwei weitere Anlaufpunkte sind zentral in der Stadt vorgesehen aber noch nicht bestätigt (Adressen werden noch bekannt gegeben).

Aktivitäten in Lausanne

Do. 29.5. - die "Nicht-Willkommen-Demo". Ursprünglich auch von der breiten Anti-G8-Plattform getragen. Wird bislang in der Form auch beibehalten. Änderungen sind aber möglich.

Sa. 31.5. - bislang noch "feu au lac" auch in Lausanne.

So. 1.6. - Demo spätnachmittags/abends, anläßlich der Rückkehr der Delegierten aus Evian. Wird weiterhin von einer kleinen Gruppe vorbereitet, aber unklar ob sie stattfinden wird. Hängt vom Ablauf der Donnerstagsdemo ab. Unklar bislang auch wie die Demo sich gegenüber der gelben Zone (Demoverbot) verhalten will.

Fahrradkarawane: Fährt von Bern am Do. 29. in der Berner Reithalle um 10h los und kommt in Lausanne am Freitag den 30. an. Bleibt dann auch vor Ort.

Genf

Politischer Aspekt

Ganz andere Stimmung im Vergleich zu Lausanne. Die institutionalisierte Linke hat hier mehr politisches Gewicht und konnte sich Räume erkämpfen bzw. Räume wurden zugesagt. Um den Kontrast zu Lausanne zu veranschaulichen: Auf einer Demo vor ein paar Wochen ist die Polizei heftig vorgegangen. Demonstranten, die auf dem Heimweg waren wurden übel verprügelt und einer bekannten Gewerkschafterin wurde aus nächster Nähe mit einem Flashball artigen Geschoß ins Gesicht geschossen. Die Polizei hat zuerst behauptet es seien die Demonstranten untereinander gewesen, die sich geprügelt hätten, drei Tage später hat sie den Vorfall dann zugegeben. Die linken politischen Zusammenhänge haben hier gut reagiert. Es gab viel Empörung in der Bevölkerung - der Polizeichef musste zurücktreten.

Geographie, Aktivitäten, Blockaden

Die Stadt ist durch einen Fluß (Rohne) in zwei Hälften geteilt: das rechte und das linke Ufer. Achtung: Zur zusätzlichen Verwirrung, ist die rechte Uferseite die, die auf den Stadtplänen links erscheint und umgekehrt!

Auf der rechten Uferseite liegen: der Hauptbahnhof, alle Institutionen (UNO, WTO, WIPO, IOM etc.) und die Unterkünfte der ca. 2000-2500 Delegierten und des G8 Personals. Das rechte Ufer wird am Sonntag den 1. (und in den Tagen davor) zur militarisierten Zone werden. Die Leute, die am Bahnhof ankommen, werden durch einen Polizeispalier (auf Amtsfranzösisch "couloir incitatif") auf die linke Uferseite gebeten werden. Es gibt 5-6 Brücken die beide Uferseiten verbinden.

Auf der linken Uferseite werden die Räume und der Ablauf der Proteste weiterhin verhandelt. Hier wird der Großteil der Demonstranten erwartet und hinmobilisiert. Eine Blockade von 13 Straßenkreuzungen (grenzübergreifend) würde den Zugang nach Evian über die südliche Seeseite tatsächlich blockieren. Diese Aktion wird von allen getragen, die Route der Großdemo führt genau an diesen Blockadepunkten entlang. Als weitere Blockadepunkte werden die 6 Brücken zwischen rechter und linker Uferseite vorgeschlagen und auf französischer Seite eine Kreuzung ("carrefour des chasseur").

Weitere Anlaufpunkte und Initiativen:

  • L'USINE (place des volontaires auf der linken Uferseite, nahe am Fluss). Großer selbstverwalteter Raum. Infoanlaufstelle, Aktionskoordination und Arbeitsort für Indymedia AktivistInnen. Maison des Association (Pressezentrum und indymedia).
  • Ein großer Campingplatz ist wortwörtlich "am Ende der Welt" vorgesehen (franz. "au bout du monde"), es handelt sich um einen Sportkomplex am Ufer des Arve Flusses, an einer der 180°-Biegungen (siehe Karte). Wird mehr oder weniger von der Stadt organisiert. Fürs Zelten und Essen muss gezahlt werden. Hier sind keine selbstverwalteten Aktivitäten oder Aktionskoordinierung zu erwarten.
  • Es gibt eine Initiative (ZAAGE), die ein antiautoritäres, selbstverwaltetes Camp auf die Beine stellen wollte. Ihr wurde der Camport vor einigen Tagen abgesagt. Sie versuchen noch immer einen Ort zu kriegen, entweder im Rahmen vom großen Campingplatz oder wo anders. Bislang leider keine feste Location.
  • Eine Graswurzel-Studierendeninitiative versucht auf einem Campus der Universität große Räumlichkeiten zu bekommen. Liegt zentral auf der linken Uferseite. Es gibt gute Aussichten, dass sie das auch schaffen, allerdings nur als Konvergenzort zur Vorbereitung, Veranstaltungen etc. und nicht zum übernachten (!). Öffentliche Veranstaltungen mit AktivistInnen aus Chiapas, Kanada und dem PGA-Spektrum sind hier vorgesehen.

Zum Ablauf des 1. Juni

Die Stadt Genf hat die Proteste erlaubt und dem Forum Social Lemanique eine Menge Kohle zugesagt, am liebsten damit sie Konzerte am Stadtrand organisieren und die Leute "beschäftigen". Die Polizei und die Behörden versuchen alles, um die Demonstranten aus der Stadt raus zu drängen. Der "au bout du monde"-Camport (gleichzeitig ihr vorgeschlagener Busankunftsort) liegt weit außerhalb und von da aus wollen sie die Demonstranten in Richtung Demoroute am Zentrum vorbei lotsen. In ihrer Vorstellung wollen sie die Demonstranten auf die französische Seite drängen und sie nicht mehr zurück kommen lassen. Nur die Genfer würden in Sonderbussen wieder in die Stadt zurückgelassen werden. Die Demonstranten sind selbstverständlich gegen diese Tendenz. Verhandlungen laufen noch immer.

Aktivitäten: jede Menge schaut auf den Webseiten!

Fr. 30.5.: Demo im Institutionenviertel
Sa. 31.5.: tagsüber Vorbereitungen und abends "feu au lac"
So. 1.6.: Blockaden ab früh morgens.
Mo./Di. 2.-3.6.: weitere Blockadeaktionen

Wichtig noch: die Freitagsdemo am 30.5. Diese soll durch das Institutionenviertel auf der rechten Uferseite gehen. Eine Art Wanderkundgebung, um inhaltliche Akzente zu setzen. IOM, WIPO und WTO (für freedom of movement, gegen das globale Migrationsregime, für freedom of information, gegen Kapitalismus...). Voraussichtlich ab 11h (kann sich noch ändern). Die Demo wird angemeldet und öffentlich angekündigt. Sie wird durch ein streng überwachtes Gebiet ziehen. Es ist der Wunsch der Organisatoren dass sie friedlich abläuft (!). Die Teilnahme von Sans Papier-Kollektiven wird erwartet.

Französische Seite

Zu den Aktivitäten auf der französischen Seite gab es wenig Rückmeldung. Die AktivistInnen rechnen damit, dass sich hier sehr viele Leute ansammeln werden, um an der Blockade/Demo in Richtung Grenze teilzunehmen, bzw. dass viele von der schweizerischen Seite in Richtung Frankreich gedrängt werden könnten.

Camport und Räumlichkeiten sind zugesagt worden, keine gravierenden Probleme. Die Vorbereitungen der Camps und Aktivitäten laufen auf Hochtouren. Das Klima wird als günstig eingeschätzt trotz einer sehr verängstigten Bevölkerung, die ihre kleinen Ortschaften mit einer riesigen Anzahl an Polizei / Militär und Demonstranten gesprengt sieht.

Die Camps VAAAG und Village intergalactique werden sich an den Blockaden beteiligen. Bilder, Programm und weitere Infos unter www.vaaag.org.

Indymedia und Radios

Die Vorbereitungsarbeit der Medien- und KommunikationsaktivistInnen läuft gut. Es wird mindestens 4 Orte zur Bearbeitung von Material geben. L'USINE und die Maison des Association in Genf, die ziemlich nahe beieinander liegen, werden dabei die Hauptanlaufstellen sein.

Die Hauptziele ihrer Arbeit sind:

  1. Beitrag zur internen Kommunikation unter den Demonstranten/ Camps
    etc. - was wo wann läuft, möglichst aktuell und wahrheitsgetreu
  2. Vermittlung politischer Inhalte an die Öffentlichkeit
  3. Dokumentierung der Proteste und Ausstrahlung der Infos weltweit

Geplant sind die Zusammenstellung von Radio- und Videobeiträgen, öffentliche Projektionen usw. Qualitativ wird bei diesem Protest versucht werden, mehr mit Live-Übertragungen zu arbeiten, was Vorsicht und Feingefühl der MedienaktivistInnen und Akzeptanz der Gefilmten voraussetzt...

Einige freie und andere Radios werden zur Zeit der Proteste senden. Sie werden wichtige Kommunikationsmittel sein. Breaking news alle 10 Minuten sind geplant, und stündlich Infos (z.B. bei Radio Geneve auf 93,8 MHz). Alle sind dazu aufgerufen kleine FM Radios mitzubringen (es gibt ganz kleine im Handel ab 8 euro mit Kopfhörer und einer kleinen Batterie - besorgt euch welche!).

An der genauen Kommunikationsstruktur vor Ort wird noch gearbeitet. Alle reinkommenden Informationen werden vor der Veröffentlichung überprüft werden (sogenannter dispatch) damit keine wilden Gerüchte in Umlauf kommen.

Politische Gruppen sind dazu aufgerufen, ihre inhaltlichen Beiträge (Video oder Tonmaterial) mitzubringen, damit es ausgestrahlt werden kann. Ab Donnerstag den 29. wird die Infrastruktur aufgebaut und getestet. Am Sonntag den 1. soll sie am meisten genutzt werden.

Die Villages VAAAG und Intergalactique werden in Annemasse ein gemeinsames Pressezelt als Anlaufstelle für die bürgerlichen Medien haben.

Für Sonntag Abend ist ein öffentliches Nachtreffen aller Gruppen mit Presse zu den bis dahin gelaufenen Aktionen angedacht, wahrscheinlich im l`Usine in Genf.

Rechtshilfe

Die Rechtshilfegruppen verstehen sich als unabhängige Gruppen und werden alle verteidigen. Es wird Anwälte, Antirep-Gruppen (EA) und zivile BeobachterInnen (legal observers) geben. Die zivilen BeobachterInnen werden der Polizei namentlich bekannt sein, um ihnen möglichst viel Zugang, auch in Krankenhäuser, und Rechte zu verschaffen. Die Antirep-Gruppen setzen sich dafür ein, dass bei Verhaftungen die Polizei den Verhafteten die Anti-Rep-Nummer systematisch gibt. Das gleiche auch in Krankenhäusern. Die BeobachterInnen versuchen das Recht durchzukriegen Übergriffe filmen zu dürfen. Gemeinsame Infobroschüren für Genf und Lausanne werden auch bald verteilt, im Netz befinden sich bereits Infos. In Frankreich und in den verschiedenen Schweizer Kantonen sind die Gesetze manchmal unterschiedlich.

Eine Antirep-Nr. für Genf steht fest: 079-4631789 (mobil - eine Festnetznr- wird bald durchgegeben). In Lausanne wird es verschiedene Antirep-Nummern für versch. Sprachen geben.

Medizinische Hilfe

Von den Sanitätsgruppen wird noch eine Broschüre veröffentlicht (franz.: "Für mehr Autonomie in der ersten Hilfe", unklar ob auch auf deutsch). Es wird Demo-Sanis geben. Kontakt: medicstreet@no-log.org.

Eine politische Auswertung des Protestszenarios

Die Mobilisierung könnte deutlich kleiner ausfallen als sie noch Anfang März mitten in der Antikriegseuphorie eingeschätzt wurde. Die Polizei wird massiv präsent sein. Auf zusätzliche Polizisten aus Deutschland hat die Schweizerische Regierung verzichtet, dafür die Wasserwerfer angenommen. Die kursierenden Zahlen in der Presse sind: 4800 Polizisten, 5600 Soldaten auf CH Seite, 10.000 auf französischer Seite.

Betrachtet Mensch Lausanne/Genf und Annemasse in gleichem Rahmen, dann ist den Behörden eine politische und geographische Trennung gelungen. In Lausanne sind die radikalen Zusammenhänge isoliert und 2 Blumentöpfe in einem Schaufenster genügten, um die gesamte Bevölkerung gegen die Demonstranten aufzuhetzen. Während in Genf die Empörung der institutionalisierten Linken genügt, um den Polizeichef zum Rücktritt zu zwingen, wenn die Polizei einer Gewerkschafterin ins Gesicht schießt.

In Lausanne riskieren wenige Demonstranten vor vielen Bullen zu stehen. In Genf ist die Blockade des südlichen Zugangs nach Evian bereits im Vorfeld politisch gelungen. Die Polizei hat sich diese Route für den Transport der Delegierten wahrscheinlich längst abgeschrieben. Obwohl die effektive Blockade nicht unbedingt garantiert ist wenn die Gewerkschaften/ATTAC usw. früh am Sonntag dem 1. nach Hause fahren sollten, da die offizielle Eröffnung des Gipfels erst Sonntag Abends stattfindet. Die Behörden setzen jetzt alles ein, um die Demonstranten aus der Stadt zu drängen und mit Großevents zu beschäftigen. Immerhin ist die Zusammenlegung der Großdemo und der Blockaden auf den gleichen Tag am gleichen Ort ein Erfolg. Die Erfahrung der Demonstranten in der antiautoritären, horizontalen Selbstverwaltung der Camps, der Blockadendurchführung, der Infrastruktur usw. ist bereits sehr wertvoll.

Die Eröffnung des G8 Gipfels wird am 1. Juni um ca. 19h sein, doch tagsüber müssen die Funktionäre bereits nach Evian gebracht werden, d.h. Blockaden ab Vormittag sind notwendig. Schröder, Bush, Chirac, Blair usw. werden mit Hubschraubern eingeflogen werden. Auch die Delegierten, die in Lausanne Übernachten, können nicht blockiert werden. Bleiben die 2500 Delegierten/G8-Funktionäre, die in Genf übernachten. Sie können nicht alle auf Fähren nach Lausanne gebracht werden (eine Fähre braucht 3 1/2 Stunden von Genf nach Evian) und auch nicht alle per Hubschrauber geflogen werden. Mehrere Hundert müssten also per Bus (oder Zug?) von Genf nach Lausanne (eventuell nach Morges -ein Hafen 10 km vor Lausanne) gefahren werden. Blockaden auf dieser Strecke sind also scheinbar die einzige Möglichkeit den G8 Gipfel im Ablauf wirklich zu beeinträchtigen. Die Polizei könnte den Transport der Delegierten im Buskonvoi machen, da es tropfenweise sehr aufwendig sein könnte, aber das liegt alles im Bereich der Spekulation und wird nur sehr kurzfristig deutlich werden...

Die Bevölkerung (sowohl in Lausanne als auch in Genf und Annemasse) steht dem G8 nicht unbedingt sympathisch gegenüber, viele lehnen Kriege und die Politik des G8 ab, aber die Bürger haben Angst. Viel Angst. Angst vor Gewalt die ihnen über Wochen über die Medien eingehämmert und angekündigt wurde. Angst, dass ihre Städtchen in Schutt und Asche gelegt wird. Die lokalen Behörden haben bewiesen, das sie mit 3 Provokateuren (?) und 2 Blumentöpfen in einem Schaufenster die Isolierung und Kriminalisierung erfolgreich erreichen. Verbarrikatierte Läden sollten uns nicht wundern. Geht also auf die Bevölkerung zu, redet mit den Leuten, sagt ihnen warum ihr da seid. Ein "sauberer Ablauf" der Aktionen könnte gut ankommen.

Die Einschätzung von einigen auf dem Treffen in Lausanne war also, dass die beste übrige Option folgende ist: sich in Lausanne tendenziell aus der Stadt heraus zu bewegen, sich auf Blockaden zu konzentrieren und diesen einen Ausdruck des Zivilen Ungehorsams / kreative gewaltfreie direkte Aktionen zu geben, der Spaß machen könnte und gleichzeitig politisch eine starke Botschaft vermittelt. Alles andere ist bereits einkalkuliert und wird wie am 1. Mai im Hundertfachen ablaufen!

Mensch sollte sich unbedingt bewusst sein, dass in Lausanne die politische Deckung, die Medienpräsenz und die Strukturen schwächer sind als in Genf. Aber es bedeutet auch nicht, das die Polizei schußfrei vorgehen kann. Die politischen Strukturen (Camp, Anlaufstellen, aktive Leute) sind beschränkt, aber wenn genügend nach Lausanne kommen, könnten sehr gute Sachen vorbereitet werden. Die Frage bleibt offen ob die AktivistInnen die Dynamik für einen "sauberen Ablauf" im Griff behalten können. Die Polizei wird auf den Einsatz von Provokateuren sicherlich nicht verzichten.

Die lokalen AktivistInnen wirken leider aus der Defensive. Die Gipfel-Dynamik ist so stark, dass es in der öffentlichen Diskussion nur noch um den "technisch-militärischen" Ablauf geht (rote Zone, Zahl der Bullen, Gas, Gewalt, ...) und es sehr schwer wird politische Inhalte zu vermitteln.

Kommunikation

Es gibt Überlegungen zur Kommunikation zwischen den Camps und den Anlaufstellen während den Aktionstagen. Jedoch ist die Lage sehr dezentralisiert, die meisten reisen spät an. Bis die Informationen durchsickern, alle erreicht haben und die Gerüchte beseitigt sind, wird wohl leider sehr viel Zeit vergehen. Treffpunkte, Uhrzeiten und Ablauf sollten also für alle so früh wie möglich klar sein. Informiert euch im Vorfeld so gut es geht, reist so früh es geht an, informiert euch und euer Umfeld, legt euch so früh es geht auf einen Ort fest. Verlasst euch nicht nur auf Entscheidungen in letzter Minute. Versucht keine Gerüchte zu verbreiten und Ruhe zu bewahren. Die Vorbereitungen/Absprachen und Koordination wird innerhalb der Camps am besten verlaufen.

Weitere Tipps und Infos

  • COURRIER: Besorgt euch vor Ort die lokale Zeitung "Le Courrier". Das soll keine Werbung sein, die Zeitung ist bewegungsnah und eine Sonderausgabe mit allen Infos, Termine und Locations zu den Gegenaktivitäten wird in Zusammenarbeit mit den Demonstranten vorbereitet.
  • Radios: Wichtig! Alle sind dazu aufgerufen kleine FM Radios mitzubringen. Besorgt euch welche! (es gibt ganz kleine im Handel ab 8 Euro mit Kopfhörer und einer kleinen Batterie).
  • Gasmasken: Das Tragen einer Gasmaske wird offiziell als das Tragen einer Waffe angesehen (wurde extra anlässlich des G8 so festgelegt). Wer welche trägt übt zivilen Ungehorsam. Es gibt auch die Möglichkeit billige Schutzmasken zu basteln (Schwimm/oder Skibrille, Baumasken etc. schaut nach Anleitungen im Netz oder in den Camps).
  • Vermummungsverbot: Unklar. Es gibt wohl kein solches Gesetz in der Schweiz, aber die Polizei und die Medien drängen auf Verbot. Rechnet mit strengen Ordnungsdiensten und Blackbloc-Paranoia auf Seiten der Gewerkschafter und der etablierten Linken. Die Polizei hat ihnen Anlaufstellen/Telefonnummern angeboten, wo sie Vermummte u.ä. denunzieren können!
  • Fahrräder: Super hilfreich da die Ort weite Auseinander liegen! Wenn ihr könnt bringt eins mit. Mobil bleiben bei den Blockadeaktionen in Lausanne ist schlau. Es wird eine Fahrradkarawane aus Bern geben.
  • Kochen: Erfahrene Kochgruppen und KöchInnen für solche Anlässe werden dringend gesucht (Camps und Anlauforte). Rechnet nicht damit, dass die Voküs alle ernähren können. Das Essen in der Schweiz ist unvorstellbar teuer, denkt dran. Wenn Leute billiges Essen von außen besorgen können, setzt euch bitte mit den Camps in Verbindung.
  • Sprache: Französisch wird die Hauptkommunikationssprache sein. Dann Deutsch und Italienisch, die viele auch verstehen.

Peoples' Global Action
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Kontakt & Infos

Übersicht bei PGA, mit Links in versch. Sprachen:
www.nadir.org/evian

Einzelne Bündnisse und Übersichten:

www.evian-g8.org
squat.net/contre-attaque (Lausanne)
www.aarrg.org
www.claaacg8.org
www.crac-g8.eu.org
www.gipfelsturm.net
www.anti-g8.de (deutsch)
www.attac.info/g8evian/

Villages/Camps:

www.vaaag.org (Annemasse)
www.g8illegal.org (Annemasse)
zaage.lautre.net/ (Zone Autogérée A Genève)
squat.net/contre-attaque/village.htm (Lausanne)


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