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stern / zerbrochenes gewehr
antimilitarismus 25.2.1998 

Infos/Kommentar zur Golfkrise

Liebe Mitstreiterinnen für eine diplomatische Lösung der Golfkrise,

vor den entscheidenden Tagen, ob es zu einem neuen Krieg mit unabsehbaren Folgen oder einer diplomatischen Lösung kommt, möchte ich einige mir wichtig erscheinende Informationen mit Euch teilen:

  1. F.A.Z., 16.2.98
    "Landvermessen im Irak ergibt auch Zielkoordinaten für Marschflugkörper.
    Das militärische Global Positioning System / von Udo Ulfkotte

    Frankfurt, 15.Februar. Die Vereinten Nationen haben "Landvermesser" in den Irak entsandt, die dort die Größe von acht mutmaßlichen Produktions- und Lagerstätten irakischer Massenvernichtungswaffen erkunden sollen. Angeblich sollen sie so Hinweise darauf bekommen, wo zukünftig nach verbotenen Waffen gesucht werden könte. Das "Landvermessen" dient jedoch auch dem Ziel, mit Hilfe von tragbaren Empfängern des Global Positioning Systems präzise Zielkoordinaten für einen möglichen Militärschlag zu er halten. (...) Die im Kuweit-Krieg eingesetzten Marschflugkörper orientierten sich noch an der Topographie und trafen nach später veröffentlichten Angaben des Pentagons nur zu etwa zwanzig Prozent das einprogrammierte Ziel. Die neuesten Marschflugkörper sollen demgegenüber etwa siebenmal treffgenauer sein, heißt es. Um ein vorgegebenes Ziel millimetergenau treffen zu können, muß möglichst nahe an diesem eine "Referenzstation" des GPS (Anm.C.R.: Global Positioning System) stehen. Eien solche Station soll sich et wa im irakischen Hauptquartier der Vereinten Nationen, dem "Chanal-Hotel" in Bagdad befinden". (...)

  2. F.A.Z., 16.2.1998
    Saddam Hussein und seine "Häuser"
    Von Wolfgang Guenter Lerch

    Frankfurt. 15.Februar. Der Streit darüber, wie viele und welche Paläste und Provinz-Residenzen Saddam Husseins einer Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zugänglich gemacht werden sollen, mag vielen bizarr, ja, grotesk erscheinen. Viele dieser Gebäude sind keine riesigen Prunkpaläste, sondern Residenzen, in denen Saddam Hussein absteigt, wenn er die Provinzen aufsucht oder Stammesführern einen Besuch abstattet. Der Zank zwischen den Irakern, den Vereinten Nationen (UN) und den Amerikanern um die Paläste hat jedoch - neben dem politischen - auch einen ernsten kulturpsychologischen Hintergrund. Bis heute ist dem arabischen Muslim fast nichts so heilig wie sein Haus. (...) Dem Haus des Muslims kommt jedoch auch in der modernen Welt noch eine gewisse religiöse Bedeutung zu. (...) Im klassischen Islam war das Innere eines Hauses schon deshalb unantastbar, weil dort auch die weiblichen Mitglieder der Familie lebten. (...) Man kann sich im Westen nur schwer vorstellen, welchen Prestigeverlust es für Saddam Hussein bedeuten könnte, Kontrolleure aus fremden Ländern in seine Häuser zu lassen. Aber auch umgekehrt: welcher Zorn darüber entfesselt würde, daß Fremde in Häusern eines Muslims herumschnüffeln. Andererseits muß dort kontrolliert werde, wenn es Hinweise gibt, daß chemische Waffen oder Pläne dafür in den Palästen verborgen werden. (...)

  3. Neue Zürcher Zeitung, 21.22.2.1998
    Annan zu entscheidenden Gesprächen in Bagdad
    Bescheidene Hoffnung auf eine diplomatische Lösung

    Der Generalsekretär der Uno, Annan, ist am Freitag abend in Bagdad eingetroffen. Annan will versuchen, eine militärische Eskalation am Golf zu verhindern. Präsident Saddam Hussein soll davon überzeugt werden, daß nur die volle Respektierung der Uno-Resolution zur Eliminierung der Massenvernichtungswaffen die Krise lösen kann. Die Sondergruppe zur Vermessung der Präsidentenpaläste erstattete unterdessen einen sehr positiven Bericht. jpk. Bagdad, 20.Februar. Uno-Generalsekretär Kofi Annan ist am Freitag abend aus Paris kommend in Badad eingetroffen. (...) Wie ein Uno-Sprecher am Abend erklärte, wird Annan aber auf jeden Fall bis Montag in Bagdad bleiben. Annan habe sich bereit erklärt, bei Gesprächen mit der irakischen Regierung auch das Programm "Öl für Nahrungsmittel" zu erörtern. Der Ausgang der Verhandlungen gilt zurzeit allerdings als äußerst ungewiß. Beobachter zweifeln an dem Willen und der Fähigkeit Saddams, in entscheidenden Punkten einzulenken und auch die Inspektionen der sogenannten Präsidentenpaläste zuzulassen. Der Bericht der Sondergruppe zur Vermessung der acht Präsidentenpaläste wurde aber als positives Zeichen für den Beginn der Verhandlungen gesehen. Der Leiter der Gruppe erklärte an einer Pressekonferenz am Freitag abend, die beiden Kartographen, zwei An gehörige der Unscom und er selbst hätten freien Zugang zu den umstrittenen Gebieten gehabt und nichts Verdächtiges vorgefunden. Sie hätten alle Gebäude außen und innen vermessen und auch Aufnahmen aus der Luft machen können. Das Gebiet der acht Paläste umfasse 31,5 und nicht wie zuvor angenommen 70 Quadratkilometer.

  4. The Independent, Friday 20 Februar 1998
    Media wizards battle for hearts and minds
    By Nicholas von Herberstein

    The US is sending special equipment to the Gulf that will enable it to jam Iraqi television broadcasts and beam its own programmes. The equipment is part of the elite US Army 4th Psychological Operations Group (Airborn), which has been sent to Kuweit to support the Brigade Task Force, 3rd Infantry Division. (...)

Kommentar von Clemens Ronnefeldt

Die nächsten Tage sind von einer weitreichenden politischen Bedeutung, die erheblich über die Frage Krieg oder Nicht-Krieg in Irak hinausgeht. Sollten die "Landvermesser" der Unscom tatsächlich die Zielkoordinaten für die US-Marschflugkörper an das Pentagon weitergeben, wäre damit die Uno als Erfüllungsgehilfin der Weltmacht USA zur politischen Bedeutungslosigkeit verkommen. Das Vorhaben amerikanischer Spezialisten, direkt ins irakische Fernsehen ihre eigenen Propagandasendungen einzuschleusen, stellt eine neue Qualität psychologischer Kriegsführung Orwellschen Ausmaßes dar. In Deutschland wird in den letzten Tagen in den konservativen Medien der psychologische Krieg zur Gefügigmachung der Bevölkerung zur Zustimmung eines Militärschlages mit erheblicher Intensität geführt. Die Nachrichten, Irak habe an Gefängnisinsaßen Versuche mit biologischen bzw. chemischen Waffen durchgeführt, die sich auf angeblich "irakische Oppositionelle" stützen soll, hat nach meinem derzeitigen Kenntnisstand den gleichen Wahrheitsgehalt wie die "Brutkastenstory" 1990, nach der angeblich ira kische Soldaten kuweitische Babys umbebracht haben sollten. Dies stellte sich damals nachträglich als PR-Aktion heraus, um die Zustimmungsrate zu einer Militäraktion in der US-Bevölkerung anzuheben.

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Anmerkungen

Auf Wunsch können die vorgenannten Pressezitate auch als Originale per Fax zugesandt werden.

Kontakt
(auch für weitere Quellen und Informationen)

Clemens Ronnefeldt, Dipl.-Theol., Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des internationalen Versöhnungsbundes
Dorfstr. 3
56288 Krastel
Tel.: 06762-2962
Fax: 06762-950511
BuC.Ronnefeldt@t-online.de

Über Rückmeldungen und Austausch von Informationen zur Golfkrise würde ich mich freuen.


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