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stern / zerbrochenes gewehr
transnationales 25.8.2006 

Das alltägliche Sterben

35.000 Mensch sterben täglich an "vernachlässigten Krankheiten". Während die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland 78 Jahre beträgt, liegt sie in Afrika südlich der Sahara bei 46 Jahren. Auch werden in der "3. Welt" elf mal so viele gesunde Lebensjahre "verloren" wie in den Industrieländern.

Da sich die Pharma-Industrie im Kapitalismus lieber an den Gewinnaussichten orientiert als an den Bedürfnissen der Menschen, kommt es dazu, dass lebenswichtige Medikamente für tausende Menschen unbezahlbar bleiben und/oder erst gar nicht entwickelt werden.

Forschung für wen?

Weniger als 1% der entwickelten Medikamente bekämpfen Tropenkrankheiten wie Malaria oder die Schlafkrankheit. Dahingegen werden 90% der Forschungsmittel für Lifestyle-Produkte und Medikamente ausgegeben, die zusammen 10% der globalen Krankheitslast ausmachen (Anteil an allen verlorenen gesunden Lebensjahren). Viele "Entwicklungen" sind aber Schein-Innovationen, das heißt nur ca. jedes vierte Medikament bringt einen therapeutischen Fortschritt. Wenn das bei den anderen nicht der Fall ist, kann es nicht verwundern, dass für die Werbung doppelt so viel Geld ausgegeben wird, wie für die Forschung.

Die Forschung wird aber nicht von der Pharma-Industrie alleine betrieben, weltweit fließen in die Forschung mehr öffentliche Gelder und Gelder von gemeinnützigen, privaten Organisationen als von der Industrie. Vor allem die Grundlagenforschung wird vorwiegend öffentlich finanziert. Wenn es dann um das konkrete Medikament geht, ist die Pharma-Industrie auch schnell dabei und meldet ein Patent an.

Sinn und Unsinn von Patenten

Oft werden Patente mit den hohen Entwicklungskosten von Medikamenten begründet. Abgesehen davon, dass häufig zu hohe Zahlen genannt werden, wäre die Entwicklung neuer Medikamente sicher auch kostengünstiger, wenn die WissenschaftlerInnen kooperieren könnten und nicht durch Konkurrenz in Geheimniskrämerei verfallen. Dass nur 4% aller Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen von der Pharma-Industrie stammen, ist der beste Beleg für diese Geheimniskrämerei.

Außerdem ist es falsch zu glauben, Medikamentenforschung würde nur mit Patenten stattfinden. Es gibt genug ForscherInnen, die aus Interesse forschen - und dies auch ohne großen finanziellen Anreiz tun würden. Patente auf Medikamente gibt es in Deutschland auch erst seit 1968.

Mit der Abschaffung von Patenten muss natürlich eine verstärkte öffentliche Forschung einhergehen, die sich auch stärker mit den vernachlässigten Krankheiten befasst.

Felix
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Anmerkungen

Schluck und weg

Die BUKO-Pharma-Kampagne setzt sich dafür ein, dass die Politik nicht weiter zuschaut, wenn täglich tausende Menschen an heilbaren Krankheiten sterben. Unter anderem organisiert sie jedes Jahr eine Straßentheatertour durch Deutschland. Die Theatergruppe "Schluck und weg" befasst sich dieses Jahr mit dem Thema "Mangel und Überfluss".

Geplante Auftrittsorte sind:

Potsdam (4.9.)
Berlin (5.9.)
Leipzig (6.9.)
Würzburg (7.9.)
München (8.9.)
Augsburg (9.9.)
Tübingen (11.9.)
Heidelberg (12.9.)
Herborn (13.9.)
Alsfeld (14.9.)
Bielefeld (15.9.)

Mehr Infos zu dem Thema so wie zu der Straßentheatertour unter www.bukopharma.de


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