RWE-Werbeagentur will urgewald mit juristischen Mitteln einschüchtern
In Bulgarien wurden Belene-Kritiker bereits mit Morddrohungen eingeschüchtert. In Deutschland geht RWEs Werbeagentur nun mit juristischen Mitteln gegen urgewald vor und will Teile unserer Protestkampagne verbieten.
Was ist passiert?
Die Hamburger Agentur Jung van Matt, die sich selbst zu den bekanntesten deutschen Kreativagenturen zählt, erdachte für ihren Kunden RWE eine Werbekampagne, die helfen soll, den billig produzierten Atomstrom des Konzerns unter der Bezeichnung "ProKlima Strom" teuer unter die Leute zu bringen.
Für den "ProKlima Strom" gruben die Kreativen die 80er Jahre Pop-Formation "Trio" aus Großenkneten wieder aus und lassen sie für RWE werben. Trio steht für 3 Jahre Preisgarantie und für ein gutes Klimagewissen. Die dadaistische Kampagne soll den Verbraucher darüber hinwegtäuschen, dass der ProKlima-Strom weitaus teurer ist, als echter Ökostrom. Und schlimmer noch: Die Kampagne spielt mit den Ängsten der Verbraucher: vor Preiserhöhungen und vor dem Klimawandel. Sie präsentiert ein Stromprodukt, das zu 68 % aus Atomstrom besteht, als Lösung.
urgewald entwickelte anlässlich der bundesweiten Protestkampagne gegen RWE, eine Persiflage der RWE-Werbekampagne. Das urgewald-Motiv übt deutliche Kritik an der Energiepolitik des Konzerns: "Der hohe Preis bleibt - teuer - dreckig - gefährlich".
Jetzt droht man urgewald im Schreiben der Jung von Matt Basis GmbH vom 26. März: "Wegen der Verletzung der vorstehend ausgeführten Rechte von JvM stehen JvM gegen Ihren Verein Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzansprüche zu (SS9 7 ff. UrhG). Weiterhin weisen wir darauf hin, dass eine Urheberrechtsverletzung auch eine Straftat im Sinne der §§ 106 ff. UrhG darstellen kann. (...)" Die Agentur verlangt die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung binnen weniger Tage.
Fazit
Es wäre schade drum, denn unser Kampagnenmotiv ist um einiges lustiger als seine "Vorlage". Der dazugehörige Flyer klärt informativ und humorvoll über die Atomstrommarke von RWE auf. Auf der letzten Seite treibt der Hinweis "Wir können auch nicht singen, haben aber bessere Argumente. Rufen Sie uns an, wenn Sie von Atomstrom loskommen wollen." die Verballhornung der RWE-Kampagne auf die Spitze.
Hier hätte man besser mit Humor statt mit der Rechtsabteilung Größe beweisen können. Trotzdem ist die Sache sehr ernst, es geht um mehr als ein karikiertes Kampagnenmotiv. Hier ist unser demokratisches Grundrecht auf Kritik und freie Meinungsäußerung in Gefahr!
urgewald wird sich jedoch keinen Maulkorb verpassen lassen, wir lassen uns nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil: Das Vorgehen bei JvM/RWE zeigt uns, dass wir mit unseren breiten Protesten bereits an empfindlichen Stellen getroffen haben. Wir sind ein ernstzunehmender Gegner und wir geben nicht auf.
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Heffa Schücking
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