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stern / zerbrochenes gewehr
anti-atom 7.4.2009 

RWE-Werbeagentur will urgewald mit juristischen Mitteln einschüchtern

In Bulgarien wurden Belene-Kritiker bereits mit Morddrohungen eingeschüchtert. In Deutschland geht RWEs Werbeagentur nun mit juristischen Mitteln gegen urgewald vor und will Teile unserer Protestkampagne verbieten.

Was ist passiert?

Die Hamburger Agentur Jung van Matt, die sich selbst zu den bekanntesten deutschen Kreativagenturen zählt, erdachte für ihren Kunden RWE eine Werbekampagne, die helfen soll, den billig produzierten Atomstrom des Konzerns unter der Bezeichnung "ProKlima Strom" teuer unter die Leute zu bringen.

Für den "ProKlima Strom" gruben die Kreativen die 80er Jahre Pop-Formation "Trio" aus Großenkneten wieder aus und lassen sie für RWE werben. Trio steht für 3 Jahre Preisgarantie und für ein gutes Klimagewissen. Die dadaistische Kampagne soll den Verbraucher darüber hinwegtäuschen, dass der ProKlima-Strom weitaus teurer ist, als echter Ökostrom. Und schlimmer noch: Die Kampagne spielt mit den Ängsten der Verbraucher: vor Preiserhöhungen und vor dem Klimawandel. Sie präsentiert ein Stromprodukt, das zu 68 % aus Atomstrom besteht, als Lösung.

urgewald entwickelte anlässlich der bundesweiten Protestkampagne gegen RWE, eine Persiflage der RWE-Werbekampagne. Das urgewald-Motiv übt deutliche Kritik an der Energiepolitik des Konzerns: "Der hohe Preis bleibt - teuer - dreckig - gefährlich".

Jetzt droht man urgewald im Schreiben der Jung von Matt Basis GmbH vom 26. März: "Wegen der Verletzung der vorstehend ausgeführten Rechte von JvM stehen JvM gegen Ihren Verein Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzansprüche zu (SS9 7 ff. UrhG). Weiterhin weisen wir darauf hin, dass eine Urheberrechtsverletzung auch eine Straftat im Sinne der §§ 106 ff. UrhG darstellen kann. (...)" Die Agentur verlangt die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung binnen weniger Tage.

Fazit

Es wäre schade drum, denn unser Kampagnenmotiv ist um einiges lustiger als seine "Vorlage". Der dazugehörige Flyer klärt informativ und humorvoll über die Atomstrommarke von RWE auf. Auf der letzten Seite treibt der Hinweis "Wir können auch nicht singen, haben aber bessere Argumente. Rufen Sie uns an, wenn Sie von Atomstrom loskommen wollen." die Verballhornung der RWE-Kampagne auf die Spitze.

Hier hätte man besser mit Humor statt mit der Rechtsabteilung Größe beweisen können. Trotzdem ist die Sache sehr ernst, es geht um mehr als ein karikiertes Kampagnenmotiv. Hier ist unser demokratisches Grundrecht auf Kritik und freie Meinungsäußerung in Gefahr!

urgewald wird sich jedoch keinen Maulkorb verpassen lassen, wir lassen uns nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil: Das Vorgehen bei JvM/RWE zeigt uns, dass wir mit unseren breiten Protesten bereits an empfindlichen Stellen getroffen haben. Wir sind ein ernstzunehmender Gegner und wir geben nicht auf.

Bitte helfen Sie uns, weiter gegen RWEs gefährliche Atompläne zu kämpfen!
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Verbreiten Sie diese Nachricht weiter. Wechseln Sie den Stromanbieter. Protestieren Sie bei RWE: FINGERWEG von urgewald!

Heffa Schücking
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Anmerkungen

Mehr Infos, den vollständige Brief von Herrn Unsinn, Anwalt bei Jung v. Matt, sowie unsere juristische Antwort finden Sie unter www.urgewald.de

Flyer kostenlos bestellen: https://www.urgewald.de/index.php?page=4-71-211

Hintergrund

RWE verkauft nicht nur billig erzeugten Atomstrom teuer an deutsche Stromkunden. Zukünftig will der Konzern mit noch billiger erzeugtem Strom im Ausland verdienen. So plant RWE, sich als Betreiber mit 1,5 Mrd. Euro an einem Atomkraftwerk in Bulgarien zu beteiligen. Der Standort für das Atomkraftwerk Belene liegt mitten in einem Erdbebengebiet. In Bulgarien sind die Sicherheitsstandards niedrig und Korruption beherrscht die Atomwirtschaft des Landes. Kritiker des Projektes wurden Anfang des Jahres mit Morddrohungen eingeschüchtert. "Keine guten Voraussetzungen für den sicheren Betrieb eines Atomkraftwerkes" attestieren Fachleute, unter ihnen auch Dr. Georgui Kastchiev, ehemaliger Leiter der bulgarischen Atomaufsicht. Sowjetische Wissenschaftler und die bulgarische Akademie der Wissenschaften warnten ebenfalls ohne Erfolg. Bei RWE ist man der Meinung dass man ein erdbebensicheres Atomkraftwerk bauen und betreiben könne.

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