Der Spanische Bürgerkrieg und die damit verbundene Soziale Revolution sind ein literarisch vielfach behandeltes Thema. Die Anzahl der Veröffentlichungen in deutscher Sprache hierzu ist kaum noch zu überblicken. In Bezug auf die Adaption von der Sozialen Revolution und des Bürgerkriegs in Comics stellt sich Deutschland hingegen wieder mal als ein Comicentwicklungsland dar. Die meisten in Deutschland erhältlichen Veröffentlichungen sind Übersetzungen aus dem Französischen oder Spanischen.
Die vielleicht wichtigste und relevanteste Veröffentlichung zum Thema ist „¡No pasarán!“ von Vittorio Giardino – eine Übersetzung aus dem Italienischen. Es handelt sich um den dritten Band einer im Stile eines Polit- und Spionagethrillers gestaltete Serie rund um den Reporter und ehemaligen Geheimdienstagenten Max Friedmann. Zur Einordnung der Geschichte gibt es dabei ein mehrseitiges Vorwort, was den/die Leser_in über den Hintergrund des Bürgerkriegs aufklärt. Da die Geschichte im Oktober 1938 spielt, ist die Soziale Revolution kein großes Thema mehr.
Aus anarchistischer Perspektive ist der subkulturelle Comic „Likwidator in Spanien 1937“ des in Polen lebenden Undergroundzeichners Ryszard Dabrowski von Interesse, der momentan noch einer Neuveröffentlichung harrt. Dabrowski hat auch einen, leider partiell in den Insurrektionalismus verfallenden Band über Nestor Machno gezeichnet. Insgesamt wirken seine Comics in ihrer Punk-Ästhetik etwas schrill und gewöhnungsbedürftig.
Darstellungen der Mujeres Libres (Freie Frauen) fehlen fast gänzlich in der bunten Welt der Comics
Daneben sind auch immer wieder Auszüge aus dem Durruti-Comic von España Rodríguez in anarchistischen Sammelcomicbänden erschienen – z. B. in dem Raubdruck „Geschichten libertärer Geschichte“. Letztere haben eine deutsche Fassung nach dem Erscheinen des Kurzcomics in den britischen Anarchy-Comix verfasst. Zu Durruti sind in den letzten Jahren immer wieder neue Comics entstanden. Auch in dem Sachcomic „Viva l‘anarchia“ (2. Band) von Bruno Loth und Corentin Loth geht es relativ ausführlich um ihn.
Darstellungen der Mujeres Li-bres (Freie Frauen) fehlen dagegen fast gänzlich in der bunten Welt der Comics. Gelegentlich tauchen in feministischen Sachcomics noch mal Verweise auf diese 1936 in Spanien gegründete anarchosyndikalistische Frauenorganisation auf.
Der Fokus vieler Graphic Novels und Comics liegt nach wie vor auf der Erzählung von personifizierten Heldengeschichten – und hierfür bietet sich Buenaventura Durruti an.
Es lohnt sich auch mal der Blick in die Comiclandschaft der DDR. Hier erschien 1986, d. h. zum 50jährigen Jubiläum, in der für Kinder erstellten Comiczeitschrift „Atze“ als Fortsetzungscomic mit einer Geschichte rund um die Internationalen Brigaden unter dem Titel „Spaniens Himmel“ – gezeichnet von K. Fischer. Der Anarchismus wurde dabei nicht weiter thematisiert. Stattdessen wird der (militärische) Heldenmut und die Solidarität der Internationalen Brigaden besungen. Es ist der einzige Comic, der sich mit diesem Thema in der DDR beschäftigt, obwohl es eine ganze Reihe von in Form von Geschichtscomics verpackten Propagandaheften gab – inklusive einem, den Mauerbau rechtfertigenden Comic.
Für Herbst 2026 hat der Bahoe Books-Verlag einen Comic von Stanislav Setinsky und Marek Toman zu einem Mitglied der Internationalen Brigaden unter den Titel „Der Idealist“ angekündigt. Wir können gespannt sein. Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Tschechischen.
Ein interessanter Comic über die Internationalen Brigaden ist der französische Band „España la vida“ von Maximilien Le Roy (Szenario) und Eddy Vaccaro (Zeichnungen), der noch einer Übersetzung harrt. Als Geleitzitat macht der Comic mit einem Auszug aus einem Léo Ferré-Song auf. Sein Protagonist Jean-Léonard, ein junger Pariser, gerät dabei im Jahr 1937 auch in die Kreise der spanischen Anarchist_innen. Maximilien Le Roy steht dem Anarchismus mindestens nahe, wie er nicht nur in diesem Band beweist.
Unlängst hat er z. B. einen Comic über einen israelischen Anarchisten in Frankreich publiziert.
Daneben taucht der Spanische Bürgerkrieg auch als Randthema in vielen anderen Comics auf. Zum Beispiel bei dem biographischen Comic „Simon Radowitzky. Vom Schtetl zum Freiheitskämpfer“ von Augustin Comotto und in den klassischen Gesamtdarstellungen vom Anarchismus, bei Findus‘ „Kleine Geschichte des Anarchismus“ oder „Anarchismus“ von Véronique Bergen.
Comicempfehlungen (Auswahl):
Ryszard Dabrowski: Likwidator in Spanien 1937, Bahoe Books, Wien 2017. (vergriffen)
Geschichten libertärer Geschichte, o.V. o.J.
Vittorio Giardino: Max Frisch. Band 3: ¡No pasarán!, Salleck Publications, Wattenheim 1999.
Maximilien Le Roy / Eddy Vaccaro: España la vida, Casterman, Paris 2013.
Bruno Loth / Corentin Loth: Viva l‘anarchia!, Band 2, Bahoe Books, Wien 2025.
Stanislav Setinsky / Marek Toman: Der Idealist, Bahoe Books, Wien 2026.
Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Graswurzelrevolution. Schnupperabos zum Kennenlernen gibt es hier.