David McReynolds – wir werden ihn sehr vermissen

Nachruf auf den antimilitaristischen Bewegungsaktivisten

 435 januar 2019 Michael Randle

David McReynolds, der im Alter von 88 Jahren in New York starb, hatte eine führende Rolle in der US- und der internationalen Friedensbewegung. Er war einer der Hauptorganisatoren der Mobilisierung gegen den Vietnamkrieg in den USA, die nicht nur zur Beendigung dieses Krieges führte, sondern einen tiefgründigen Einfluss auf die US-amerikanische Politik und Gesellschaft ausübte. Herausragend war er auch in der Anti-Atom-Bewegung, in den USA und international. Zwar war er nicht als Organisator für die Rechte Homosexueller bekannt, stand aber öffentlich zu seiner Homosexualität, als dies noch gesellschaftlichen Ausschluss und Gefängnisstrafen bedeutete. Weiterlesen

„Die Uniform in die Jauchegrube geworfen“

Interview mit dem Wehrmachtsdeserteur Rainer Schepper

 435 januar 2019 Interview: Bernd Drücke

Fahnenflucht ist in Deutschland bis heute nach § 16 Wehrstrafgesetz strafbar. Während des Zweiten Weltkriegs wurden von der Nazi-Justiz über 30.000 Todesurteile gegen Deserteure gefällt. Davon wurden mindestens 23.000 vollstreckt. Bis zum Kriegsende im Mai 1945 wurden viele Männer, die sich durch Fahnenflucht der Beteiligung am befohlenen Massenmord entzogen, standrechtlich erschossen. Dieser Gefahr zum Trotz desertierten während des Zweiten Weltkriegs von den 18,2 Millionen Wehrmachtssoldaten bis zu 400.000. Einer dieser Deserteure war der spätere Lehrer Rainer Schepper. Nach Erscheinen seines Buches „Ich war Deserteur“ (1) wurde der Publizist und Rezitator standard- und niederdeutscher Sprache als „Vaterlandsverräter“ beschimpft. Sein 2016 erschienener „Lebensreport“ (2) dokumentiert auch, wie der Militarismus im Nazideutschland den Alltag der Jugendlichen bestimmt hat. Zentral sind die Erlebnisse, die Schepper während der letzten Kriegsmonate gemacht hat. Im Januar 1945 wurde der damals 17-Jährige zum Kriegseinsatz an die Ostfront kommandiert. Er floh, desertierte dreimal und entkam, trotz Standgericht und Strafkommando. Heute ist er vielleicht der letzte noch lebende Wehrmachtsdeserteur. Mit dem 91-Jährigen führte am 12.11.2018 GWR-Redakteur Bernd Drücke ein Zeitzeugengespräch (3), das wir hier in Auszügen veröffentlichen. (GWR-Red.) Weiterlesen

Das Tor der Tränen

Öl als Kriegswaffe, Hungersnot als Faustpfand – Der Jemen und die Geopolitik des Elends

 434 dezember 2018 Jakob Reimann

9. August 2018, Dahyan, Sa’da-Gouvernement im Nordjemen. Ein Schulbus ist von einem Klassenausflug – traditionell ein Picknick, um das Ende der Sommerferien zu feiern – zurück auf dem Weg in die Schule. Es ist ein warmer Sommertag, der Busfahrer hält an einem gutbesuchten Marktplatz, um Wasser für die Kinder zu holen. Ein Kampfjet der Saudi-Emirate-Koalition … Weiterlesen

Rüstung gegen Russland

Die Bundeswehr steuert in einen neuen Kalten Krieg

 434 dezember 2018 Jürgen Wagner Jürgen Wagner ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Informationsstelle Militarisierung Tübingen (IMI e.V.). Kontakt: www.imi-online.de

Seit einiger Zeit macht sich die Bundeswehr daran, konkret auszubuchstabieren, was der vom Zaun gebrochene Neue Kalte Krieg mit Russland für die Struktur, Bewaffnung und nicht zuletzt die Finanzierung der Truppe bedeutet – oder zumindest, was auf dieser Grundlage nun ganz oben auf ihrer Wunschliste steht. Weiterlesen

Neuer zivil-militärischer Zwangsdienst in Frankreich

 431 september 2018 Lou Marin

Der neue zivil-militärische Zwangsdienst für Sechzehnjährige, offiziell "Nationaler Universaldienst" (Service national universel; SNU) genannt, ist in der Umsetzung bereits beschlossen und dient deutschen Rechten in CDU/CSU/AfD wie - angeblich - Linken (Vorreiterrolle der Jungle World - shame on you!) als Vorbild. (GWR-Red.) Weiterlesen

Wehrpaßverbrennung

Eine fast vergessene Aktion

 430 sommer 2018 Johann Bauer

Es ist nicht mehr gewiß, daß es bei der "Aussetzung" der Wehrpflicht bleiben wird: Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr und zunehmende internationale Spannungen könnten uns mit Problemen konfrontieren, die wir seit Jahren nicht mehr hatten. Für Frankreich wurde von Coastliner in der GWR 419 (Mai 2017) "Eine Renaissance des Kriegsdienstzwangs" vorhergesagt. Tatsächlich hat Macron jetzt die Einführung eines "service national universel" für Anfang 2019 angekündigt. Deshalb ist eine Erinnerung an Konflikte und Aktionen sinnvoll, an denen GraswurzelrevolutionärInnen und andere AntimilitaristInnen früher beteiligt waren. Das mag sogar Widerstand vorbereiten oder eine abschreckende Wirkung haben, wenn Zwangsdienste wieder ins staatliche Kalkül geraten. Vor 40 Jahren haben einige von uns ihre Wehrpässe öffentlich verbrannt. (GWR-Red.) Weiterlesen