Gewaltfrei gegen Despotismus

 432 oktober 2018 Darth Korth

Guillaume Gamblin, Pierre Sommermeyer, Lou Marin (Hg.): Im Kampf gegen die Tyrannei. Gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften: der zivile Widerstand in Syrien 2011-2014 und die „Republikanischen Brüder“ im Sudan 1983-1985, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2018, 144 Seiten, 13,90 Euro, ISBN 978-3-939045-34-2 „Auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein, und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört.“ (Walter Benjamin) Weiterlesen

Foto: Klaus Blödow

„Ich brauche den Zweifel“

Ein Gespräch mit Holger Isabelle Jänicke

 432 oktober 2018 Interview: Bernd Drücke

Holger Isabelle Jänicke wurde 1962 in Lübeck geboren und ist als schwer behindertes Kind in der schwäbischen Provinz  aufgewachsen. Gegen Ende seiner Schulzeit wurde er aktiv in der Friedensbewegung. In den 1980ern engagierte er sich u.a. in der Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung in Mutlangen. In einem Interview mit GWR-Mitherausgeber Besalino erzählte er in der GWR 385 über sein Engagement im Rechtshilfebüro für Gewaltfreie Aktionen. ((1)) Daran knüpft das folgende Gespräch an, das GWR-Redakteur Bernd Drücke im Juli 2018 im Studio des Medienforums Münster mit dem Bewegungsarbeiter führte. ((2)) Holger Isabelle Jänicke ist im Vorstand des Archiv-Aktiv e.V. in Hamburg. Dort werden Dokumente, Fotos, Filme und Transparente zum gewaltfreien Widerstand gesammelt. Im Gespräch geht es um Jänickes Arbeit als Aktivist und Archivar. Außerdem um Klimawandel, Anarchismus, soziale Bewegungen und emanzipatorische Perspektiven gegen das Erstarken des Neofaschismus. (GWR-Red.) Weiterlesen

Die Gewaltspirale sabotieren

 432 oktober 2018 Wolfgang Haug

„Je mehr Gewalt, desto weniger Revolution“. Texte zum gewaltfreien Anarchismus und anarchistischem Pazifismus. Band 1, hrsg. von der Arbeitsgruppe Anarchismus und Gewaltfreiheit, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2018, 240 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-939045-31-1 Weiterlesen

Der gewaltfreie Aufstand in Armenien

Ein Gespräch mit Leonhard Bonaventura über den Sturz des autokratischen Regimes im Mai 2018

 431 september 2018 Lou Marin

Ende April und Anfang Mai 2018 hat eine gewaltfreie Massenbewegung in Armenien durch eine große Bandbreite gewaltfreier Aktionen zunächst den langjährigen Autokraten Sersch Sargsjan abgesetzt. Auch ein Interimspräsident der herrschenden Republikanischen Partei und ihrer korrupten Oligarchen-Klientel konnte sich nicht lange halten. Die Bewegung brachte den Oppositionellen und Korruptionskritiker Nikol Paschinjan an die Macht. In dieser Weltregion zunehmend autoritärer Regimes und brutaler Bürgerkriege, neben Putin, Erdo?an und Assad, kann die herrschaftskritische Bedeutung dieses gewaltfreien Aufstands gar nicht überschätzt werden. Leonhard Bonaventura war während der Proteste Student in Armeniens Hauptstadt Jerewan und hat die Massenbewegung vor Ort miterlebt. (GWR-Red.) Weiterlesen

Wehrpaßverbrennung

Eine fast vergessene Aktion

 430 sommer 2018 Johann Bauer

Es ist nicht mehr gewiß, daß es bei der "Aussetzung" der Wehrpflicht bleiben wird: Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr und zunehmende internationale Spannungen könnten uns mit Problemen konfrontieren, die wir seit Jahren nicht mehr hatten. Für Frankreich wurde von Coastliner in der GWR 419 (Mai 2017) "Eine Renaissance des Kriegsdienstzwangs" vorhergesagt. Tatsächlich hat Macron jetzt die Einführung eines "service national universel" für Anfang 2019 angekündigt. Deshalb ist eine Erinnerung an Konflikte und Aktionen sinnvoll, an denen GraswurzelrevolutionärInnen und andere AntimilitaristInnen früher beteiligt waren. Das mag sogar Widerstand vorbereiten oder eine abschreckende Wirkung haben, wenn Zwangsdienste wieder ins staatliche Kalkül geraten. Vor 40 Jahren haben einige von uns ihre Wehrpässe öffentlich verbrannt. (GWR-Red.) Weiterlesen

Freund, Genosse, Friedensstreiter, Meister

Eine Erinnerung an Johannes Sternstein geboren am 20. August 1966 - gestorben am 11. März 2018

 429 mai 2018 Hannes Kuefer

Es war ein schönes, blaues Plakat mit der Aufschrift "Arroganz der Macht" neben dem CDU Logo. Plakatiert wurde es des Nachts in Stuttgart. Es war im OB-Wahlkampf 1982, der CDU-Kandidat Manfred Rommel ("Em Wüstafuchs sein Kloiner") galt als eher liberal und tolerant. Er hatte die Stammheimer Toten der RAF von 1977 auf einem Stuttgarter Friedhof beerdigen lassen, während die Bevölkerungsmehrheit diese eher in einer Jauchegrube versenkt sehen wollte. Seine Plakatkampagne propagierte "Toleranz aus Stärke". Das hat uns junge Anarchist*innen aus der Graswurzelrevolution Stuttgart - Gewaltfreie Stuttgarter Gruppe GSG1 damals provoziert und wir wollten das so nicht stehen lassen. Unser Drucker Johannes hat also unseren Gegenentwurf prima umgesetzt. Mit dem Erfolg, dass wir wirklich stadtweit plakatiert haben und präsent waren ... Johannes habe ich kennengelernt, als er 15 Jahre alt war. Er hatte schon damals lange Haare und trug in der Regel eine Latzhose aus Cordsamt in dunklem Blau oder Schwarz. Weiterlesen

Nächte mit Johannes und die „Koffer“ voller „Briketts“

 429 mai 2018 Lou Marin

Johannes Sternstein lernte ich Anfang der Achtzigerjahre im Rahmen der gewaltfreien Aktionen der beginnenden Friedensbewegung kennen. Unsere Heidelberger gewaltfreie Aktionsgruppe ging zurück auf den Internationalen gewaltfreien Marsch für Entmilitarisierung 1980. Die GSG 1 (Gewaltfreie Stuttgarter Gruppe) wurde 1981 gegründet. Von Anfang an bestanden vielfältige Kontakte. Weiterlesen

Die libertäre Seite Martin Luther Kings

Buchbesprechung

 429 mai 2018 N.O. Fear

Buchbesprechung Martin Luther King: „Ich bin auf dem Gipfel des Berges gewesen.“ Reden, Edition Nautilus, Hamburg 2016, 106 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-96054-021-2. In diesen Wochen, in denen vielfach an die Ermordung Martin Luther Kings durch einen weißen Rassisten in Memphis am 4. April 1968, vor fünfzig Jahren, erinnert wird, steht die Radikalisierung des späten … Weiterlesen

Erinnerung an Ekkehart Krippendorff

geboren am 22. März 1934 in Eisenach - gestorben am 27. Februar 2018 in Berlin

 428 april 2018 Lou Marin

Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King, Jr., in den USA ermordet. Mit diesem rassistischen Mord eskalierte in den USA und vielen anderen Ländern die Revolte, an die jetzt zum 50. Mal erinnert wird. Am Abend dieses 4. April 1968 zog in Berlin ein spontaner Demonstrationszug von mehreren tausend Menschen zum Schöneberger Rathaus. Die Erinnerungsrede an M.L. King hielt damals, vor 50 Jahren, Ekkehart Krippendorff. Er sprach von dem "anderen Amerika", das "größer und besser ist als seine Regierungen und deren Politik" (E. Krippendorff: Lebensfäden. Zehn autobiographische Versuche, Verlag Graswurzelrevolution 2012, S. 250; im Folgenden: LF, 250). Zu Kings Vermächtnis meinte er später: "Uns mit diesem mutigen Visionär eines Amerika identifizieren zu können, das die großen Ideale der eigenen Revolution wieder ernst nimmt und zur Richtschnur ethisch begründeter Politik macht, gab der APO Kraft und Perspektive" (ebd.). Im damaligen Westdeutschland und in Berlin begann die StudentInnenbewegung in Wirklichkeit schon drei Jahre früher, mit dem sogenannten "Fall Krippendorff", der in die Geschichte der APO als zündendes Ereignis eingegangen ist. Weiterlesen