Der Sudan erneut im Kampf gegen die Tyrannei

Der Brotaufstand wird zur Bewegung

| Lou Marin

Seit dem 19. Dezember 2018 gibt es im Sudan eine systemkritische Massenbewegung gegen das islamistische Regime Omar Al-Baschirs, das seit 1989 an der Macht ist und dem Massenmorde in Darfur in den Neunzigerjahren zur Last gelegt werden. Die Bewegung war entstanden, weil an diesem Dezembertag vom Regime eine Verdreifachung des Brotpreises angeordnet wurde. Weiterlesen

David McReynolds – wir werden ihn sehr vermissen

Nachruf auf den antimilitaristischen Bewegungsaktivisten

 435 januar 2019 Michael Randle

David McReynolds, der im Alter von 88 Jahren in New York starb, hatte eine führende Rolle in der US- und der internationalen Friedensbewegung. Er war einer der Hauptorganisatoren der Mobilisierung gegen den Vietnamkrieg in den USA, die nicht nur zur Beendigung dieses Krieges führte, sondern einen tiefgründigen Einfluss auf die US-amerikanische Politik und Gesellschaft ausübte. Herausragend war er auch in der Anti-Atom-Bewegung, in den USA und international. Zwar war er nicht als Organisator für die Rechte Homosexueller bekannt, stand aber öffentlich zu seiner Homosexualität, als dies noch gesellschaftlichen Ausschluss und Gefängnisstrafen bedeutete. Weiterlesen

Gewaltfrei gegen Despotismus

 432 oktober 2018 Darth Korth

Guillaume Gamblin, Pierre Sommermeyer, Lou Marin (Hg.): Im Kampf gegen die Tyrannei. Gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften: der zivile Widerstand in Syrien 2011-2014 und die „Republikanischen Brüder“ im Sudan 1983-1985, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2018, 144 Seiten, 13,90 Euro, ISBN 978-3-939045-34-2 „Auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein, und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört.“ (Walter Benjamin) Weiterlesen

Foto: Klaus Blödow

„Ich brauche den Zweifel“

Ein Gespräch mit Holger Isabelle Jänicke

 432 oktober 2018 Interview: Bernd Drücke

Holger Isabelle Jänicke wurde 1962 in Lübeck geboren und ist als schwer behindertes Kind in der schwäbischen Provinz  aufgewachsen. Gegen Ende seiner Schulzeit wurde er aktiv in der Friedensbewegung. In den 1980ern engagierte er sich u.a. in der Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung in Mutlangen. In einem Interview mit GWR-Mitherausgeber Besalino erzählte er in der GWR 385 über sein Engagement im Rechtshilfebüro für Gewaltfreie Aktionen. ((1)) Daran knüpft das folgende Gespräch an, das GWR-Redakteur Bernd Drücke im Juli 2018 im Studio des Medienforums Münster mit dem Bewegungsarbeiter führte. ((2)) Holger Isabelle Jänicke ist im Vorstand des Archiv-Aktiv e.V. in Hamburg. Dort werden Dokumente, Fotos, Filme und Transparente zum gewaltfreien Widerstand gesammelt. Im Gespräch geht es um Jänickes Arbeit als Aktivist und Archivar. Außerdem um Klimawandel, Anarchismus, soziale Bewegungen und emanzipatorische Perspektiven gegen das Erstarken des Neofaschismus. (GWR-Red.) Weiterlesen

Die Gewaltspirale sabotieren

 432 oktober 2018 Wolfgang Haug

„Je mehr Gewalt, desto weniger Revolution“. Texte zum gewaltfreien Anarchismus und anarchistischem Pazifismus. Band 1, hrsg. von der Arbeitsgruppe Anarchismus und Gewaltfreiheit, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2018, 240 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-939045-31-1 Weiterlesen

Der gewaltfreie Aufstand in Armenien

Ein Gespräch mit Leonhard Bonaventura über den Sturz des autokratischen Regimes im Mai 2018

 431 september 2018 Lou Marin

Ende April und Anfang Mai 2018 hat eine gewaltfreie Massenbewegung in Armenien durch eine große Bandbreite gewaltfreier Aktionen zunächst den langjährigen Autokraten Sersch Sargsjan abgesetzt. Auch ein Interimspräsident der herrschenden Republikanischen Partei und ihrer korrupten Oligarchen-Klientel konnte sich nicht lange halten. Die Bewegung brachte den Oppositionellen und Korruptionskritiker Nikol Paschinjan an die Macht. In dieser Weltregion zunehmend autoritärer Regimes und brutaler Bürgerkriege, neben Putin, Erdo?an und Assad, kann die herrschaftskritische Bedeutung dieses gewaltfreien Aufstands gar nicht überschätzt werden. Leonhard Bonaventura war während der Proteste Student in Armeniens Hauptstadt Jerewan und hat die Massenbewegung vor Ort miterlebt. (GWR-Red.) Weiterlesen

Wehrpaßverbrennung

Eine fast vergessene Aktion

 430 sommer 2018 Johann Bauer

Es ist nicht mehr gewiß, daß es bei der "Aussetzung" der Wehrpflicht bleiben wird: Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr und zunehmende internationale Spannungen könnten uns mit Problemen konfrontieren, die wir seit Jahren nicht mehr hatten. Für Frankreich wurde von Coastliner in der GWR 419 (Mai 2017) "Eine Renaissance des Kriegsdienstzwangs" vorhergesagt. Tatsächlich hat Macron jetzt die Einführung eines "service national universel" für Anfang 2019 angekündigt. Deshalb ist eine Erinnerung an Konflikte und Aktionen sinnvoll, an denen GraswurzelrevolutionärInnen und andere AntimilitaristInnen früher beteiligt waren. Das mag sogar Widerstand vorbereiten oder eine abschreckende Wirkung haben, wenn Zwangsdienste wieder ins staatliche Kalkül geraten. Vor 40 Jahren haben einige von uns ihre Wehrpässe öffentlich verbrannt. (GWR-Red.) Weiterlesen

Freund, Genosse, Friedensstreiter, Meister

Eine Erinnerung an Johannes Sternstein geboren am 20. August 1966 - gestorben am 11. März 2018

 429 mai 2018 Hannes Kuefer

Es war ein schönes, blaues Plakat mit der Aufschrift "Arroganz der Macht" neben dem CDU Logo. Plakatiert wurde es des Nachts in Stuttgart. Es war im OB-Wahlkampf 1982, der CDU-Kandidat Manfred Rommel ("Em Wüstafuchs sein Kloiner") galt als eher liberal und tolerant. Er hatte die Stammheimer Toten der RAF von 1977 auf einem Stuttgarter Friedhof beerdigen lassen, während die Bevölkerungsmehrheit diese eher in einer Jauchegrube versenkt sehen wollte. Seine Plakatkampagne propagierte "Toleranz aus Stärke". Das hat uns junge Anarchist*innen aus der Graswurzelrevolution Stuttgart - Gewaltfreie Stuttgarter Gruppe GSG1 damals provoziert und wir wollten das so nicht stehen lassen. Unser Drucker Johannes hat also unseren Gegenentwurf prima umgesetzt. Mit dem Erfolg, dass wir wirklich stadtweit plakatiert haben und präsent waren ... Johannes habe ich kennengelernt, als er 15 Jahre alt war. Er hatte schon damals lange Haare und trug in der Regel eine Latzhose aus Cordsamt in dunklem Blau oder Schwarz. Weiterlesen