{"id":10022,"date":"2010-05-01T00:00:25","date_gmt":"2010-04-30T22:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10022"},"modified":"2022-07-26T14:14:36","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:36","slug":"ein-leben-als-provokation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/05\/ein-leben-als-provokation\/","title":{"rendered":"Ein Leben als Provokation"},"content":{"rendered":"<p>Dabei hat er selbst seinen Mythos am allerbesten inszeniert,                 es lohnt sich, den Film &#8222;The Great Rock&#8217;n Roll Swindle&#8220; nochmals                 anzusehen. Dort r\u00fcckte er sich als den Erfinder der Sex Pistols                 ins &#8211; f\u00fcr ihn richtige &#8211; Licht. Liest mensch die Nachrufe, so                 geht seine Rechnung auf und sein posthumer Ruhm ist so etwas wie                 sein letztes gegl\u00fccktes Spektakel.<\/p>\n<p>McLaren wurde am 22.1.1946 in Stoke Newington im Norden Londons                 geboren; Seinen Vater Pete kannte er nicht wirklich. Dieser Deserteur                 des 2. Weltkriegs verabschiedete sich auch von seiner Familie,                 als Malcolm 2 Jahre alt war. Seine Mutter Emmy heiratete wieder,                 mit seinem Stiefvater Martin Levi kam Malcolm nie zurecht, so                 dass er bei seiner Gro\u00dfmutter Rose Corre Isaacs aufwuchs, deren                 nonkonformistisches Credo &#8222;B\u00f6se ist gut, gut ist einfach langweilig&#8220;                 ihm fr\u00fch viel bedeutete. Malcolm schloss sich Banden an, wurde                 von Schulen geschmissen, \u00fcberwarf sich endg\u00fcltig mit seiner Mutter                 und landete schlie\u00dflich &#8211; in Ablehnung der Hippies &#8211; bei den &#8222;Teds&#8220;,                 die ihre Antib\u00fcrgerlichkeit durch besonders vornehme Kleidung                 ausdr\u00fcckten. <\/p>\n<h3>&#8222;Sei vern\u00fcnftig &#8211; fordere das Unm\u00f6gliche!&#8220;<\/h3>\n<p>Im Herbst 1964 begann er sein Kunststudium, das ihn durch diverse                 Anstaltenf\u00fchrte. Hier kam er in Ber\u00fchrung mit den Theorien, Ideen                 und spontanen Aktionsformen der franz\u00f6sischen SituationistInnen.               <\/p>\n<p>Er teilte die \u00dcberzeugung, dass sich soziale Ver\u00e4nderungen durch                 absurde und provokative Aktionen oder Desinformationen erreichen                 lassen. Er hatte Verbindung zu der situationistischen Gruppe &#8222;King                 Mob&#8220; und beteiligte sich an Uni-H\u00f6rsaalblockaden und Sit-Ins.<\/p>\n<p>Schnell begriff er, dass mit gezielten Provokationen in jeder                 Hinsicht ein gro\u00dfer Effekt erzielt werden konnte.<\/p>\n<p>Auf der Harrow Art School traf er zwei Menschen, die seinen Weg                 beruflich und privat lange mitgingen und die sich gegenseitig                 beeinflussten: Mit der 5 Jahre \u00e4lteren Vivienne Westwood, Modedesignerin,                 gr\u00fcndete er die Londoner Szenel\u00e4den und Jamie Reid entwarf sp\u00e4ter                 die provokativen, einfachen und doch so einflussreichen Punkgraphiken                 der Sex Pistols. Angelehnt an die Manifeste der SituationistInnen                 schrieb er in dieser Zeit ein Manifest, das gut zur sp\u00e4teren Punkbewegung                 passte: &#8222;Sei kindisch, sei verantwortungslos. Sei respektlos.                 Sei alles, was diese Gesellschaft hasst.&#8220;<\/p>\n<h3>&#8222;Too fast to live, too young to die&#8220;<\/h3>\n<p>Um die Gesellschaft provozieren und vorherrschende Trends &#8211; wie                 die Hippies &#8211; bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, er\u00f6ffneten Malcolm und Vivienne                 Westwood 1971 den Laden &#8222;Let it Rock&#8220; in der 430 King&#8217;s Road in                 Chelsea. Dort verkauften sie die v\u00f6llig aus der Mode geratenen                 Outfits der Teddy Boys aus den 50er Jahren, u.a. Schuhe mit Krebssohlen.                 Dieser Laden wurde zum Subkulturtreffpunkt. Er wurde mehrfach                 umbenannt und umgestylt, zuerst in &#8222;Too Fast to Live, too Young                 to Die&#8220;, dann 1974 in &#8222;SEX&#8220;.<\/p>\n<p>Dabei wandelten sich sowohl BesucherInnen wie Verkaufsobjekte,                 Westwood designte verbotene Klamotten, sie verkauften Bondage-                 und SM-Utensilien. <\/p>\n<p>McLaren: &#8222;Wir wollten Dinge verkaufen, die normalerweise in braunem                 Papier unter dem Ladentisch verkauft wurden&#8220; und &#8222;Die Leute trauten                 sich nicht in den Laden. Es war fantastisch. Ganz am Anfang hatten                 wir die dreckigen, alten M\u00e4nner als Kundschaft und bei vielen                 stellte es sich heraus, dass es bekannte Politiker waren&#8230; Dann                 kamen die Kids in den Laden. &#8230; Ich holte T-Shirts von der Christopher                 Street in New York&#8230; mit Penis drauf&#8230; Einige Kids wurden verhaftet&#8230;                 wir wurden zweimal durchsucht und mussten vor Gericht, aber gaben                 nichts darauf. Alles wurde beschlagnahmt, wir ersetzten es und                 die Kids dachten, das ist der coolste Platz auf Erden.&#8220; <\/p>\n<p>Westwood und McLaren kreierten auch T-Shirts mit Gro\u00dfbuchstaben-Slogans                 wie z.B. &#8222;Keep the dialectic open&#8220;. Ein Spruch, der etwas Programmatisches                 hatte, da sie genau wussten, dass das Modische von heute eigentlich                 schon wieder out war und schon das von morgen angeboten werden                 musste. Dies erkl\u00e4rt vielleicht die h\u00e4ufigen Umbenennungs- und                 Umstyling-Aktionen, zuletzt in &#8222;Seditionaires&#8220; &#8211; in dem sich das                 Ambiente wieder \u00e4nderte: Zwischen ausgeschlagenen W\u00e4nden, in denen                 Bilder des zerbombten Dresden als Tapete hingen, wurden die Klamotten                 Westwoods aufgeh\u00e4ngt und angeboten. Da sich Westwood jedoch als                 Modedesignerin mit Ballkleidern aus dem 18. Jahrhundert durchsetzen                 wollte, trennten sich die Wege der beiden Lebenspartner. <\/p>\n<h3>&#8222;Amis schocken&#8220;<\/h3>\n<p>Bereits 1971 waren Westwood und McLaren in New York gewesen,                 hatten den Kontakt zu Andy Warhol gekn\u00fcpft, sich die Popart abgeschaut                 und die New York Dolls bei einem Auftritt kennengelernt. <\/p>\n<p>1975 wechselte Malcolm erneut nach New York und erstmals ins                 Musikbusiness. Er traf sich wieder mit den New York Dolls, einer                 Metal-M\u00e4nnergruppe, die in High Heels, enganliegenden Latexklamotten                 und geschminkt auftraten. Vivienne Westwood: &#8222;You boys look so                 much better in women&#8217;s clothing.&#8220; <\/p>\n<p>Malcolm bequatschte den S\u00e4nger David JoHansen und den Gitarristen                 Johnny Thunders, dass sie ihn als Manager brauchten. Unter seinem                 Einfluss trat die Band im Maoistenlook der chinesischen Roten                 Garden auf. Dolls-Gitarrist Sylvain erinnert sich: &#8222;Malcolm sagte,                 warum h\u00e4ngt ihr keine Rote Fahne auf? Was eine brillante Idee                 war.&#8220; McLaren schrieb ein Manifest &#8222;Lieber Rot als tot&#8220;.<\/p>\n<p>Der Fehler war nur, dass die New YorkerInnen sich wenig provozieren                 lie\u00dfen und den tieferen k\u00fcnstlerischen Sinn sowieso nicht verstanden.                 Sylvain: &#8222;Ein ber\u00fchmter New Yorker sagte zu mir, nun macht ihr                 auf Kommunismus? Keiner verstand es wirklich. Es war Kunst um                 der Kunst willen.&#8220; Die Zusammenarbeit endete deshalb bald. Malcolm                 kehrte jedoch inspiriert nach London zur\u00fcck. <\/p>\n<h3>&#8222;Anarchy in the UK&#8220;<\/h3>\n<p>So wenig erfolgreich er die &#8222;Kalten-Krieger-Amerikaner&#8220; provozieren                 konnte, umso leichter fiel es ihm zu Hause bei den Briten, den                 Nerv zu treffen.<\/p>\n<p>Doch vorab: Weshalb eigentlich lag der PUNK in der Luft? War                 nicht der Rock radikal genug, Jimi Hendrix mit seinen brennenden                 und zerberstenden Gitarren, Frank Zappa mit seinen frechen Texten                 oder die politisch motivierten Songs von Bob Dylan u.v.a.? Mitte                 der 70er waren die ersten schon tot, andere so etabliert, dass                 sie ein tragender Teil der Musikindustrie geworden waren, wieder                 andere wie Bob Dylan gerade dabei, &#8222;religi\u00f6s&#8220; zu werden.<\/p>\n<p>Noch wesentlicher aber war der Perfektionismus, die angestrebte                 &#8222;Professionalit\u00e4t&#8220; r\u00fcstete regelrecht auf. Konzertaufbauten wie                 die der Rolling Stones oder von Pink Floyd f\u00fcllten Containerflugzeuge                 und die Einf\u00fchrung des Synthesizers in die Rock-Musik besorgte                 den Rest. Pink Floyd wurde zum Antibild f\u00fcr junge Underground-Musiker                 und so ist es alles andere als ein Zufall, dass John Lydon vom                 SEX-Mitarbeiter Bernie Rhodes angesprochen wurde, weil er gr\u00fcne                 Haare, zerrissene Kleider und ein Pink Floyd-T-Shirt trug, auf                 das er &#8222;Ich hasse&#8220; gekritzelt hatte. <\/p>\n<p>Malcolm brachte seine gemanagte Band &#8222;The Strand&#8220; mit dem SEX-Mitarbeiter                 und Bassisten Glen Matlock zusammen, tauschte deren S\u00e4nger Wally                 Nightingale mit Sid Vicious aus, taufte John Lydon wegen seiner                 schlechten Z\u00e4hne in Johnny Rotten und die Band in Sex Pistols                 um. Und es konnte losgehen. <\/p>\n<p>Die Texte der Band waren nicht nur provokativ, sondern nutzten                 auch die aktuelle Situation. P\u00fcnktlich zum silbernen Thronjubil\u00e4um                 der Queen erschien im Mai 1977 &#8222;God save the Queen \/ the fascist                 regime, there is no future \/ in England&#8217;s dreaming&#8220;. Die BBC reagierte                 prompt und verbot das Abspielen des Songs. McLaren organisierte                 ein Boot und beschallte mit den Sex Pistols London mit dem Titel                 von der Themse aus; es kam zu einer Polizeiboot-Verfolgungsjagd                 und zur Verhaftung McLarens. Die Provo-Aktion war gegl\u00fcckt. <\/p>\n<p>Im Oktober 1977 erschien das Album &#8222;Never Mind the Bollocks&#8220;                 mit den ausgeschnittenen Buchstaben, die nicht nur das Layout                 revolution\u00e4rer Zeitschriften in aller Welt ver\u00e4nderten, sondern                 auch die K\u00fcnstlerInnen der 80er und 90er Jahre wesentlich beeinflussten.<\/p>\n<p>Auch weiterhin gelang es Malcolm, die Finger auf gesellschaftliche                 Tabus zu legen, so besuchte er z.B. mit der Band den ber\u00fchmten                 englischen Postr\u00e4uber Ronald Biggs in Rio de Janeiro und lie\u00df                 das gemeinsame Foto um die Welt gehen &#8211; nicht ohne die zus\u00e4tzliche                 Provokation, dass der Schauspieler Paul Cook aus &#8222;The Great Rock&#8217;n                 Roll Swindle&#8220; in Naziuniform als Martin Bormann mit auf die Platte                 musste.<\/p>\n<p>F\u00fcr Malcolm McLaren wurde es der perfekte Start als Musikmanager                 und die Plattenfirmen reagierten, es hagelte Vertr\u00e4ge f\u00fcr Punkbands,                 die skandaltr\u00e4chtig zu sein schienen. Aber &#8211; frei nach Bakunin                 &#8211; war f\u00fcr Malcolm selbst etwas anderes wichtiger: &#8222;Man zerst\u00f6rt,                 um Dinge zu erschaffen, und da muss man dann schon r\u00fccksichtslos                 vorgehen. Die Sex Pistols waren ein Kunstwerk.<\/p>\n<p>Mein Material ist nicht Farbe oder Ton, sondern Menschen. Ich                 benutze sie, missbrauche sie, manipuliere sie, weil ich an meine                 Idee glaube. Die Sex Pistols waren eine Idee, keine Band. Und                 sie waren das schillerndste, spektakul\u00e4rste Scheitern, das ich                 je erlebt habe, einfach gro\u00dfartig.&#8220;<\/p>\n<p>Dass diese Offenlegung keine Show, sondern f\u00fcr die Bandmitglieder                 bittere Realit\u00e4t war, erfuhren die Sex Pistols bereits im Januar                 1978. Vielversprechend zur USA-Tournee aufgebrochen, mit dem gerade                 erschienenen Album im Gep\u00e4ck, erlebten sie ein Desaster, mussten                 bei McLaren um Geld k\u00e4mpfen und l\u00f6sten sich noch auf der Tournee                 selbst auf. Wie es dazu kam? Wohl, um Skandal zu machen, hatte                 Malcolm die Band vorzugsweise in Redneck-Kneipen gebucht, wer                 den Film &#8222;Blues Brothers&#8220; in Erinnerung hat, kann sich vorstellen,                 was dort abging. Das geplante fr\u00fche Ende der Sex Pistols hielt                 McLaren allerdings nicht davon ab, den erworbenen Ruf im Film                 &#8222;The Great Rock&#8217;n Roll Swindle&#8220; und \u00fcber die Plattenvertr\u00e4ge weiter                 auszuwerten. Erst 1986 gelang es John Lydon auf gerichtlichem                 Weg, die Rechte f\u00fcr die Band zur\u00fcckzugewinnen und McLaren zu einer                 Tantiemen-R\u00fcckzahlung von 1 Million Pfund zu zwingen. Tantiemen,                 die z.B. entstanden waren, weil McLaren aus unver\u00f6ffentlichtem                 Material im Alleingang das zweite Sex Pistols Album &#8222;Flogging                 A Dead Horse&#8220; herausgebracht hatte.<\/p>\n<h3>&#8222;Ich jage einem Regenbogen nach, und das l\u00e4sst nach, sobald                 du einen Job hast.&#8220;<\/h3>\n<p>In den Jahren zwischen 1979 und 1986 wurde weiter promotet; Adam                 and the Ants wurden in Indianer-Outfits gesteckt; die Musiker                 von Adam Ant zudem mit der 14-j\u00e4hrigen S\u00e4ngerin Annabella Lwin                 zusammengesteckt und als Bow Wow Wow in Piraten-Outfits vermarktet,                 inklusive eines Fotos, das die Band beim Fr\u00fchst\u00fcckspicknick \u00e0                 la Manet zeigte &#8211; mit der halbnackten Lwin.<\/p>\n<p>McLaren: &#8222;In dieser Zeit gab es eine hei\u00dfe Diskussion darum,                 dass die Kids mit Kassettenrecordern und Ghettoblastern Musik                 umsonst aus dem Radio kopierten. Die Plattenindustrie versuchte,                 eine Lizenzgeb\u00fchr auf Leerkassetten durchzudr\u00fccken, weil die Kids                 ihre eigene Musik aufnahmen. Deshalb sprach alles von Piraterie                 und meine Kids sahen aus wie Piraten.&#8220; <\/p>\n<p>Nach einigen Top-Hits h\u00f6rte die Gruppe auf. McLaren arbeitete                 mit anderen wie Sinead O&#8217;Connor, die Red Hot Chili Peppers verzichteten.<\/p>\n<p>Was folgte, waren Eigenkreationen als Musiker: Mit &#8222;Duck Rock&#8220;                 spannte Malcolm US-amerikanischen Square Dance mit afrikanischer                 Zulu-Musik und Hip Hop zusammen. Bei seinen Alben &#8222;Buffalo Gals&#8220;                 und &#8222;Double Duck&#8220; brachte er Hochkultur und Nonsenskultur zusammen,                 Puccinis Oper &#8222;Madame Butterfly&#8220; und Bizets &#8222;Carmen&#8220; mit einem                 Sprechgesangs-Gel\u00e4chter oder einem schief singenden M\u00e4dchenchor.                 1994 erschien die n\u00e4chste ironisierende Abmischung.<\/p>\n<p>Unter dem Titel &#8222;Paris&#8220; h\u00f6ren wir Catherine Deneuve, Francoise                 Hardy und Malcolm McLaren singen, sprechen und hauchen, alles                 zweisprachig und verjazzt. Erkl\u00e4rtes Ziel der Mixturen, unerwartete                 H\u00f6rerlebnisse sollten &#8222;unerwartete Emotionen&#8220; ausl\u00f6sen und so                 ist es folgerichtig, dass noch ein paar Verfremdungen eingebaut                 werden, wie bei der gedem\u00fctigten und zum Selbstmord getriebenen                 Madame Butterfly, deren Geschichte aus der Perspektive des US-Marines                 erz\u00e4hlt wird, der kalt feststellt: &#8222;She got a little problem.&#8220;<\/p>\n<p>Anfang 2000 &#8211; anl\u00e4sslich der B\u00fcrgermeisterwahlen in London &#8211;                 forderte McLaren eine &#8222;authentische Kultur, nicht diese Karaoke-Kultur&#8220;;                 zu seinem Ma\u00dfnahmenkatalog geh\u00f6rte der freie Eintritt in Museen,                 ein Bierausschank in Bibliotheken und Bordelle neben dem Regierungssitz.                 Im September 2000 kam er nach Karlsruhe ins Zentrum f\u00fcr Kunst                 und Medientechnologie und verdeutlichte sein Anliegen: &#8222;Wir leben                 in einer Welt der Zweitverwertung, die ohne jeglichen Standpunkt                 auskommt. Es geht nur noch um Product Placement, Marketing, Verkaufen.&#8220;                 Und er, der das alles selbst mitgemacht hatte, sieht nur eine                 m\u00f6gliche Reaktion: alles, was er anfange, auch wieder zu zerst\u00f6ren,                 um Neues zu schaffen.<\/p>\n<h3>Slow Culture<\/h3>\n<p>So schnelllebig, wie McLaren und Westwood Namen und Inhalte ihrer                 Subkulturl\u00e4den ver\u00e4nderten; so vielf\u00e4ltig er mit seinen Aktionen                 provozieren und damit zu einer Kulturver\u00e4nderung beitragen wollte,                 hat er doch dem herrschenden Kulturbetrieb mit seiner Sucht nach                 Abwechslung, Sensationen und Vermarktbarkeit innovativ entsprochen                 bzw. ihm neues Leben eingehaucht.<\/p>\n<p>In seinen Interview-Beitr\u00e4gen f\u00fcr ARTE (Sendung am 17.4.2010)                 zeigt er jedoch, dass er auch diesen Mechanismus durchschaut,                 und er fordert, abgeleitet von slow food statt fast food, eine                 slow culture. Als Herausforderung aller kulturellen Anstrengungen                 sieht er die Aufgabe, f\u00fcr eine Verlangsamung oder Entschleunigung                 zu sorgen. &#8222;Die Leute haben es satt, in einer Kultur der Sehns\u00fcchte                 gefangen zu sein.&#8220; Gute Aktionsformen oder gar eine soziale Bewegung                 gegen die visuelle Umweltverschmutzung der Werbeindustrie w\u00e4ren                 dringlich! Wir sind es schlie\u00dflich, die zulassen, dass unsere                 Kinder via M\u00fcslit\u00fcten mehr Pok\u00e9mon-Figuren kennen als wirkliche                 Tiere (belegt durch eine wissenschaftliche Untersuchung an englischen                 Kindern, ver\u00f6ffentlicht in &#8222;Science&#8220;).<\/p>\n<p>Oder &#8211; um mit Malcolms Worten zu schlie\u00dfen: &#8222;Sprich mit Deiner                 Tochter, bevor es die Sch\u00f6nheitsindustrie tut.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dabei hat er selbst seinen Mythos am allerbesten inszeniert, es lohnt sich, den Film &#8222;The Great Rock&#8217;n Roll Swindle&#8220; nochmals anzusehen. Dort r\u00fcckte er sich als den Erfinder der Sex Pistols ins &#8211; f\u00fcr ihn richtige &#8211; Licht. Liest mensch die Nachrufe, so geht seine Rechnung auf und sein posthumer Ruhm ist so etwas wie &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/05\/ein-leben-als-provokation\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Ein Leben als Provokation - graswurzelrevolution","description":"Dabei hat er selbst seinen Mythos am allerbesten inszeniert, es lohnt sich, den Film \"The Great Rock'n Roll Swindle\" nochmals anzusehen. Dort r\u00fcckte er sich als"},"footnotes":""},"categories":[565,45,1042],"tags":[],"class_list":["post-10022","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-349-mai-2010","category-concert-for-anarchy","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10022"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10022\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}