{"id":10100,"date":"2010-09-01T00:00:36","date_gmt":"2010-08-31T22:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10100"},"modified":"2022-07-26T13:31:13","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:13","slug":"vuvuzelas-fur-den-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/09\/vuvuzelas-fur-den-frieden\/","title":{"rendered":"Vuvuzelas f\u00fcr den Frieden"},"content":{"rendered":"<p>Gesagt, getan. Gegen KriegsgegnerInnen wird jetzt in mehreren                 St\u00e4dten ermittelt (siehe Artikel auf Seite 3 und 7).<\/p>\n<p>Doch der Sommer 2010 war auch von erfreulich lebendigen Protesten                 zum Beispiel gegen militaristische Spektakel in M\u00fcnster und Stuttgart                 gepr\u00e4gt (s. Seite 3). <\/p>\n<p>In M\u00fcnster wollte die Bundeswehr am 30. Juni 2010 einen Gro\u00dfen                 Zapfenstreich durchf\u00fchren. Wir haben am 5. Juni davon erfahren                 und seitdem zu <i>zapfnix<\/i>-Protestaktionen aufgerufen. Das                 hat auch die Bundeswehr mitbekommen. Mitte Juni hat ein Soldat                 im Redaktionsb\u00fcro der Graswurzelrevolution angerufen. Ich habe                 gedacht, dass das ein P\u00f6belanruf wird, wie der, den ein durch                 die \u00fcble Anti-zapfnix-Berichterstattung in der M\u00fcnsterschen Zeitung                 verhetzter Bundeswehrsoldatenvater in der GWR-Redaktion gemacht                 hat. Stattdessen hat der Pressesprecher vom Lufttransportkommando                 mir mitgeteilt, dass der geplante Gro\u00dfe Zapfenstreich abgesagt                 sei. &#8222;Herr Doktor Dr\u00fccke, Sie haben uns Militarismus vorgeworfen.                 Fairer Weise m\u00f6chte ich Sie darauf hinweisen, dass wir jetzt nur                 noch eine Serenade machen werden.&#8220; Ich habe nachgehakt, ob Marschmusik                 gespielt werden soll. &#8222;Ja, aber auch das Lied \u201aTime to say goodbye&#8216;                 von Francesco Sartori.&#8220; Ein &#8222;Helm ab zum Gebet&#8220; werde es nicht                 mehr geben. <\/p>\n<p>Der Milit\u00e4raufmarsch war dann tats\u00e4chlich kleiner als urspr\u00fcnglich                 geplant. <\/p>\n<p>Das ist ein Erfolg. <\/p>\n<p>Die Bundeswehr hat in der \u00d6ffentlichkeit nichts zu suchen. Sie                 will eine Remilitarisierung des \u00f6ffentlichen Raums erreichen.                 Wir sollen uns wieder an stramm stehende Befehlsempf\u00e4nger in olivgr\u00fcnen                 Uniformen gew\u00f6hnen. Die Menschen sollen vergessen, dass die Bundeswehr                 an verbrecherischen Kriegen beteiligt ist. Angesichts der Tatsache,                 dass 70% der Bev\u00f6lkerung den Kriegseinsatz gegen die afghanische                 Bev\u00f6lkerung ablehnen, ist das bisher aber nur bedingt gelungen.               <\/p>\n<p><b>Der Grund f\u00fcr die Militaristenshow in M\u00fcnster<\/b><\/p>\n<p>Das bisher in M\u00fcnster beheimatete Lufttransportkommando wurde                 ins niederl\u00e4ndische Eindhoven verlegt. Mit der Aufl\u00f6sung wurde                 keine Abr\u00fcstung betrieben, sondern die Militarisierung der EU                 vorangetrieben. Die EU r\u00fcstet auf und versucht die milit\u00e4rische                 Hegemonie der USA zu brechen. Das nunmehr europ\u00e4ische Lufttransportkommando                 EATC (European Air Transport Command) in Eindhoven soll u.a. die                 EU-Battlegroups &#8211; die schnelle Eingreiftruppe der EU &#8211; koordinieren,                 um in k\u00fcrzester Zeit Milit\u00e4rinterventionen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.               <\/p>\n<p><b>Die militaristische Tradition der Zapfenstreiche<\/b><\/p>\n<p>Der Gro\u00dfe Zapfenstreich entstand 1838 in Preu\u00dfen. Seitdem hat                 sich die Zeremonie kaum ver\u00e4ndert. Sowohl im wilhelminischen Deutschen                 Reich als auch im Nationalsozialismus wurden diese militaristischen                 Zeremonien abgehalten. An einem Zapfenstreich nehmen Soldaten                 mit Stahlhelmen und Fackeln teil. Es wird zu Milit\u00e4rmusik marschiert,                 Befehle werden gebr\u00fcllt, ein martialisches Schauspiel. \u00c4hnlich                 verh\u00e4lt es sich mit Gel\u00f6bnissen, die die Armee nach innen festigen                 und nach au\u00dfen repr\u00e4sentieren sollen. Im Ausland f\u00fchrt die Bundeswehr                 Krieg, im Inland soll die Bev\u00f6lkerung auf Kurs gebracht werden                 und ein neuer Helden- und Totenkult etabliert werden. Bei Milit\u00e4rritualen                 stellt sie sich bewusst in eine Traditionslinie mit den uns\u00e4glichen                 Vorg\u00e4nger-Armeen.<\/p>\n<p>Die zapfnix-Protestaktionen in M\u00fcnster wurden, wie schon das                 <i>gel\u00f6bnix<\/i> 2009 in Rheine (vgl. GWR 340) von der &#8222;Friedensinitiative                 Pulverturm&#8220; initiiert, einem bunten B\u00fcndnis, das 2009 in einem                 Biergarten ins Leben gerufen wurde. Es beteiligten sich Leute                 u.a. vom Bildungsstreik, die <i>rebel clowns army<\/i>, antifaschistische                 und antimilitaristische Gruppen. Der Protest stand unter dem Motto                 &#8222;Vuvuzelas f\u00fcr den Frieden&#8220;. <\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich haben sich die w\u00e4hrend der Fu\u00dfball-WM 2010 vor                 allem bei deutschen Boulevardblattschreibern verhassten s\u00fcdafrikanischen                 Blasinstrumente beim zapfnix als neue Instrumente sozialer Bewegungen                 bew\u00e4hrt und den AktivistInnen gro\u00dfen Spa\u00df bereitet. <\/p>\n<p>Die Bundeswehr-Marschmusiker waren w\u00e4hrend der militaristischen                 Show kaum zu h\u00f6ren. Stattdessen gaben etwa 250 AntimilitaristInnen                 mit Vuvuzelas, Trommeln, Trillerpfeifen und Buhrufen ein wohlklingenderes                 Gegenkonzert: &#8222;Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller                 Welt. Bundeswehr abschaffen!&#8220;<\/p>\n<p>Der Vuvuzela ist zuk\u00fcnftig ein fester Platz in den H\u00e4nden sozialer                 Bewegungen zu w\u00fcnschen, sei es bei Demos gegen MilitaristInnen                 oder auch bei Aktionen gegen Neonazis und andere GegnerInnen einer                 menschengerechten Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesagt, getan. Gegen KriegsgegnerInnen wird jetzt in mehreren St\u00e4dten ermittelt (siehe Artikel auf Seite 3 und 7). Doch der Sommer 2010 war auch von erfreulich lebendigen Protesten zum Beispiel gegen militaristische Spektakel in M\u00fcnster und Stuttgart gepr\u00e4gt (s. Seite 3). In M\u00fcnster wollte die Bundeswehr am 30. Juni 2010 einen Gro\u00dfen Zapfenstreich durchf\u00fchren. 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