{"id":10168,"date":"2010-10-01T00:00:41","date_gmt":"2010-09-30T22:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10168"},"modified":"2022-07-26T14:14:33","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:33","slug":"die-erste-libertare-medienmesse-im-ruhrgebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/10\/die-erste-libertare-medienmesse-im-ruhrgebiet\/","title":{"rendered":"Die erste libert\u00e4re Medienmesse im Ruhrgebiet"},"content":{"rendered":"<p>Die VeranstalterInnen waren im Wesentlichen AnarchosyndikalistInnen                 aus dem Ruhrgebiet, dem Niederrhein und dem Rheinland. <\/p>\n<p>Ihnen ist zu danken, dass die europaweit an der Zahl zunehmende                 Kultur der libert\u00e4ren Buch- oder Medienmessen nun auch in Deutschland                 einen Ort gefunden hat. Bisher war die Schweiz das einzige Gastland                 im deutschsprachigen Raum. In s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern verbreiten                 sich solche Messen seit einigen Jahren in ungeahnter Geschwindigkeit.               <\/p>\n<p>Der Unterschied zu den bekannten &#8222;linken Buchmessen&#8220; (Berlin,                 N\u00fcrnberg usw.) besteht vor allem darin, dass sich libert\u00e4re Medienleute                 und ihr Publikum hier &#8222;unter sich&#8220; treffen und damit die Existenz                 einer eigenst\u00e4ndigen inhaltlichen Str\u00f6mung markieren, w\u00e4hrend                 in den sonstigen linken Buchmessen seit einiger Zeit eher die                 marxistisch orientierten Verlage und Str\u00f6mungen dominieren. <\/p>\n<p>Durch die j\u00fcngeren Versuche der Vermischung von Anarchismus und                 (Neo-)Marxismus &#8211; auch in der Theorie &#8211; werden meiner Ansicht                 nach die Konturen einer eigenst\u00e4ndigen libert\u00e4ren Kultur zu sehr                 verwischt. Das, was Anarchismus ist oder sein kann, wird dadurch                 \u00f6ffentlich weniger sichtbar.<\/p>\n<p>Dass marxistische zusammen mit anarchistischen Verlagen eine                 linke Buchmesse organisieren &#8211; also der bisherige Normalfall f\u00fcr                 Deutschland -, ist \u00fcbrigens in L\u00e4ndern wie Frankreich, Spanien,                 Italien oder Portugal undenkbar. Sch\u00f6n also, dass die erste libert\u00e4re                 Medienmesse in Oberhausen endlich an diese s\u00fcdeurop\u00e4ische Tradition                 einer sch\u00e4rfer hervorgehobenen Eigenst\u00e4ndigkeit libert\u00e4rer Kultur                 angekn\u00fcpft hat.<\/p>\n<p>Gleichwohl war das inhaltliche Programm der Veranstaltungen sehr                 variabel und spiegelte die Bandbreite heutiger anarchistischer                 Kultur gut wieder.<\/p>\n<p>Eine weitere Neuerung war der Begriff &#8222;Medienmesse&#8220; &#8211; der Schwerpunkt                 sollte also nicht nur auf den klassischen Printmedien Buch und                 Zeitung liegen. Einige Veranstaltungen befassten sich daher mit                 dem Verh\u00e4ltnis von Anarchie und Internet oder es stellte sich                 das spannende Projekt der (nicht nur) digitalen Anarchistischen                 Bibliothek &#038; Archiv Wien vor ((1)).               <\/p>\n<p>Die &#8222;DadA &#8211; Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus&#8220; und                 weitere \u00e4hnliche Projekte waren allerdings noch nicht vertreten,                 so dass die Tendenz &#8222;Medien&#8220; bei kommenden Messen dieses Titels                 durchaus noch ausgebaut werden kann. Dasselbe k\u00f6nnte \u00fcber Filme                 gesagt werden, obwohl einige Filmdokumentationen im Programm waren.                 Denn in den Ausstellungsr\u00e4umen dominierten nach wie vor noch Buch                 und Zeitung.<\/p>\n<p>Es ist schwierig, den Zuspruch der BesucherInnen dieser ersten                 libert\u00e4ren Medienmesse im Ruhrgebiet richtig einzusch\u00e4tzen. Die                 Veranstaltungen, Filme und Konzerte waren, soweit ich das mitbekam,                 durchweg gut besucht (auch die der Graswurzelrevolution) &#8211; in                 den Messer\u00e4umen machte sich das optisch allerdings nicht unbedingt                 bemerkbar. Am Freitagabend hatte ich den Eindruck, als besuchten                 lediglich die AusstellerInnen die jeweils anderen St\u00e4nde, am Samstag                 blieb dieser Eindruck bis in den fr\u00fchen Nachmittag hinein bestehen.                 Dann wurde es allerdings besser und ich sprach am Stand der Graswurzelrevolution                 mit einigen Leuten, die im Ruhrgebiet leben und sich angesichts                 dieser ersten Gelegenheit auch vorgenommen hatten, das ein oder                 andere Buch direkt zu erstehen. <\/p>\n<p>Zwei R\u00fccksichtnahmen h\u00e4tten vielleicht dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass                 der Publikumszuspruch weitaus h\u00f6her h\u00e4tte ausfallen k\u00f6nnen. Zum                 einen war zeitgleich am Wochenende die Mobilisierung gegen den                 Nazi-Aufmarsch in Dortmund zu deren &#8222;Antikriegstag&#8220; am 4. September                 &#8211; das h\u00e4tte vielleicht bei der Terminierung vorausgesehen werden                 k\u00f6nnen, zumal das jedes Jahr stattfindet. <\/p>\n<p>Zum anderen ist ein &#8211; zwar sehr sch\u00f6ner und auch bekannter Szenetreff                 wie das &#8222;Druckluft&#8220; vielleicht nicht unbedingt ein Veranstaltungsort                 f\u00fcr eine solche Messe, der dem Anarchismus ein in die Gesellschaft                 hineinwirkendes \u00f6ffentliches Schaufenster geben k\u00f6nnte, d.h. es                 auch Leuten aus szenefernen Bereichen der Gesellschaft leicht                 erm\u00f6glichen w\u00fcrde, sich einmal die libert\u00e4re Kultur anzusehen                 und von ihr positiv \u00fcberrascht zu werden. <\/p>\n<p>Die letzte Schweizer libert\u00e4re Buchmesse in Biel\/Bienne etwa                 fand in einem der gr\u00f6\u00dften S\u00e4le des Stadtzentrums statt und zog                 eine enorme Anzahl von BesucherInnen an, allein durch die Auswahl                 des Ortes. <\/p>\n<p>Das alles soll aber den positiven Eindruck dieser ersten Medienmesse                 im Ruhrgebiet nicht tr\u00fcben, doch wenn daraus eine Reihe oder fest                 verankerte Tradition werden soll, k\u00f6nnte dar\u00fcber vielleicht weiter                 nachgedacht werden. Ein gro\u00dfer Dank jedenfalls an die VeranstalterInnen                 f\u00fcr ihre M\u00fche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die VeranstalterInnen waren im Wesentlichen AnarchosyndikalistInnen aus dem Ruhrgebiet, dem Niederrhein und dem Rheinland. Ihnen ist zu danken, dass die europaweit an der Zahl zunehmende Kultur der libert\u00e4ren Buch- oder Medienmessen nun auch in Deutschland einen Ort gefunden hat. Bisher war die Schweiz das einzige Gastland im deutschsprachigen Raum. 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