{"id":10234,"date":"2010-11-01T00:00:58","date_gmt":"2010-10-31T22:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10234"},"modified":"2022-07-26T14:14:32","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:32","slug":"und-wieder-gingen-wir-ein-paar-kleine-schritte-zu-einer-freien-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/11\/und-wieder-gingen-wir-ein-paar-kleine-schritte-zu-einer-freien-gesellschaft\/","title":{"rendered":"&#8230; und wieder gingen wir ein paar kleine Schritte zu einer freien Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwoch, den 6. Oktober ging es los und ich fand mich zusammen                 mit sieben anderen Menschen zum Forumtheaterworkshop ein. Wir                 w\u00e4rmten uns locker auf, begannen zu spielen, entwickelten Szenen                 und versuchten, gemeinsam L\u00f6sungen und Verhaltensm\u00f6glichkeiten                 in Konfliktsituationen zu erforschen. Die kleine Gruppe f\u00fchlte                 sich famili\u00e4r und vertraut an, wir sahen viel und lernten voneinander.                 Ein sch\u00f6ner Einstieg.<\/p>\n<p>Tags drauf nahm ich am Workshop &#8222;Emma und ich&#8220; teil. In einem                 in Szene gesetzten Seminarraum, mit einer illustrierten Chronologie                 von Emmas Leben, Ereignissen der Zeit, einer bildlichen Geschichte                 der Anarchie und vielen sch\u00f6nen kleinen Details l\u00e4sst sich toll                 arbeiten und reden. Das Seminar hat Lust gemacht auf mehr.<\/p>\n<h3>Exkurs: emma und ich<\/h3>\n<p>&#8222;Ich bin angefixt&#8220; &#8211; sagt eine Teilnehmerin in der Schlussrunde                 des vierst\u00fcndigen Workshops rund ums &#8222;Gelebte Leben&#8220; ((1))                 von Emma Goldman.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich erz\u00e4hlen die anderen, dass sie durch den Ritt durch die                 Biographie und die gemeinsame Bearbeitung von Textstellen zu verschiedenen                 Themenbl\u00f6cken (z.B. &#8222;Propaganda der Tat&#8220; oder &#8222;Russischer (Alp)Traum&#8220;)                 Lust bekommen haben, sich mit dieser Frau, ihrem Leben und dem                 reichlich Drumherum an Zeitgeschichte weiter zu besch\u00e4ftigen.                 Ich freue mich und finde es einen gelungenen Auftakt zur Rostocker                 A-Woche und am Ende wieder einmal einen Startpunkt zu geteilter                 Theorie und Praxis. <\/p>\n<p>Zum Schluss denke ich: Warum nicht einfach zur Kernaussage des                 Konzeptes der &#8222;Propaganda der Tat&#8220; zur\u00fcckkehren (die Bomben beiseite                 lassend :-) ) und die eigenen Taten sprechen lassen, selber verwirklichen,                 was ich mir w\u00fcnsche, und dar\u00fcber kleine und gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen                 erm\u00f6glichen. <\/p>\n<p>Klar, oft schon so oder anders auf Hausw\u00e4nden und in schlauen                 B\u00fcchern gesehen: &#8222;sei die Ver\u00e4nderung, die du w\u00fcnschst&#8220; etc.,                 aber wie kommen wir von einer guten Idee zu einem \u00fcberzeugten                 (und \u00fcberzeugenden) Tun? <\/p>\n<p>Also erst mal nicht z\u00f6gern &#8211; wir starten (u.a.) gleich an Ort                 und Stelle einen neuen &#8222;Libert\u00e4ren Lesekreis&#8220;. Vielleicht lassen                 wir ja mal Emma mit Hannah (Arendt) sprechen \u00fcbers T\u00e4tigSein und                 schauen, was die beiden Frauen uns f\u00fcr unsre eigene Theorie und                 Praxis zu sagen haben. Jess<\/p>\n<p>Anders als im Programm geplant, entschlie\u00dfen sich die beiden                 Dozenten am Abend, die Veranstaltung zu einer offenen Diskussion                 zu machen, die sie mit einer Frage zum zivilen Ungehorsam er\u00f6ffnen.               <\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit sitzen wir zu zehnt im Kreis und wie von selbst                 entspinnt sich eine ernste Diskussion zur Organisationsfrage der                 Gesellschaft und mehr und mehr kommen wir zur Anarchie. Die Beteiligten                 \u00e4u\u00dfern kontroverse Auffassungen, aber die Diskussion bleibt wohlwollend                 und niemals feindlich. Alle machen den Anschein, ernsthaft interessiert                 zu sein, an dieser Auseinandersetzung, die sich drei Stunden nimmt.                 So eine sch\u00f6ne Diskussion habe ich lange nicht erlebt, denke ich                 w\u00e4hrenddessen und freue mich \u00fcber die anwesenden Menschen.<\/p>\n<p>Am Freitag kommt dann Bernd Dr\u00fccke von der GWR in Rostock an,                 zu zwei Veranstaltungen zur Libert\u00e4ren Presse und der anarchistischen                 Bewegung im Laufe der Zeit ((2)).                 Mit einigen mehr Menschen folgen wir ihm am Abend und am Samstagmorgen                 durch die Zeit und die vielen sch\u00f6nen Titelbl\u00e4tter und Inhalte                 der libert\u00e4ren Zeitungen aus vergangenen Jahren: die libert\u00e4re                 Frauenzeitung mit den neuesten Moden und Tipps zur Emanzipation,                 anarchistische Kinder- und Jugendzeitungen, die Frage der Gewalt,                 der Kampf zwischen Freiheit und Autorit\u00e4t, die Repression,&#8230;                 Die Formen haben sich etwas ver\u00e4ndert, denke ich, die Themen nicht.                 Unser Ziel ist immer noch das Gleiche.<\/p>\n<p>Am Nachmittag des Samstags dann mein eigener Workshop: Anarchistische                 Kommunikation. Zusammen mit zehn Teilnehmenden betrachten wir                 die Kommunikationen, in denen wir so stecken, und versuchen, die                 Herrschaft und die Freiheit darin zu entlarven, zu verstehen und                 vor allem letzteres dann auch zu \u00fcben. Wieder arbeiten wir in                 vertrauter Atmosph\u00e4re und kommen schnell an das, was uns wichtig                 ist. <\/p>\n<p>Ich freue mich, dass ich endlich mal direkt \u00fcber Anarchie sprechen                 kann. In den Workshops, mit denen ich mein Geld verdiene, geht                 es zwar auch darum, doch dort \u00fcberlasse ich es den Teilnehmenden,                 drauf zu kommen, wohin das f\u00fchren k\u00f6nnte, wenn man lernt, freiheitlich                 und gewaltfrei zu kommunizieren. ;-)<\/p>\n<p>Und nun war ich auch echt kaputt und meine A-Woche damit vorbei.                 Bei den zw\u00f6lf anderen Veranstaltungen war ich nicht dabei, aber                 ich h\u00f6rte Gutes. F\u00fcr mich ein sehr sch\u00f6nes Erlebnis, diese Woche:                 sch\u00f6ne Menschen, spannende Themen und das Vertrauen in die Freiheit.                 Wann kommt denn der Schneeballeffekt? <\/p>\n<p>Vielleicht mit der n\u00e4chsten A-Woche oder mit \u2026 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch, den 6. Oktober ging es los und ich fand mich zusammen mit sieben anderen Menschen zum Forumtheaterworkshop ein. Wir w\u00e4rmten uns locker auf, begannen zu spielen, entwickelten Szenen und versuchten, gemeinsam L\u00f6sungen und Verhaltensm\u00f6glichkeiten in Konfliktsituationen zu erforschen. 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