{"id":10424,"date":"2011-01-01T00:00:55","date_gmt":"2010-12-31T22:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10424"},"modified":"2022-07-26T14:12:30","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:30","slug":"gegen-die-militarisierung-des-linken-diskurses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/01\/gegen-die-militarisierung-des-linken-diskurses\/","title":{"rendered":"Gegen die Militarisierung des linken Diskurses!"},"content":{"rendered":"<p><i>&#8222;Du kannst die schmutzige W\u00e4sche der Partei nicht in aller                 \u00d6ffentlichkeit waschen.&#8220;<br \/>                 <\/i><i>&#8222;Dann sollen sie ihre W\u00e4sche nicht schmutzig machen.&#8220;<br \/>                 <\/i>Edith Anderson. Liebe im Exil<\/p>\n<p>Dieses Buch gef\u00e4llt mir nicht. Leider. Denn: Ist ein Buch Grund                 f\u00fcr staatliche Repression, m\u00f6chte man es doch lieber rundherum                 verteidigen. <\/p>\n<p>Das kann und will ich in diesem Fall nicht tun &#8211; womit selbstverst\u00e4ndlich                 das repressive Vorgehen staatlicher Organe nicht gerechtfertigt                 sein soll. <\/p>\n<p>Was gibt es an diesem Buch auszusetzen? Schon der Gestus des                 Komitees, das sich zu &#8222;Schreibern der Situation&#8220; stilisiert (10),                 ist zutiefst problematisch, bedeutet dies doch, dass <i>seine<\/i>                 Wahrnehmung und Interpretation der Gegenwart als allgemeing\u00fcltige                 Wahrheit \u00fcber <i>die<\/i> Situation ausgegeben wird. <\/p>\n<p>Versteckt wird dies hinter der Behauptung, dass seine Ansicht                 von allen geteilt werde. So herrsche &#8222;Einvernehmen&#8220; dar\u00fcber, &#8222;dass                 alles nur noch schlimmer werden&#8220; k\u00f6nne (5), oder es gelte: &#8222;<i>Alle                 sind sich einig<\/i>. Es wird knallen.&#8220; (113) <\/p>\n<p>An anderer Stelle ist davon die Rede, dass &#8222;man&#8220; eben wei\u00df (82)                 oder dass &#8222;alle Illusionen aufgebraucht&#8220; seien (45). <\/p>\n<p>Wenn nun alles so klar ist, warum dann der Drang, &#8222;nur die notwendigen                 Wahrheiten&#8220; auszusprechen (9)? Und aufgrund welchen Wissens l\u00e4sst                 sich zwischen notwendigen und nicht notwendigen Wahrheiten unterscheiden?               <\/p>\n<p>\u00c4hnlich problematisch die Erkl\u00e4rung, dass sie, die Schreiber,                 &#8222;sich damit begn\u00fcgt&#8220; h\u00e4tten, &#8222;etwas Ordnung in die Gemeinpl\u00e4tze                 der Epoche zu bringen, in das, was an den Tischen der Bars, hinter                 der geschlossenen T\u00fcr der Schlafzimmer gemurmelt wird&#8220; (9). <\/p>\n<p>Dahingestellt, woher das Komitee wei\u00df, was an <i>den<\/i> Tischen                 <i>der<\/i> Bars und hinter <i>geschlossenen<\/i> T\u00fcren gemurmelt                 wird, bedeutet &#8222;Ordnung&#8220; in solches Gemurmel zu bringen nicht,                 selbst eine Interpretation vorzunehmen? <\/p>\n<p>Solche Fragen nicht einmal zu stellen, ist umso verheerender,                 als das Komitee kurzerhand seine revolution\u00e4re Perspektive in                 <i>die<\/i> Situation hineinschreibt: &#8222;Es ist das Privileg der                 radikalen Umst\u00e4nde, dass die Genauigkeit dort in guter Logik zur                 Revolution f\u00fchrt. Es gen\u00fcgt, das zu sagen, was man vor Augen hat,                 und die Schlussfolgerung nicht zu umgehen.&#8220; (10)<\/p>\n<p>Was aber, wenn man eine andere Schlussfolgerung zieht?<\/p>\n<p>Ist man dann ein\/e Dr\u00fcckeberger\/in, die\/der der Wahrheit nicht                 ins Auge sehen will? <\/p>\n<p>Aber vielleicht ist es, solche Fragen zu stellen, schon Hinweis                 darauf, dass hier keiner der Guten schreibt und \u00fcberhaupt werden                 alle schon &#8222;zu einem \u00e4hnlichen Schluss kommen m\u00fcssen&#8220; (46). Kommen                 &#8222;m\u00fcssen&#8220;?<\/p>\n<p>Wie meinte doch Bakunin? Ach ja: &#8222;[A]uf diesem vermeintlichen                 und abstrakten Ausdruck dessen, was angeblich das ganze Volk denkt                 und will, wovon aber das lebendige, reale Volk auch nicht die                 geringste Vorstellung hat, darauf basiert in gleicher Weise die                 Theorie der Staatlichkeit und die Theorie der sogenannten revolution\u00e4ren                 Diktatur.&#8220;<\/p>\n<p>Dass die analytische \u00dcbereinkunft, die das Komitee zu vertreten                 meint, keineswegs gegeben ist, wird an manchen Stellen durchaus                 eingestanden. <\/p>\n<p>So sei die &#8222;Sackgasse der Gegenwart (\u2026) \u00fcberall wahrnehmbar&#8220;,                 werde aber &#8222;\u00fcberall geleugnet&#8220; (9). <\/p>\n<p>Indem das Komitee mit der Offensichtlichkeit der Situation argumentiert,                 m\u00fcssen Andersdenkende fast notwendig pathologisiert und therapiert                 (zu Bewusstsein gebracht) oder zum Feind gerechnet werden. Apropos                 Gegner. Im Angebot h\u00e4tten wir &#8222;Man&#8220; (55), die &#8222;Herrschenden&#8220; (63)                 oder den &#8222;Westen&#8220; (68). <\/p>\n<p>Gerade die Beschreibung des Westens erinnert in seiner polemischen                 Schlichtheit an die Ausf\u00fchrungen fr\u00fcherer RealsozialistInnen \u00fcber                 die kapitalistischen Gesellschaften und dient allem Anschein nach                 vor allem der Konstruierung eines absoluten Feindes. <\/p>\n<p>Hieraus resultiert eine erl\u00f6sende Einfachheit, die <i>Der kommende                 Aufstand<\/i> als schlechte Erbauungsliteratur &#8211; gute Erbauungsliteratur                 verfasst Holloway &#8211; ausweist: &#8222;Dieses Nichts zu vernichten, ist                 alles andere als eine traurige Aufgabe. Das Handeln findet darin                 wieder eine neue Jugend. Alles bekommt Sinn, alles wird pl\u00f6tzlich                 klar.&#8220; (91) Und schlie\u00dflich teilt sich alles auf, zwischen &#8222;denjenigen,                 die die Ordnung w\u00fcnschen, und denjenigen, die sie nicht mehr wollen&#8220;                 (116). <\/p>\n<p>Das Einschw\u00f6ren der LeserInnenschaft auf den Dualismus von Gut                 und B\u00f6se wird durch den Hinweis auf den existierenden Ausnahmezustand                 legitimiert. So bef\u00e4nden wir uns in einem &#8222;laufenden Krieg&#8220; (88),                 unter &#8222;<i>polizeilicher<\/i> Besatzung&#8220; (92), so dass es nicht                 verwundert, wenn auch eine ideologische &#8222;Losung&#8220; der Herrschenden                 wie &#8222;I AM WHAT I AM&#8220; als &#8222;<i>Milit\u00e4r<\/i>kampagne&#8220; (14) deklariert                 wird. Leben wir in einer &#8222;Partisanenwirklichkeit&#8220; (95), ist folgerichtig,                 dass es einen &#8222;Partisanen-Sinn f\u00fcr den laufenden Krieg&#8220; erfordere                 (74). <\/p>\n<p>Wohin diese Zustandsbeschreibung f\u00fchrt, ist absehbar: &#8222;Die Katastrophe                 ist nicht das, was kommt, sondern das, was da ist. Wir befinden                 uns schon jetzt <i>in<\/i> der Untergangsbewegung einer Zivilisation.                 Das ist der Punkt, an dem man Partei ergreifen muss.&#8220; (75) <\/p>\n<p>Muss man im gro\u00dfen Kampf von Gut und B\u00f6se Partei ergreifen, ist                 klar, wie diejenigen zu betrachten sind, die sich dieser Logik                 nicht f\u00fcgen wollen: &#8222;Im jetzigen Stadium macht sich ein rein sozialer                 Protest, der sich weigert zu sehen, dass das, dem wir uns gegen\u00fcbersehen,                 nicht die Krise einer Gesellschaft, sondern das Erl\u00f6schen einer                 Zivilisation ist, dadurch an ihrem Fortbestand mitschuldig.&#8220; (71)<\/p>\n<p>Treffen die Herrschenden &#8222;Vorbereitungen&#8220; f\u00fcr einen &#8222;offenen                 Krieg[.]&#8220; (113) und zeigt sich eine verst\u00e4rkte &#8222;polizeiliche Rasterung                 des Landes&#8220; (8), r\u00fcckt das Thema der Gewaltanwendung bzw. der                 &#8222;Selbstverteidigung&#8220; in den Vordergrund (92). <\/p>\n<p>Dabei ist dem Komitee von vornherein alles klar: &#8222;Es gibt keinen                 friedlichen Aufstand. Waffen sind notwendig: Es geht darum, alles                 zu tun, um ihren Gebrauch \u00fcberfl\u00fcssig zu machen.&#8220; (105) G\u00e4hn\u2026               <\/p>\n<p>Aber aufwachen, es geht noch weiter: &#8222;Ein authentischer Pazifismus                 kann nicht die Verweigerung der Waffen sein, nur ihres Gebrauchs.                 Pazifist zu sein, ohne Feuerkraft zu haben, ist nur die Theoretisierung                 einer Ohnmacht. Dieser <i>a priori<\/i>-Pazifismus entspricht einer                 Art vorbeugender Entwaffnung, es ist eine rein polizeiliche Operation.                 In Wahrheit stellt sich die Frage des Pazifismus ernsthaft nur                 f\u00fcr denjenigen, der die Feuerkraft besitzt. Und in diesem Fall                 wird der Pazifismus im Gegenteil von St\u00e4rke sein, weil man einzig                 durch eine extrem starke Position von der Notwendigkeit befreit                 wird, zu feuern.&#8220; (106) <\/p>\n<p>Na danke sch\u00f6n. Solcherart Gepolter ist man sonst eher aus den                 <i>Marxistischen Bl\u00e4ttern<\/i> oder \u00e4hnlichem gew\u00f6hnt. Gelobt wird                 dann auch das &#8222;Niveau der Gewalt und Entschlossenheit der Bewegung&#8220;                 der Sch\u00fcler\/innen in Frankreich (123). <\/p>\n<p>Bakunin schrieb einmal: &#8222;Um eine radikale Revolution zu machen,                 muss man also die Stellungen und Dinge angreifen, das Eigentum                 und den Staat zerst\u00f6ren, dann wird man nicht n\u00f6tig haben, Menschen                 zu zerst\u00f6ren und sich zu der unfehlbaren, unvermeidlichen Reaktion                 zu verurteilen, die in jeder Gesellschaft das Massakre von Menschen                 stets herbeif\u00fchrte und stets herbeif\u00fchren wird.&#8220;<\/p>\n<p>Von einem solchen Bewusstsein ist beim Komitee nicht allzu viel                 zu bemerken, wenn eine revolution\u00e4re Situation wie folgt beschrieben                 wird: &#8222;<i>In einer Anwandlung von klarem Bewusstsein hat ein Manager                 gerade, mitten in einer Sitzung, eine Handvoll Kollegen kaltgemacht<\/i>.&#8220;                 (110) Ein wahrhaft &#8222;klares Bewusstsein&#8220;! <\/p>\n<p>Wie sich das Komitee \u00fcber die &#8222;weinerlichen Forderungen&#8220; von                 Sch\u00fclerdemos mokiert (123), ist es andererseits ein ganz anderes                 Subjekt, das vom Komitee herbeigew\u00fcnscht wird, dass sich &#8211; wie                 sollte es in einem Krieg auch anders sein &#8211; vor allem durch Selbstgewissheit                 und H\u00e4rte auszuzeichnen scheint. <\/p>\n<p>Dies wird vor allem durch ihre Kritik an einem anderen Subjekttypus                 deutlich. So sei das &#8222;schwache, deprimierte, selbstkritische,                 virtuelle Ich (\u2026) wesensm\u00e4\u00dfig das unendlich anpassungsf\u00e4hige Subjekt&#8220;                 des modernen Kapitalismus (13).<\/p>\n<p>Und der &#8222;westliche Imperialismus heute&#8220; sei gerade der &#8222;des Relativismus,                 des \u201aDas ist deine Ansicht&#8216;, das ist der kleine Seitenblick oder                 der verletzte Protest gegen all das, was dumm genug, primitiv                 genug oder selbstgef\u00e4llig genug ist, um noch an etwas zu glauben,                 um noch irgendetwas zu behaupten. Es ist dieser Dogmatismus der                 Infragestellung, der in der gesamten universit\u00e4ren und literarischen                 Intelligenzija komplizenhaft mit dem Auge zwinkert.&#8220; (69f.) <\/p>\n<p>Es ist dann nur konsequent, wenn das Komitee aus strategischen                 Gr\u00fcnden die &#8222;Sichtbarkeit&#8220; der AkteurInnen ablehnt (92), sei man                 doch sonst &#8222;verwundbar&#8220; (91) &#8211; und das wollen harte M\u00e4nner und                 Frauen wohl nicht sein. Wohl auch kein Zufall, wenn sich das Komitee                 an der Militanz von Stra\u00dfengangs orientiert. So seien dann auch                 die franz\u00f6sischen Vorstadtunruhen von 2005 die &#8222;ersten Freudenfeuer&#8220;,                 die &#8222;Taufe eines Jahrzehnts voller Versprechungen&#8220; gewesen (6).<\/p>\n<p>Und es gelte: &#8222;Wie man wei\u00df, quellen die Stra\u00dfen vor Unh\u00f6flichkeiten                 \u00fcber. Zwischen dem, was sie real sind, und dem, was sie sein m\u00fcssten,                 steht die zentripetale Kraft jeder Art von Polizei, die sich abm\u00fcht,                 die Ordnung wiederherzustellen; und auf der anderen Seite stehen                 wir (\u2026). Wir k\u00f6nnen uns \u00fcber die Wutausbr\u00fcche und die Unordnung                 \u00fcberall dort, wo sie auftauchen, nur freuen. (\u2026) Lasst sie Methode                 bekommen, systematisch werden, und schon werden die Unh\u00f6flichkeiten                 in eine diffuse, wirksame Guerilla zusammenstr\u00f6men, die uns in                 unsere grundlegende Unregierbarkeit und Disziplinlosigkeit zur\u00fcckbringt.&#8220;                 (89) <\/p>\n<p>Scheinbar gibt es also nur das gute Volk und die b\u00f6sen Herrschenden.                 Das wird auch an einem anderen Beispiel deutlich: &#8222;Man hat das                 Volk aus seinen l\u00e4ndlichen Gebieten verdr\u00e4ngt, dann aus seinen                 Stra\u00dfen, dann aus seinen Stadtvierteln und schlie\u00dflich aus den                 Eingangshallen der Wohnbl\u00f6cke.&#8220; (87) <\/p>\n<p>Wer aber ist das &#8222;Volk&#8220;? <\/p>\n<p>Geh\u00f6rt hier z.B. auch die junge Frau dazu, die sich freut, dass                 sie beim Durchqueren des Hauseingangs nicht mit den sexualisierenden                 Blicken konfrontiert wird? Und wenn es hei\u00dft: &#8222;Wir erkennen die                 Notwendigkeit an, Geld zu finden, ganz gleich mit welchen Mitteln,                 weil es gegenw\u00e4rtig unm\u00f6glich ist, darauf zu verzichten&#8220; (27),                 schlie\u00dft das auch den \u00dcberfall der alten Oma mit karger Rente                 mit ein? <\/p>\n<p>Das Komitee wird dem wahrscheinlich (hoffentlich) widersprechen,                 aber im unreflektierten Gro\u00df-Reine-Machen entgeht ihm die Komplexit\u00e4t                 der Gesellschaft mit all ihren Widerspr\u00fcchlichkeiten. Wenn beispielsweise                 das Komitee anmerkt, dass die jugendlichen Banden &#8222;Passanten auf                 der Stra\u00dfe anmachen&#8220; &#8211; nur anmachen? &#8211; w\u00fcrden (20), dann ist dies                 von vornherein unproblematisch, da sich schon immer \u00fcber die angebliche                 &#8222;Barbarei der jugendlichen Banden&#8220; aufgeregt wurde (20), so schon                 beim Auftauchen der Rocker. Aber von den K\u00e4mpfen zwischen Rockern                 und Punks erz\u00e4hlt uns das Komitee nicht.<\/p>\n<p>Und impliziert diese Logik nicht auch, dass, wenn sich gr\u00fcne                 Spie\u00dfer \u00fcber junge Neonazis aufregen, man die Partei der Neonazis                 zu ergreifen hat? <\/p>\n<p>Aber eine wie von mir ge\u00e4u\u00dferte Kritik wird pr\u00e4ventiv als pathologisch                 gekennzeichnet: &#8222;Diese Banden, die vor der Arbeit fl\u00fcchten, den                 Namen ihres Viertels annehmen und gegen die Polizei Widerstand                 leisten, sind der Albtraum des, auf franz\u00f6sische Weise individualisierten,                 guten Staatsb\u00fcrgers: Sie verk\u00f6rpern all das, worauf er verzichtet                 hat, die ganze Freude, die m\u00f6glich ist und die er nie erreichen                 wird.&#8220; (20)<\/p>\n<p>Denn: &#8222;Sein Hass gegen den Fremden verschmilzt mit dem Hass gegen                 sich selbst <i>als Fremden<\/i>. Seine mit Entsetzen vermischte                 Eifersucht auf die \u201aVorst\u00e4dte&#8216; dr\u00fcckt nur sein Ressentiment aus                 gegen alles, was er verloren hat.&#8220; (18) Da muss ich wohl in Therapie.<\/p>\n<p>Es ist ein wirkliches \u00c4rgernis, dass die auch interessanten und                 bedenkenswerten Gedanken des Komitees in einer Form vorgetragen                 werden, die weder Lust auf noch die M\u00f6glichkeit zu einer ernsthaften                 Auseinandersetzung f\u00f6rdern. <\/p>\n<p>F\u00fcr das Komitee jedenfalls ist &#8222;[j]eder Kontrollverlust (\u2026) allen                 Szenarios des Krisenmanagements vorzuziehen&#8220; (60).<\/p>\n<p>Denn: &#8222;Was die Krise w\u00fcnschenswert macht, ist, dass in ihr die                 Umwelt aufh\u00f6rt, Umwelt zu sein. Wir werden dazu getrieben, erneut                 einen Kontakt, sei er auch t\u00f6dlich, mit dem aufzunehmen, was da                 ist, die Rhythmen der Wirklichkeit wiederzufinden.&#8220; (60f.) Das                 h\u00f6rt sich alles wundersch\u00f6n romantisch an, erinnert aber irgendwie                 an die Stimmung vor dem Ersten Weltkrieg, wo man sich eine Erl\u00f6sung                 aus der b\u00fcrgerlichen Tristesse durch das reinigende Stahlgewitter                 versprach. &#8222;Es geht nicht darum, <i>sich zu engagieren<\/i> &#8211; in                 diesem oder jenem B\u00fcrgerkollektiv, in dieser oder jener linkextremen                 Sackgasse, in der neuesten Vereinshochstapelei. All die Organisationen,                 die behaupten, die gegenw\u00e4rtige Ordnung in Frage zu stellen, haben                 selber Form, Sitten und Sprache von Miniaturstaaten, nur noch                 marionettenartiger. All die Anwandlungen, \u201aPolitik anders zu machen&#8216;,                 haben bis heute immer nur zur unbegrenzten Erweiterung der staatlichen                 Pseudopodien beigetragen.&#8220; (74) Bei aller berechtigten Kritik                 ist dies immer noch besser als das selbstverliebte Posen, in dem                 sich das Komitee zu gefallen scheint. Und sollte sich eine emanzipatorische                 Antwort auf die Militarisierungstendenzen der Gegenwart nicht                 gerade darum bem\u00fchen, so lange und so weit es geht, zu versuchen,                 jener Logik des Milit\u00e4rischen zu widerstehen, um den eigenen pluralen                 Raum einer radikalen Alternative denk- und lebbar zu gestalten? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Du kannst die schmutzige W\u00e4sche der Partei nicht in aller \u00d6ffentlichkeit waschen.&#8220; &#8222;Dann sollen sie ihre W\u00e4sche nicht schmutzig machen.&#8220; Edith Anderson. Liebe im Exil Dieses Buch gef\u00e4llt mir nicht. Leider. Denn: Ist ein Buch Grund f\u00fcr staatliche Repression, m\u00f6chte man es doch lieber rundherum verteidigen. Das kann und will ich in diesem Fall nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/01\/gegen-die-militarisierung-des-linken-diskurses\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Gegen die Militarisierung des linken Diskurses! - graswurzelrevolution","description":"\"Du kannst die schmutzige W\u00e4sche der Partei nicht in aller \u00d6ffentlichkeit waschen.\" \"Dann sollen sie ihre W\u00e4sche nicht schmutzig machen.\" Edith Anderson. 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