{"id":10459,"date":"2011-02-01T00:00:30","date_gmt":"2011-01-31T22:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10459"},"modified":"2022-07-26T14:24:04","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:04","slug":"widerstand-gegen-neue-akws","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/02\/widerstand-gegen-neue-akws\/","title":{"rendered":"Widerstand gegen neue AKWs"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit tut sich viel in Sachen Atomenergie in Gro\u00dfbritannien.                 Die neue konservativ-liberale Regierungskoalition unter David                 Cameron ist ebenso wild auf neue AKWs wie die Labour-Regierungen                 unter Blair und Brown, auch wenn die Liberalen nicht m\u00fcde werden                 zu betonen, dass es daf\u00fcr keine staatlichen Subventionen geben                 w\u00fcrde. Mit der Wahrheit hat dies jedoch wenig zu tun.<\/p>\n<h3>Im Wesentlichen werden derzeit zwei Subventionen vorbereitet<\/h3>\n<p>Ein fester Preis f\u00fcr die Behandlung und Lagerung des Atomm\u00fclls.                 Wie es m\u00f6glich sein soll, im Jahr 2011 festzulegen, wie teuer                 die Behandlung und Lagerung von Atomm\u00fcll im Jahr 2175 sein wird                 (60 Jahre Laufzeit plus 100 Jahre Lagerzeit am AKW), ist dabei                 schleierhaft, zumal die Technologie f\u00fcr die Endlagerung von Atomm\u00fcll                 noch nicht existiert. Das Kostenrisiko wird somit auf den Staat                 abgew\u00e4lzt &#8211; wenn das keine Subvention ist.<\/p>\n<h3>Ein garantierter Mindestpreis f\u00fcr Kohlendioxidemissionen<\/h3>\n<p>Da es sich aber beim &#8222;Carbon-Trading&#8220; um ein europ\u00e4isches System                 handelt, wird hier zu einem Trick gegriffen: Sollte der europ\u00e4ische                 Carbon-Preis unter ein bestimmtes Niveau fallen, greift eine zus\u00e4tzliche                 Kohlendioxid-Steuer, um den Preis hoch zu halten. Die Kosten tragen                 die VerbraucherInnen.<\/p>\n<p>Hiervon profitieren allerdings auch erneuerbare Energien.<\/p>\n<p>Insgesamt bereitet die britische Regierung derzeit die gr\u00f6\u00dfte                 Reform des Strommarktes seit der Liberalisierung vor, um damit                 f\u00fcr die Atomkonzerne die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.<\/p>\n<h3>Die britische Anti-Atom-Bewegung<\/h3>\n<p>Die Anti-Atom-Bewegung in Britannien ist nicht mit der in der                 Bundesrepublik vergleichbar &#8211; sie ist derzeit weit davon entfernt,                 eine Massenbewegung zu sein. Trotzdem tut sich langsam was.<\/p>\n<p>Die Standortinitiativen &#8211; meist \u00e4ltere B\u00fcrgerInneninitiativen                 aus den 80er Jahren &#8211; haben sich auf einem Treffen im Dezember                 2010 zu einem neuen Netzwerk unter dem Namen CONNED (<i>Communities                 Opposed to New Nuclear Energy Development<\/i>) zusammengeschlossen,                 um ihre Anstrengungen zu b\u00fcndeln. <\/p>\n<p>Ein erster Fokus ist dabei eine gemeinsame Stellungnahme zur                 erneuten Konsultation der Regierung zu &#8222;National Policy Statement                 on Energy&#8220;, mit der die Planungsgrundlage f\u00fcr neue AKWs geschaffen                 werden soll. Diese Konsultation endete am 24. Januar 2011.<\/p>\n<p>Die Umwelt-NGOs Friends of the Earth und Greenpeace halten sich                 weiterhin im Hintergrund und beteiligen sich am Lobbying. Sie                 haben au\u00dferdem bereits angek\u00fcndigt, dass sie die <i>National Policy                 Statements<\/i> vor Gericht angreifen werden, sollten sie eine                 Aussicht auf Erfolg sehen. <\/p>\n<p>Im Februar 2007 war Greenpeace mit einer &#8222;Judicial Review&#8220; der                 &#8222;Energy Review&#8220; der Blair-Regierung erfolgreich. Der High Court                 konstatierte damals, dass die Konsultation der \u00d6ffentlichkeit                 nicht ausreichend und unparteiisch war.<\/p>\n<p>Seit Anfang 2010 will auch eine neue Gruppe &#8211; No Need for Nuclear                 &#8211; gezielt mit \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen &#8222;die Mitte                 der Gesellschaft&#8220; davon \u00fcberzeugen, dass neue AKWs nicht notwendig                 und kontraproduktiv sind.<\/p>\n<p>Im November 2009 wurde von eher aktionsorientierten Gruppen und                 Einzelpersonen das Stop Nuclear Power Network gegr\u00fcndet, um mit                 koordinierten gewaltfreien Aktionen Sand im Getriebe zu sein.               <\/p>\n<p>Derzeit hat es Aktionen wie z.B. kleine, unangek\u00fcndigte Blockaden                 der AKWs Sizewell (22. Februar 2010 &#8211; siehe Prozessbericht in                 dieser GWR) und Hinkley Point (4. Oktober), Aktionen zu Atomindustriekonferenzen,                 einige Veranstaltungen im Rahmen der Konsultationen usw. gegeben.                 Seit zwei Jahren findet am Wochenende vor dem Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe                 (26. April) ein Camp am AKW Sizewell in Suffolk statt &#8211; auch in                 diesem Jahr wird es wahrscheinlich wieder ein Camp geben. <\/p>\n<p>Gruppen des Stop Nuclear Power Network haben auch eine Kampagne                 f\u00fcr den Boykott von EDF gestartet, da EDF als der wichtigste Akteur                 der Atomindustrie angesehen wird und massives Lobbying f\u00fcr neue                 AKWs betreibt. EDF ist mit seinen Pl\u00e4nen f\u00fcr neue Reaktoren in                 Hinkley Point und Sizewell auch am weitesten.<\/p>\n<h3>AKWs und die Klimaschutzbewegung &#8211; eine komplizierte Beziehung<\/h3>\n<p>Ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr die britische Anti-AKW-Bewegung ist die                 ambivalente Position der britischen Klimaschutzbewegung. Weder                 die <i>Campaign Against Climate Change<\/i> noch das <i>Camp for                 Climate Action<\/i> haben eine klare Position zu AKWs &#8211; in beiden                 gibt es nennenswerte Fraktionen, die Atomkraftwerke als &#8222;kleineres                 \u00dcbel&#8220; oder &#8222;notwendige \u00dcbergangstechnologie&#8220; ansehen.<\/p>\n<p>Prominente Pers\u00f6nlichkeiten der britischen Umweltbewegung wie                 z.B. Ex-Greenpeace-Direktor Stephen Tindale, Guardian-Autor George                 Monbiot und James Lovelock setzen sich in der \u00d6ffentlichkeit massiv                 f\u00fcr Atomenergie ein und sind damit dem Klima-Argument der Atomlobby                 voll auf den Leim gegangen. Dabei werden sie nat\u00fcrlich von den                 Medien und der Atomlobby hofiert &#8211; was es der Anti-AKW-Bewegung                 schwer macht, die \u00f6ffentliche Debatte um Atomkraft und Klimawandel                 zu gewinnen.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch Hoffnung, denn derzeit wird von gro\u00dfen Teilen                 der Klimaschutzbewegung die Vision &#8222;Zero Carbon Britain 2030&#8220;                 propagiert. Diese Studie des &#8222;Centre for Alternative Technology&#8220;                 zeigt einen Weg auf, wie die Kohlendioxidemissionen Gro\u00dfbritanniens                 bis zum Jahr 2030 auf null reduziert werden k\u00f6nnen &#8211; und kommt                 dabei ohne Atomkraft aus.<\/p>\n<h3>&#8222;Schlachtfeld&#8220; Hinkley Point<\/h3>\n<p>Hinkley Point in Somerset wird das erste &#8222;Schlachtfeld&#8220; im Kampf                 gegen neue AKWs in Gro\u00dfbritannien sein. Dort will EDF zwei EPR-Reaktoren                 mit jeweils 1650 MW Leistung bauen &#8211; und mit dem Bau so bald wie                 m\u00f6glich beginnen. <\/p>\n<p>Ende November 2010 wurde daher von EDF beim West Somerset Council                 ein Antrag auf vorbereitende Arbeiten eingereicht. Dabei handelt                 es sich im Wesentlichen um Erdarbeiten f\u00fcr die Konstruktion der                 Plattformen, auf denen die neuen Reaktoren errichtet werden sollen.                 Insgesamt 400 Hektar Land sollen daf\u00fcr platt gemacht werden, und                 2.3 Millionen Kubikmeter Erde sollen bewegt werden &#8211; all dies,                 ohne dass bisher bei der Infrastructure Planning Commission ein                 Antrag auf den Bau der Reaktoren selbst auch nur eingereicht wurde.               <\/p>\n<p>EDF behauptet daher in dem Antrag an West Somerset Council auch                 k\u00fchn, dass das Land in den urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcckversetzt                 werden w\u00fcrde, sollte es f\u00fcr die Reaktoren keine Baugenehmigung                 geben.<\/p>\n<p>Es wird derzeit bef\u00fcrchtet, dass EDF schon vor der Genehmigung                 f\u00fcr die vorbereitenden Arbeiten B\u00e4ume und Hecken abholzen k\u00f6nnte,                 denn w\u00e4hrend der Vogelbrutsaison von M\u00e4rz bis September ist dies                 nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vor Ort gibt es mit <i>Stop Hinkley<\/i> eine Standortinitiative,                 die in den 80er Jahren erfolgreich gegen Hinkley Point C gek\u00e4mpft                 hat. Gab es anfangs Bedenken, dass direkte gewaltfreie Aktionen                 auf den Widerstand dieser Initiative sto\u00dfen w\u00fcrden, so war doch                 die Reaktion auf die Blockade am 4. Oktober 2010 \u00fcberwiegend positiv.                 Die Initiative beteiligt sich am offiziellen Planungsverfahren                 und nutzt traditionelle Wege, um gegen den Bau von Hinkley Point                 C vorzugehen.<\/p>\n<p>Im Umfeld von Stop Hinkley gibt es auch AktivistInnen, die Teil                 des Stop Nuclear Power Networks sind. Im letzten Jahr hat sich                 auch in Bristol &#8211; der n\u00e4chsten Gro\u00dfstadt &#8211; eine neue Gruppe gegr\u00fcndet.                 Es w\u00e4chst die Basis f\u00fcr gewaltfreien Widerstand.<\/p>\n<h3>Ausblick<\/h3>\n<p>Das Jahr 2011 wird f\u00fcr den Widerstand gegen neue AKWs in Gro\u00dfbritannien                 extrem wichtig sein. Die Atomindustrie bem\u00fcht sich, so schnell                 wie m\u00f6glich Fakten zu schaffen &#8211; zun\u00e4chst in Hinkley Point, und                 wenig sp\u00e4ter in Sizewell &#8211; um so den langsam wachsenden Widerstand                 zu entmutigen.<\/p>\n<p>Dahinter steht die Hoffnung, dass der Widerstand zusammenbricht,                 sobald Bauz\u00e4une errichtet sind.<\/p>\n<p>Eine Anti-Atom-Bewegung l\u00e4sst sich nicht einfach aus dem Boden                 stampfen, und es ist klar, dass sie sich in Gro\u00dfbritannien derzeit                 in den Anf\u00e4ngen befindet. Doch verglichen mit der Situation vor                 einem Jahr wurden wichtige Fortschritte gemacht.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Jahr die Basis f\u00fcr gewaltfreie                 Aktionen in Hinkley Point, Sizewell und an anderen Standorten                 weiter verbreitert werden kann. Daran arbeiten insbesondere die                 Gruppen des Stop Nuclear Power Networks. Derzeit gibt es \u00dcberlegungen                 f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Aktion im Sommer 2011 &#8211; wobei noch nicht klar                 ist, was und wo. Watch this space!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit tut sich viel in Sachen Atomenergie in Gro\u00dfbritannien. Die neue konservativ-liberale Regierungskoalition unter David Cameron ist ebenso wild auf neue AKWs wie die Labour-Regierungen unter Blair und Brown, auch wenn die Liberalen nicht m\u00fcde werden zu betonen, dass es daf\u00fcr keine staatlichen Subventionen geben w\u00fcrde. 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