{"id":10461,"date":"2010-02-01T00:00:13","date_gmt":"2010-01-31T22:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10461"},"modified":"2022-07-26T13:31:14","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:14","slug":"antimilitaristische-strategien-entwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/02\/antimilitaristische-strategien-entwickeln\/","title":{"rendered":"Antimilitaristische Strategien entwickeln"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte mit diesem Artikel auch aufzeigen, dass ein Bericht                 sich eher mit Inhalten als mit Kleidung und Aussehen der Teilnehmenden                 besch\u00e4ftigen sollte, im Gegensatz zu dem, was in einem taz-Artikel                  ((1)) zum Kongress geschehen                 ist. Und dass der Kongress \u00fcberwiegend harmonisch verlief, halte                 ich anders als die taz nicht unbedingt f\u00fcr schlecht, denn solch                 politische Auseinandersetzungen sind nicht dazu da, um Kontroversen                 f\u00fcr die Presse zu liefern, sondern um den Teilnehmenden die m\u00f6glichst                 tiefgr\u00fcndige Besch\u00e4ftigung mit einem Thema zu erm\u00f6glichen, m\u00f6glicherweise                 zuk\u00fcnftige Handlungsstrategien zu entwickeln und\/oder Aktionen                 zu planen.<\/p>\n<h3>26.11.<\/h3>\n<p>Am Freitag begann der Kongress mit dem ersten Podium, welches                 verschiedene Aspekte zum aktuellen Krieg in Afghanistan behandelte.                 Diese wurden durch die Referent_innen J\u00fcrgen Wagner (IMI), Gregor                 Schirmer, Christine Buchholz und J\u00fcrgen Rose in etwa 10 Minuten                 langen Input-Vortr\u00e4gen angeschnitten, zwischen denen das Publikum                 jeweils kurze Verst\u00e4ndnisfragen stellen konnte.<\/p>\n<p>Es wurde von einem &#8222;Lackmustest&#8220; ((2))                 f\u00fcr die Nato in Afghanistan gesprochen. Wenn sie diesen Krieg                 verliert, dann w\u00fcrde das wohl das Ende des &#8222;gr\u00f6\u00dften Milit\u00e4rb\u00fcndnisses                 der Weltgeschichte&#8220; bedeuten. Die Nato werde also mit allen Mitteln                 daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass dieser Krieg nicht verloren geht. Auch wenn                 das vielleicht einen Jahrzehnte andauernden Krieg bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn wir wollen, dass die Nato sich aufl\u00f6st, sollten wir also                 alles daf\u00fcr tun, damit dieser Krieg verloren geht. Wie k\u00f6nnten                 wir das erreichen? Indem wir daf\u00fcr sorgen, dass die Bundeswehr                 dort nicht mehr beteiligt ist?<\/p>\n<p>Indem wir die Milit\u00e4r-Basen der USA in der BRD, die genutzt werden,                 um in Afghanistan Krieg zu f\u00fchren, blockieren? <\/p>\n<p>Es wurden weitere Interessen der Nato-L\u00e4nder aufgezeigt: die                 wirtschaftlichen Gr\u00fcnde (Rohstoffe, neue Absatzm\u00e4rkte errichten,                 R\u00fcstungsindustrie,&#8230;), Waffentechnologientestgebiet, Training                 f\u00fcr Armeen und weitere St\u00fctzpunkte zur Kontrolle des Eurasischen                 Gebietes. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde dargelegt, warum es sich beim Afghanistan-Krieg                 um einen v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg handelt. ((3))<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Tages gab es die 30 Minutenfassung von Frieder                 Wagners Film &#8222;Deadly Dust&#8220;, der die verheerenden Folgen der Verwendung                 von uranangereichter Munition behandelt. Die k\u00f6rperliche und psychische                 Beeintr\u00e4chtigung der Menschen ist nachhaltiger als bei dem Einsatz                 normaler Munition, da die Verseuchung durch radioaktive Nano-Partikel                 viele Jahrtausende betragen wird. Dieser Film zeigt, dass einige                 Horror-(Spiel-)Filme viel n\u00e4her an der Realit\u00e4t sind, als viele                 denken.<\/p>\n<h3> 27.11.<\/h3>\n<p>Am Samstagmorgen ging es um 10 Uhr mit dem Podium Militarisierung                 der Au\u00dfenpolitik mit der gleichen Vorgehensweise wie beim 1. Podium                 am Freitag weiter. Auf dem Podium diskutierten Christoph H\u00f6rstel,                 Sabine Schiffer, L\u00fchr Henken, Ottfried Nassauer und Tobias Pfl\u00fcger                 (IMI).<\/p>\n<p>Es wurde dar\u00fcber gesprochen, dass neue Waffensysteme teilweise                 an den Universit\u00e4ten entwickelt werden, z.B. Drohnen, &#8222;nicht&#8220;                 t\u00f6dliche Waffen (Nano-Tech, Chemische, Physikalische z.B. Mikrowellen),                 Weltraumaufr\u00fcstung mit Satelliten, die teilweise mit Waffensystemen                 best\u00fcckt werden. <\/p>\n<p>Als Gegenstrategien wurden R\u00fcstungskontrollen und Zivilklauseln                 angeschnitten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde analysiert, wie der Lissabon-Vertrag zur weiteren                 Militarisierung der EU beitr\u00e4gt. Es wurde auch noch mal auf einen                 der mutma\u00dflichen Gr\u00fcnde f\u00fcr den Afghanistan-Krieg eingegangen.                 Durch den Kriegsbeginn konnten die USA und der \u00fcbrige Westen eine                 schon vertraglich abgeschlossene Erdgaspipeline vom Iran \u00fcber                 Afghanistan, Pakistan, Indien bis nach China verhindern.<\/p>\n<p>Der teilweise Aufbau und die Unterst\u00fctzung von einzelnen Terrorgruppen                 durch die M\u00e4chtigen, um ihre Interessen durchsetzen zu k\u00f6nnen,                 wurde auch behandelt. Der Beitrag war f\u00fcr meinen Geschmack zu                 verschw\u00f6rerisch aufgebaut und hinterlie\u00df den Eindruck, aller islamistischer                 Terror sei von den Regierungen der westlichen L\u00e4nder initiiert                 worden.<\/p>\n<p>Es wurde auch dar\u00fcber geredet, inwiefern antimuslimischer Rassismus                 und der angebliche Kampf f\u00fcr Frauenrechte f\u00fcr die Legitimierung                 des Krieges eingesetzt wurden und werden.<\/p>\n<h3>Workshopphase I<\/h3>\n<p>Danach ging es weiter mit der Workshopphase I ((4)),                 zur Vertiefung der auf den bisherigen Podien angesprochenen sowie                 zus\u00e4tzlichen Themen. <\/p>\n<p>Thematisiert wurde u.a. die &#8222;Militarisierung der Zivilgesellschaft&#8220;.                 Sabine Schiffer analysierte &#8222;Die Rolle der Medien f\u00fcr die Kriegsakzeptanz&#8220;                 und Rolf G\u00f6ssners Workshop hatte den Titel: &#8222;Milit\u00e4rischer Heimatschutz.                 Neue Sicherheitsarchitektur f\u00fcr den allt\u00e4glichen Ausnahmezustand?&#8220;.<\/p>\n<p>Um 15 Uhr folgte die Podiumsdiskussion zum Thema &#8222;Militarisierung                 der Zivilgesellschaft&#8220; mit Dietrich Schulze, Sabine Schiffer und                 Rolf G\u00f6ssner. <\/p>\n<p>Dietrich Schulze sprach die Idee von der Verabschiedung von Zivilklauseln                  ((5)) in den h\u00f6chsten Gremien                 der Hochschulen an. Diese sollen dem Zweck dienen, dass milit\u00e4rische                 Forschung dort verboten ist.<\/p>\n<p>Erfolgreich verhindert wird Milit\u00e4rforschung wahrscheinlich nur                 durch gemeinsame Direkte Aktionen von Studis, Profs und Angestellten,                 da die konsequente Unterbindung durch Uni-Chefs illusorisch ist.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurden die fast unkritische Unterst\u00fctzung der Kriege                 der Herrschenden und die Transportierung des antimuslimischen                 Rassismus durch die Medien thematisiert.<\/p>\n<p>Weiterhin wurde \u00fcber die weitere Aufr\u00fcstung der Garanten der                 Staatsmacht in Deutschland gesprochen. Dass z.B. immer mehr versucht                 wird, die Bundeswehr zur Unterst\u00fctzung der Polizei heranzuziehen                 (Tornados und andere Bundeswehramtshilfe (z.B. beim G8-Gipfel                 2007 und beim Wendland-Castor 2010)). <\/p>\n<p>Ebenso wird die Vernetzung und engere Verzahnung von Polizei                 und Geheimdiensten, angeblich zur Terrorismusbek\u00e4mpfung, vorangetrieben.               <\/p>\n<p>Es wurden auch kurz neue potenzielle Techniken zur Aufstandsbek\u00e4mpfung                 angesprochen. Ein Beispiel, welches schon weit entwickelt ist,                 sind die Drohnen, die z.B. auch beim Castor 2010 im Wendland eingesetzt                 wurden. &#8222;Wappnet sich der Staat in Wirklichkeit &#8211; gerade in Zeiten                 versch\u00e4rfter \u00f6konomisch-sozialer Krisen &#8211; vorsorglich auch gegen                 m\u00f6gliche soziale Unruhen und Aufst\u00e4nde? [&#8230;] Tats\u00e4chlich scheint                 ja der pr\u00e4ventive Sicherheitsstaat in dem Ma\u00dfe aufger\u00fcstet zu                 werden, in dem der Sozialstaat abgetakelt wird.&#8220; ((6))<\/p>\n<h3>Workshopphase II ((7)) <\/h3>\n<p>Am Samstagnachmittag zeigte Dr. Bernd Dr\u00fccke in einem Vortrag                 und im anschlie\u00dfenden Workshop &#8222;Perspektiven des libert\u00e4ren Antimilitarismus&#8220;                 auf.<\/p>\n<p>Ricardo Cristof Remmert-Fontes beschrieb die Frontex-Politik                 als &#8222;Krieg gegen Menschen an Europas Grenzen&#8220;. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Referenten Peter Klemm sind 100% erneuerbare Energie                 ein Gebot der Friedenspolitik. Dr. Shungu M. Tundanonga-Dikunda                 zeigte anhand von Beispielen (\u00f6stlicher Teil der Demokratischen                 Republik Kongo (Coltan) und die Karen- und Shan-Gebiete in Myanmar\/Burma                 (Gas)) auf, dass Frauenvergewaltigung als Kriegswaffe in rohstoffreichen                 Entwicklungsl\u00e4ndern eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Abends wurde das Theaterst\u00fcck &#8222;Die Verteidigung Deutschlands                 am Hindukusch&#8220; durch die Berliner Compagnie ((8))                 aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>In diesem wurde die j\u00fcngere Geschichte Afghanistans am Beispiel                 einer Familie dargestellt. Beginnend 1978 mit dem Wahlsieg der                 Kommunistischen Partei in Afghanistan, dem Krieg der sowjetischen                 Besatzungsmacht 1979 bis 1989 und der US-Unterst\u00fctzung der Mudschaheddin                 \u00fcber die Gegenwart &#8211; bis am Ende ein Blick in die Zukunft gewagt                 wird.<\/p>\n<p>Diese Herangehensweise zeigt gut das Leid auf der individuellen                 Ebene, das durch die Jahrzehnte langen Machtspiele bzw. Kriege                 der m\u00e4chtigen Eliten hervorgerufen wird und l\u00e4sst vermuten, dass                 es sehr lange dauern wird, bis diese Wunden verheilen k\u00f6nnten.               <\/p>\n<p>Damit war ein prall gef\u00fcllter Samstag beendet.<\/p>\n<h3>28.11.<\/h3>\n<h3>Antimilitaristische Perspektiven<\/h3>\n<p>Sonntag fr\u00fch kam dann als letzte Veranstaltung die Podiumsdiskussion:                 &#8222;Wie weiter? Perspektiven f\u00fcr eine st\u00e4rkere Antikriegsbewegung&#8220;.                 Auf dem Podium sa\u00dfen Hans-Christian Str\u00f6bele (MdB, Die Gr\u00fcnen),                 Uwe Hiksch (Ex-MdB, Die Linke), Pedram Shahyar (attac-Koordinierungskreis\/Ex-Linksruck),                 Hanna Poddig und Bernd Dr\u00fccke (Redaktion Graswurzelrevolution).<\/p>\n<p>Kontrovers diskutiert und analysiert wurden die Rollen von Parteien                 und Eliten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Jugoslawienkrieg                 1999 und dem Afghanistankrieg seit 2001. Es wurde dar\u00fcber gesprochen,                 wie Umwelt-, Antiatom-, Antikrieg- und andere Soziale Bewegungen                 zusammen agieren k\u00f6nnten. Zusammenh\u00e4nge wurden aufgezeigt, z.B.                 von Atomwaffen, Uran-Munition und AKWs.<\/p>\n<p>Gemeinsame Aktionen, Demos und Kongresse k\u00f6nnen vielleicht dazu                 f\u00fchren, dass mensch herausfindet, dass die Ursachen f\u00fcr die Missst\u00e4nde,                 gegen die protestiert wird, die gleichen sind.<\/p>\n<p>Es wurde gefordert, die Menschen zu st\u00e4rken und aufzubauen, damit                 sie selbst aktiv werden. Also das Stellvertreter_innen-System                 zu hinterfragen und sich der eigenen Macht bewusst zu werden,                 die sie tagt\u00e4glich abgeben. <\/p>\n<p>Es wurde auch kritisiert, dass mal wieder Experten vorne auf                 dem Podium sitzen und sagen sollen, was gemacht werden soll, die                 Menschen im Publikum k\u00f6nnten das doch genauso gut und haben auch                 gute Ideen. Das wurde dann auch gleich in den Publikumsrunden                 best\u00e4tigt. Es kamen spannende Ideen, wie z.B. politische Streiks,                 zur Sprache.<\/p>\n<h3> Fazit<\/h3>\n<p>Insgesamt war es ein gelungener Kongress, f\u00fcr den sich die anstrengende                 (Vor-)Arbeit gelohnt hat. Es w\u00e4re sch\u00f6n gewesen, wenn mehr Leute                 gekommen w\u00e4ren, aber das Thema ist halt (noch) nicht so pr\u00e4sent                 unter Studis und Sch\u00fclis. An den drei Kongresstagen beteiligten                 sich ca. 350 bis 450 Menschen. Das war doch schon mal ein ganz                 guter Anfang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte mit diesem Artikel auch aufzeigen, dass ein Bericht sich eher mit Inhalten als mit Kleidung und Aussehen der Teilnehmenden besch\u00e4ftigen sollte, im Gegensatz zu dem, was in einem taz-Artikel ((1)) zum Kongress geschehen ist. 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