{"id":10488,"date":"2011-03-01T00:00:29","date_gmt":"2011-02-28T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10488"},"modified":"2022-07-26T14:24:04","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:04","slug":"anarchistische-bombenleger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/03\/anarchistische-bombenleger\/","title":{"rendered":"&#8222;Anarchistische Bombenleger&#8220;?!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Das Leben dringt in mich ein, durchdringt mich mit seiner H\u00e4sslichkeit, erf\u00fcllt mich mit Wut \u00fcber seine Ungerechtigkeit, sein organisiertes Unrecht, dem\u00fctigt mich mit meiner Unf\u00e4higkeit, mich zu widersetzen, mich wirksam zu erheben, mich gegen unsere st\u00e4ndige Erniedrigung zu verteidigen. W\u00e4re ich noch einmal zwanzig, w\u00fcrde ich von den Berggipfeln herab beginnen, als Partisanin, R\u00e4uberin, Piratin, w\u00fcrde denen die Augen \u00f6ffnen, die sich ohne Protest in ihr Schicksal ergeben, wie auch denen, die sich blind stellen. Nein, meine Revolution w\u00fcrde sich nicht gegen das Establishment und sein System richten, sondern gegen all jene, die es ertragen.&#8220;<\/p>\n<p>Dieses Zitat der 1998 verstorbenen griechischen Schriftstellerin Lily Zogr\u00e1fou ((1)) bringt ihre Verzweiflung \u00fcber die Passivit\u00e4t, \u00fcber die duldsame Komplizenschaft ihrer Mitmenschen an den Verbrechen des unterdr\u00fcckerischen Regimes auf den Punkt.<\/p>\n<p>In den Kommuniqu\u00e9s der griechischen Stadtguerilla <em>Synomos\u00eda Pyr\u00ednon tis Foti\u00e1s<\/em> (SPF, Verschw\u00f6rung der Feuerzellen) kommt nun, 40 Jahre danach, noch unb\u00e4ndiger Hass hinzu. Hass auf &#8222;Bullen, Bonzen und Politiker&#8220; sowieso, Hass aber auch auf &#8222;die Gesellschaft&#8220;.<\/p>\n<p>Exemplarisch dr\u00fcckt dies Ger\u00e1simos Ts\u00e1kalos, ein inhaftiertes Mitglied der Gruppe, in seiner Erkl\u00e4rung vom 24.12.2010 aus dem Gef\u00e4ngnis Malandr\u00ednou aus: &#8222;All diese Personen, die die Machtpositionen innehaben, sind ein Haufen Gesindel, L\u00fcgner, Betr\u00fcger und Sadisten, die eine endlose Reihe von &#8211; f\u00fcr uns alle &#8211; katastrophalen Entscheidungen treffen. Ein unbestreitbarer Fakt, soweit. Doch wer w\u00e4hlt sie? Wer achtet sie und (ver)beugt sich (vor) ihnen? Wer bewundert sie und w\u00e4re gerne wie sie? Und wenn nicht selbst, dann wenigstens die Kinder. Wer schweigt angesichts der zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten, die sie ver\u00fcben? Die Antwort ist eine. Die Gesellschaft!&#8220; Aus diesen Gr\u00fcnden verortet sich Ts\u00e1kalos in &#8222;einer neuen Str\u00f6mung&#8220; der anarchistischen Bewegung, n\u00e4mlich des &#8222;revolution\u00e4ren Nihilismus und antigesellschaftlichen Anarchismus&#8220;.<\/p>\n<h3>Die Verschw\u00f6rung der Feuerzellen<\/h3>\n<p>Am 17. Januar 2011 begann im Gerichtssaal des Athener Knastes Korydall\u00f3s der erste Prozess gegen bekennende und angebliche Mitglieder der SPF. Insgesamt 10 Personen, ein Teil von ihnen in Untersuchungshaft, andere gegen Auflagen auf freiem Fu\u00df, m\u00fcssen sich wegen diverser Anklagepunkte verantworten.<\/p>\n<p>Ein riesiges Polizeiaufgebot filmte Angeh\u00f6rige, FreundInnen, GenossInnen und ProzessbeobachterInnen. Wer in den Gerichtssaal wollte, wurde durchsucht und musste den Ausweis abgeben, der kopiert wurde. Nachdem Antr\u00e4ge der Verteidigung, diese rechtswidrige Praxis zu beenden, vom Gericht abgelehnt wurden, traten die drei bekennenden Mitglieder der SPF gemeinsam mit anderen Angeklagten in den Hungerstreik.<\/p>\n<p>Da die Ma\u00dfnahme der Einsch\u00fcchterung und Kriminalisierung der interessierten \u00d6ffentlichkeit dient, verweigerten sie die Teilnahme am Prozess und wiesen ihre Anw\u00e4ltInnen an, diesen ebenfalls zu boykottieren. Die \u00fcbrigen Angeklagten schlossen sich an, so dass ohne Angeklagte und Verteidigung vor leeren Zuschauerb\u00e4nken verhandelt wurde. Ein Novum.<\/p>\n<p>Nach Unstimmigkeiten in der heterogenen Gruppe der Angeklagten wurde der Hungerstreik am 11.02.2011 abgebrochen.<\/p>\n<p>Die SPF hatte in den letzten Jahren &#8211; die ersten Aktionen fanden 2007 statt &#8211; unz\u00e4hlige Angriffe auf staatliche und kapitalistische Institutionen ver\u00fcbt und wird vom griechischen Staat als terroristische Vereinigung verfolgt.<\/p>\n<p>Zumeist handelte es sich um Brandanschl\u00e4ge auf Banken, Parteib\u00fcros, Autoh\u00e4user, Polizeiwachen und \u00e4hnliches.<\/p>\n<p>Insbesondere nach dem Polizeimord an dem 15-j\u00e4hrigen Al\u00e9xandros Grigor\u00f3poulos im Dezember 2008 nahmen solche Angriffe landesweit ein bis dahin ungekanntes Ausma\u00df an.<\/p>\n<p>\u00dcber Monate hinweg wurden tagt\u00e4glich Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Oftmals fanden mehrere Aktionen von unterschiedlichen Gruppen am selben Tag statt.<\/p>\n<p>Unter der Vielzahl der sich bekennenden Kleingruppen stach bald ein immer wiederkehrender Name heraus, <em>Synomos\u00eda Pyr\u00ednon tis Foti\u00e1s<\/em>. Anfang 2009 r\u00fcstete die SPF auf und verwendet seitdem auch Sprengstoff, zuletzt am 30.12.2010 beim Anschlag auf das Verwaltungsgericht in Athen.<\/p>\n<p>In ihren Kommuniqu\u00e9s vertrat die Organisation eine an den russischen Sozialrevolution\u00e4r Sergej Nechajev (1847-82) erinnernde nihilistische Linie, verbunden mit harter Kritik an der radikalen Linken und Gro\u00dfteilen der anarchistischen Bewegung, die die &#8222;kapitalistische Demokratur&#8220; nicht entschlossen genug bek\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Umgekehrt \u00e4u\u00dferten Teile der Bewegung fr\u00fchzeitig Kritik an &#8222;unverantwortlichen Aktionen&#8220; der SPF, wie den in M\u00fclltonnen deponierten Sprengs\u00e4tzen in der N\u00e4he einer Wahlkampfveranstaltung der konservativen N\u00e9a Dimokrat\u00eda im September 2009 oder dem Anschlag auf das griechische Parlamentsgeb\u00e4ude im Januar 2010.<\/p>\n<p>Die SPF wies die Kritik zur\u00fcck; man habe alles im Griff, schlie\u00dflich sei nie jemand verletzt worden.<\/p>\n<p>Dass dies wohl eher gl\u00fccklichen Zuf\u00e4llen geschuldet ist, war klar, als im November 2010 Briefbomben an ausl\u00e4ndische Botschaften in Athen, europ\u00e4ische Regierungschefs und EU-Institutionen verschickt wurden. Beim Versand wurden zwei junge M\u00e4nner verhaftet, die sich zur Mitgliedschaft in der SPF bekannten.<\/p>\n<p>Festnahmen hatte es schon vor anderthalb Jahren, im September 2009, gegeben. Im Athener Stadtteil Chal\u00e1ndri hatten Polizeieinheiten ein Haus gest\u00fcrmt und f\u00fcnf Personen im Alter von 20 und 21 Jahren nach dem Antiterrorgesetz verhaftet, da das Haus im Zusammenhang mit militanten Angriffen auf staatliche und kapitalistische Ziele stehe.<\/p>\n<p>Scheinbar wurde das ganze Geb\u00e4ude pr\u00e4zise nach Fingerabdr\u00fccken abgesucht, um den Aufenthalt bestimmter Personen im Haus belegen zu k\u00f6nnen, womit wiederum deren Mitgliedschaft in der SPF bewiesen sei. In der Folge wurde Haftbefehl gegen sechs M\u00e4nner erlassen, die daraufhin untertauchten.<\/p>\n<p>\u00dcber Monate kam es immer wieder zu Festnahmen legal lebender anarchistischer AktivistInnen. Deren Haftbefehle, auf Grund von Fingerabdr\u00fccken in besagtem Haus, u.a. auf beweglichen Gegenst\u00e4nden wie Plastikt\u00fcten oder CDs, lagen auf Abruf bereit und konnten je nach Bedarf an &#8222;Fahndungserfolgen&#8220; vollstreckt werden.<\/p>\n<p>Zu sechs weiteren Festnahmen mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der SPF kam es im Dezember 2010 bei Razzien in Athen, Thessalon\u00edki und dem westgriechischen Agr\u00ednio.<\/p>\n<p>Hierbei wurde eine gro\u00dfe Menge an Waffen beschlagnahmt. Am 13. Januar 2011 wurden vier M\u00e4nner im Athener Stadtteil Vyronas verhaftet.<\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter erwischte es Fee Marie Meyer, eine 27-j\u00e4hrige Anarchistin mit deutschem Pass. Ihr Fall wirft ein exemplarisches Licht auf die Arbeit von Polizei und Massenmedien in Griechenland.<\/p>\n<p>In hysterischem Tonfall verbreiteten Fernseh- und Radiostationen sowie fast alle Zeitungen ungepr\u00fcft den Polizeibericht \u00fcber &#8222;die Verhaftung der 27-j\u00e4hrigen Tochter der per Haftbefehl gesuchten RAF-Terroristin Barbara Meyer&#8220; und des &#8222;in Wien erschossenen Vaters und RAF-Terroristen Horst Meyer&#8220;. Nichts als L\u00fcgen! Fee Meyers Mutter lebt seit Jahrzehnten in Griechenland und tr\u00e4gt zuf\u00e4llig den gleichen Namen wie die einst im Zusammenhang mit der RAF gesuchte Frau. Diese wurde im \u00dcbrigen nie verurteilt und lebt unbehelligt in Deutschland.<\/p>\n<p>Ebenso wie Fees Vater, der Wolfgang hei\u00dft und sich bester Gesundheit erfreut. Sowohl die in Untersuchungshaft sitzende Fee, als auch ihre beiden ebenfalls in der anarchistischen Bewegung aktiven Br\u00fcder und die Mutter erhoben in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen schwere Vorw\u00fcrfe gegen Polizei und Presse.<\/p>\n<h3>Das RAF-Gefangenen-Syndrom<\/h3>\n<p>Wer in den 80er Jahren in der radikalen Linken oder autonomen Szene der BRD aktiv war, wird sich erinnern. Offene Kritik an der &#8222;Rote Armee Fraktion&#8220; (RAF) war verp\u00f6nt, da damit den &#8222;gefangenen GenossInnen&#8220; in den R\u00fccken gefallen und der berechtigte Kampf gegen &#8222;das Schweinesystem&#8220; geschw\u00e4cht werde. AnarchistInnen und Autonome, die sich dar\u00fcber hinwegsetzten, wurden als Verr\u00e4terInnen denunziert.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Denken scheint nun in Griechenland zu dominieren. Obwohl die \u00fcberwiegende Mehrheit der anarchistischen und antiautorit\u00e4ren Bewegung Aktionen wie das Versenden von Briefbomben ablehnt, gibt es meines Wissens keine \u00f6ffentliche Stellungnahme gegen dieserart menschenverachtende Anschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>War es in den vergangenen Jahren recht bequem, sich beim Bier von den &#8222;Durchgeknallten der SPF&#8220; abzugrenzen, gleichzeitig aber grinsend zu kommentieren, was wieder alles abgefackelt wurde, sollte sich diese billige Form der Kritik nun erledigt haben. Sp\u00e4testens seit sich inhaftierte Mitglieder als &#8222;neue Str\u00f6mung des Anarchismus&#8220; bezeichnen und die SPF im Januar 2011, Bezug nehmend auf ein Schreiben der omin\u00f6sen italienischen F.A.I. (Federatione Anarchica Informale) von 2003, zur Gr\u00fcndung eines &#8222;internationalen anarchistischen Netzwerks f\u00fcr die Aktion und die Solidarit\u00e4t &#8211; informelle anarchistische F\u00f6deration&#8220; aufrief, gilt es den Wahnsinn zu stoppen.<\/p>\n<p>Zitat: &#8222;Deshalb rufen wir zur Verst\u00e4rkung des revolution\u00e4ren Krieges auf, in allen Breiten- und L\u00e4ngengraden unserer Erde, von Europa bis Lateinamerika. Wir organisieren uns international und zielen auf den Feind. Wir k\u00f6nnen es nicht erwarten, bis wir die subversiven Elemente auf die Stra\u00dfen str\u00f6men sehen und die Guerillagruppen wieder und wieder zuschlagen. Alle Mittel sind entfesselt und liegen ohne Tabus und Fetisch auf dem Tisch.<\/p>\n<p>Auf den Demonstrationen zertr\u00fcmmern wir die Sch\u00e4del der Bullen, Banken werden ausgeraubt und den Flammen \u00fcbergeben, Bomben lassen Regierungsgeb\u00e4ude in die Luft fliegen, Waffen exekutieren Politiker, Journalisten, Bullen, Richter sowie alle anderen Besch\u00fctzer dieser Welt.&#8220; (SPF, Dezember 2010)<\/p>\n<p>Oder: &#8222;Was wir vorschlagen, ist der Aufbau eines internationalen Netzwerks von Gruppen, von Genossen, antiautorit\u00e4r und chaotisch, mit horizontaler Struktur, offen f\u00fcr jeden, der handeln m\u00f6chte, einzeln oder kollektiv, ohne politische Intrigen, so dass unser Wille, im Hier und Jetzt zu leben, Wirklichkeit wird. Jeder kann mit seinen Genossen und seinem Umfeld eine autonom agierende Zelle bilden, in der Ausgewogenheit zwischen der theoretischen Suche und der praktischen Ausf\u00fchrung besteht.<\/p>\n<p>\u00dcber die Durchf\u00fchrung von Aktionen, egal welchen materiellen Schaden diese verursachen (von Spr\u00fchaktionen, der Verw\u00fcstung von Banken und Luxusl\u00e4den, bis hin zu Bombenanschl\u00e4gen, Brandstiftungen und Hinrichtungen von Vertretern des Staates), wird jede Zelle durch ihr Bekennerschreiben an einem offenen Dialog beteiligt sein, sowohl innerhalb des Netzwerks, als auch in einem weiter gefassten radikalen Umfeld.&#8220; (SPF &#8211; Kommando Horst Fantazzini, Januar 2011)<\/p>\n<p>Im selben Kommuniqu\u00e9 bezieht sich das Kommando positiv auf den &#8222;zielgerichteten Versand der Briefbomben unserer Geschwister der italienischen F.A.I. &#8211; Revolution\u00e4re Zelle L\u00e1mbros Fo\u00fandas&#8220; im Dezember 2010, durch die ein Mitarbeiter der chilenischen Botschaft &#8211; selbst aktiv in linken Initiativen &#8211; zwei Finger verloren hat.<\/p>\n<p>Der Text liest sich wie das Konzentrat der gesammelten feuchten Tr\u00e4ume aller Geheimdienstler dieser Welt. Die im Stillen agierende &#8222;EU-Task-Force anarchistischer Terrorismus&#8220; wird sich die Finger lecken.<\/p>\n<h3>&#8222;Keine Solidarit\u00e4t mit den &#8218;anarchistischen&#8216; BriefbomberInnen&#8220;<\/h3>\n<p>Unter dieser \u00dcberschrift gab die Libert\u00e4re Aktion Winterthur ((2)) im Dezember 2010 eine sehr zu begr\u00fc\u00dfende Erkl\u00e4rung ab. Auch die drei inhaftierten Mitglieder der Stadtguerilla <em>Revolution\u00e4rer Kampf<\/em> aus Griechenland protestierten in einer Erkl\u00e4rung dagegen, dass die F.A.I. im Namen ihres erschossenen Genossen Fo\u00fandas solche Anschl\u00e4ge durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Das Versenden von Briefbomben zeugt von gro\u00dfer politischer Dummheit und reaktion\u00e4rer Unmenschlichkeit. Eine solche Tat ist nie revolution\u00e4r, sondern Ausdruck hinterh\u00e4ltiger Feigheit und wurde in der Vergangenheit von faschistischen Organisationen oder staatlichen Geheimdiensten angewandt. Ob es sich bei der &#8222;Federazione Anarchica Informale&#8220; (F.A.I.) \u00fcberhaupt um eine anarchistische Gruppe handelt, wird von vielen bezweifelt.<\/p>\n<p>Kaum zuf\u00e4llig tr\u00e4gt sie dasselbe K\u00fcrzel wie die <em>Federazione Anarchica Italiana<\/em>, die sich von \u00e4hnlichen Aktionen bereits 2003 sch\u00e4rfstens distanzierte und den Verdacht \u00e4u\u00dferte, es k\u00f6nnte sich bei der anderen &#8222;F.A.I.&#8220; um eine staatliche Phantomorganisation handeln.<\/p>\n<p>In der j\u00fcngeren italienischen Geschichte finden sich gen\u00fcgend Beispiele daf\u00fcr, dass Attentate unter falscher Flagge durchgef\u00fchrt wurden. Erinnert sei nur an den im Rahmen der &#8222;Strategie der Spannung&#8220; staatlich in Auftrag gegebenen, von Faschisten ver\u00fcbten Bombenanschlag auf die Piazza Fontana 1969 in Mailand, der Anarchisten in die Schuhe geschoben wurde.<\/p>\n<p>In Griechenland, dem EU-Versuchslabor einer Schockpolitik zur Enteignung und Entrechtung breiter Bev\u00f6lkerungsteile auch in anderen L\u00e4ndern, tr\u00e4gt die anarchistische Bewegung eine gro\u00dfe Verantwortung.<\/p>\n<p>\u00dcber vierzig inhaftierte GenossInnen und brutale staatliche Repression d\u00fcrfen nicht zu Tunnelblick und falsch verstandener Solidarit\u00e4t f\u00fchren.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t kann nie blinde Gefolgschaft bedeuten, sie schlie\u00dft immer die offene Diskussion \u00fcber angewendete Kampfformen und klare politische Kritik, auch an inhaftierten GenossInnen, mit ein. Es ist schwer, ad\u00e4quat auf ein politisches und soziales Klima zu reagieren, dass uns als ausgebeutete und mitf\u00fchlende Menschen in die Verzweiflung treibt. Der angestaute Hass ist nachvollziehbar, darf jedoch nicht dazu f\u00fchren, sich in \u00fcberholte Illusionen der Propaganda der Tat zu retten und durch individuelle Gewaltakte die Gesellschaft \u00e4ndern zu wollen.<\/p>\n<p>Dies wird st\u00e4rkere Repression und noch gr\u00f6\u00dfere Hoffnungslosigkeit nach sich ziehen, nie den Aufstand der Massen.<\/p>\n<p>Wer die Mittel der Bestie, gegen die er k\u00e4mpft, \u00fcbernimmt, wird ein Teil von ihr. Wenn es f\u00fcr uns AnarchistInnen etwas gibt, f\u00fcr das es wert ist zu k\u00e4mpfen, dann ist es Leben, Freiheit und W\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das Leben dringt in mich ein, durchdringt mich mit seiner H\u00e4sslichkeit, erf\u00fcllt mich mit Wut \u00fcber seine Ungerechtigkeit, sein organisiertes Unrecht, dem\u00fctigt mich mit meiner Unf\u00e4higkeit, mich zu widersetzen, mich wirksam zu erheben, mich gegen unsere st\u00e4ndige Erniedrigung zu verteidigen. W\u00e4re ich noch einmal zwanzig, w\u00fcrde ich von den Berggipfeln herab beginnen, als Partisanin, R\u00e4uberin, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/03\/anarchistische-bombenleger\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"Anarchistische Bombenleger\"?! - graswurzelrevolution","description":"\"Das Leben dringt in mich ein, durchdringt mich mit seiner H\u00e4sslichkeit, erf\u00fcllt mich mit Wut \u00fcber seine Ungerechtigkeit, sein organisiertes Unrecht, dem\u00fctigt m"},"footnotes":""},"categories":[587,1042],"tags":[530],"class_list":["post-10488","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-357-marz-2011","category-ohne-chef-und-staat","tag-griechenland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10488\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}