{"id":10491,"date":"2011-03-01T00:00:27","date_gmt":"2011-02-28T22:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10491"},"modified":"2022-07-26T14:12:30","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:30","slug":"es-gibt-schoneres-als-die-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/03\/es-gibt-schoneres-als-die-linke\/","title":{"rendered":"Es gibt Sch\u00f6neres als &#8222;Die Linke&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Es war durchaus ungew\u00f6hnlich, dass auf der &#8222;Sozialismus-Konferenz&#8220;                 f\u00fcr die Podiumsdiskussion &#8222;Sozialismus-Konzeptionen und Sozialismus-Herausforderungen&#8220;                 nicht nur die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen aus Linkspartei und DKP eingeladen                 wurden, sondern mit Bernd Dr\u00fccke auch ein Vertreter des Anarchismus.                 Man konnte gespannt sein, wie Podium und Publikum auf einen ausgewiesenen                 Kritiker des autorit\u00e4ren Sozialismus reagieren w\u00fcrden. Um es vorweg                 zu nehmen, das &#8222;Kuckucksei&#8220;, wie Bernd sich selbst ironisch bezeichnete,                 wurde tats\u00e4chlich freundlich willkommen gehei\u00dfen und es wurde                 betont, dass Anarchisten durchaus &#8222;dazugeh\u00f6ren&#8220;.<\/p>\n<p>Bei der Vorstellung der PodiumdiskutantInnen breitete die DKP-Vorsitzende                 Bettina J\u00fcrgensen bis in alle Einzelheiten ihre &#8222;Parteikarriere&#8220;                 seit 1971 aus. Die Aneinanderreihung von Partei- und Gewerkschaftsfunktionen                 lie\u00df leider keinen Raum f\u00fcr eine selbstkritische Auseinandersetzung                 mit dem gescheiterten &#8222;Sozialismus&#8220;-Versuch in der DDR und mit                 den m\u00f6glichen Folgen f\u00fcr das eigene Politikverst\u00e4ndnis. <\/p>\n<p>Kathrin Vogler betonte als Bundestagsabgeordnete der Linkspartei                 und Basisaktivistin im Gegensatz hierzu recht glaubw\u00fcrdig und                 realistisch, dass eine Parlamentspartei nur das verst\u00e4rken kann,                 was die sozialen Bewegungen vorher erk\u00e4mpft und vorbereitet haben.               <\/p>\n<p>Der Altkommunist Robert Steigerwald war f\u00fcr seine 86 Jahre noch                 bemerkenswert agil und sogar unkonventionell, aber das alles passte                 sich jedoch immer noch in das klassische marxistisch-leninistische                 Grundger\u00fcst ein. <\/p>\n<p>Entt\u00e4uschend war der Beitrag der Bundestagsabgeordneten Inge                 H\u00f6ger (Die Linke), die routiniert einen \u00f6kologisch-sozialistischen                 Forderungskatalog ohne einen einzigen originellen Gedankengang                 herunterbetete. Das hatte mit den Anforderungen an eine zuk\u00fcnftige                 Sozialismuskonzeption, die aus den Fehlern der diktatorisch-b\u00fcrokratischen                 Vergangenheit lernt, wenig zu tun. \u00dcber die Unterdr\u00fcckung in der                 DDR und \u00fcber den Stalinismus haben diese PodiumsteilnehmerInnen                 gerade mal 21 Jahre nach dem Ende der Diktatur nicht mehr geredet.<\/p>\n<p>Also blieb es Bernd Dr\u00fccke vorbehalten, den Finger in die Wunde                 zu legen und auch diese wichtigen Tatbest\u00e4nde nicht unter den                 Tisch fallen zu lassen. Er wies darauf hin, dass in der DDR eine                 kleine libert\u00e4re Opposition existierte, die u.a. mit den <i>Umweltbl\u00e4ttern<\/i>                 ihren publizistischen Ausdruck fand und von der Stasi erbittert                 bek\u00e4mpft wurde. Mit Bakunin- und Malatesta-Zitaten unterstrich                 er die Notwendigkeit der Freiheit im Sozialismus und betonte Basisdemokratie                 und die Gewaltfreiheit als Mittel bei der Durchsetzung politischer                 Ziele, was zu Gemurmel und vereinzelten Zwischenrufen aus dem                 Publikum f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Mit Ausnahme einiger weniger libert\u00e4r angehauchter Linksparteimitglieder                 bestanden die Zuh\u00f6rerInnen vor allem aus dem seit Jahrzehnten                 typischen Umfeld der marxistischen DKP und der Linkspartei, so                 dass nur wenige AdressatInnen anwesend waren, bei denen seine                 Worte auf fruchtbaren Boden h\u00e4tten fallen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die DKP verliert immer mehr Mitglieder, die Linkspartei stagniert                 und der Widerstand gegen Sozialraub kommt im Gegensatz zu anderen                 Bewegungen nicht so recht voran. Es herrschte eine gewisse Ratlosigkeit                 vor, und wie immer, wenn die Karre richtig tief im Dreck liegt,                 d\u00fcrfen dann sogar drei Frauen und ein Anarchist aufs Podium.<\/p>\n<p>Es gibt in der Bundesrepublik Hunderttausende von Menschen, die                 sich in Basis- und B\u00fcrgerinitiativen gegen die herrschenden ungerechten                 Verh\u00e4ltnisse und gegen konkrete Missst\u00e4nde engagieren. <\/p>\n<p>Die weitgehende Ignorierung ihrer Bed\u00fcrfnisse nach eigenst\u00e4ndiger                 Organisierung und Kooperation und das auf der Konferenz vorherrschende                 Funktion\u00e4rskauderwelsch h\u00e4tten diese Menschen wohl kaum angesprochen,                 wenn sie da gewesen w\u00e4ren. <\/p>\n<p>Aber dar\u00fcber m\u00fcssen wir als Libert\u00e4re nicht besonders traurig                 sein. Unser haupts\u00e4chliches Bet\u00e4tigungsfeld liegt ein bisschen                 woanders.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war durchaus ungew\u00f6hnlich, dass auf der &#8222;Sozialismus-Konferenz&#8220; f\u00fcr die Podiumsdiskussion &#8222;Sozialismus-Konzeptionen und Sozialismus-Herausforderungen&#8220; nicht nur die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen aus Linkspartei und DKP eingeladen wurden, sondern mit Bernd Dr\u00fccke auch ein Vertreter des Anarchismus. Man konnte gespannt sein, wie Podium und Publikum auf einen ausgewiesenen Kritiker des autorit\u00e4ren Sozialismus reagieren w\u00fcrden. 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