{"id":10559,"date":"2011-04-01T00:00:12","date_gmt":"2011-03-31T22:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10559"},"modified":"2022-07-26T14:24:03","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:03","slug":"masnahmen-die-uns-vor-dem-atomtod-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/04\/masnahmen-die-uns-vor-dem-atomtod-retten\/","title":{"rendered":"Ma\u00dfnahmen, die uns vor dem Atomtod retten"},"content":{"rendered":"<p>Wir trauern um unz\u00e4hlige Menschen, die dem Erdbeben, dem Tsunami                 und seit dem 11. M\u00e4rz 2011 dem Super-GAU in Fukushima zum Opfer                 gefallen sind bzw. angesichts der freigesetzten radioaktiven Strahlung                 wahrscheinlich noch zum Opfer fallen werden. <\/p>\n<p>In die Trauer mischt sich Wut. Die Wut auf eine Industrie und                 auf PolitikerInnen, die nach den weitgehend vergessen gemachten                 schweren Atomunf\u00e4llen im britischen Windscale (1957), im russischen                 Majak (1957\/58), im US-amerikanischen Harrisburg (1979), 25 Jahre                 nach dem Super-GAU in Tschernobyl und wenige Tage nach Beginn                 der Atomkatastrophe in Fukushima weiter auf die Atomkraft setzen.               <\/p>\n<p>Den Atomkonzernen und ihren LobbyistInnen geht es um die enormen                 Profite, die sie dank willf\u00e4hriger PolitikerInnen und auf Kosten                 tausender Generationen mit ihren Atomanlagen machen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Wir sollten uns bewusst machen, dass es sich dabei um verbrecherische                 Organisationen handelt, die zur eigenen Profitmaximierung dazu                 bereit sind, hunderttausende Jahre strahlenden Atomm\u00fcll zu produzieren,                 nicht kontrollierbare Atomkatastrophen, Verstrahlung und unz\u00e4hlige                 Menschenopfer in Kauf zu nehmen.<\/p>\n<p>Aber es regt sich Widerstand.<\/p>\n<p>Seit dem Super-GAU in Fukushima haben Hunderttausende in der                 Bundesrepublik f\u00fcr den sofortigen Atomausstieg demonstriert. Auf                 45 Kilometern forderten 60.000 Menschen am 12. M\u00e4rz bei einer                 Menschenkette zwischen Stuttgart und dem AKW Neckarwestheim den                 Ausstieg.<\/p>\n<p>Am 14. M\u00e4rz demonstrierten in 400 Orten der Bundesrepublik rund                 120.000, am 21. M\u00e4rz in \u00fcber 700 Orten 140.000 und am 26. M\u00e4rz                 2011 ging eine Viertelmillion f\u00fcr die sofortige Stilllegung aller                 Atomanlagen auf die Stra\u00dfe, davon 120.000 in Berlin, 50.000 in                 Hamburg und jeweils 40.000 in K\u00f6ln und M\u00fcnchen. <\/p>\n<p>Die Regierung steht unter gro\u00dfem Druck. \u00dcberraschend schnell                 verk\u00fcndete Kanzlerin Merkel ein Moratorium. 7 Altmeiler sollen                 kurzfristig vom Netz genommen und die Laufzeitverl\u00e4ngerungen f\u00fcr                 drei Monate ausgesetzt werden, um die Sicherheit der Atomreaktoren                 zu \u00fcberpr\u00fcfen. <\/p>\n<p>Daraufhin emp\u00f6rten sich die Gr\u00fcnen. J\u00fcrgen Trittin forderte ein                 Zur\u00fcck zum rot-gr\u00fcnen &#8222;Atomkonsens&#8220;. Er will keine sofortige Stilllegung                 aller Atomanlagen. Er will zur\u00fcck an die Macht.<\/p>\n<p>Die Internet-NGO <i>Campact<\/i> startete im M\u00e4rz eine neue Onlinekampagne.                 Mit einer Unterschriftenliste wird an Angela Merkel appelliert:                 &#8222;Schalten Sie Atomkraftwerke ab!&#8220; <\/p>\n<p>Liebe Leute von <i>Campact<\/i>, das ist zu wenig! Nicht umsonst                 fordert die unabh\u00e4ngige Anti-Atom-Bewegung die SOFORTIGE ABSCHALTUNG                 ALLER ATOMKRAFTWERKE!<\/p>\n<p>Durch das Fehlen des bestimmten Artikels &#8222;die&#8220; legt <i>Campact<\/i>                 nahe, dass nicht alle AKWs abgeschaltet werden sollen.<\/p>\n<p>Ersetzt Euer butterweiches &#8222;Schalten Sie Atomkraftwerke ab!&#8220;                 bitte durch &#8222;ALLE AKWs abschalten &#8211; und zwar jetzt!&#8220;<\/p>\n<p>Wer zu wenig fordert, bekommt bekanntlich fast nichts, bzw. nur                 das, was Merkel und Co. jetzt gerade beschlie\u00dfen, um bei den n\u00e4chsten                 Wahlen nicht komplett abzust\u00fcrzen. Und das ist bei weitem zu wenig!<\/p>\n<p>Wer sagt mir denn, dass es nicht ausgerechnet in dem nicht abgeschalteten                 AKW um die Ecke morgen einen Super-GAU gibt? <\/p>\n<p>Der unter Rot-Gr\u00fcn geschlossene &#8222;Atomausstieg&#8220; ist eine Mogelpackung.                 Diese rot-gr\u00fcne Bestandsgarantie f\u00fcr die Atomindustrie dient lediglich                 zur &#8222;Befriedung&#8220; (Gabriel) gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungsteile, die sich                 von Gabriel, Trittin und Co. nur allzu gern bet\u00e4uben lassen.<\/p>\n<p>Liebe Campact-Leute, h\u00f6rt bitte auf, Euch durch solch harmlose                 Appelle bei Gr\u00fcnen und SPD anzubiedern. Das ist peinlich und schadet                 letztlich mehr, als es der Anti-Atombewegung n\u00fctzt. <\/p>\n<p>Im Juli 1989 habe ich im <i>Atomkraft Nein! Kalender <\/i>u.a.                 folgendes geschrieben:<\/p>\n<p>&#8222;Der Ausstieg aus dem atomaren Wahnsinn kann nicht durch Parteien,                 sondern nur durch massiven Druck einer internationalistisch denkenden                 und agierenden Widerstandsbewegung von unten erreicht werden.                 Und Sonnenenergie, Wasser- und Windkraft gibt es genug. &#8218;Die auf                 die Erde einwirkenden Sonnenstrahlen entsprechen theoretisch der                 elektrischen Leistung von 135.000.000 Kraftwerken der heute m\u00f6glichen                 Gr\u00f6\u00dfenordnung von je 1.300 MW. Diese Menge \u00fcbersteigt den j\u00e4hrlichen                 Energiebedarf der Welt (&#8230;) um den Faktor 15.000&#8216; (&#8230;) Wir m\u00fcssen                 diese Energien nur nutzen und das Energiemonopol der Strommultis                 zerschlagen. Also Stillegung der Atomanlagen weltweit!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Stilllegung&#8220; wird mittlerweile mit drei &#8222;l&#8220; geschrieben. Und                 die Forderung nach Enteignung der Atomkonzerne wirkt heute, auch                 nach dem Super-GAU in Japan, auf viele Menschen weltfremd, verbalradikal,                 unrealistisch und verr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Der US-amerikanische Soziologe Charles Wright Mills wusste es                 dagegen schon 1959:<\/p>\n<p>&#8222;Im Namen des Realismus werden die Menschen total verr\u00fcckt, und                 genau das, was sie utopisch nennen, ist die Vorbedingung f\u00fcr den                 Fortbestand der Menschheit. Utopische Ma\u00dfnahmen sind Ma\u00dfnahmen,                 die uns vor dem Atomtod retten; realistische, gesunde, vern\u00fcnftige,                 praktische Schritte sind heute die Aktionen der Verr\u00fcckten und                 der Dummk\u00f6pfe.&#8220;<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Atomfeindliche Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir trauern um unz\u00e4hlige Menschen, die dem Erdbeben, dem Tsunami und seit dem 11. M\u00e4rz 2011 dem Super-GAU in Fukushima zum Opfer gefallen sind bzw. angesichts der freigesetzten radioaktiven Strahlung wahrscheinlich noch zum Opfer fallen werden. In die Trauer mischt sich Wut. 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