{"id":1057,"date":"1997-04-01T00:00:09","date_gmt":"1997-03-31T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1057"},"modified":"2012-05-12T18:42:31","modified_gmt":"2012-05-12T16:42:31","slug":"gentechnik-als-technofaschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/04\/gentechnik-als-technofaschismus\/","title":{"rendered":"Gentechnik als Technofaschismus"},"content":{"rendered":"<p>Das Jahr 1996 war hinsichtlich des Bewu\u00dftseins der Weltbev\u00f6lkerung f\u00fcr die Bedingungen, unter denen die Gentechnik als einzige Technologie f\u00fcr den Anbau und die Verarbeitung von Lebensmitteln durchgesetzt werden soll, ein Wendepunkt.<\/p>\n<p>Monsanto&#8217;s gegen das Totalherbizid Round Up resistente Sojabohnen wurden trotz des Protestes der KonsumentInnen auf den europ\u00e4ischen Markt geworfen. Als die europ\u00e4ischen KonsumentInnen eine Kennzeichnung forderten, wurde das vom US-Sektret\u00e4r f\u00fcr Landwirtschaft als &#8222;Eingriff in den freien Handel&#8220; bezeichnet. Er sagte au\u00dferdem: &#8222;Wir m\u00fcssen sicherstellen, da\u00df die Sprache der Wissenschaft die Oberhand gewinnt, und nicht, was ich als historische gewachsene Kultur bezeichnen w\u00fcrde, die nicht auf Wissenschaft gegr\u00fcndet ist. Europa hat eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Empfindlichkeit f\u00fcr die Kultur der Ern\u00e4hrung im Gegensatz zur Wissenschaft der Ern\u00e4hrung. Doch in der modernen Welt m\u00fcssen wir einfach Nachdruck auf die Wissenschaft legen. In dieser Diskussion mu\u00df gute Wissenschaft die Oberhand gewinnen.&#8220;<\/p>\n<p>Dennoch, es geht nicht um einen Konflikt zwischen &#8222;guter Wissenschaft&#8220; und &#8222;historisch gewachsener Kultur&#8220;, sondern um zwei Kulturen der Wissenschaft &#8211; eine Kultur demokratischer Wissenschaft gegen eine Kultur korporativer Wissenschaft, die auf Totalitarismus und einem Monopol der Kontrolle beruht. Gentechnik unter korporativer Kontrolle ist ein totalit\u00e4res System, das zu einer Art Technofaschismus f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wenn weder KonsumentInnen noch ProduzentInnen irgendeine M\u00f6glichkeit haben, ihre Freiheiten zu praktizieren und ihre Rechte zu sch\u00fctzen, und wenn Gentechnik in der Nahrungsmittelproduktion nur eingef\u00fchrt werden kann, indem die fundamentalen Rechte der B\u00fcrgerInnen &#8211; sei es als FarmerInnen oder KonsumentInnen &#8211; ausgel\u00f6scht werden, dann ist Gentechnik eine Form des Technofaschismus.<\/p>\n<p>Nur eine faschistische Gesellschaft w\u00fcrde den KonsumentInnen das Recht absprechen, zu wissen, was sie essen. Nur eine faschistische Gesellschaft w\u00fcrde den FarmerInnen das Recht absprechen, erneut zu pflanzen, was sie angebaut haben.<\/p>\n<p>Andererseits: h\u00e4tten die KonsumentInnen wirklich die Freiheit zu w\u00e4hlen, da eine Kennzeichnung besteht, w\u00fcrde der Markt f\u00fcr gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel zusammenfallen. Wenn die FarmerInnen das Recht h\u00e4tten, Saatgut nach eigenem Willen zur\u00fcckzuhalten und zu tauschen, dann w\u00fcrden die M\u00e4rkte f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4ndertes Saatgut verschwinden.<\/p>\n<p>Ohne Faschismus im Supermarkt, ohne Faschismus auf den Feldern der FarmerInnen, kann Gentechnik den Menschen nicht aufgezwungen werden. Die Verweigerung des &#8222;Rechtes zu Wissen&#8220; und des &#8222;Rechtes zu W\u00e4hlen&#8220; f\u00fcr KonsumentInnen und Versuche, Regelungen zur biologischen Sicherheit zu untergraben, sind die Basis f\u00fcr Faschismus im Supermarkt. Die Einf\u00fchrung von &#8222;intellektuellen Eigentumsrechten&#8220; an Saatgut und Pflanzenmaterial ist die Basis f\u00fcr Faschismus auf dem Acker.<\/p>\n<h3>Totale Kontrolle<\/h3>\n<p>Als die TRIP-Vereinbarungen des Welthandelsabkommens GATT unterzeichnet wurden, erkl\u00e4rte James Enyart von Monsanto: &#8222;Wir sind gleichzeitig die \u00c4rzte, Diagnostiker und Patientien &#8211; alles in einem.&#8220; K\u00fcrzlich erkl\u00e4rte Robert Farley, ebenfalls Monsanto: &#8222;Was sie sehen k\u00f6nnen ist nicht nur eine Konsolidierung der Saatgutfirmen, sondern eine Konsolidierung der gesamten Nahrungsmittelbranche.&#8220;<\/p>\n<p>Im letzten Jahr hat Monsanto kleine Pionierfrmen der Biotechnologie und gro\u00dfe Saatgutfirmen aufgekauft. Darunter sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Agracetus, eine Tochter von W.R. Grace mit Patenten f\u00fcr Baumwolle und Sojabohnen, aufgekauft durch Monsanto f\u00fcr ca. 210 Mill. DM;<\/li>\n<li>Calgene, eine Biotechnologie-Firma im Bereich Pflanzen mit Sitz in Kalifornien. Diese Firma entwickelte die &#8222;Flavr- Savr&#8220;-Tomate (Tomate mit Geschmacksbewahrer). Monsanto h\u00e4lt jetzt 54 % der Anteile;<\/li>\n<li>Asgrow Seed, aufgekauft durch Monsanto f\u00fcr ca. 340 Mill. DM;<\/li>\n<li>De Kalb, aufgekauft durch Monsanto f\u00fcr ca. 220 Mill. DM;<\/li>\n<li>Holden, aufgekauft durch Monsanto f\u00fcr ca. 1,4 Mrd. DM<\/li>\n<\/ul>\n<p>Holden ist eine Saatgutfirma mit einem Jahresumsatz von 65 Mill DM. Monsanto hat die Firma f\u00fcr 1,4 Mrd. DM aufgekauft, dem 23fachen des Jahresumsatzes. So f\u00e4llt das Saatgut, das erste Glied in der Nahrungsmittelproduktion, in die Hand einer handvoll korporativer Giganten, die niemandem gegen\u00fcber verantwortlich sind, die vollst\u00e4ndig undurchsichtig agieren und die das gesamte Nahrungs- und Agrarsystem kontrollieren (RAFI &#8211; Rural Advancement Foundation International &#8211; Communique, September 1996).<\/p>\n<h3>Rechte ohne Verantwortung<\/h3>\n<p>In Monsanto&#8217;s Erkl\u00e4rung f\u00fcr die amerikanische &#8222;Food and Drug Agency&#8220; (US- Ern\u00e4hrungsbeh\u00f6rde) hei\u00dft es, da\u00df &#8222;die neue Variante der Sojabohne sich materiell weder in Zusammensetzung, Sicherheit noch irgendeinem anderen relevanten Parameter von Sojabohnen unterscheidet, die sich derzeit auf dem Markt befinden.&#8220;<\/p>\n<p>Doch in der Frage der Sicherheit gibt es nicht &#8222;Neues&#8220; bei der gegen Round Up resistenten Sojabohne. Dennoch, wenn es um Patentierung und Eigentumsrechte geht, dann sind diese Sojabohnen &#8222;neu&#8220;. Sie sind durch die US-Patente 4.535.660, 4.900.838 und 5.352.602 gesch\u00fctzt. AnbauerInnen m\u00fcssen eine Vereinbarung unterzeichnen, das &#8222;Monsanto Round Up Ready Gene Agreement&#8220;, die sie verpflichtet, lediglich Round Up einzusetzen und von der Ernte kein Saatgut zur\u00fcckzuhalten. Es gibt Monsanto Macht \u00fcber das Erbe und die VertreterInnen der FarmerInnen, und erlaubt Monsanto noch drei Jahre nach dem Einsatz des Saatguts das Eigentum des\/der FarmerIn zu durchsuchen. Au\u00dferdem ist f\u00fcr jeweils 50 Pfund Saatgut ein &#8222;Technologie-Honorar&#8220; in H\u00f6he von ca. 7 DM zu entrichten.<\/p>\n<p>Die FarmerInnen haben somit keine Rechte, und Monsato tr\u00e4gt keine Verantwortung, weder gegen\u00fcber den FarmerInnen, noch gegen\u00fcber den KonsumentInnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 1996 war hinsichtlich des Bewu\u00dftseins der Weltbev\u00f6lkerung f\u00fcr die Bedingungen, unter denen die Gentechnik als einzige Technologie f\u00fcr den Anbau und die Verarbeitung von Lebensmitteln durchgesetzt werden soll, ein Wendepunkt. Monsanto&#8217;s gegen das Totalherbizid Round Up resistente Sojabohnen wurden trotz des Protestes der KonsumentInnen auf den europ\u00e4ischen Markt geworfen. 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