{"id":10634,"date":"2011-05-01T00:00:54","date_gmt":"2011-04-30T22:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10634"},"modified":"2022-07-26T13:11:38","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:38","slug":"wunderreaktoren-sollen-die-atomindustrie-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/05\/wunderreaktoren-sollen-die-atomindustrie-retten\/","title":{"rendered":"&#8222;Wunderreaktoren&#8220; sollen die Atomindustrie retten"},"content":{"rendered":"<p>Die Industrie hat seit Jahrzehnten mit dem Thorium Hochtemperaturreaktor                 (THTR), auch Kugelhaufenreaktor genannt, ein vermeintliches Ass                 im \u00c4rmel, das sie jetzt verst\u00e4rkt ins Spiel bringt. Die Freunde                 dieser zuk\u00fcnftigen, weltweit von Atomfans hoffnungsvoll diskutierten                 vierten Reaktorlinie behaupten, diese Reaktoren w\u00e4ren inh\u00e4rent                 sicher und aufgrund von Naturgesetzen k\u00f6nne keine Kernschmelze                 passieren. Dieses &#8222;Wunderwerk&#8220; (Originalton FAZaS) bietet also                 ideale Voraussetzungen, um in dieser f\u00fcr die Atomlobby schwierigen                 Situation zu punkten.<\/p>\n<p>V\u00f6llig ausgeblendet werden bei der von der Springerpresse propagandistisch                 aktuell stark favorisierten &#8222;neuen&#8220; Reaktorlinie die unendlich                 vielen &#8222;alten&#8220; St\u00f6rf\u00e4lle in den letzten Jahrzehnten in dem kleinen                 Forschungsreaktor AVR in J\u00fclich und in dem 300 MW Prototyp THTR                 in Hamm. Insbesondere der von 1967 bis 1988 betriebene AVR in                 J\u00fclich ist durch die neuen Untersuchungen des kritischen Atomwissenschaftlers                 und Insiders Rainer Moormann in Verruf geraten. Sie zeigen, dass                 unter den &#8222;extremen&#8220; Betriebssituationen mit h\u00f6heren Temperaturen                 und h\u00f6herem Druck jede Menge bisher unbeachtete und anders gelagerte                 St\u00f6rfallm\u00f6glichkeiten auftreten als bei Leichtwasserreaktoren.<\/p>\n<p>Allein bei den seit Jahren andauernden, viele hundert Millionen                 Euro teuren R\u00fcckbau-Versuchen des stillgelegten Minireaktors in                 J\u00fclich kamen extreme Strahlenbelastungen von Anlageteilen zutage.                 1978 trat unbemerkt durch ein Leck im Dampferzeuger mehrere Wochen                 Wasserdampf aus, der sich als Kondenswasser unter dem Reaktorkern                 sammelte und zum Teil als verstrahltes Wasser sp\u00e4ter ins Grundwasser                 gelangte. Erst jetzt wird dieser schlimme St\u00f6rfall in der \u00d6ffentlichkeit                 diskutiert und untersucht. Weitere Folgen dieser nuklearen Achterbahnfahrt:                 Rund eine Millionen tennisballgro\u00dfe, hochradioaktive Brennelementekugeln                 aus dem AVR J\u00fclich und dem ebenfalls wegen diverser St\u00f6rf\u00e4lle                 1989 stillgelegten THTR Hamm lagern im westf\u00e4lischen Ahaus in                 einer Lagerhalle und teilweise noch in J\u00fclich. Wie lange die seit                 den 60er Jahren anfallenden hochgef\u00e4hrlichen Kugeln unbeschadet                 gelagert werden k\u00f6nnen, wird erst seit kurzer Zeit untersucht.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzer dieser wieder verst\u00e4rkt ins Rampenlicht                 geratenen Reaktorlinie war seit den 50er Jahren eben jene SPD,                 die sich heute so gerne als &#8222;Ausstiegspartei&#8220; darstellt. Damals                 befl\u00fcgelte die SozialdemokratInnen die illusorisch in Aussicht                 gestellte Nutzung der Prozessw\u00e4rme des Reaktors.<\/p>\n<p>Selbst unter dem &#8222;Atomausstieg&#8220; stellten die rot-gr\u00fcnen Regierungen                 im Land NRW und im Bund Dutzende von Forschungsmillionen f\u00fcr diese                 Reaktorlinie bereit, ohne sich um die Proteste von B\u00fcrgerinitiativen                 zu k\u00fcmmern. Mit diesem Geld ausger\u00fcstet, konnte per Technologietransfer                 S\u00fcdafrika ein HTR aufgeschwatzt werden, der dann nach verprassten                 1,5 Milliarden Euro vor zwei Jahren aufgegeben werden musste.<\/p>\n<p>Die deutsche THTR-Lobby versucht es unabl\u00e4ssig wieder. Besonders                 r\u00fchrig ist dabei Professor Antonio Hurtado, der an der RWTH Aachen                 zum HTR promoviert hat und jetzt an der TU Dresden und in Rossendorf                 weiterhin THTR-Forschung betreibt. Neben der Verst\u00e4rkung der Entwicklungsaktivit\u00e4ten                 in den USA, dem thoriumreichen Indien und auf der EU-Ebene wird                 jetzt der Bau eines Kugelhaufenreaktors in Polen an der Grenze                 zu Tschechien und Deutschland konkret vorbereitet. Wenn auch die                 Zeit f\u00fcr einen Reaktorneubau in der BRD noch nicht reif ist, so                 wird es ein paar Kilometer hinter der Grenze versucht.<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes erfolgt mit deutscher Unterst\u00fctzung die Forschungsintensivierung                 in S\u00fcdkorea, um in Asien eine nukleare &#8222;Alternative&#8220; zu den problematischen                 Leichtwasserreaktoren zu etablieren. In China wird als Reaktion                 auf die Katastrophe in Fukushima jetzt mit dem Bau eines Kugelhaufenreaktors                 begonnen. Und zwar auf der Halbinsel Shandong in Tsingtau (Qingdao),                 dem ehemaligen deutschen Kolonialst\u00fctzpunkt bis zum Jahre 1914.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht aufpassen, wird das &#8222;Atomausstiegsland&#8220; BRD mittelfristig                 zum Retter der Atomindustrie weltweit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Industrie hat seit Jahrzehnten mit dem Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR), auch Kugelhaufenreaktor genannt, ein vermeintliches Ass im \u00c4rmel, das sie jetzt verst\u00e4rkt ins Spiel bringt. Die Freunde dieser zuk\u00fcnftigen, weltweit von Atomfans hoffnungsvoll diskutierten vierten Reaktorlinie behaupten, diese Reaktoren w\u00e4ren inh\u00e4rent sicher und aufgrund von Naturgesetzen k\u00f6nne keine Kernschmelze passieren. 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