{"id":10658,"date":"2011-05-01T00:00:34","date_gmt":"2011-04-30T22:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10658"},"modified":"2022-07-26T14:12:28","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:28","slug":"25-jahre-lebenslaute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/05\/25-jahre-lebenslaute\/","title":{"rendered":"25 Jahre Lebenslaute"},"content":{"rendered":"<p>Einmal im Jahr treffen sich Orchester und Chor, um klassische                 Musik an Menschen bedrohenden Orten aufzuf\u00fchren. Ein paar Tage                 wird gemeinsam geprobt, dann kommt die Konzert-Aktion. Neben diesen                 gro\u00dfen Sommeraktionen, die das Bild von Lebenslaute seit 1986                 pr\u00e4gen, gibt es derzeit auch zwei Regionalgruppen. Zu verschiedenen                 Anl\u00e4ssen tragen sie die Aktionsidee in Ensemble-St\u00e4rke in politische                 Auseinandersetzungen vor Ort.<\/p>\n<h3>Der Name<\/h3>\n<p>Bei den Blockaden gegen die Atomraketen in Mutlangen Anfang der                 80er Jahre wurde viel Musik gemacht. Daraus entstand die Idee,                 klassische Musik mit Aktionen zivilen Ungehorsams zu verbinden                 und beides gr\u00fcndlich vorzubereiten.<\/p>\n<p>Mit der Zeit bildete sich ein Netzwerk von einigen hundert Personen,                 die sich vorstellen konnten, solch eine Aktion mitzumachen. Das                 Wort &#8222;Lebenslaute&#8220; stammt von Uwe Painke vom Friedensb\u00fcro in T\u00fcbingen.                 Er wollte damit Laute (Kl\u00e4nge) des Lebens bezeichnen als Kontrast                 zu der Bedrohung durch die Raketen, die damals auf der Schw\u00e4bischen                 Alb aufgestellt wurden.<\/p>\n<h3>Statistik<\/h3>\n<p>Alles begann 1986 in Mutlangen. Danach folgte eine Reihe von                 Orten, von denen die meisten bereits f\u00fcr sich sprechen. Viele                 sind mehrfach vertreten. Insgesamt gab es dreizehn Aktionen gegen                 das Milit\u00e4r (Mutlangen 1986, Heilbronn 1987, Fischbach und Gro\u00dfengstingen                 1988, Hannover, M\u00fcnsingen, Frankfurt\/M 1991, Wittstocker Heide                 1995, 2000, 2004 und 2007, Colbitz-Letzlinger Heide 2010, Leipzig                 2011), sechs gegen die Gefahren von Atomanlagen (Wackersdorf 1988,                 Hanau und Gorleben 1990, wieder Gorleben 1994 und 2009, Biblis                 1999), f\u00fcnf gegen Abschiebungen und Rassismus (Hamburg 1996, Bielefeld                 1998, 2005, Frankfurt\/M 2001, L\u00fcbeck 2008) sowie je eine zu den                 Themen Gentechnologie (Badingen\/ Brandenburg 2006) und Giftm\u00fclltransporte                 (Schlutup\/ Holstein 1989).<\/p>\n<p>Das Engagement gegen das Milit\u00e4r steht also eindeutig im Vordergrund                 der Aktionen. An zweiter Stelle steht die Atomkraft, gleich gefolgt                 vom Engagement f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. Interessant ist, dass &#8222;Lebenslaute&#8220;                 in 25 Jahren auf 26 Aktionen kommt, trotz zweimaliger L\u00fccken in                 der Jahresfolge. In den Jahren 1993 und 1997 fanden keine Aktionen                 statt.<\/p>\n<h3>Grunds\u00e4tze<\/h3>\n<p>Konsequente Gewaltfreiheit in Verbindung mit zivilem Ungehorsam                 war immer der Grundsatz von &#8222;Lebenslaute&#8220;. <\/p>\n<p>Die Art der Aktionen mit wertvollen und empfindlichen Musikinstrumenten                 und auch die klassische Musik waren dazu angetan, diesen Grundsatz                 zu unterstreichen. Das schloss aber nicht aus, dass die Beteiligten                 sich immer wieder Gedanken machten, wie sie die ungerechten Gesetze                 und Verbote der Herrschenden pfiffig unterlaufen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wesentlich ist auch das Konsensprinzip. Bei &#8222;Lebenslaute&#8220; gibt                 es zwar eine Vorbereitungsgruppe, aber w\u00e4hrend der Tage unmittelbar                 vor einer Aktion haben alle Beteiligten die M\u00f6glichkeit, ihre                 Kompetenzen, ihre Ideen und Bedenken zum Ablauf einzubringen.                 Die Diskussionen um die Einzelheiten einer Aktion sind zwar oft                 sehr nervenaufreibend, aber nur auf diese Weise ist sichergestellt,                 dass auch alle die Aktion mittragen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Ein weiterer Grundsatz der Aktionen ist der, dass &#8222;Lebenslaute&#8220;                 sich in schon bestehende B\u00fcrgerinitiativen oder Aktionen einbindet.<\/p>\n<h3>Die Musik<\/h3>\n<p>Die Werkauswahl ist in jedem Jahr immer wieder eine der spannendsten                 Fragen, die die Kreativit\u00e4t aller herausfordert. Die Musik f\u00fcr                 Chor und Orchester soll das Anliegen der betreffenden Aktion m\u00f6glichst                 auch in den Texten widerspiegeln, bei der reinen Orchestermusik                 kann das naturgem\u00e4\u00df nur als Anspielung erfolgen. &#8222;Lebenslaute&#8220;                 hat wiederholt Texte von Kantaten des 18. Jahrhunderts (Telemann,                 Buxtehude, Bach) den aktuellen Bed\u00fcrfnissen entsprechend umgeschrieben.<\/p>\n<p>Bei der symbolischen Verwendung reiner Orchestermusik fanden                 sich immer wieder mehr oder weniger treffende Ankl\u00e4nge. Sehr beliebt                 waren die Sinfonien Josef Haydns, weil sie so humorvoll und anspielungsreich                 sind. Ein Satz aus der Sinfonie &#8222;Die Uhr&#8220; z. B. diente zur Illustration                 des Gedankens, dass die Zeit, in der Radioaktivit\u00e4t abklingt,                 nur extrem langsam zerrinnt. <\/p>\n<h3>Konflikte<\/h3>\n<p>Was ist wichtiger bei &#8222;Lebenslaute&#8220;: die Musik oder die politische                 Aktion? Das ist einer der h\u00e4ufigsten Konflikte, die aufgetreten                 sind. &#8222;Lebenslaute&#8220; k\u00fcndigt die Aktionen immer \u00f6ffentlich an und                 verteilt auch die Aufrufe zum Mitmachen, bei denen deutlich gesagt                 wird, dass es um einen begrenzten Regelversto\u00df geht. <\/p>\n<p>Gelegentlich taucht auch die Frage auf, ob sich nicht eine gewisse                 Beliebigkeit einschleicht. Sind die &#8222;Lebenslaute&#8220;-AktivistInnen                 nichts weiter als Polit-TouristInnen? <\/p>\n<p>In einem Jahr ist das Milit\u00e4r das Ziel einer Aktion, im n\u00e4chsten                 die Atomtechnologie, dann die Fl\u00fcchtlingspolitik&#8230; <\/p>\n<p>Nun, der Blick auf die Statistik der Aktionen zeigt, dass &#8222;Lebenslaute&#8220;                 sich doch auf wenige zentrale Themen beschr\u00e4nkt, die zudem von                 hoher gesellschaftlicher Dringlichkeit sind, so lebensbedrohlich,                 dass sie eine Aktionsform au\u00dferhalb des legalen Rahmens rechtfertigen.               <\/p>\n<h3>Repression<\/h3>\n<p>Die Repression von staatlicher Seite hielt sich eigentlich in                 Grenzen. Es gab gelegentlich Bu\u00dfgelder und einmal in Bielefeld                 einen Prozess wegen einer Blockade der dortigen Abschiebebeh\u00f6rde,                 aber der Prozess endete mit Freispr\u00fcchen. Man sollte sich aber                 nicht immer darauf verlassen. <\/p>\n<p>Ich habe wiederholt die Meinung vertreten, wer an einer Aktion                 von &#8222;Lebenslaute&#8220; teilnehme, solle sich doch bitte den Tag nach                 der Aktion von Terminen frei halten, denn man k\u00f6nne nie wissen,                 ob man nicht doch &#8222;eingesackt&#8220; werde. Die Sorglosigkeit, mit der                 manche AktivistInnen davon ausgehen, dass das nicht geschieht,                 hat gelegentlich irritiert. Nat\u00fcrlich werden vor einer Aktion                 die juristischen Risiken immer genau durchgesprochen.<\/p>\n<h3>Die Aktion 2011<\/h3>\n<p>In diesem Jahr wird Lebenslaute am Flughafen Halle-Leipzig zugegen                 sein und auf die milit\u00e4rische Nutzung dieses Flughafens aufmerksam                 machen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal im Jahr treffen sich Orchester und Chor, um klassische Musik an Menschen bedrohenden Orten aufzuf\u00fchren. Ein paar Tage wird gemeinsam geprobt, dann kommt die Konzert-Aktion. Neben diesen gro\u00dfen Sommeraktionen, die das Bild von Lebenslaute seit 1986 pr\u00e4gen, gibt es derzeit auch zwei Regionalgruppen. 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