{"id":10698,"date":"2011-06-01T00:00:49","date_gmt":"2011-05-31T22:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10698"},"modified":"2022-07-26T13:11:38","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:38","slug":"etappensieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/06\/etappensieg\/","title":{"rendered":"Etappensieg"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. Juni kam \u00fcber n-tv die Kurzmeldung, dass die Strahlenwerte                 rund um die havarierten Meiler so extrem sind wie noch nie zuvor.                 Beide Meldungen finden sich nur noch in den Randspalten im hinteren                 Teil der Tageszeitungen. <\/p>\n<p>Die schweren Atomunf\u00e4lle im russischen Majak 1957\/58, im britischen                 Windscale\/Sellafield 1957, der Beinahe-GAU im US-amerikanischen                 Harrisburg 1979 und der Super-GAU 1986 in Tschernobyl waren lange                 Zeit kaum pr\u00e4sent. Zu bef\u00fcrchten ist nun, dass die Medienkonzerne                 den Mantel des Vergessenmachens auch \u00fcber Fukushima legen. Aber                 wir werden nicht vergessen!<\/p>\n<p>Hunderttausende haben in Deutschland f\u00fcr die sofortige Stilllegung                 aller Atomanlagen demonstriert. Allein am 28. Mai 2011 gingen                 160.000 Menschen in 21 St\u00e4dten auf die Stra\u00dfe, um dieser Forderung                 Nachdruck zu verleihen. Es war nach den Gro\u00dfdemos am 26. M\u00e4rz                 2011, wo eine Viertelmillion demonstrierte, die zweitgr\u00f6\u00dfte Anti-Atom-Protestaktion                 in der Geschichte der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>Und siehe da, der Druck der Stra\u00dfe ist effektiver, als jedes                 R\u00e4nkespiel der Parteien. Viele Menschen haben begriffen, dass                 sie es sind, die den Lauf der Geschichte ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, wenn                 sie k\u00e4mpfen und demonstrieren. Und sie sind erfolgreich. <\/p>\n<p>Unter einer rot-gr\u00fcnen Bundesregierung h\u00e4tte es wom\u00f6glich nach                 Fukushima nicht so gro\u00dfe Proteste gegeben wie jetzt. Trittin und                 Co. h\u00e4tten &#8211; mit Verweis auf ihren &#8222;Atomkonsens&#8220; &#8211; wohl kaum sieben                 Ur-Altmeiler vom Netz genommen. <\/p>\n<p>Damit will ich nicht Merkels Politik loben. Sie macht nur das,                 was ihrem Machterhalt dient. Und angesichts der Zahl von 80% der                 Bundesb\u00fcrgerInnen, die sich seit Fukushima f\u00fcr einen Atomausstieg                 aussprechen, h\u00e4tte ein Festhalten an der 2010 beschlossenen Laufzeitverl\u00e4ngerung                 das sichere Ende von Schwarz-Gelb bedeutet.<\/p>\n<h3>Wer h\u00e4tte das vor Monaten f\u00fcr m\u00f6glich gehalten?<\/h3>\n<p>Momentan sind nur vier Atomkraftwerke am Netz, ohne dass es die                 herbeigeredeten &#8222;Stromengp\u00e4sse&#8220; oder Blackouts gibt. <\/p>\n<p>Bis 2022 will die CDU\/CSU\/FDP-Regierung schrittweise alle AKWs                 in Deutschland abschalten. 7 bis 8 der 17 AKWs bleiben abgeschaltet,                 darunter Kr\u00fcmmel, Brunsb\u00fcttel, Esenshamm und Biblis Block A. Diese                 Schrottreaktoren sind Geschichte. Und das ist einzig und allein                 der Beharrlichkeit vieler Menschen zu verdanken. Menschen, die                 sich zum Teil seit Jahrzehnten in der au\u00dferparlamentarischen Anti-Atom-Bewegung                 f\u00fcr die Stilllegung aller Atomanlagen engagieren und sich von                 keiner Regierung, welcher Farbkombination auch immer, befrieden                 lassen. <\/p>\n<p>Die AKWs Brokdorf, Grohnde, Lingen, Grafenrheinfeld und Grundremmingen                 sollen nach dem Willen der Parteien noch mindestens zehn Jahre                 weiterlaufen. In Ohu an der Isar, in Neckarwestheim und in Philippsburg                 werden die jeweils \u00e4lteren Reaktorbl\u00f6cke stillgelegt, die &#8222;j\u00fcngeren&#8220;                 sollen noch jahrelang weiterstrahlen. Ein Skandal!<\/p>\n<p>Nach Informationen von heise.de vom 6. Juni soll eines der acht                 bereits abgeschalteten und nun dauerhaft stillzulegenden AKW soll                 m\u00f6glicherweise bis 2013 noch in Bereitschaft gehalten werden f\u00fcr                 den Fall von Stromengp\u00e4ssen im Winter. Ob ein solches &#8222;Stand-By&#8220;-AKW                 n\u00f6tig ist, soll die Bundesnetzagentur in den n\u00e4chsten Wochen entscheiden.<\/p>\n<p>Nach den sofort stillzulegenden AKW sollen die verbleibenden                 neun noch Strom produzieren Meiler nach folgendem Zeitplan vom                 Netz gehen: 2015 Grafenrheinfeld (Bayern), 2017 Gundremmingen                 B (Bayern) und 2019 Philippsburg II (Baden-W\u00fcrttemberg), 2021                 Grohnde (Niedersachsen), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Gundremmingen                 C (Bayern). Als letzte AKWs w\u00fcrden 2022 Isar II (Bayern), Neckarwestheim                 II (Baden-W\u00fcrttemberg) und Emsland (Niedersachsen) abgeschaltet                 werden.<\/p>\n<p>Zudem gibt es bisher keinerlei Pl\u00e4ne, die Urananreicherungsanlage                 in Gronau stillzulegen, welche eine Achillesferse der internationalen                 Atommafia ist (siehe Interview in dieser GWR, S. 6 f.).<\/p>\n<p>3850 Tage Weiterbetrieb f\u00fcr neun AKWs sind kein Atomausstieg,                 sondern ein riesiges Damoklesschwert, das an einem br\u00fcchigen Faden                 \u00fcber den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung h\u00e4ngt. Es gibt keine sicheren                 Atomanlagen. Ein Super-GAU ist jederzeit und in jedem der weltweit                 443 AKW m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Und deshalb werden wir weiter k\u00e4mpfen, f\u00fcr eine atomanlagen-                 und atomwaffenfreie Welt, f\u00fcr eine gewaltfreie, herrschaftslose                 Gesellschaft. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. Juni kam \u00fcber n-tv die Kurzmeldung, dass die Strahlenwerte rund um die havarierten Meiler so extrem sind wie noch nie zuvor. Beide Meldungen finden sich nur noch in den Randspalten im hinteren Teil der Tageszeitungen. 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