{"id":10720,"date":"2011-06-01T00:00:47","date_gmt":"2011-05-31T22:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10720"},"modified":"2022-07-26T13:11:38","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:38","slug":"wichtig-ist-der-druck-der-strase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/06\/wichtig-ist-der-druck-der-strase\/","title":{"rendered":"&#8222;Wichtig ist der Druck der Stra\u00dfe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>Bernd: Ich fange an mit einem Zitat aus den <i>Westf\u00e4lischen                 Nachrichten<\/i> vom 19. April:<\/b><\/p>\n<p><b><i>&#8222;Gronau &#8211; Udo Buchholz ist einer von diesen Leuten, \u00fcber                 die man nach Fukushima denkt, dass man ihnen vielleicht doch \u00f6fter                 h\u00e4tte zuh\u00f6ren sollen. 30 Jahre hat er gegen die Atomkraft gewettert,                 hat ungez\u00e4hlte Pressemitteilungen geschrieben, hat Spazierg\u00e4nge                 rund um die Urananreicherungsanlage (UAA) organisiert. Udo Buchholz                 scheint f\u00fcr seinen Widerstand gegen die Atomkraft zu leben.<\/i><\/b><\/p>\n<p><i><b>Heiner M\u00f6llers, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gronauer                 Rat und nicht im Verdacht, guter Freund von Buchholz zu sein oder                 zu werden, beschreibt den Vorsitzenden des Arbeitskreises Umwelt                 irgendwo zwischen \u201awohlmeinendem Idealisten und verbohrtem Weltverbesserer&#8216;.                 Wo dazwischen er Buchholz sieht, will der CDU-Mann aus Angst vor                 einer Klage nicht sagen, aber es gebe keine Ratssitzung, \u201ain der                 Herr Buchholz es nicht fertig bringt, die Urenco zur Sprache zu                 bringen&#8216;. Bei dem Versuch, eine neue Energiepolitik \u201ageordnet                 ans andere Ufer zu kommen, ist Herr Buchholz jedenfalls kein Br\u00fcckenpfeiler&#8216;,                 sagt er.<\/b><\/i><\/p>\n<p><i><b>Und Joachim Ohnemus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Urenco, bewundert                 zwar \u201adie Ausdauer und Hartn\u00e4ckigkeit&#8216; Buchholz trotz dessen \u201aandauernder                 Erfolglosigkeit&#8216;, gleichzeitig scheue der Atomkraftgegner aber                 die fachliche Auseinandersetzung. \u201aEr stellt sich nicht dem fachlichen                 Disput&#8216;, sagt Ohnemus. \u201aBemerkenswert&#8216; sei immerhin, dass in Japan                 ein Reaktorunfall passiert ist und nun, ohne dass es einen sicherheitstechnischen                 Zusammenhang gebe, \u00fcber die UAA diskutiert wird.&#8220;<\/b><\/i><\/p>\n<p><b>Hallo Udo.<\/b><\/p>\n<p>Udo: Hallo.<\/p>\n<p><b>Bernd: Es ist bemerkenswert, wenn dich politische Gegner so                 beschreiben. Was sagst du dazu?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Ja, das ist auch ein Zeichen daf\u00fcr, dass man ernst genommen                 wird, dass das aktive Handeln wahrgenommen wird und irgendwo Nadelstiche                 hinterl\u00e4sst. Au\u00dferdem haben sie nicht ganz bzw. gar nicht recht.                 Vor allem, wenn der Urenco-Chef Dr. Ohnemus sagt, dass ich mich                 der sachlichen Diskussion entz\u00f6ge. Er m\u00fcsste das besser wissen,                 weil ich viel l\u00e4nger &#8222;im Gesch\u00e4ft&#8220; bin als er. Ich bin schon im                 Info-Center von Urenco gewesen, da gab es ihn in Gronau noch gar                 nicht. Und als Sch\u00fcler habe ich schon vor rund 30 Jahren Informationen                 f\u00fcr meine Referate im Info-Center abgeholt. Ich habe mich mit                 der Thematik auseinandergesetzt, habe an Er\u00f6rterungsterminen zum                 Ausbau der Anlage teilgenommen, dabei fachliche Diskussionen gef\u00fchrt.                 Kurz: Ich habe mich intensiv mit der Anlage besch\u00e4ftigt und wei\u00df,                 warum ich dagegen bin.<\/p>\n<p><b>Max: Lieber Udo, es ist f\u00fcr Neulinge in der Anti-Atombewegung                 schwierig, etwas mit Begriffen wie Urenco und UAA anzufangen.                 K\u00f6nntest du diese erkl\u00e4ren und uns einen Einblick geben?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Ja. Die Urananreicherungsanlage in Gronau ist die einzige                 dieser Art in Deutschland. Sie hat, vereinfacht gesagt, den Zweck,                 das Natur-Uran f\u00fcr den sp\u00e4teren Einsatz in den Atomkraftwerken                 vorzubereiten. Natur-Uran kann in den meisten Reaktoren nicht                 so eingesetzt werden, weil es zu wenig Uran 235 enth\u00e4lt. Dieser                 Urananteil ist f\u00fcr den Spaltprozess erforderlich, d.h. in der                 UAA wird der Anteil des Urans 235 ca. von 0,7 Prozent der gesamten                 Uranmenge auf ca. 5 Prozent erh\u00f6ht. Sp\u00e4ter kann das Uran mittels                 dieser Konzentration in den Atomkraftwerken eingesetzt werden.               <\/p>\n<p>F\u00fcr die Urananreicherung gibt es verschiedene Technologien. <\/p>\n<p>1970 haben Deutschland, die Niederlande und Gro\u00dfbritannien den                 Vertrag von Almelo (Niederlande) abgeschlossen und gemeinsam beschlossen,                 die Urananreicherung nach dem sogenannten Zentrifugenverfahren                 zu entwickeln und zu forcieren. Das ist darin gem\u00fcndet, dass in                 jedem dieser drei Staaten, in Gronau, Almelo und Capenhurst, jeweils                 eine Urananreicherungslage gebaut wurde, die mit dem Zentrifugenverfahren                 arbeitet. <\/p>\n<p>Die Zentrifugentechnologie ist f\u00fcr die Atomindustrie die g\u00fcnstigste,                 weil sie im Vergleich zu anderen Technologien relativ energiesparend                 arbeitet. <\/p>\n<p>Die Urenco ist in den letzten Jahren gut auf dem Weltmarkt angekommen,                 da mit der Zentrifugentechnik billiger angereichert werden kann                 als mit dem sogenannten Diffusionsverfahren, welches in Frankreich                 und den USA angewendet wird. Der Weltmarktanteil der Urenco liegt                 derzeit bei rund 20 bis 25 Prozent. Die Tendenz ist steigend,                 da sie das Uran relativ g\u00fcnstig anbieten kann. <\/p>\n<p>Die Anlage in Gronau tr\u00e4gt ein Drittel der gesamten Urenco-Strukturen,                 und hinter der Urenco-Deutschland steckt zu hundert Prozent die                 Firma Uranit aus J\u00fclich, welche ihren Sitz in der N\u00e4he eines bekannten                 Kernforschungszentrums hat. Die Uranit-F\u00fchrung wird zu f\u00fcnfzig                 Prozent von RWE und Eon gehalten. Indirekt wird die UAA Gronau                 also von Letzteren betrieben. <\/p>\n<p><b>Bernd: Der AKU hat sich vor 30 Jahren gegr\u00fcndet. Was war damals                 eure Motivation und wie bist du in die Anti-Atom-Bewegung gekommen?<\/b><\/p>\n<p>Udo: 1970 wurde der Vertrag zu Almelo abgeschlossen. Und Anfang                 der 70er Jahre gab es die sogenannte \u00d6lkrise. Die damalige sozialliberale                 Bundesregierung hat daraufhin gesagt, dass man auf Atomkraft setzen                 muss, um vom \u00d6l unabh\u00e4ngiger zu werden. Demnach war klar, dass                 rohmaterielles Uran importiert werden muss. <\/p>\n<p>In Deutschland eine Urananreicherungsanlage zu bauen, war urspr\u00fcnglich                 verboten gewesen: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das durch internationale                 Abkommen geregelt, weil die Urananreicherungsanlagen auch f\u00fcr                 den Bau von Uranwaffen bzw. -bomben geeignet sind.<\/p>\n<p>Die erste Pilot-Anlage der Bundesrepublik wurde zun\u00e4chst in Almelo                 gebaut. Mitte der 70er Jahre wurden die internationalen Bedenken                 geringer und Deutschland durfte eine eigene Anlage bauen. Letztlich                 hat die Stadt Gronau das Rennen bei der Standortsuche gemacht,                 weil sie gro\u00dfz\u00fcgig gegen\u00fcber der Uranit (der sp\u00e4teren Urenco)                 war. <\/p>\n<p>Uranit bekam ein gro\u00dfes Gel\u00e4nde von der Stadt zur Verf\u00fcgung gestellt,                 die Gemeinde hat Erschlie\u00dfungskosten und Abwasserkan\u00e4le \u00fcbernommen.               <\/p>\n<p>Die Stadt hat 15 Millionen DM gezahlt, um die Anlage nach Gronau                 zu holen. Seit der Zeit der Pl\u00e4ne Mitte der 70er Jahren hat sich                 in Gronau eine B\u00fcrgerinitiative gegr\u00fcndet, die BI gegen Urananreicherung.                 Zu ihr bin ich 1980 gesto\u00dfen, da habe ich an einer Fahrrad-Demo                 teilgenommen. <\/p>\n<p>Danach bin ich mit den Leuten der BI in Kontakt gekommen und                 eingestiegen. 1981, also fast auf den Tag genau vor 30 Jahren,                 hatte der erste Er\u00f6rterungstermin zum ersten Ausbauschritt der                 damaligen Anlage stattgefunden. Es gab Ende der 70er Jahre rund                 7.000 Einspr\u00fcche gegen den Bau der Anlage und die sollten bei                 diesem Termin er\u00f6rtert werden. Im Mai 1981 wurde die BI in &#8222;Arbeitskreis                 Umwelt&#8220; umbenannt, weil auch andere Themenbereiche bearbeitet                 wurden, wie Verkehrspolitik und \u00f6kologischer Landbau. Es wird                 bearbeitet, was gerade aktuell ist. Wichtig ist eben auch, dass                 \u00fcber den Tellerrand geschaut wird, dass man nicht nur einen Punkt                 heraus greift und den bearbeitet, dass man schaut, wo die Zusammenh\u00e4nge                 sind, wo vielleicht gleiche Strukturen und Konzerne sind, die                 dahinter stecken. Man schafft nicht, alles zu bearbeiten, weil                 die Themen-Vielfalt zu umfangreich ist, aber es ist wichtig, das                 Bewusstsein zu haben. Das Ganze ist eine vernetzte Sache. Wir                 vernetzen uns mit Gruppen im Friedensbereich und anderen sozialen                 Bewegungen und versuchen, bestm\u00f6glich zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p><b>Bernd: Ihr habt nun zum Tschernobyl-Jahrestag eine gro\u00dfe Demo                 in Gronau organisiert. Es waren 15.000 Leute da, die gr\u00f6\u00dfte Demonstration                 in der Geschichte Gronaus. Du hast sie ma\u00dfgeblich mit organisiert.                 In den letzten 30 Jahren gab es immer nur kleinere Aktionen und                 Demonstrationen, an denen nie mehr als 500 Leute teilgekommen                 haben. H\u00e4ngt der bisher geringe Widerstand mit dem Sponsoring                 der Urenco zusammen? Oder wie erkl\u00e4rst du dir das?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Da gibt es viele Gr\u00fcnde. Es gab schon in den 70er Jahren                 eine BI, die aber nie richtig probiert hat, eine gro\u00dfe Demo auf                 die Beine zu stellen. Anders als bei anderen Standorten gab es                 keinen nennenswerten Widerstand aus der Landwirtschaft. Nehmen                 wir zum Beispiel Ahaus mit dem Atomm\u00fclllager, da gibt es die Bauern,                 die mit den Traktoren immer auffahren. Das ist hier nie der Fall                 gewesen. Ganz im Gegenteil, die Landwirte, die betroffen von der                 UAA waren, sind ausgesiedelt worden und haben neue Hofstellen                 und Geld bekommen.<\/p>\n<p>Auch von Gewerkschaften und anderen sozialen Verb\u00e4nden gab es                 keinen gr\u00f6\u00dferen Protest. Im Stadtrat auch nicht.<\/p>\n<p>Dass die UAA kommen soll, ist in den 70er Jahren mit 42 zu 1                 Stimmen beschlossen worden. Es gab kein breites Umfeld, was den                 Protest auf den Weg h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir haben immer wieder versucht, etwas auf die Beine zu stellen.                 Das hier ist bundesweit einer der Standorte, der kontinuierlich                 am Ball geblieben ist. Blo\u00df der gro\u00dfe Zulauf ist ausgeblieben.                 Als alte BI hat der AKU einiges vorzuweisen. In den letzten Jahren                 gab es verst\u00e4rkt Proteste gegen die Urantransporte von Gronau                 nach Russland. Da gab es kleinere Blockaden. Zum Beispiel hat                 sich eine junge Kletteraktivistin auf der Strecke von einem Baum                 abgeseilt und somit den Zug zum Stehen gebracht. Das hat eine                 gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit auf die Anlage aufmerksam gemacht. <\/p>\n<p>Letztlich hat auch Fukushima mobilisierend mitgewirkt, so dass                 verst\u00e4rkt Leute in Gronau und Umgebung gesagt hatten: &#8222;Moment                 mal, hier steht auch eine Anlage in Gronau und wir m\u00fcssen auch                 dagegen arbeiten, weil das Uran, das in Gronau angereichert wird,                 f\u00fcr AKWs in aller Welt genutzt wird.&#8220; <\/p>\n<p>Die Demo am 25. April 2011 wurde landesweit geplant und stand                 im bundesweiten Kontext. Es gab am Ostermontag an vielen Atomstandorten                 Aktionen und Gro\u00dfdemonstrationen (vgl. GWR 359). In dem Rahmen                 ist das auf Landesebene vorbereitet wurden. Es war toll, dass                 15.000 Menschen demonstriert haben. Man sp\u00fcrt, dass die Stimmung                 in der Stadt nun anders ist. Man wird von vielen Leuten angesprochen:                 &#8222;Ihr habt eine tolle Sache gemacht und es wird Zeit, dass etwas                 hier passiert.&#8220; Jetzt m\u00fcssen wir \u00fcberlegen, wie die Sache weiter                 am Leben erhalten wird und wie Folgeaktionen geplant werden k\u00f6nnen,                 damit noch mehr Leute aus Gronau den Mut haben, mit auf die Stra\u00dfe                 zu kommen.<\/p>\n<p><b>Bernd: Die Gronauer Gr\u00fcnen sind aus der Partei ausgetreten,                 nachdem unter Rot-Gr\u00fcn die Kapazit\u00e4ten deutlich erh\u00f6ht wurden.                 Mit Ausstieg hat das nichts zu tun, was die Regierung aus SPD                 und Gr\u00fcnen gemacht hat. Kannst du dazu etwas sagen?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Es gab ein neues Genehmigungsverfahren, die Kapazit\u00e4ten                 der Anreicherungslage sollten von 1.800t Trennleistung auf 4.500t                 Trennleistung hochgefahren werden. <\/p>\n<p>Die Trennleistung gibt den Faktor an, mit dem das Uran f\u00fcr AKWs                 produziert werden kann. 2005 wurde dann unter Rot-Gr\u00fcn in D\u00fcsseldorf                 und der rot-gr\u00fcnen Bundesregierung in Berlin die Ausbaugenehmigung                 f\u00fcr 4.500t erteilt. Das ist dann die Kapazit\u00e4t, mit der j\u00e4hrlich                 in Gronau f\u00fcr 30 bis 35 Atomkraftwerke Uran vorbereitet werden                 kann.<\/p>\n<p>Als die Genehmigung schlie\u00dflich durch war, haben wir als Ortsverband                 die Landes- und Bundes-Gr\u00fcnen angeschrieben: &#8222;Wir sind hier vor                 Ort gegen die Anlage und wollen dagegen opponieren. Wie soll jetzt                 der Widerstand weiter laufen aus eurer Sicht?&#8220; Keiner hat geantwortet.                 Dann haben wir gesagt: &#8222;Okay, also wenn ihr uns nicht braucht,                 dann brauchen wir euch auch nicht mehr.&#8220;<\/p>\n<p>Dann haben wir die Aufl\u00f6sung des Ortsverbands beschlossen und                 bis auf ein Mitglied sind alle privat aus der Partei der Gr\u00fcnen                 ausgestiegen. <\/p>\n<p>Wir waren damals zu Zweit in der Ratsfraktion in Gronau und da                 haben wir die Fraktion in GAL (Gr\u00fcn-Alternative Liste) umbenannt.                 Zu den letzten Kommunalwahlen wurde dann ein Verein gegr\u00fcndet,                 eine W\u00e4hlergemeinschaft, auch die GAL. Wir sind mit Fraktionsst\u00e4rke                 in den Stadtrat wieder reingekommen. Bis auf private Kontakte                 haben wir keine Verbindung mehr zur Bundespartei Die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p><b>Max: Wie sieht deine Meinung zur Bundespolitik aus und wie                 verh\u00e4lt sich der Stadtrat in Gronau zur Atompolitik und zur UAA?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Auf Bundesebene sind die Verh\u00e4ltnisse relativ klar. CDU                 und FDP sind unterm Strich f\u00fcr den Weiterbetrieb von Atomkraftanlagen.                 Die Opposition ist mehr oder weniger dagegen.<\/p>\n<p>Obwohl man dabei genauer hinschauen muss, wie wer wann dagegen                 spricht. Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Druck der Stra\u00dfe                 weiter aufgebaut wird. Es gibt seit dem Super-GAU in Fukushima                 die Montagsmahnwachen in vielen St\u00e4dten. <\/p>\n<p>Es gab die gro\u00dfen Demos zum Ostermontag und es gibt in den n\u00e4chsten                 Wochen und Monaten weitere Aktionen. ((2))                 Da ist Bewegung in der Bundespolitik. Es ist wichtig, dass weiterhin                 gezeigt wird, dass die Bev\u00f6lkerung gegen die Atomanlagen ist,                 und man darf sich nicht mit irgendeinem &#8222;Kuhhandel&#8220; zufrieden                 geben.<\/p>\n<p>Die neueren AKWs sind mittlerweile um die 25 Jahre alt. In unserer                 Region ist es zum Beispiel das AKW Lingen II, das auch schon seit                 Ende der 80er Jahre in Betrieb ist. <\/p>\n<p>In Lingen ist auch ein altes AKW stillgelegt, welches schon seit                 den 60er Jahren in Betrieb war. Die Bev\u00f6lkerung im M\u00fcnsterland                 und im Emsland wird von Lingen aus schon seit 50 Jahren bestrahlt.                 Da ist es eine Verh\u00f6hnung zu sagen: &#8222;Lingen ist ein neues AKW,                 das ist alles nicht so schlimm.&#8220;<\/p>\n<p>Auch die sogenannten neuen AKWs sind Alt-AKWs und m\u00fcssen sofort                 stillgelegt werden. <\/p>\n<p>In Gronau sieht es durchwachsener aus. Nichtsdestotrotz ist es                 gelungen, durch Antr\u00e4ge der GAL einen Beschluss der Stadt Gronau                 gegen den Bau eines neuen AKWs in Holland zu erwirken, und die                 Stadt Gronau hat auch wiederholt Einspr\u00fcche f\u00fcr den In- und Ausbau                 der Anlage in Almelo erhoben. Problem ist, was die UAA angeht.               <\/p>\n<p>Die Stadt Gronau ist nicht Genehmigungsbeh\u00f6rde. Daf\u00fcr ist das                 Land NRW zust\u00e4ndig, speziell der Wirtschaftsminister Fuchsberger,                 und da muss der \u00f6ffentliche Druck weiter auf die Landesregierung,                 speziell auf den Wirtschaftsminister, gerichtet werden. <\/p>\n<p>Aus unserer Sicht hat er durchaus die M\u00f6glichkeit, die Betriebsgenehmigung                 aufzuheben. Es gibt zahlreiche Argumente gegen die Anlage, das                 f\u00e4ngt schon da an, dass sie nicht gegen Flugzeuge gesichert ist,                 und endet beim fehlenden Entsorgungskonzept, d.h. in Gronau wird                 auch in gro\u00dfen Mengen Atomm\u00fcll produziert, f\u00fcr den es kein Endlager                 gibt. Die Anlage ist nicht vertretbar und muss sofort stillgelegt                 werden. <\/p>\n<p><b>Bernd: Es wird oft behauptet, dass die Atomkraft eine \u00f6kologisch                 saubere Energieform ist. Aber schon beim Abbau von Uran werden                 Menschen verstrahlt, zum Beispiel im Niger. Du organisierst auch                 Aktionen gegen die Urantransporte, die zum Beispiel aus Frankreich                 in Gronau eintreffen.<\/b><\/p>\n<p><b>Kannst du \u00fcber den Abbau von Uran und \u00fcber die Urantransporte                 etwas erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Die Atomindustrie stellt das als sauber dar. Man sieht keine                 Strahlung und keinen erkennbaren schmutzigen Dreck.<\/p>\n<p>Nur vergessen wir, dass der Uranabbau unter extremen Bedingungen                 vollzogen wird. <\/p>\n<p>F\u00fcr Mensch und Umwelt ist das sehr negativ. Wir hatten vor zwei                 Jahren eine Frau aus Niger in Gronau zum Vortrag eingeladen, die                 das sehr drastisch dargestellt hat, wie der Uranabbau vollzogen                 wird. Da sind riesige Abraumhalden, die vor sich hin strahlen,                 und der Wind treibt die radioaktiven Partikel in die Wohngegenden                 rein. <\/p>\n<p>Da wird der Abraum zum Stra\u00dfenbau benutzt, d.h. man l\u00e4uft und                 f\u00e4hrt \u00fcber die verseuchten Stra\u00dfen hinweg, es werden Gew\u00e4sser                 und die Lebensmittel verseucht. Gleichzeitig sind die Leute abh\u00e4ngig                 von diesen Minen, weil es keine anderen Arbeitspl\u00e4tze gibt und                 soziale Absicherung sowieso nicht.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite muss auch der Atomm\u00fcll, der in Gronau anf\u00e4llt,                 irgendwo bleiben. In Gronau selber d\u00fcrfen mehrere zehntausend                 Tonnen angereichertes Uranhexafluorid in Containern unter freiem                 Himmel gelagert werden. <\/p>\n<p>Um den Hof relativ freizuhalten, hat Urenco in den letzten Jahren                 knapp drei\u00dfigtausend Tonnen von dem angelagertem Hexafluorid nach                 Russland transportieren lassen. Da kam es in verschiedene Atomzentren                 und liegt teilweise unter freiem Himmel (die GWR berichtete).                 Aber Urenco kann sagen: Was habt ihr denn, so schlimm ist doch                 das Ganze gar nicht. Gleichzeitig soll ab Ende 2011 in Gronau                 ein Zwischenlager gebaut werden, in dem noch sechzigtausend Tonnen                 Uranoxid gelagert werden sollen. <\/p>\n<p><b>Bernd: Tepco ist verantwortlich f\u00fcr die Atomkatastrophe in                 Fukushima und ein Atommafiakonzern. Trotz des Super-GAUs im japanischen                 Erdbebengebiet plant der Konzern weiterhin u.a. auch im t\u00fcrkischen                 Erdbebengebiet eines der beiden dort geplanten AKWs zu bauen.                 Nur peu \u00e1 peu kommt ans Licht, was in Fukushima geschieht. Das                 Ausma\u00df der Katastrophe wird von Regierung, Konzern und Medien                 runtergeredet. Erst Ende Mai wurde best\u00e4tigt, dass mindestens                 in drei Fukushima-Reaktoren seit dem Tsunami eine Kernschmelze                 stattfindet.<\/b><\/p>\n<p><b>Kannst du etwas \u00fcber die Verbindungen von Urenco und Tepco                 erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Die Firma Urenco ist sehr zur\u00fcckhaltend in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit.                 Wir haben nach Fukushima recherchiert und haben herausgefunden,                 dass Urenco laut Eigendarstellung in ihren Hochglanzbrosch\u00fcren                 auch Uran nach Japan liefert. Wobei Urenco gesagt hat, dass sie                 nur ein Mal geliefert haben und das nicht in die Krisenregion.<\/p>\n<p>Daraufhin hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) herausgefunden,                 dass allein im Jahr 2010 drei Transporte von Gronau nach Japan                 gegangen sind. Schlie\u00dflich kam heraus, dass von Urenco in Almelo                 auch Uran nach Fukushima geliefert worden war. <\/p>\n<p><b>Max: Du hattest vorhin die Widerspr\u00fcche schon angedeutet,                 die die Atompolitik mit sich bringt. Also dass auf der einen Seite                 Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden und auf der anderen diese Arbeit                 auch schlecht f\u00fcr die Menschen ist bzw. sie t\u00f6tet. Wie siehst                 du die Perspektiven f\u00fcr eine starke Anti-Atombewegung? <\/b><\/p>\n<p>Udo: Die Anti-Atom-Bewegung ist schon immer vielseitig aktiv                 gewesen, was gut und wichtig ist. Auf der einen Seite gab es konkrete                 Aktionen gegen neue geplante Anlagen, Atomtransporte oder jetzt                 auch verst\u00e4rkt f\u00fcr die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gibt es Aktivit\u00e4ten, wie Unterschriftensammlungen,                 Info-Kampagnen, Einspruchssammlungen und dann auch die intensive                 Auseinandersetzung mit der Fachliteratur. Die Vernetzung zwischen                 inhaltlicher Arbeit und Aktionsarbeit ist wichtig. <\/p>\n<p>Was noch st\u00e4rker dazu kommen muss, ist die Frage, wie wir an                 den Standorten mit wirklich erfolgten Anlagenstilllegungen umgehen.               <\/p>\n<p>Wenn wir in Gronau erfolgreich sein sollten und die Anlage geschlossen                 werden muss, wird es Arbeitspl\u00e4tze geben, die wegfallen. Da muss                 man in einem gewissen Umfang darlegen, was ein Atomarbeiter machen                 kann. Ich denke, da sind die Arbeiter in Gronau gut aufgestellt,                 die k\u00f6nnten sinnvolle zivile Projekte auf den Weg bringen. Die                 k\u00f6nnen zum Beispiel Zentrifugen f\u00fcr medizinische Zwecke herstellen.               <\/p>\n<p>Wichtig ist, dass man schaut, wie die Arbeitspl\u00e4tze aufgefangen                 werden k\u00f6nnen. Auch sind Standorte zum Teil von der Atomindustrie                 abh\u00e4ngig, weil sie Gewerbesteuern zahlt und finanziell einbringt.                 Hier muss man sich Konzepte \u00fcberlegen, dass dann im Ernstfall,                 der unserseits erhofft wird, nicht jeder halbe Haushalt in Gronau                 bzw. der kommunale Haushalt zusammenbricht. Dann muss das Land                 NRW eingreifen.<\/p>\n<p>Vorhin kam die Frage von Bernd, wie es mit Sponsoring aussieht?                 Da ist es in Gronau so, dass die Firma Urenco fast jeden Verein                 &#8222;begl\u00fcckt&#8220;. Das ist f\u00fcr Urenco nicht viel Geld, aber f\u00fcr so einen                 Verein schon, wenn er mal ein paar hundert Euro in die Hand gedr\u00fcckt                 bekommt. Oder die gehen auch in Kinderg\u00e4rten, in Schulen, auch                 Sportvereine werden gesponsert. Die haben sich eingekauft in Gronau.               <\/p>\n<p><b>Bernd: Kann das Sponsoring den Widerstand reduzieren? <\/b><\/p>\n<p>Udo: Ja , denn wenn ein Verein, der Spenden angenommen hat, vor                 der Entscheidung steht, ob er am n\u00e4chsten Montag zur Demo geht                 oder nicht, wird er es sich zweimal \u00fcberlegen. Und man wird auch                 seinen Mitgliedern sagen: &#8222;Moment mal, ihr geht da besser nicht                 zur Demo, weil ihr wollt ja von Urenco auch weiterhin Geld haben.&#8220;               <\/p>\n<p><b>Bernd: Plant Ihr weitere Aktionen?<\/b><\/p>\n<p>Udo: Der AKU hat f\u00fcr den 3. Juli eine Kundgebung vor der UAA                 angemeldet. Mit ihr soll weiterer Druck auf die Landesregierung                 ausge\u00fcbt werden. Sie mu\u00df sofort alle Genehmigungen f\u00fcr den Betrieb                 und Ausbau der UAA aufheben ((3)). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd: Ich fange an mit einem Zitat aus den Westf\u00e4lischen Nachrichten vom 19. 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