{"id":10772,"date":"2011-09-01T00:00:43","date_gmt":"2011-08-31T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10772"},"modified":"2022-07-26T14:22:36","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:36","slug":"der-anti-atom-kampf-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/09\/der-anti-atom-kampf-geht-weiter\/","title":{"rendered":"Der Anti-Atom-Kampf geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Wenn wir die Medienberichterstattung zu dieser Atomkatastrophe analysieren, m\u00fcssen wir feststellen, dass das Thema kaum noch pr\u00e4sent ist.<\/p>\n<p>Dabei ist offensichtlich, dass die Kernschmelze, die seit M\u00e4rz 2011 in mindestens drei Fukushima-Reaktoren stattfindet, keineswegs gestoppt ist.<\/p>\n<p>Am 3. August 2011 berichtete die taz unter dem Titel &#8222;Strahlenrekord in Fukushima&#8220;, dass die Betreiber der japanischen Ungl\u00fccksreaktoren die h\u00f6chste Radioaktivit\u00e4t seit der AKW-Havarie im M\u00e4rz gemessen haben: &#8222;Die Messger\u00e4te geraten an ihre Grenzen. In unmittelbarer N\u00e4he droht nach wenigen Minuten der Tod.&#8220; Mehr als 10.000 Millisievert (zehn Sievert) pro Stunde betrug demnach die Strahlung am Boden eines Abzugsrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2, wie die Agentur Jiji Press meldete.<\/p>\n<p>Bei einer Strahlendosis von zehn Sievert pro Stunde betr\u00e4gt die Dosis pro Sekunde 2,78 Millisievert. In Deutschland ist der Grenzwert, dem die Bev\u00f6lkerung zus\u00e4tzlich zur nat\u00fcrlichen Grundstrahlung ausgesetzt sein darf, bei 1 Millisievert festgelegt &#8211; pro Jahr. Die Strahlungsdosis in Fukushima ist also bereits nach einer Sekunde fast drei Mal so hoch wie der hierzulande zul\u00e4ssige Jahresh\u00f6chstwert.<\/p>\n<p>In Fukushima war der bisherige Rekordwert am 3. Juni im Inneren des zerst\u00f6rten Reaktors Fukushima 1 gemessen worden. Er betrug damals zwischen drei und vier Sievert ((1)) pro Stunde. &#8222;Die tats\u00e4chlichen Werte k\u00f6nnten sogar noch deutlich h\u00f6her liegen &#8211; doch h\u00f6here Werte als 10.000 Millisievert pro Stunde k\u00f6nnen die von Tepco eingesetzten Messger\u00e4te nicht darstellen&#8220;, konstatiert Georg Blume in der taz.<\/p>\n<p>Angesichts der Atomkatastrophe hatte die japanische Regierung die zul\u00e4ssige H\u00f6chstgrenze f\u00fcr ArbeiterInnen in einem AKW von 100 auf 250 Millisievert angehoben. &#8222;Wer ungesch\u00fctzt arbeitet, muss mit seinem Tod rechnen&#8220;, so der Atomingenieur Tetsuji Imanaka.<\/p>\n<p>Und es ist zu bef\u00fcrchten, dass in Zukunft noch sehr viele Menschen an den Folgen der radioaktiven Strahlung sterben werden. Trotz Tschernobyl und Fukushima sind weltweit<em> <\/em>immer noch 210 Atomkraftwerke mit 442 Reaktorbl\u00f6cken am Netz ((2)), in denen weitere Super-GAUs stattfinden k\u00f6nnen. In vielen L\u00e4ndern der Welt plant die internationale Atommafia den Bau neuer Atomkraftwerke.<\/p>\n<h3>Ein Blick \u00fcber den Tellerrand<\/h3>\n<p>Was wie ein Witz klingt, ist bittere Realsatire: In einem Stahlzylinder von 100 Meter L\u00e4nge und 15 Meter Durchmesser will der franz\u00f6sische DCNS-Konzern bald neue Atommeiler unter Wasser platzieren. Die Unterwasser-AKW w\u00e4ren damit zehnmal kleiner als herk\u00f6mmliche Atomkraftwerke auf dem Land. Sie w\u00fcrden 50 bis 200 Megawatt Strom liefern. Das Projekt mit dem Namen Flexblue sieht vor, dass in den n\u00e4chsten 20 Jahren 200 kleine Atomkraftwerke unter Wasser gebaut werden sollen. Das erste soll im Jahr 2017 in Cherbourg in der Normandie entstehen. Didier Anger vom Anti-Atom-Netzwerk &#8222;Sortir du nucl\u00e9aire&#8220; h\u00e4lt das Projekt f\u00fcr &#8222;irre&#8220;, denn das Wasser leite die Radioaktivit\u00e4t schneller als die Luft.<\/p>\n<p>Wei\u00dfrussland, Russland, England, viele L\u00e4nder setzen auf den weiteren Ausbau neuer AKWs. Darunter auch die T\u00fcrkei, Chile und Brasilien, die in Erdbebengebieten neue AKWs bauen wollen.<\/p>\n<p>In China sind derzeit 13 atomare Atomanlagen am Netz, 27 weitere befinden sich im Bau. Nach Angaben der Atomlobby-Organisation World Nuclear Association (WNA) sind 159 weitere Atomanlagen in den kommenden Jahrzehnten geplant. Auch nach Fukushima h\u00e4lt die chinesische Regierung ungebrochen an ihren Ausbauprogramm fest, so &#8222;heise online&#8220; am 6. Juli 2011.<\/p>\n<p>Und in Deutschland? Hier wirkt mittlerweile der von CDU\/CSU, FDP, SPD und Gr\u00fcnen bejubelte &#8222;Atomausstieg bis 2022&#8220; bei vielen Menschen als bittere Beruhigungspille.<\/p>\n<h3>Doch wir lassen uns nicht beruhigen!<\/h3>\n<p>Der 89j\u00e4hrige Kabarettist und Anarchist Georg Kreisler brachte es in der ZEIT vom 28. Juli 2011 auf den Punkt: &#8222;Was ma\u00dfen sich diese Leute eigentlich an, auch die in der Politik, wenn sie sagen: Also gut, in zehn Jahren schaffen wir die Atomkraft ab? Was kann in diesen zehn Jahren alles schief gehen! Es k\u00f6nnen ganze Teile Europas, auch Deutschlands, unbewohnbar werden f\u00fcr tausend Jahre. Hunderttausende k\u00f6nnen zugrunde gehen. Es ist ungeheuer, dass die Kernkraftwerke nach dem GAU in Japan nicht sofort abgeschaltet wurden, sondern dass alle damit zufrieden sind, dass in zehn Jahren vielleicht jemand etwas unternimmt. Und so gibt es unz\u00e4hlige Sachen, die uns diktiert werden von den paar M\u00e4chtigen, die in Milliarden schwimmen. Es geschehen t\u00e4glich Ungerechtigkeiten, und das bringt mich auf.&#8220;<\/p>\n<p>Wer etwas gegen diese Ungerechtigkeiten, wer etwas gegen die internationale Atommafia machen will, der kann das nicht allein. N\u00f6tig ist der kollektive Widerstand! N\u00f6tig sind die basisdemokratische Organisierung in den sozialen Bewegungen und die internationale Vernetzung der Anti-Atom-Bewegungen. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland nach Angaben der taz in den 1970er Jahren Pl\u00e4ne f\u00fcr den Bau von \u00fcber 600 AKWs in der Schublade der Industrie lagen, hat die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland viel erreicht. Aber am Ziel sind wir noch lange nicht. Und dieses Ziel ist kein gr\u00fcn gewaschener Kapitalismus, sondern eine menschengerechte, also gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir die Medienberichterstattung zu dieser Atomkatastrophe analysieren, m\u00fcssen wir feststellen, dass das Thema kaum noch pr\u00e4sent ist. Dabei ist offensichtlich, dass die Kernschmelze, die seit M\u00e4rz 2011 in mindestens drei Fukushima-Reaktoren stattfindet, keineswegs gestoppt ist. Am 3. 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