{"id":10809,"date":"2011-09-01T00:00:29","date_gmt":"2011-08-31T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10809"},"modified":"2022-07-26T14:22:36","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:36","slug":"menschenrechtsbeobachtung-in-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/09\/menschenrechtsbeobachtung-in-mexiko\/","title":{"rendered":"Menschenrechtsbeobachtung in Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>Tragischer H\u00f6hepunkt dieser Politik war das Massaker von Acteal                 am 22. Dezember 1997, bei dem 45 Menschen der pazifistischen Organisation                 &#8222;Las Abejas&#8220; (Die Bienen) ermordet wurden. Die sogenannten Campamentos                 Civiles por la Paz entstanden im M\u00e4rz 1995 auf Bitten von DorfbewohnerInnen                 nach nationaler und internationaler Pr\u00e4senz in ihren Gemeinden,                 die als Schutz vor \u00dcbergriffen des Milit\u00e4rs dienen sollte. Seitdem                 koordiniert das Menschenrechtszentrum Fray Bartolom\u00e9 de las Casas                 (FrayBa) den Einsatz von BeobachterInnen, die in der Regel f\u00fcr                 einige Wochen in die Gemeinden geschickt werden. Ziel der Friedenscamps                 ist zum einen die Dokumentation der Menschenrechtssituation, zum                 anderen aber auch die Schaffung von Freir\u00e4umen f\u00fcr die Zivilgesellschaft,                 damit die Gemeinden m\u00f6glichst unbehelligt vom Milit\u00e4r ihre eigenen                 Dynamiken erhalten und entfalten k\u00f6nnen. Voraussetzung f\u00fcr eine                 Menschenrechtsbeobachtung im Auftrag von FrayBa sind Spanischkenntnisse                 und eine Vorbereitung im Heimatland. <\/p>\n<p>In Deutschland wird diese an zwei Wochenenden von der Nichtregierungsorganisation                 CAREA e.V. durchgef\u00fchrt, die dar\u00fcber hinaus auch Freiwillige zur                 Zeugenbegleitung nach Guatemala vermittelt. Der folgende Reisebericht                 schildert Eindr\u00fccke eines Aufenthalts als Menschenrechtsbeobachter                 in zwei Campamentos Civiles por la Paz im Fr\u00fchjahr 2011. <\/p>\n<h3>Estar, no hacer!<\/h3>\n<p>9. M\u00e4rz 2011. Tranquilo &#8211; ruhig, sind meine ersten zwei Wochen                 als Menschenrechtsbeobachter in Chiapas vergangen. Wir sind zu                 viert in einer Gemeinde s\u00fcdlich von San Crist\u00f3bal. Drei Deutsche                 und ein Spanier. Die eine H\u00e4lfte der Dorfbev\u00f6lkerung ist Mitglied                 der Otra Campa\u00f1a (anderen Kampagne) eines zivilen B\u00fcndnisses,                 dessen Mitglieder das in der sechsten Deklaration aus dem lakandonischen                 Urwald von den ZapatistInnen formulierte Politikverst\u00e4ndnis teilen,                 und die Zusammenarbeit mit der schlechten Regierung ablehnen.                 Die andere H\u00e4lfte des Dorfes empf\u00e4ngt staatliche Hilfen. Sie haben                 bessere H\u00e4user und besitzen Autos. Eine Situation wie sie in vielen                 Gemeinden vorkommt und die es der Regierung erm\u00f6glicht, auf elegante                 Weise Konflikte zu sch\u00fcren, wenn sie andeutet, die finanziellen                 Zuwendungen auf Grund von unbotm\u00e4\u00dfigem Verhalten ihrer GegnerInnen                 streichen zu m\u00fcssen. <\/p>\n<h3>Divide et impera &#8211; Teile und herrsche! <\/h3>\n<p>Unsere Aufgabe besteht darin uns in Schichten an der Wache am                 Dorfeingang zu beteiligen und die Anfahrt zum Dorf zu beobachten.                 Wenn nichts geschieht, war unsere Arbeit erfolgreich. Von der                 Wache aus blickt man weit in die gelbbraune Landschaft bis zur                 n\u00e4chsten und \u00fcbern\u00e4chsten H\u00fcgelkette. Vereinzelt spenden Mangob\u00e4ume                 Schatten. Auf den Feldern weiden Rinder. Da der Weltmarktpreis                 f\u00fcr Mais sinkt, nimmt die Viehhaltung in der Gemeinde zu. Die                 Stra\u00dfe sieht in der Mittagshitze aus, als w\u00fcrde sich auf ihr nie                 jemand bewegen. <\/p>\n<p>An der Einfahrt zum Dorf ist sie mit einer niedrigen Kette gesichert.                 Wenn ein fremder Wagen kommt, zieht der Compa\u00f1ero am Eingang diese                 hoch. In aller Regel ist es Besuch aus den angrenzenden Gemeinden,                 der Pfarrer, der Lehrer oder ein fliegender H\u00e4ndler, die anstandslos                 passieren k\u00f6nnen. Angestellte oder Vertreter\/-innen der Regierung                 w\u00fcrden abgewiesen.<\/p>\n<h3>Warum sind wir hier? Warum bewachen die Menschen seit 4 Jahren                 ihr Dorf?<\/h3>\n<p>Bis 1994 geh\u00f6rte das Land in weitem Umkreis um die Gemeinde einem                 Finquero (Gro\u00dfgrundbesitzer). Im Zuge des zapatistischen Aufstandes                 1994 wurde in ganz Chiapas Land besetzt. Durchaus nicht alle Besetzer                 und Besetzerinnen waren Zapatistas oder blieben es. <\/p>\n<p>Einige nutzten einfach die Gunst der Stunde und hatten mit den                 Werten und Zielen der Bewegung wenig zu schaffen oder wendeten                 sich sp\u00e4ter von ihr ab. So auch die Gruppe, die weite Teile des                 ehemaligen Grundbesitzes um die Gemeinde herum besetzte. Die Leute                 hier bezeichnen sie als &#8222;verkleidete Zapatisten&#8220;. <\/p>\n<p>Wo sie her kamen erfahre ich nicht, nur dass sie nicht zum Dorf                 geh\u00f6rten. Aus dieser Situation erwuchs im Laufe der Jahre ein                 Konflikt um das besetzte Land, zu dem auch eine wichtige Wasserquelle                 des Dorfes geh\u00f6rt. Als die Neuank\u00f6mmlinge auf die Vermittlung                 der &#8222;Junta der guten Regierung&#8220;* in der Region (siehe Kasten)                 nicht reagierten und sich Unterst\u00fctzung von der mexikanischen                 Regierung holten, besetzte die Dorfgemeinschaft schlie\u00dflich in                 den Jahren 2007 und 2008 das Land und die Wasserstelle zur\u00fcck.                 Sie wurden dabei von einer internationalen Brigade unterst\u00fctzt,                 die die &#8222;Junta der guten Regierung&#8220; organisiert hatte. Die andere                 Seite bekam Hilfe von der Polizei, welche Haftbefehle f\u00fcr einige                 Bewohner ausstellte und das Dorf nach diesen durchsuchte. Die                 &#8222;verkleideten Zapatisten&#8220; bekamen schlie\u00dflich an anderer Stelle                 Land von der mexikanischen Regierung geschenkt, aber es laufen                 weiterhin Gerichtsprozesse \u00fcber die Besitztitel und auch die Wache                 am Dorfeingang wird aufrecht erhalten, damit die M\u00e4nner der Gemeinde,                 falls Polizei oder Milit\u00e4r anr\u00fccken, um die Haftbefehle zu vollstrecken,                 Zeit haben, sich in den Bergen zu verstecken. In diesem Fall w\u00fcrden                 sich die Frauen des Dorfes der Polizei in den Weg stellen. Auf                 einer DVD \u00fcber die Landbesetzung ist beeindruckend dokumentiert,                 mit welcher Entschlossenheit und Vehemenz sie das tun. <\/p>\n<p>Zur Zeit ist die Lage ruhig und auch zwischen den beiden Gruppen                 im Ort bemerke ich keine Spannungen. Die Menschen sind freundlich                 und entgegenkommend. Als wir ins Dorf einwandern, begr\u00fc\u00dfen die                 Kinder unsere kleine Karawane aus zwei Pferden, drei Hunden, vier                 Beobachter\/-innen und zwei F\u00fchrern mit vielen &#8222;Hola&#8217;s!&#8220; <\/p>\n<p>Wenn wir am Abend vor unserem Aufenthalt sitzen, bleiben die                 M\u00e4nner des Dorfes gern ein Weilchen stehen, sch\u00fctteln jedem und                 jeder einzeln die Hand und wechseln ein paar Worte mit uns, bevor                 sie weitergehen.<\/p>\n<p>Die Frauen gr\u00fc\u00dfen freundlich, reden aber au\u00dferhalb des Hauses                 nicht mit uns. Bei einigen Familien sind wir zu Gast, um Kaffee                 zu kosten oder uns am letzten Abend zu verabschieden. <\/p>\n<p>Die H\u00e4user sind aus Stein mit Beton oder Lehmfu\u00dfboden. Sie wirken                 \u00e4rmlich auf mich, aber es gibt Strom und Fernsehen. Grundnahrungsmittel                 sind Bohnen und Mais. Gearbeitet wird auf dem Feld oder im Haus.                 Hunde bellen, ab und an schreit ein Esel oder ein Hahn kr\u00e4ht &#8211;                 bevorzugt nachts und eindeutig vor (!) Sonnenaufgang :-) daf\u00fcr                 aber im Chorus. <\/p>\n<p>Menschenrechtsbeobachtung ist nicht aufregend. Wir sind nicht                 hier um spektakul\u00e4re Ereignisse zu melden, sondern damit unsere                 Anwesenheit den Menschen ein St\u00fcck weit Sicherheit gibt. Daf\u00fcr                 haben wir die Gelegenheit ein wenig mehr von ihnen und ihrem Alltag                 zu lernen als andere Reisende.<\/p>\n<h3>Ecoturismo<\/h3>\n<p>28. M\u00e4rz 2011. Mein zweiter Aufenthalt als Menschenrechtsbeobachter                 hier im S\u00fcden Mexikos f\u00fchrt mich auf die Schattenseiten des Tourismus                 und l\u00e4sst mich an die Zweideutigkeiten meiner eigenen Reise denken.               <\/p>\n<p>Das Campamento por la Paz (Friedenscamp), in dem ich mich nun                 befinde, liegt in der N\u00e4he eines der Naturwunder Chiapas, eines                 rauschenden Wasserfalls mit wundersch\u00f6nem, kilometerlangem t\u00fcrkisfarbenem                 Wasserlauf. TouristInnen zahlen f\u00fcr den Zugang einige Pesos. Um                 diese Einnahmen streiten sich die umliegenden Gemeinden und eine                 Organisation von Regierungsanh\u00e4ngerInnen mit dem Namen OPPDIC                 (Organisation f\u00fcr die Verteidigung der indigenen und b\u00e4uerlichen                 Rechte). Die Gemeinden geh\u00f6ren zur Otra Campa\u00f1a (andere Kampagne)                 und stehen den Zapatistas nahe. Die OPPDIC ist mit der Regierung                 von Chiapas verkn\u00fcpft und genie\u00dft Straffreiheit. In ihr sind auch                 die paramilit\u00e4rischen Gruppen Paz y Justicia (Frieden und Gerechtigkeit),                 Los Chinchulines und MIRA aufgegangen. An dem Ort, wo die Mitglieder                 der &#8222;anderen Kampagne&#8220; ihre Eintrittsgelder kassieren, kommt es                 seit Jahren zu gewaltt\u00e4tigen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen ihnen, der                 OPPDIC und der Polizei. Am 3. Februar 2011 wurden dabei 117 Ind\u00edgenas                 der anderen Kampagne von der Polizei inhaftiert und ihr Kassenh\u00e4uschen                 von der OPPDIC zerst\u00f6rt. Ein Mitglied der OPPDIC kam dabei ums                 Leben. <\/p>\n<p>Nach Angaben der Otra Campa\u00f1a durch Sch\u00fcsse aus den eigenen Reihen.                 Deren Mitglieder blockierten daraufhin an mehreren Tagen die Stra\u00dfe                 zu den Wasserf\u00e4llen. Der Gro\u00dfteil der Verhafteten wurde nach zwei                 Tagen freigelassen, aber gegen zehn Personen wurde Anklage erhoben                 wegen Mordes, versuchten Mordes, K\u00f6rperverletzung und St\u00f6rung                 der \u00f6ffentlichen Ordnung und des Friedens. F\u00fcnf Personen befinden                 sich weiterhin in Haft, wobei die Regierung ihre Freilassung angeboten                 hat, wenn die Gemeinden auf ihre Vorschl\u00e4ge bez\u00fcglich der Region                 eingehen. <\/p>\n<p>Hier also befinde ich mich gemeinsam mit einigen anderen Menschenrechtsbeobachter\/-innen                 seit ungef\u00e4hr einer Woche und warte darauf, ob die Gemeinden der                 anderen Kampagne eine weitere Aktion starten. Wenn dies der Fall                 sein sollte, wird es unsere Aufgabe sein, das Geschehen zu dokumentieren.                 Bis dahin haben wir nichts zu tun. Die Zeit vergeht mit Lesen,                 Schachspielen und der Pflege meiner M\u00fcckenstiche. Unser Aufenthaltsort                 liegt ungef\u00e4hr 100 m von der Stra\u00dfe entfernt auf der die Blockaden                 stattfanden. Es ist ein langgestrecktes Geb\u00e4ude mit drei Schlafr\u00e4umen,                 von denen einer einen Steinfu\u00dfboden und elektrisches Licht hat.                 Eine Latrine befindet sich hinter dem Haus, die K\u00fcche davor in                 einem Unterstand. Es gibt kein Gas, sondern wir kochen auf offenem                 Feuer. Wasser holen wir von einer Quelle, bzw. einem Rinnsal an                 dem sich auch die Anwohner\/-innen waschen und ihre Kleider reinigen.               <\/p>\n<p>Es ist hei\u00df. Von den Natursch\u00f6nheiten eine Viertelstunde entfernt                 merkt man am Rand des Weges dorthin nichts.<\/p>\n<h3>Donnerstag, 7. April 2011 <\/h3>\n<p>Es geschieht etwas! Wir erfahren, dass f\u00fcr den kommenden Tag                 Aktionen geplant sind, um das Kassenhaus zur\u00fcck zu erobern. Obwohl                 ich nicht besonders erpicht auf aufregende Ereignisse oder Auseinandersetzungen                 bin, freut es mich doch einmal w\u00e4hrend meines Aufenthalts mehr                 zu tun als blo\u00df anwesend zu sein. Aber am Abend teilt uns der                 Verantwortliche mit, dass wir am anderen Tag ins Caracol (Sitz                 der &#8222;guten Regierung&#8220;) zur\u00fcckkehren sollen. Anscheinend erwarten                 die Compa\u00f1eros gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen, bei denen unsere                 Sicherheit nicht gew\u00e4hrleistet ist. Und so brechen wir am fr\u00fchen                 Morgen auf, w\u00e4hrend sich die Leute der &#8222;anderen Kampagne&#8220; f\u00fcr                 ihr Vorhaben sammeln. Tats\u00e4chlich erfahren wir im Caracol, dass                 unsere Vermutung richtig war und wir zur\u00fcck beordert wurden, weil                 unsere Organisation nicht einsch\u00e4tzen konnte, ob und mit welchen                 Mitteln bzw. in welchem Ausma\u00df Polizei und Milit\u00e4r reagieren w\u00fcrden.                 Trotzdem ist es unbefriedigend zu gehen, wenn es zum ersten Mal                 etwas zu tun, etwas &#8222;zu beobachten&#8220; gibt, umso mehr als die Aktivist\/-innen                 vor Ort auch nicht mitbekommen haben, warum wir gerade jetzt abreisen.<\/p>\n<p>Letztendlich bleibt uns nur darauf zu vertrauen, dass die Junta                 der guten Regierung und unsere Menschenrechtsorganisation die                 Lage besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen als wir. Eine lehrreiche Erfahrung                 f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Individualisten, der die Sichtweise des                 Besuchers aus einem &#8222;entwickelterem Land&#8220; nicht ganz absch\u00fctteln                 kann. <\/p>\n<p>Am Ende kehren wir nicht wieder in unser Campamento zur\u00fcck, sondern                 bleiben die restlichen Tage unseres zweiw\u00f6chigen Turnus im Caracol.               <\/p>\n<p>Inzwischen hat ein gro\u00dfes Polizeiaufgebot, die Leute der anderen                 Kampagne wieder aus dem Kassenh\u00e4uschen vertrieben. Gl\u00fccklicherweise                 gab es dabei weder Verletzte noch Gefangene, da die Polizei nur                 in die Luft schoss und die M\u00e4nner und Frauen der anderen Kampagne                 mit ihren Kindern sich daraufhin zur\u00fcckzogen. Aber die Auseinandersetzung                 geht weiter. <\/p>\n<h3>Hintergrund <\/h3>\n<p>Der Streit um das Kassenh\u00e4uschen hat einen politischen Grund,                 der \u00fcber die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern hinausgeht. Der                 Gouverneur von Chiapas und die mexikanische Bundesregierung unterst\u00fctzen                 die OPPDIC nicht wegen dieser Einnahmen, sondern um das Gebiet                 unter den Einfluss von Regierungsanh\u00e4ngerInnen zu bringen. <\/p>\n<p>Hintergrund sind Pl\u00e4ne f\u00fcr ein gewaltiges Tourismusprojekt, das                 die Regierung unter dem Label &#8222;\u00d6kotourismus&#8220; vermarkten will (vgl.                 GWR Nr. 340, Sommer 2009). <\/p>\n<p>Geplant ist die Ruinenstadt Palenque in eine Touristenhochburg                 vergleichbar Canc\u00fan im Nordosten der Halbinsel Yucat\u00e1n zu verwandeln.                 Dazu soll der Ort einen eigenen Flughafen erhalten und durch eine                 Autobahn mit den Wasserf\u00e4llen als weiterer Attraktion sowie dem                 St\u00e4dtchen San Crist\u00f3bal verbunden werden. F\u00fcr solche und andere                 Projekte &#8211; Chiapas besitzt eine hohe Biodiversit\u00e4t und zahlreiche                 Rohstoffe &#8211; muss jedoch das Land, auf dem die Ind\u00edgenas leben,                 unter Kontrolle gebracht werden. So wurde z. B. ein Gesetz geschaffen,                 dass die Privatisierung von ehemals unver\u00e4u\u00dferlichen Gemeindeland                 (Ejido) gestattet. Paramilit\u00e4rische Gruppen vertreiben die BewohnerInnen                 des fraglichen Gebietes, wie es z. B. die OPPDIC in Biosph\u00e4renreservat                 Montes Azules getan hat. Von den Tr\u00fcmmern, auf denen die Hotels                 stehen, und dem Schutt am Rande der Schnellstra\u00dfe merkt der Tourist                 dann nichts mehr. <\/p>\n<p>Und ich selbst? Obwohl die Menschenrechtsbeobachtung sinnvoll                 ist und am besten von Ausl\u00e4nder\/-innen geleistet wird, bleibt                 sie ein Privileg. Eine Reise, die ich mir &#8211; inklusive eines mehr                 oder weniger guten Gewissens &#8211; leisten kann, aber die Mehrzahl                 der Menschen hier nicht. Mein Flug von D\u00fcsseldorf nach Mexico                 Stadt hat 6640 kg CO2 in die Atmosph\u00e4re gepustet. Das klimavertr\u00e4gliche                 Jahresbudget eines Menschen liegt bei 3.000 kg CO2. Ein Mittelklassewagen                 produziert im Jahr (12.000 km) 2.000 kg CO2. F\u00fcr einen guten Zweck,                 aber deshalb nicht weniger sch\u00e4dlich. (vgl. www.atmosfair.de\/emissionsrechner\/rechner)               <\/p>\n<p>Am deutlichsten wird mir die Ungerechtigkeit, die dem Reisen                 innewohnt, wenn ich in den Stra\u00dfen oder auf dem Markt von San                 Crist\u00f3bal den Menschen gegen\u00fcberstehe, die versuchen Handarbeiten                 oder andere Kleinigkeiten zu verkaufen. Meistens sind es Ind\u00edgenafrauen,                 manchmal mit ihren Kindern, die Tag f\u00fcr Tag durch die Stra\u00dfen                 laufen und Leute ansprechen, ob sie nicht f\u00fcr ein paar Pesos eine                 geflochtene Schnur, eine Kette oder ein Tuch kaufen m\u00f6chten und                 sich zwanzig mal ein &#8222;Nein Danke&#8220;, beschleunigte Schritte oder                 einen abgewendeten Blick einhandeln, w\u00e4hrend ich das bunte Treiben                 genie\u00dfe und den Luxus nichts zu tun. Das unterw\u00fcrfige Verhalten                 der Einheimischen gegen\u00fcber den Fremden, wirkt auf mich wie die                 Fortsetzung der Kolonialgeschichte. <\/p>\n<p>Trotzdem hat mir die Reise gut getan und es war angenehm ein                 Weilchen auszuruhen. Insbesondere die Leistung und die Entschlossenheit                 der Zapatistas und der Ind\u00edgenas der &#8222;anderen Kampagne&#8220; haben                 mich beeindruckt. Wie viel mein Aufenthalt hier ihnen geholfen                 hat, wei\u00df ich nicht, aber mir hat er neue Kraft gegeben in Deutschland                 aktiv zu sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tragischer H\u00f6hepunkt dieser Politik war das Massaker von Acteal am 22. Dezember 1997, bei dem 45 Menschen der pazifistischen Organisation &#8222;Las Abejas&#8220; (Die Bienen) ermordet wurden. 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