{"id":10922,"date":"2011-11-01T00:00:08","date_gmt":"2011-10-31T22:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10922"},"modified":"2022-07-26T14:22:34","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:34","slug":"geburt-einer-neuen-anti-akw-bewegung-in-grosbritannien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/11\/geburt-einer-neuen-anti-akw-bewegung-in-grosbritannien\/","title":{"rendered":"Geburt einer neuen Anti-AKW-Bewegung in Gro\u00dfbritannien"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor einem Jahr klang es utopisch, als ich die Idee vorstellte,                 eine Blockade des Atomkraftwerkes Hinkley Point mit mehreren Hundert                 Menschen zu organisieren. Im September 2010 beteiligten sich vielleicht                 etwa 60 Menschen an einer Demonstration vor dem AKW, und am 4.                 Oktober 2010 blockierten wir zu siebt f\u00fcr etwa vier Stunden die                 Zufahrt zum AKW. <\/p>\n<p>Und da sollte es m\u00f6glich sein, Hunderte f\u00fcr eine gewaltfreie                 Blockade zu gewinnen? <\/p>\n<h3>Hinkley Point<\/h3>\n<p>Hinkley Point, am s\u00fcdlichen Ufer der Severn-M\u00fcndung in Somerset                 gelegen, ist bereits Standort zweier Atomkraftwerke. Hinkley Point                 A, zwei Magnox-Reaktoren aus dem Jahr 1965 mit jeweils 250 MW                 Leistung, wurde im Jahr 2000 endg\u00fcltig abgeschaltet. <\/p>\n<p>Hinkley B, zwei AGR-Reaktoren mit jeweils 625MW Leistung ging                 1976 in Betrieb, und soll voraussichtlich 2016 abgeschaltet werden                 &#8211; sofern EDF nicht eine Laufzeitverl\u00e4ngerung beantragt und genehmigt                 bekommt. Bereits Ende der 80er Jahre gab es Pl\u00e4ne f\u00fcr einen weiteren                 Reaktor in Hinkley Point. Obwohl dieser eine Baugenehmigung erhielt,                 kam es jedoch nie dazu. Die Privatisierung der Energiewirtschaft                 in Gro\u00dfbritannien bedeutete f\u00fcr neue AKWs das vorl\u00e4ufige Aus.<\/p>\n<p>Unter Blair wurden die Pl\u00e4ne f\u00fcr den Neubau von AKWs jedoch wiederbelebt,                 und Hinkley Point ist heute einer von acht Standorten, an denen                 neue Reaktoren gebaut werden sollen. Die anderen Standorte sind:                 Sizewell (EDF), Heysham (EDF), Hartlepool (EDF), Bradwell (EDF),                 Wylfa (RWE &#038; Eon), Oldbury (RWE &#038; Eon), und Sellafield (Iberdrola                 &#038; GdF Suez). An allen Standorten befinden sich bereits AKWs, wodurch                 der Widerstand erschwert wird.<\/p>\n<p>Von den acht Standorten wird Hinkley Point voraussichtlich der                 erste sein. <\/p>\n<p>Im Juli erhielt EDF vom Somerset County eine Baugenehmigung f\u00fcr                 die vorbereitenden Arbeiten f\u00fcr das AKW &#8211; es fehlen daf\u00fcr derzeit                 allerdings noch einige finanzielle Vereinbarungen zwischen dem                 County und EDF. <\/p>\n<p>Damit kann EDF den Baugrund f\u00fcr die zwei Reaktoren vorbereiten                 &#8211; im Wesentlichen soll ein riesiges Plateau geschaffen werden,                 auf dem die zwei EPR-Reaktoren errichtet werden sollen. Ein Antrag                 bei der Infrastructure Planning Commission f\u00fcr die Reaktoren selbst                 wird in den n\u00e4chsten Tagen erwartet.<\/p>\n<p>Widerstand ist also dringend notwendig in Hinkley Point.<\/p>\n<h3>Die Stop New Nuclear Allianz<\/h3>\n<p>Ende Mai 2011 wurde daher von verschiedenen lokalen und nationalen                 Organisationen die Stop New Nuclear Allianz gegr\u00fcndet ((2)),                 zun\u00e4chst mit dem Ziel, eine gro\u00dfe gewaltfreie Blockade des Atomkraftwerkes                 Hinkley Point zu organisieren.<\/p>\n<p>Strategisches Ziel war jedoch von Anfang an, durch die Kampagne                 f\u00fcr die Blockade eine kritische Masse f\u00fcr eine neue und kraftvolle                 Anti-AKW-Bewegung zu schaffen, denn es war von Anfang an klar,                 dass durch eine Blockade &#8222;nuclear new build&#8220; in Gro\u00dfbritannien                 nicht verhindert werden kann.<\/p>\n<p>Die Mobilisierung f\u00fcr die Blockade beruhte auf Selbstverpflichtungserkl\u00e4rungen,                 sich an der Blockade zu beteiligen, sowie Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen                 und Erkl\u00e4rungen von Organisationen. Ziel waren mehr als 100 Selbstverpflichtungen,                 doch am Ende waren es mehr als 120. Im Vorfeld der Blockade wurden                 ebenfalls Trainings organisiert, und es gab am Ende Trainings                 in Bridgwater (15 km von Hinkley), Glastonbury und Compton Dundon                 (ca. 30 km von Hinkley), Bristol, Exeter, Swansea, Leeds, und                 London. Dabei war es erfreulich, dass sehr viele Menschen an den                 Trainings teilnahmen, die bisher noch nicht an Blockaden oder                 anderen direkten gewaltfreien Aktionen teilgenommen hatten.<\/p>\n<h3>Camp und Demonstration<\/h3>\n<p>Teil des Aktionskonzeptes von Stop New Nuclear war ein Aktionscamp                 am Wochenende vor der Blockade, in dem weitere Trainings stattfanden,                 und wo es auch erste Treffen des SprecherInnenrates gab. <\/p>\n<p>Mit dem Camp wurde das Ziel verfolgt, auch Menschen von weiter                 entfernt eine Teilnahme an der Blockade zu erm\u00f6glichen. Das Camp                 war jedoch auch ein Ort, um neue AktivistInnen zu treffen, und                 sich gemeinsam auf die Aktion vorzubereiten. <\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien hat es in den letzten Jahren wenig gr\u00f6\u00dfere                 gewaltfreie Aktionen gegeben, die \u00fcber einen SprecherInnenrat                 koordiniert wurden. <\/p>\n<p>In der Regel agieren hierzulande die einzelnen Bezugsgruppen                 vollst\u00e4ndig autonom, mit wenig Koordination w\u00e4hrend der Aktion.                 Es ging also auch darum, hier eine neue Aktionskultur f\u00fcr eine                 neue Bewegung einzu\u00fcben, mit Blick auf die Zukunft der Bewegung.<\/p>\n<p>Am 1. Oktober gab es eine kleine Demonstration in Bridgwater,                 an der sich etwa 150-200 Personen beteiligten. Damit war diese                 kleine Demo dennoch die gr\u00f6\u00dfte in Bridgwater seit vielen Jahren.               <\/p>\n<h3>Die Blockade<\/h3>\n<p>Fr\u00fch am Morgen &#8211; um 7.00 Uhr &#8211; begann die Blockade des Tores                 des AKWs. Aus Gespr\u00e4chen mit der Polizei im Vorfeld war bereits                 klar geworden, dass es wahrscheinlich war, dass eine solche Blockade                 an diesem Tag toleriert werden w\u00fcrde, und so war es nicht notwendig,                 sich m\u00fchselige Fu\u00dfwege zum Tor des AKWs zu suchen. <\/p>\n<p>Die Blockade begann mit etwa 100 Personen, wuchs aber im Laufe                 des Vormittages auf mehr als 250 Personen an. Insgesamt beteiligten                 sich etwa 400 Menschen im Laufe des Tages an der Aktion.<\/p>\n<p>Die Stimmung war ausgelassen, wozu auch das gute Wetter beitrug.                 Die politische Folk-Band Seize the Day unterhielt die BlockiererInnen,                 und es gab auch noch andere musikalische Einlagen &#8211; ein Chor aus                 der Gegend von Wylfa in Wales, eine improvisierte Version von                 Pink Floyd&#8217;s The Wall mit dem neuen Titel &#8222;We don&#8217;t need no radiation&#8220;,                 die urspr\u00fcnglich von schwedischen AktivistInnen bei der Blockade                 der Baustelle des finnischen AKWs Olkiluoto im August gesungen                 wurde, und anderes. <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurde im SprecherInnenrat beschlossen, die Aktion                 gegen 16.00 Uhr mit einem Kreis zu beenden. <\/p>\n<p>Nach neun Stunden endete damit diese erste gro\u00dfe Blockade.<\/p>\n<h3>Ausblick<\/h3>\n<p>Durch die Mobilisierung f\u00fcr die Blockade wurde Bewegung erzeugt.                 Erfreulich ist, dass sich an der Blockade viele neue Leute beteiligt                 haben, und das Feedback zu Camp und Blockade ist sehr positiv.               <\/p>\n<p>Ein Teilnehmer rief uns bei Verlassen des Camps zu, dass dies                 f\u00fcr ihn das beste Wochenende des Jahres gewesen sei. <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also darauf hoffen, dass viele der Teilnehmenden des                 Camps und der Blockade sich auch an weiteren Aktionen beteiligen                 werden &#8211; und vielleicht noch mehr Menschen mitbringen werden.<\/p>\n<p>Derzeit wird f\u00fcr ein Wochenende im November ein offenes Treffen                 der Stop New Nuclear Allianz in Bristol vorbereitet, an dem \u00fcber                 die n\u00e4chsten Schritte beraten werden soll. <\/p>\n<p>Klar ist, dass es weiter gehen wird &#8211; und vielleicht gibt es                 in einigen Monaten eine Blockade nicht nur mit 400, sondern mit                 1000 oder mehr Menschen?<\/p>\n<p>Auch wenn die britische Regierung und EDF den Eindruck verbreiten,                 dass &#8222;new nuclear&#8220; in Gro\u00dfbritannien schon entschieden ist, und                 es zu sp\u00e4t ist, dies zu verhindern, so haben sie doch ihre Rechnung                 ohne uns gemacht. Die Blockade am 3. Oktober war nur ein erster                 Schritt. Es gibt nun auch in Gro\u00dfbritannien eine Anti-AKW-Bewegung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor einem Jahr klang es utopisch, als ich die Idee vorstellte, eine Blockade des Atomkraftwerkes Hinkley Point mit mehreren Hundert Menschen zu organisieren. Im September 2010 beteiligten sich vielleicht etwa 60 Menschen an einer Demonstration vor dem AKW, und am 4. 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