{"id":10977,"date":"2011-12-01T00:00:44","date_gmt":"2011-11-30T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=10977"},"modified":"2022-07-26T12:58:54","modified_gmt":"2022-07-26T10:58:54","slug":"a-dress-is-not-a-yes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2011\/12\/a-dress-is-not-a-yes\/","title":{"rendered":"&#8222;A dress is not a yes&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Angefangen hat alles im kanadischen Toronto. An der dortigen                 Osgoode Hall Law School der York University hielt der Polizeibeamte                 Michael Sanguinetti am 24. Januar 2011 einen Vortrag zum Thema                 Pr\u00e4ventive Verbrechensbek\u00e4mpfung. <\/p>\n<p>Seine \u00c4u\u00dferung &#8222;Women should avoid dressing like sluts in order                 not to be victimized&#8220; (&#8222;Frauen sollten vermeiden, sich wie Schlampen                 zu kleiden, um nicht zum Opfer zu werden&#8220;), l\u00f6ste eine Welle der                 Entr\u00fcstung aus, und das, obwohl ihm nur etwa zehn Personen zugeh\u00f6rt                 hatten. <\/p>\n<p>Auf Bitten der Studierendenvertretung entschuldigte sich Sanguinetti                 am 17. Februar per E-Mail und gab zu, sein Ausspruch sei schlecht                 durchdacht gewesen und gebe in keiner Weise die Meinung des Toronto                 Police Service wieder. Doch seine Worte hallten nach und riefen                 das Thema der T\u00e4ter-Opfer-Umkehr wieder in das \u00f6ffentliche Bewusstsein:                 Der Slutwalk war geboren.<\/p>\n<p>Der erste seiner Art fand am 3. April 2011 in Toronto statt und                 animierte in vielen Teilen der Erde zum Nachahmen. Egal ob in                 New York, Melbourne, Stockholm oder S\u00e3o Paulo, die DemonstrantInnen                 bei den Slutwalks verfolgten alle die gleichen Ziele: auf Sexismus                 und die Verharmlosung sexualisierter Gewalt aufmerksam zu machen,                 f\u00fcr sexuelle Selbstbestimmung einzutreten und Vergewaltigungsmythen                 aus dem Weg zu r\u00e4umen. Diese entlasten die T\u00e4ter, indem sie den                 Opfern einen Teil der Schuld zuweisen.<\/p>\n<p>Der wohl verbreitetste aller Mythen ist: &#8222;Wenn du dich so aufreizend                 anziehst, bist du selbst schuld&#8220;, also sinngem\u00e4\u00df das, was auch                 Sanguinetti aussprach. <\/p>\n<p>Dass zur\u00fcckhaltende Kleidung nicht vor sexuellen \u00dcbergriffen                 sch\u00fctzen kann, oder anders herum gesagt, dass ein freiz\u00fcgiges                 Outfit keine Einladung dazu ist, machten die DemonstrantInnen                 mit Plakataufschriften wie &#8222;A dress is not a yes&#8220; deutlich. <\/p>\n<p>Auch in Deutschland sind die Slutwalks inzwischen angekommen.                 Eine Demo in Passau machte am 23. Juli 2011 den Anfang, drei Wochen                 sp\u00e4ter gingen in vielen deutschen St\u00e4dten gleichzeitig die &#8222;Schlampen&#8220;                 auf die Stra\u00dfe, und schlie\u00dflich zogen Leipzig und M\u00fcnster im Oktober                 nach. Einige der DemonstrantInnen &#8211; vorwiegend junge Frauen &#8211;                 haben sich dabei besonders freiz\u00fcgig gekleidet, um ihrer Forderung                 nach Selbstbestimmung in der Kleidungswahl ohne gewaltsame Folgen                 Nachdruck zu verleihen und f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit f\u00fcr die                 junge Demonstrationsform zu sorgen.<\/p>\n<p>Aufmerksamkeit erregt allein schon der Titel &#8222;Slutwalk&#8220;. <\/p>\n<p>Als Sluts oder Schlampen werden meist Frauen bezeichnet, die                 sich freiz\u00fcgig kleiden oder in sexueller Hinsicht ein freies Leben                 f\u00fchren. <\/p>\n<p>Die Slutwalks erobern sich diesen abwertenden Begriff zur\u00fcck,                 um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gleichzeitig wird auf                 diese Art und Weise mit dem Klischee der Schlampe gespielt. <\/p>\n<p>Ob die Slutwalks eine kurzzeitige Erscheinung sind, ist schwierig                 einzusch\u00e4tzen. <\/p>\n<p>Auf jeden Fall ist in Zeiten, in denen immer noch Meinungen wie                 die von Sanguinetti existieren, diese Art des Protests l\u00e4ngst                 \u00fcberf\u00e4llig gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angefangen hat alles im kanadischen Toronto. An der dortigen Osgoode Hall Law School der York University hielt der Polizeibeamte Michael Sanguinetti am 24. Januar 2011 einen Vortrag zum Thema Pr\u00e4ventive Verbrechensbek\u00e4mpfung. 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