{"id":11081,"date":"2012-01-01T00:00:36","date_gmt":"2011-12-31T22:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11081"},"modified":"2022-07-26T14:12:24","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:24","slug":"dorothy-day-und-die-catholic-worker-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/01\/dorothy-day-und-die-catholic-worker-bewegung\/","title":{"rendered":"Dorothy Day und die Catholic-Worker-Bewegung"},"content":{"rendered":"<p>In der christlich-anarchistischen Szene sind die CW etwas Besonderes,                 weil sie den Anarchismus nicht nur mit dem Christentum, sondern                 gar mit dem Katholizismus in Verbindung bringen. <\/p>\n<p>Dass die CW aber trotz dieser Abweichung von \u00fcblichen christlich-anarchistischen                 Konzeptionen als wichtiger Teil dieser Szene gesehen werden, veranschaulicht                 u.a. ein Blick in einige anarchistische Standardwerke. So werden                 sie z.B. in Peter Marshalls <i>Demanding the Impossible. A History                 of Anarchism<\/i> als auch in George Woodcocks<i> Anarchism. A                 History of Libertarian Ideas and Movements<\/i> als anarchistische                 Bewegung erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Kritische Positionen nicht-religi\u00f6ser AnarchistInnen zu den CW                 sind nicht neu und auch verst\u00e4ndlich, verstellen aber viel zu                 oft einen Blick auf diese Bewegung, ihre Aktivit\u00e4ten und ihre                 AktivistInnen, der nicht von Beginn an von Vorurteilen begleitet                 ist. <\/p>\n<p>Hier wird versucht, einen n\u00fcchternen Blick auf die CW und ihre                 libert\u00e4ren Aspekte zu werfen. Das Augenmerk soll bewusst nicht                 darauf gelegt werden, was man aus der Sicht des &#8222;anarchistischen                 Puristen&#8220; an den CW kritisieren k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Diese \u00dcbung ist schon oft &#8211; reichlich polemisch &#8211; gemacht worden,                 und diese Debatte bedarf keines weiteren Beitrags dieser Art.                 Hier wird der Tatsache Rechnung getragen, dass sich die CW &#8211; trotz                 ihres Katholizismus &#8211; offen zu libert\u00e4ren Ideen und zu dem Einfluss,                 den der Anarchismus auf ihre Gr\u00fcnderInnen Dorothy Day und Peter                 Maurin hatte, bekennen. Ausgehend davon wird versucht, den libert\u00e4ren                 Charakter der CW und Dorothy Days zu ergr\u00fcnden und wie er mit                 ihrem Katholizismus interagierte, aber auch kollidierte.<\/p>\n<h3>Peter Maurin und Dorothy Day<\/h3>\n<p>Blickt man in die Geschichte der CW, so findet man einiges an                 libert\u00e4rem Sozialismus. Formal begann alles 1933 mit einer Zeitung                 namens <i>The Catholic Worker<\/i>, die von dem geb\u00fcrtigen Franzosen                 Peter Maurin und der US-Amerikanerin Dorothy Day in New York gegr\u00fcndet                 wurde.<\/p>\n<p>Peter Maurin war ebenso wie Dorothy Day stark von Peter Kropotkin                 beeinflusst und vertrat vor allem zwei Ideen. Jene des &#8222;Personalismus&#8220;                 und der &#8222;gr\u00fcnen Revolution&#8220;. <\/p>\n<p>&#8222;Personalismus&#8220; bezeichnet eine Idee, die besagt, dass die erste                 und fundamentalste Revolution, die stattzufinden habe, jene des                 &#8222;Ichs&#8220; sein m\u00fcsse. Man sollte selbst die revolution\u00e4ren Maximen,                 die man vertritt, so weit wie m\u00f6glich leben, also sich selbst,                 das Denken und Handeln, revolutionieren. Wenn diesen Schritt mehr                 und mehr Individuen machten, w\u00e4re man der tats\u00e4chlichen sozialen                 Revolution schon n\u00e4her. <\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte christliche Anarchist, sp\u00e4tere CW-Aktivist und Weggef\u00e4hrte                 Dorothy Days, Ammon Hennacy, sollte dies sp\u00e4ter mit seiner Theorie                 der <i>One-Man Revolution<\/i> erneut ausformulieren. <\/p>\n<p>Unter der &#8222;gr\u00fcnen Revolution&#8220; verstand Maurin eine Gesellschaft,                 die sich dezentralisiert und m\u00f6glichst autark in l\u00e4ndlichen Gebieten                 egalit\u00e4r organisieren sollte, um einen Gegenentwurf zur bestehenden                 Gesellschaft zu entwerfen &#8211; christlich-anarchistische Kommunen                 also. Diese Theorien entwickelte er nicht nur anhand sozialistischer                 und anarchistischer Literatur, sondern auch die Bibel und theologische                 Schriften hatten hier mindestens genau so starken Einfluss (Peter                 Maurin hatte stets eine lange Liste von B\u00fcchern parat, die er                 weiter empfahl und die man z.B. auf Wikipedia einsehen kann).<\/p>\n<p>Dorothy Days politische Sozialisation war ebenfalls eine mit                 stark anarchistischer Ausrichtung. Fr\u00fch bereits las sie die Schriften                 Kropotkins, wurde <i>Wobbly <\/i>&#8211; Mitglied der unionistischen                 <i>Industrial Workers of the World<\/i> (IWW) ((1))                 &#8211; und engagierte sich f\u00fcr die Anarchisten Sacco und Vanzetti,                 als diese zum Tode verurteilt wurden. <\/p>\n<p>Ihr Fokus war zumeist auf Arbeitsk\u00e4mpfe und Antimilitarismus                 gelegt. Sie hatte aber nicht nur zu dezidiert anarchistischen                 Kreisen Kontakt, sondern auch zu SozialistInnen anderer Str\u00f6mungen.               <\/p>\n<p>Sie schrieb f\u00fcr diverse sozialistische Zeitschriften wie <i>The                 Masses<\/i>, <i>The Call<\/i> oder <i>The Liberator<\/i>,<i> <\/i>war                 sogar kurz Mitglied bei der Socialist Party of America sowie der                 Communist Party USA und hatte freundschaftliche Kontakte zu dem                 Kommunisten Mike Gold und der IWW-Aktivistin und sp\u00e4teren Kommunistin                 Elisabeth Gurley Flynn. <\/p>\n<p>Aus diesen Aspekten ihres politischen Lebens ist erkennbar: Days                 Verst\u00e4ndnis von Sozialismus hatte zwar stark libert\u00e4re Einfl\u00fcsse,                 sie war gleichzeitig aber auch pluralistisch und offen f\u00fcr andere                 Str\u00f6mungen und Personen, die sich im Spektrum des revolution\u00e4ren                 Sozialismus finden lie\u00dfen.<\/p>\n<h3>Religion und Politik<\/h3>\n<p>Nachdem f\u00fcr Day Religiosit\u00e4t in ihrer Kindheit eine gewisse Rolle                 spielte (ihre Eltern waren jedoch nicht religi\u00f6s und erzogen sie                 nicht in diesem Sinne), in ihrer Jugend nicht wichtig war, aber                 auch nicht etwas, wogegen sie aktiv eintrat, fand sie sukzessive                 wieder zur Religion Vor allem nach einem Gef\u00e4ngnisaugenhalt aufgrund                 ihres Engagements f\u00fcr das Frauenwahlrecht, wobei sie nie w\u00e4hlen                 ging. <\/p>\n<p>Die Konversion zum Katholizismus d\u00fcrfte einerseits wohl auf pers\u00f6nliche                 Kontakte, zum gr\u00f6\u00dferen Teil aber auf die Tatsachen zur\u00fcckgehen,                 dass die KatholikInnen in den USA damals die \u00e4rmeren Schichten                 ausmachten und sie sich schon seit ihrer Zeit in der revolution\u00e4r-sozialistischen                 Bewegung prim\u00e4r in derartigen &#8222;Slums&#8220; bewegte und lebte. Ob als                 atheistische Anarchistin oder als libert\u00e4re Christin: Es war die                 verarmte ArbeiterInnenklasse, zu der sie geh\u00f6rte und mit der sie                 gemeinsam k\u00e4mpfte.<\/p>\n<p>Bei ihrer erneuten Hinwendung zur Religion ist zu beachten: Ihr                 Aktivismus, ihr Widerstand und ihr Einsatz gegen Unrecht und Unterdr\u00fcckung                 wurden nicht weniger &#8211; all das wurde anders kodiert. Was sich                 \u00e4nderte, waren das Setting und die Terminologie. <\/p>\n<p>Das Setting betreffend, war sie sich durchaus bewusst, dass sie                 durch ihre Hinwendung zum Katholizismus den Gro\u00dfteil ihres Freundes-                 und Bekanntenkreises vor den Kopf stie\u00df. Selbst ihre Beziehung                 zu dem Anarchisten Forster Batterham, mit dem sie eine Tochter                 hatte, ging aufgrund dessen in die Br\u00fcche. Ihre neu gefundenen                 religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen lie\u00dfen sie diesen schmerzhaften Schritt                 dennoch gehen, wobei der Kontakt zur anarchistischen\/sozialistischen                 Bewegung nie abriss.<\/p>\n<p>Zur \u00c4nderung der Terminologie ist zu sagen, dass die Dinge, f\u00fcr                 oder gegen die sie ihr gesamtes Leben hindurch eintrat, dieselben                 blieben. Nur wurden sie mit ihrer Konversion zunehmend anders                 benannt. Wenn Day von &#8222;Barmherzigkeit&#8220; sprach, so war das inhaltlich                 identisch mit der &#8222;Solidarit\u00e4t&#8220;, von der sie als <i>Wobbly<\/i>                 sprach. <\/p>\n<p>Wenn sie von &#8222;freiwilliger Armut&#8220; sprach, die als bewusstes Statement                 gegen die kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse und als Solidarisierung                 mit den Armen und Marginalisierten zu verstehen ist, so erinnert                 das stark an Paul Goodmans Idee einer &#8222;w\u00fcrdevollen Armut&#8220;. Auch                 die CW-Losung von einer &#8222;Revolution of the Heart&#8220; klingt stark                 nach William Godwin oder Kropotkins &#8222;Reform des Bewusstseins&#8220;.               <\/p>\n<p>Man sieht also, die Terminologie, der sich Day bediente, hat                 sich m\u00f6glicherweise nach ihrer Konversion zum Katholizismus ge\u00e4ndert,                 ihre Motivation und ihr Denken dahinter sowie ihr konkretes Handeln                 aber wohl kaum. Das soll ihre tiefe Religiosit\u00e4t und ihren fundamentalen                 Lebenswandel nicht als blo\u00dfe \u00c4nderung ihrer Terminologie hinstellen,                 es ist jedoch auffallend, dass sich ihr aktivistisches Bet\u00e4tigungsfeld                 kaum \u00e4nderte. Nicht zuletzt deshalb erkl\u00e4rt sich auch, weshalb                 die CW stets ein Kooperationspartner f\u00fcr die nicht-religi\u00f6se anarchistische\/sozialistische                 Bewegung war.<\/p>\n<p>Days Versuch, ihre wieder gefundene Religiosit\u00e4t mit ihrem sozial-revolution\u00e4ren                 Engagement zu vereinen, resultierte in einer Zeitschrift und einer                 Bewegung, die sich <i>Catholic Worker <\/i>nannte.<\/p>\n<h3><i>The Catholic Worker<\/i> und <i>Houses of Hospitality<\/i><\/h3>\n<p>1933 gr\u00fcndeten Dorothy Day und Peter Maurin die Zeitschrift <i>The                 Catholic Worker<\/i> und verteilten die erste Ausgabe bei der traditionellen                 1. Mai Demo am Union Square in New York. Maurin wollte die Zeitschrift                 urspr\u00fcnglich <i>The Catholic Radical<\/i> nennen, Day argumentierte                 aber, dass klar sein solle, dass sich die Zeitung an die k\u00e4mpfende                 und ausgebeutete ArbeiterInnenklasse richte, weshalb auf ihre                 Initiative hin <i>Radical<\/i> zu <i>Worker<\/i> wurde.<\/p>\n<p>Was als Zeitung begann, wurde bald zu einer Bewegung, in deren                 Mittelpunkt die sogenannten <i>Houses of Hospitality<\/i> (H\u00e4user                 der Gastfreundschaft) standen. In diesen H\u00e4usern wurden neben                 diversen Veranstaltungen und Vortr\u00e4gen auch Ausspeisungen und                 Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Bed\u00fcrftige und Obdachlose geschaffen. Parallel                 zu den <i>Houses of Hospitality<\/i> in den urbanen Zentren wurden                 Farmen auf dem Land gegr\u00fcndet, die zeitweise die H\u00e4user mit Lebensmittel                 versorgten, die somit mehr oder weniger autark waren. <i>Houses                 of Hospitality<\/i> und CW-Farmen gibt es bis heute.<\/p>\n<h3>Aktivismus<\/h3>\n<p>Damals wie heute bedeutet(e) der CW-Aktivismus auf der Stra\u00dfe                 kreativer gewaltfreier Widerstand und ziviler Ungehorsam. Die                 Unterst\u00fctzung Streikender und Antimilitarismus waren dabei immer                 Hauptbet\u00e4tigungsfelder. <\/p>\n<p>Bereits in den 1930ern wurde gegen den Antisemitismus und die                 Judenverfolgung in Deutschland demonstriert. Damit stellten die                 CW-AktivistInnen sich nicht nur gegen einen damals breit akzeptierten                 Antisemitismus in der US-amerikanischen Gesellschaft, sondern                 auch gegen diverse antisemitische katholische Priester. <\/p>\n<p>Weitere wichtige Bet\u00e4tigungsfelder waren die Unterst\u00fctzung von                 Kriegsdienstverweigerern &#8211; u.a. im Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Dorothy Day war aufgrund ihres unersch\u00fctterlichen Pazifismus                 gegen den Krieg und den Kriegseintritt der USA. Diese Frage war                 CW-intern umstritten und f\u00fchrte dazu, dass einige CW-AktivistInnen                 die Bewegung verlie\u00dfen. Auch waren die CW von Beginn an Unterst\u00fctzerInnen                 der B\u00fcrgerrechtsbewegung. Schon lange bevor diese ihre Anf\u00e4nge                 nahm, reichten sich auf dem Zeitungskopf von <i>The Catholic Worker<\/i>                 ein schwarzer und ein wei\u00dfer Arbeiter die H\u00e4nde (sp\u00e4ter kam auch                 eine Frau dazu).<\/p>\n<p>In Zeiten des Kalten Krieges waren es vor allem die CW, die gegen                 die \u00dcbungen protestierten, um die USA auf einen Atombombenangriff                 vorzubereiten (die sog. <i>Civil Defense campaign<\/i>). Als die                 Sirenen zu \u00dcbungszwecken heulten und die Bev\u00f6lkerung angehalten                 war, sich in U-Bahnsch\u00e4chten und \u00e4hnlichem zu verstecken, blieben                 sie als Akt des zivilen Ungehorsams im Freien mit Schildern und                 Transparenten und weigerten sich, an diesen &#8222;Kriegsspielen&#8220; teilzunehmen.                 Sie wanderten alle daf\u00fcr mehrere Male ins Gef\u00e4ngnis. Die Protestbewegung                 gegen den Vietnamkrieg wurde ebenfalls von den CW (Tom Cornell                 ist hier vor allem bekannt) mitgepr\u00e4gt, und irische CW sorgten                 2003 f\u00fcr Aufsehen, als sie aus Protest gegen den Irakkrieg in                 eine Luftwaffenbasis der US-Armee eindrangen und F16-Kampfjets                 mit H\u00e4mmern kaputt schlugen.<\/p>\n<h3>Dorothy Day: ein anarchistisches Leben?<\/h3>\n<p>Der Punkt, der trotz vieler offener Fragen und scheinbarer Widerspr\u00fcche                 &#8211; die fast nur ihrem Katholizismus geschuldet sind &#8211; ausschlaggebend                 ist, ist, wie Dorothy Day wirkte, wie sie lebte und welche Handlungen                 aus ihrer \u00dcberzeugung resultierten. Hier wird klar, dass es nicht                 abwegig ist, aus der Bibel eine Art Anarchismus herzuleiten und,                 nach diesen Grunds\u00e4tzen gelebt, ein genuin anarchistischer Lebensstil                 hervorgehen kann. Neu und anders als beim klassischen christlichen                 Anarchismus war lediglich ihr Katholizismus. <\/p>\n<p>Diesen anarchistischen Lebensstil zumindest kann Dorothy Day                 aber niemand absprechen &#8211; Religionskritik und Katholizismus hin                 oder her.<\/p>\n<p>Wenn man sich mit ihrem Leben besch\u00e4ftigt, scheint es, als ob                 Gustav Landauer den Ethos von Dorothy Day und der CW wohl am besten                 beschrieb, als er &#8211; lange bevor diese Gruppe gebildet wurde &#8211;                 sagte, dass der Staat &#8222;ein Verh\u00e4ltnis&#8220;, eine &#8222;Beziehung zwischen                 den Menschen&#8220; sei, &#8222;eine Art, wie die Menschen sich zueinander                 verhalten&#8220;, und man ihn zerst\u00f6ren k\u00f6nne, &#8222;indem man andere Beziehungen                 eingeht, indem man sich anders zueinander verh\u00e4lt&#8220;. <\/p>\n<p>Eine treffendere Beschreibung von Dorothy Days Wirken kann kaum                 formuliert werden. Es war genau jener Hebel der Solidarit\u00e4t und                 gegenseitigen Hilfe in zwischenmenschlichen Beziehungen, an dem                 sie ansetzte &#8211; nur: Sie nannte es zumeist &#8222;N\u00e4chstenliebe&#8220; und                 &#8222;Barmherzigkeit&#8220;. <\/p>\n<h3>Schlussbetrachtung<\/h3>\n<p>Die CW brechen mit ihrem Bekenntnis zum Katholizismus mit einer                 Tendenz, die im Selbstverst\u00e4ndnis der meisten christlichen AnarchistInnen                 zentral ist: Religion ja; Kirche nein. <\/p>\n<p>Die Ablehnung von institutionalisierter Religion als anarchistisches                 Statement gegen Macht und Hierarchie scheint f\u00fcr viele nicht-religi\u00f6se                 AnarchistInnen ein entscheidender Punkt zu sein, der es ihnen                 erleichtert, christliche AnarchistInnen als Teil der Bewegung                 zu betrachten (wobei ganz generell die Definitionen und Parameter,                 wer als AnarchistIn gelten kann oder nicht, umstritten sind).<\/p>\n<p>Sich zum Katholizismus zu bekennen, \u00f6ffnet logischerweise T\u00fcr                 und Tor, den CW ihr AnarchistIn Sein abzusprechen, impliziert                 es doch unweigerlich einiges, was man getrost als &#8222;nicht-anarchistisch&#8220;                 benennen kann.<\/p>\n<p>Selbst an der Person Dorothy Day finden wir Dinge, die auch der                 solidarische anarchistische Blick nicht \u00fcbersehen kann: Sei es                 nun ihre de facto F\u00fchrungsrolle (nicht nur) in der New Yorker                 CW-Community oder ihre Tendenz, dem katholischen Klerus zu gehorchen                 (auch, wenn sie sich immer wieder offen gegen diesen stellte).<\/p>\n<p>Gleichzeitig br\u00fcskierte sie aber weit h\u00e4ufiger die KatholikInnen                 in ihrem Umfeld als die AnarchistInnen. Aber auch hier kommt wiederum                 der libert\u00e4re Charakter der CW zum Zug, denn s\u00e4mtliche CW-Gemeinschaften                 sind autonom und so gibt es auch Gruppen, <i>Houses of Hospitality<\/i>                 oder Farmen, die ganz klar von dem Verst\u00e4ndnis von Religion, wie                 ihn Day und Maurin vorgaben, abgrenzen. Das kann sogar soweit                 gehen, dass manche H\u00e4user kaum etwas f\u00fcr die katholische Kirche                 \u00fcbrig haben.<\/p>\n<p>Trotz offensichtlicher Widerspr\u00fcche, die \u00fcbrig bleiben, wenn                 man sich mit der CW-Bewegung aus anarchistischer (aber auch aus                 christlicher) Sicht auseinandersetzt, ist der libert\u00e4re Charakter                 nicht zu \u00fcbersehen. Die Einfl\u00fcsse des Anarchismus und Sozialismus                 auf die Bewegung seit ihren Anf\u00e4ngen in den fr\u00fchen 1930er Jahre                 sind augenf\u00e4llig. <\/p>\n<p>Auch heute wird diese Tradition in CW-Gemeinschaften weitergelebt,                 obwohl es CW-intern auch die eine oder andere heftige Debatte                 dazu gegeben hat. Sie waren und sind Teil der christlich-anarchistischen                 Szene und somit auch der anarchistischen Bewegung. Wenn man die                 Vielfalt der anarchistischen Szene als St\u00e4rke und nicht als Hemmschuh                 begreift, sind die CW eine interessante Bereicherung f\u00fcr diese                 seit jeher heterogene Bewegung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der christlich-anarchistischen Szene sind die CW etwas Besonderes, weil sie den Anarchismus nicht nur mit dem Christentum, sondern gar mit dem Katholizismus in Verbindung bringen. 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