{"id":11088,"date":"2012-01-01T00:00:23","date_gmt":"2011-12-31T22:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11088"},"modified":"2022-07-26T14:12:25","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:25","slug":"undogmatisch-und-radikal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/01\/undogmatisch-und-radikal\/","title":{"rendered":"Undogmatisch und radikal"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Organ des Kommunistischen Bundes (KB) war zwar keine anarchistische                 Zeitschrift, aber unter den vielen K-Gruppen-Bl\u00e4ttern war es die                 mit Abstand lesenswerteste. Ein intellektuelles, linksradikales                 Sprachrohr, das den sozialen Bewegungen nahe stand und durch seine                 oft niveauvollen Artikel nicht zuletzt auch hei\u00dfe Diskussionen                 in unserer Wohngemeinschaft anregte. <\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter zerbrach zwar unsere WG, aber nicht meine &#8222;Leser-Blatt-Bindung&#8220;,                 die ich seitdem nicht nur zu den oben genannten Bl\u00e4ttern weiterentwickelt                 habe. Den Kommunistischen Bund gibt es nicht mehr, Raider hei\u00dft                 jetzt Twix und der <i>Arbeiterkampf<\/i> <i>ak<\/i> (analyse &#038; kritik).<\/p>\n<h3>Ein Grund zum Feiern<\/h3>\n<p>Am 18. November 2011 feierte <i>analyse &#038; kritik<\/i> ihren 40.                 Geburtstag in Hamburg. <\/p>\n<p>Monat f\u00fcr Monat wird die Zeitung von mehreren haupt- und vielen                 ehrenamtlich arbeitenden GenossInnen gemacht. Kritisch begleitet                 sie das Weltgeschehen und diskutiert soziale K\u00e4mpfe f\u00fcr ein besseres                 Leben. <\/p>\n<p>In der Vergangenheit tummelten sich auch viele Irrlichter im                 Blatt. Leute, die in den 1970er und 80er Jahren zu KB-Kadern geschult                 wurden, machten sp\u00e4ter bei Gr\u00fcnen, PDS oder Linkspartei Karrieren.               <\/p>\n<p>Einige Ex-ak-Mitarbeiter haben skurrile Metamorphosen durchgemacht.                 Dabei denke ich an J\u00fcrgen Els\u00e4sser, der vom Antiimp zum Antideutschen,                 dann wieder zum Antiimp und schlie\u00dflich zum durchgeknallten Querfrontler                 im rechten Sumpf mutiert ist, oder J\u00fcrgen Trittin, der vom KB-Kader                 zum gr\u00fcnen Minister und Kriegsbef\u00fcrworter wurde. <\/p>\n<p>&#8222;Da f\u00fchrt m.E. schon ein Weg von autorit\u00e4rer Politik damals im                 <i>ak<\/i> zu autorit\u00e4ren Durchsetzungsmustern und Posten in der                 ersten Reihe bei Gr\u00fcnen und der Linken-Partei. Die haben autorit\u00e4re                 Durchsetzungspraktiken schon von der Pieke auf gelernt&#8220;, kommentiert                 ein GWR-Autor und Zeitzeuge.<\/p>\n<p>Und ein anderer, seit Jahrzehnten in einer B\u00fcrgerinitiative aktiver                 Graswurzelrevolution\u00e4r erinnert sich mit Grausen an die 1970er                 und 80er Jahre: &#8222;Der <i>ak<\/i> war ein propagandistisches Mittel,                 uns auf \u00fcbelste Weise mit Dreck zu beschmei\u00dfen und uns zu bek\u00e4mpfen.                 B\u00fcrgerinitiativen wurden entweder f\u00fcr den KB gef\u00fcgig gemacht oder                 unter Dauerfeuer genommen und zerst\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die Geschichten von KB und <i>ak<\/i> eng mit                 den Entwicklungen der Linken in der Bundesrepublik verbunden.                 So sind auch die Urspr\u00fcnge der &#8222;Antideutschen&#8220; in einer <i>ak<\/i>-Abspaltung                 zu entdecken. <\/p>\n<p>Im Zuge der Aufl\u00f6sung des KBs wurde die ehemalige &#8222;KB-Minderheit&#8220;                 (Gruppe K) 1992 von der ehemaligen &#8222;KB-Mehrheit&#8220; auf die Bahamas                 gew\u00fcnscht und gr\u00fcndete daraufhin die gleichnamige Zeitschrift.                 W\u00e4hrend sich Teile der ehemaligen KB-Mehrheit (auch im <i>ak<\/i>)                 der ostdeutschen PDS an den Hals schmissen, wandelte sich die                 <i>Bahamas<\/i> in ein zunehmend unertr\u00e4gliches Sprachrohr der                 antideutschen Sekte. <\/p>\n<p>Vielleicht liegen in dieser Horrorgeschichte und in den schlechten                 Erfahrungen mit den &#8222;Bahamiten&#8220; auch Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass <i>analyse                 &#038; kritik<\/i> im Zeitalter des &#8222;Kriegs gegen den Terror&#8220; eine erfreulich                 klare antimilitaristische Position vertreten hat, w\u00e4hrend die                 antideutsche &#8222;Rumsfeld-Linke&#8220; leider auch in <i>Jungle World<\/i>,                 <i>konkret<\/i> und den <i>Bl\u00e4ttern des iz3w<\/i> ihre Kriegspropaganda                 unterbringen konnte und dort bis heute Einfluss auf die Blattlinien                 nimmt. <\/p>\n<p>Dagegen ist <i>analyse &#038; kritik<\/i> heute ein sympathisches und                 zuverl\u00e4ssiges Medium der Gegen\u00f6ffentlichkeit, das auf jeweils                 36 Seiten im Berliner Format politische Zusammenh\u00e4nge aufzeigt.                 Manchmal ist die &#8222;Zeitung f\u00fcr linke Debatte und Praxis&#8220; dabei                 vielleicht etwas zu dr\u00f6ge, f\u00fcr meinen Geschmack oft zu linksparteinah                 und zu wenig anarchistisch, meistens aber wohltuend undogmatisch,                 solidarisch und aufkl\u00e4rerisch.<\/p>\n<p><i>&#8222;ak ist in Bewegung geblieben. ak geh\u00f6rte einmal zum KB, dem                 \u201aTr\u00fcffelschwein&#8216; (Georg F\u00fclberth) unter den damals vielz\u00e4hligen                 K-Gruppen. Seit 20 Jahren ist der KB Vergangenheit, die Zeitung                 noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: ak erlebt derzeit eine kleine                 Renaissance&#8220;<\/i>, ekl\u00e4rt die ak-Redaktion.<\/p>\n<p>Die Jubil\u00e4umsausgabe erschien am Tag der 40. Geburtstagsfeier                 in neuem Layout und mit einer von 3.000 auf 4.500 erh\u00f6hten Druckauflage.               <\/p>\n<p>An den <i>ak<\/i>-Relaunch werde ich mich wohl noch gew\u00f6hnen m\u00fcssen.                 Die neu gestalteten Seiten, zum Teil im Vierfarbdruck, machen                 einiges her, bringen aber sicher einige Alt-LeserInnen auf die                 Palme, weil ihnen das Ganze zu sehr nach &#8222;buntem, kommerziellem                 Werbebl\u00e4ttchen&#8220; aussieht und sie angesichts des schicken Designs                 eine inhaltliche Verflachung bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Die lesenswerte, 566ste ak-Ausgabe besch\u00e4ftigt sich denn u.a.                 auch mit Fragen wie: &#8222;Wozu braucht man heute noch eine linke Zeitung?                 Warum starten wir jetzt mit einem Relaunch? Was haben wir uns                 politisch dabei gedacht? Und was bedeutet das f\u00fcr die grafische                 Gestaltung?&#8220; <\/p>\n<p>Das neue \u00c4u\u00dfere sei auch Ausdruck einer tief greifenden, &#8222;inneren&#8220;                 Ver\u00e4nderung, eine Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Bedingungen                 der letzten Jahre. &#8222;Die Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern sich und wir uns mit                 ihnen und gegen sie&#8220;, schlie\u00dfen die ak-RedakteurInnen.<\/p>\n<p>Im Sommer 2012 wird die <i>Graswurzelrevolution<\/i> 40 Jahre                 alt und das geb\u00fchrend feiern. <\/p>\n<p>Jetzt aber gratulieren wir erst einmal ganz herzlich unseren                 sieben Monate &#8222;\u00e4lteren&#8220; Kolleginnen und Kollegen! <i>analyse &#038;                 kritik<\/i> ist eines der lesenswertesten Bewegungsbl\u00e4tter im deutschsprachigen                 Raum. Wir hoffen, dass das so bleibt, und w\u00fcnschen uns mindestens                 40 weitere ak-Jahrg\u00e4nge. Kollegiale, solidarische und li(e)bert\u00e4re                 Gr\u00fc\u00dfe, auch im Namen des GWR-HerausgeberInnenkreises,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Organ des Kommunistischen Bundes (KB) war zwar keine anarchistische Zeitschrift, aber unter den vielen K-Gruppen-Bl\u00e4ttern war es die mit Abstand lesenswerteste. Ein intellektuelles, linksradikales Sprachrohr, das den sozialen Bewegungen nahe stand und durch seine oft niveauvollen Artikel nicht zuletzt auch hei\u00dfe Diskussionen in unserer Wohngemeinschaft anregte. 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