{"id":11202,"date":"2012-03-01T00:00:34","date_gmt":"2012-02-29T22:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11202"},"modified":"2022-07-26T14:22:32","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:32","slug":"ein-jahr-fukushima-wo-gehts-zum-atomausstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/03\/ein-jahr-fukushima-wo-gehts-zum-atomausstieg\/","title":{"rendered":"Ein Jahr Fukushima &#8211; wo geht&#8217;s zum Atomausstieg?"},"content":{"rendered":"<h3>Reaktorkatastrophe und kein Ende<\/h3>\n<p>Wie sieht es ein Jahr sp\u00e4ter aus? Ist der Atomausstieg in Deutschland                 wirklich besiegelt? Wie reagiert Japan auf die Reaktorkatastrophe                 und was passiert in anderen L\u00e4ndern?<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr die internationale Anti-Atom-Arbeit? <\/p>\n<p>Fukushima ist nur noch selten in den Schlagzeilen, doch immer                 wieder treten in den zerst\u00f6rten Reaktoren massive Probleme auf.                 Eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t kann in den verstrahlten Regionen                 rund um den Reaktorkomplex bestenfalls oberfl\u00e4chlich sein, die                 dramatischen Folgen der Reaktorkatastrophe werden Jahrhunderte                 lang zu sp\u00fcren sein. <\/p>\n<p>Dennoch hat sich eine \u00fcberraschende Entwicklung ergeben. Im Februar                 2012 waren in Japan nur noch 3 von 54 AKW am Netz, ab April ist                 Japan wom\u00f6glich (vor\u00fcbergehend) komplett atomstromfrei. Viele                 Regionen verweigern das Wiederanfahren ihrer Reaktoren, sie wollen                 die Risiken nicht l\u00e4nger. Zeichnet sich hier wom\u00f6glich das Ende                 der Atomindustrie in Japan ab? Das w\u00e4re eine sehr positive Entwicklung.<\/p>\n<h3>Atomausstieg oder nicht?<\/h3>\n<p>Au\u00dferhalb von Japan ist die Situation der Atomindustrie widerspr\u00fcchlich,                 die Reaktorkatastrophe scheint genau wie die von Tschernobyl in                 vielen L\u00e4ndern einfach ignoriert zu werden. <\/p>\n<p>L\u00e4nder wie Russland, Indien, Finnland oder die Tschechische Republik                 setzen ungebremst auf den Ausbau ihrer Atomanlagen. Auch China                 will weitermachen, auch wenn einige Projekte (vorerst) verschoben                 wurden. <\/p>\n<p>In den USA wurde gerade eine Genehmigung f\u00fcr einen AKW-Neubau                 erteilt, auch Gro\u00dfbritannien will neue AKW bauen lassen. <\/p>\n<p>Es gibt sogar neue Atomfans, denn Polen will mit aller Macht                 in die Atomenergie einsteigen, auch in Wei\u00dfrussland soll ein erstes                 AKW entstehen. <\/p>\n<p>Die Halsstarrigkeit, mit der an der Atomenergie festgehalten                 wird, ist alarmierend!<\/p>\n<p>Un\u00fcbersichtlich ist die Lage in Frankreich, wo Pr\u00e4sident Sarkozy                 auf Atomkraft als identit\u00e4tsstiftendes Moment der &#8222;Grande Nation&#8220;                 setzt, w\u00e4hrend die Opposition ein wenig von der Atomkraft abzur\u00fccken                 scheint. <\/p>\n<p>Der Staatskonzern Areva steckt jedoch in handfesten Schwierigkeiten,                 weil er sich beim Uranabbau und dem EPR in Olkiluoto in Finnland                 kr\u00e4ftig versch\u00e4tzt hat. <\/p>\n<p>Ein Gradmesser f\u00fcr die politische Durchsetzungskraft der Anti-Atomkraft-Bewegung                 ist am 11. M\u00e4rz die Beteiligung an der 230 km langen Menschenkette                 im Rhone-Tal. <\/p>\n<p>In anderen L\u00e4ndern gibt es kleine Teilerfolge: In Belgien hat                 man den Ausstieg aus der Atomenergie ein wenig vorverlegt, auch                 in der Schweiz verschwanden Neubaupl\u00e4ne in der Schublade und in                 Italien wurde der Einstieg in die Atomenergie verhindert. <\/p>\n<p>Die Niederlande war bis Anfang 2012 ebenfalls sehr am Neubau                 eines AKW interessiert, doch nun wurde das AKW-Projekt bei Borssele                 f\u00fcr mehrere Jahre verschoben.<\/p>\n<h3>Und Deutschland? <\/h3>\n<p>Die Anti-Atom-Bewegung konnte mit ihren Massenprotesten die endg\u00fcltige                 Abschaltung von acht AKW durchsetzen, darunter das symboltr\u00e4chtige                 Doppel-AKW in Biblis. <\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Koalition von Schwarz \u00fcber Gelb und Rot bis Gr\u00fcn feierte                 daraufhin den &#8222;unumkehrbaren&#8220; Atomausstieg und die &#8222;revolution\u00e4re&#8220;                 Energiewende. <\/p>\n<p>Vielen Menschen ist jedoch klar, dass hier Schein und Sein weit                 auseinander klaffen: Neun AKW d\u00fcrfen noch bis zu 10 Jahre weiterlaufen,                 darunter zwei Reaktoren in Neckarwestheim und Philippsburg unter                 einem gr\u00fcnen Ministerpr\u00e4sidenten. <\/p>\n<p>Die Urananreicherung in Gronau und die Brennelementefertigung                 in Lingen d\u00fcrfen unbegrenzt weiter ihren Uranbrennstoff in alle                 Welt exportieren. Allein aus Gronau kann jedes 10. AKW weltweit                 mit Uranbrennstoff versorgt werden!<\/p>\n<p>Und um der Heuchlerei noch die Krone aufzusetzen, will die Bundesregierung                 den Bau von AKWs in Brasilien, Indien und China mit deutschen                 Exportb\u00fcrgschaften absichern &#8211; ein Atomausstieg sieht anders aus!<\/p>\n<p>Aber immerhin: Die Atomkonzerne EON, RWE und EnBW sind genauso                 angeschlagen wie AREVA. Ob sie unter den ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnissen                 \u00fcberleben k\u00f6nnen, ist offen.<\/p>\n<p>Vielleicht erleben wir in wenigen Jahren eine neue Fusionswelle                 zu noch gr\u00f6\u00dferen Stromoligopolen, vielleicht treibt der Ausbau                 regenerativer Energien aber auch die w\u00fcnschenswerte Dezentralisierung                 der Stromversorgung voran, wenn die Stromriesen weiter wanken.               <\/p>\n<h3>Perspektiven der Anti-Atom-Arbeit<\/h3>\n<p>Angesichts der widerspr\u00fcchlichen Lage muss sich auch die Anti-Atom-Bewegung                 auf die neue Situation einstellen: Schon in Gorleben hat sich                 im November gezeigt, dass viele Menschen der Bundesregierung ihren                 &#8222;Atomausstieg&#8220; nicht abkaufen. <\/p>\n<p>Offensichtlich wird auch, dass der Kampf um den Atomausstieg                 ein Jahr nach Fukushima in keinem Land wirklich gewonnen ist,                 dass im Gegenteil, weltweit eine massive Offensive der Atomindustrie                 l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Eine der Antworten darauf ist eine Internationalisierung der                 Anti-Atom-Arbeit. So fand im Januar 2012 in Yokohama ein internationaler                 Anti-Atom-Kongress statt und Anfang Februar folgte in M\u00fcnster                 eine internationale Urankonferenz, die den Beginn der Atomspirale                 vom Uranabbau bis zur Urananreicherung ins Visier nahm.<\/p>\n<p>Die internationale Vernetzung der Anti-Atom-Bewegung macht Fortschritte,                 denn ohne grenz\u00fcberschreitende Proteste werden sich in Zukunft                 immer seltener Erfolge erzielen lassen.<\/p>\n<p>Initiativen und AtomkraftgegnerInnen aus dem Niger, aus Polen,                 den Niederlanden, Russland, der T\u00fcrkei und Frankreich warben f\u00fcr                 Unterst\u00fctzung, genau wie deutsche Initiativen internationale Unterst\u00fctzung                 und Zusammenarbeit ben\u00f6tigen, um z. B. Urantransporte und Castor-Transporte                 zu stoppen oder aber den deutschen Atomkonzernen im Ausland den                 Atomexport zu vermasseln. Ein positives Beispiel war in den vergangenen                 Jahren der erfolgreiche Kampf gegen das RWE-AKW im bulgarischen                 Belene.<\/p>\n<h3>11. M\u00e4rz: Gro\u00dfdemos zum Fukushima-Jahrestag<\/h3>\n<p>Ein wichtiger Fokus der Anti-Atom-Proteste in diesem Jahr ist                 der 11. M\u00e4rz, der erste Fukushima-Jahrestag. <\/p>\n<p>In vielen L\u00e4ndern wird es an diesem Tag Proteste geben, darunter                 in den Niederlanden, Belgien und der Schweiz. Spektakul\u00e4r wird                 die Menschenkette im Rhone-Tal werden, zu der auch viele AtomkraftgegnerInnen                 aus Deutschland erwartet werden. <\/p>\n<p>In Deutschland sind f\u00fcnf Gro\u00dfdemos und eine Menschenkette geplant.               <\/p>\n<p>Im Westen findet die zentrale Gro\u00dfdemo zur Urananreicherungsanlage                 in Gronau statt. <\/p>\n<p>Im Norden steht das AKW Brokdorf im Fokus. <\/p>\n<p>In Niedersachsen gibt es eine Demo in Hannover und abends eine                 75 km lange Menschenkette vom absaufenden &#8222;Endlager&#8220; Asse zum                 geplanten Endlager Schacht Konrad. <\/p>\n<p>Im S\u00fcden wird an den AKW-Standorten Gundremmingen und Neckarwestheim                 demonstriert werden. <\/p>\n<p>Schon die Auswahl der Demo-Standorte macht deutlich, wie breit                 die Palette der atomaren Probleme hierzulande ist: Vom Export                 von Uranbrennstoff und milit\u00e4risch \u00e4u\u00dferst brisanter Atomtechnologie                 \u00fcber laufende AKW-Zeitbomben bis zum ungel\u00f6sten Problem der Atomm\u00fclllagerung                 reicht das Spektrum. <\/p>\n<h3>Der Atomausstieg ist noch lange nicht durchgesetzt<\/h3>\n<p>Zwei wichtige Daten im Fr\u00fchjahr sind zudem die Jahreshauptversammlungen                 von RWE (23. April) und EON (3. Mai) in der Gruga-Halle in Essen,                 wo wieder engagierte Proteste gegen die internationalen Atomprojekte                 der beiden Atomkonzerne erwartet werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Herbst beschloss die Urankonferenz am 4. Februar in M\u00fcnster                 ein ambitioniertes Protestvorhaben: Am 29. September, dem 55.                 Jahrestag des schweren Reaktorunfalls von Majak, sollen auf einem                 internationalen Aktionstag erstmals von Paris bis Moskau quer                 durch Europa gemeinsame Proteste gegen die gro\u00dfen Uran- und Atomkonzerne                 Areva, EON, RWE, Urenco und Rosatom stattfinden. <\/p>\n<p>In Deutschland gibt es dabei eine Reihe von m\u00f6glichen Protestorten:                 Essen (RWE), D\u00fcsseldorf (EON), Duisburg (Areva), Gronau (Urenco),                 Lingen (Areva), J\u00fclich (Urenco) sowie Erlangen (Areva). Wichtig                 ist zudem eine intensivere Zusammenarbeit mit AtomkraftgegnerInnen                 in den L\u00e4ndern, in denen Uranabbau betrieben wird, damit das Uran                 in der Erde bleibt. <\/p>\n<p>Auch hier gibt es noch viel zu tun. Doch die Anti-Atom-Bewegung                 l\u00e4sst auch 2012 nicht locker!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reaktorkatastrophe und kein Ende Wie sieht es ein Jahr sp\u00e4ter aus? Ist der Atomausstieg in Deutschland wirklich besiegelt? Wie reagiert Japan auf die Reaktorkatastrophe und was passiert in anderen L\u00e4ndern? Was bedeutet das f\u00fcr die internationale Anti-Atom-Arbeit? 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