{"id":11242,"date":"2012-04-01T00:00:24","date_gmt":"2012-03-31T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11242"},"modified":"2022-07-26T13:56:39","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:39","slug":"ein-schwarzer-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/04\/ein-schwarzer-tag\/","title":{"rendered":"Ein schwarzer Tag"},"content":{"rendered":"<p>Zuletzt 2006 hatten &#8222;autonome Nationalisten&#8220; versucht, in M\u00fcnster                 einen &#8222;reichsweiten&#8220; Naziaufmarsch zu machen. Obwohl 3.000 AntifaschistInnen                 damals von der Polizei daran gehindert wurden, in das betroffene                 Hansaviertel zu kommen, gelang es rund 2.000 couragierten AnwohnerInnen,                 durch eine Blockade den Aufmarsch von 170 Neonazis nach wenigen                 Metern zu stoppen. Aus den H\u00e4usern flogen damals Tomaten und Eier                 auf die Faschisten und das betroffene Hansaviertel war mit antifaschistischen                 Transparenten geschm\u00fcckt. Der erfolgreiche Protest sorgte daf\u00fcr,                 dass Neonazis sechs Jahre lang einen gro\u00dfen Bogen um die Fahrradhauptstadt                 machten bzw. sich selten zu erkennen gaben.<\/p>\n<p>Anfang 2012 verk\u00fcndeten die &#8222;Nationalen Sozialisten M\u00fcnster&#8220;                 auf ihrer Homepage, dass sie &#8222;die vielleicht letzte rote Hochburg                 Westfalens st\u00fcrmen&#8220; wollen. <\/p>\n<p>Dies ist den 311 Neonazis um Christian Worch am 3. M\u00e4rz 2012                 nicht gelungen. 7.000 Menschen beteiligten sich lautstark an den                 antifaschistischen Protestaktionen gegen die Nazis. Ein B\u00fcndnis                 von 140 Gruppen und Organisationen, darunter auch die <i>Graswurzelrevolution<\/i>,                 hatte zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch aufgerufen (vgl.                 GWR 366). Viele Menschen im betroffenen Rumphorstviertel wurden                 durch die Ereignisse politisiert und schlossen sich couragiert                 und gemeinschaftlich im Protest gegen Nazis und Polizeigewalt                 zusammen.<\/p>\n<p>Trotzdem feierten die Nazis sich und die von ihnen auf Twitter                 als &#8222;Kameraden von der Polizei&#8220; gelobten 1.500 BeamtInnen. Letztere                 hatten mit Wasserwerfern, Pfefferspray, Hunden und berittenen                 Einheiten ein ganzes Stadtviertel gegen den Willen der Bev\u00f6lkerung                 abgeriegelt und einen langen Nazimarsch erm\u00f6glicht. W\u00e4hrend die                 Nazis ungehindert menschenverachtende Parolen wie z.B. &#8222;Linkes                 Gezeter, 9 Millimeter&#8220;, und &#8222;Deutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder                 raus!&#8220; gr\u00f6len und mehrere Kundgebungen machen konnten, ging die                 Polizei mit Gewalt gegen antifaschistische DemonstrantInnen und                 AnwohnerInnen des betroffenen Rumphorstviertels vor. Antifaschistische                 Blockaden wurden aufgel\u00f6st oder umgangen, w\u00e4hrend Nazis unter                 den Augen von PolizeibeamtInnen unbehelligt protestierende AnwohnerInnen                 anspucken konnten. <\/p>\n<p>Ein 20j\u00e4hriger Gegendemonstrant wurde von mehreren Beamten so                 brutal verpr\u00fcgelt, dass er danach tagelang in Lebensgefahr schwebte.                 Eine Frau, die die PolizistInnen aufgefordert hatte, mit dem Verpr\u00fcgeln                 des Jungen aufzuh\u00f6ren, wurde von einem Beamten bedroht: &#8222;Willst                 du die n\u00e4chste sein?&#8220; Am Abend emp\u00f6rte sie sich in der WDR Lokalzeit                 M\u00fcnsterland.<\/p>\n<p>Eine Bundestagsabgeordnete der Linkspartei musste sich auf der                 Wache ausziehen und einer dem\u00fctigenden Prozedur unterziehen, weil                 sie die Polizei gebeten hatte, nicht weiter mit r\u00fccksichtsloser                 Gewalt gegen DemonstrantInnen vorzugehen.<\/p>\n<p>Der gr\u00fcne Polizeipr\u00e4sident Hubert Wimber zeichnete unterdessen                 das Zerrbild von 300, dann 600 und zuletzt &#8222;bis zu 800 gewaltbereiten                 Antifaschisten&#8220;, die er ebenso wenig in M\u00fcnster haben wolle wie                 die Nazis. Eine nicht nur angesichts der 182 von Nazis seit 1990                 begangenen Morde unglaubliche Gleichsetzung, die leider auch weitgehend                 unreflektiert von den Medien \u00fcbernommen wurde. <\/p>\n<p>&#8222;Auch der gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriff mehrerer Polizisten auf einen                 20-j\u00e4hrigen Gegendemonstranten wurde von Wimber gerechtfertigt.                 Er argumentiert, wie er es bereits zuvor in der Presse getan hatte,                 damit, dass der Verletzte kurz zuvor eine Flasche geworfen habe.                 Mit diesem vermeintlichen Flaschenwurf, f\u00fcr den er bisher einen                 Beweis schuldig geblieben ist, rechtfertigte er die brutale Selbstjustiz                 der Polizisten. (\u2026) Nur durch eine zuf\u00e4llig anwesende Not\u00e4rztin                 konnte Schlimmeres verhindert werden. W\u00e4ren die T\u00e4ter keine Polizisten,                 sondern Jugendliche in einer S-Bahn, w\u00e4re die Tat sofort als ein                 versuchter Mord\/Totschlag aufgenommen worden&#8220;, so das <i>B\u00fcndnis                 Keinen Meter den Nazis<\/i>.<\/p>\n<p>Der 3. M\u00e4rz war ein schwarzer Tag f\u00fcr M\u00fcnster. Die &#8222;Nationalen                 Sozialisten M\u00fcnster&#8220; f\u00fchlen sich best\u00e4rkt und haben bereits angek\u00fcndigt,                 dass sie 2013 einen weiteren Aufmarsch in der &#8222;Westfalenmetropole&#8220;                 machen wollen. <\/p>\n<p>In Dortmund wurden die Naziaufm\u00e4rsche jahrelang von der Polizei                 gegen die AntifaschistInnen durchgesetzt. Die Folgen: Dortmund                 ist heute die Stadt mit der gr\u00f6\u00dften Naziszene in NRW. Auf deren                 Konto gehen u.a. der Mord an einem Dortmunder Punk, Anschl\u00e4ge                 auf linke Kneipen und rassistische \u00dcbergriffe gegen &#8222;ausl\u00e4ndisch&#8220;                 aussehende Menschen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Zust\u00e4nde drohen \u00fcberall da, wo Nazis von der Polizei                 hofiert und ihre Aufm\u00e4rsche gegen die Bev\u00f6lkerung durchgesetzt                 werden.<\/p>\n<p>Dagegen helfen eine verst\u00e4rkte Aufkl\u00e4rungsarbeit und die massenhafte                 Blockade aller Naziaufm\u00e4rsche. <\/p>\n<p>Ich habe mich am 3. M\u00e4rz so ohnm\u00e4chtig gef\u00fchlt wie seit Jahrzehnten                 nicht mehr. Dieses Gef\u00fchl m\u00f6chte ich nicht noch einmal erleben.                 Faschismus ist eine menschenfeindliche Ideologie. Kein Fu\u00dfbreit                 den Nazis!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuletzt 2006 hatten &#8222;autonome Nationalisten&#8220; versucht, in M\u00fcnster einen &#8222;reichsweiten&#8220; Naziaufmarsch zu machen. Obwohl 3.000 AntifaschistInnen damals von der Polizei daran gehindert wurden, in das betroffene Hansaviertel zu kommen, gelang es rund 2.000 couragierten AnwohnerInnen, durch eine Blockade den Aufmarsch von 170 Neonazis nach wenigen Metern zu stoppen. 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