{"id":11283,"date":"2012-04-01T00:00:43","date_gmt":"2012-03-31T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11283"},"modified":"2022-07-26T13:31:07","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:07","slug":"aktiver-pazifismus-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/04\/aktiver-pazifismus-heute\/","title":{"rendered":"Aktiver Pazifismus heute"},"content":{"rendered":"<h3>Menschenrechte kriegerisch verteidigen? Zur Aktualit\u00e4t des streitbaren Pazifismus in der kapitalistisch globalisierten und hochger\u00fcsteten Welt<\/h3>\n<h3>I.<\/h3>\n<p>Nicht am 16., 17. und 18. M\u00e4rz hat sich das achtj\u00e4hrige Kind im Manne WDN ((*)) anl\u00e4sslich der Zerst\u00f6rung W\u00fcrzburgs und der malerisch herumliegenden Leichen in der dortigen Glacis entschieden, sodass der Mann sp\u00e4ter das Kind \u00fcberlegt und erfahren bewahren konnte.<\/p>\n<p>Erst allm\u00e4hlich bildete sich die durch kein zus\u00e4tzlich schm\u00fcckendes Beiwort beeintr\u00e4chtigte pazifistische \u00dcberzeugung. Sie wurde zum Habitus.<\/p>\n<p>Obwohl es keine irdischen Absoluta gibt &#8211; weder erkenntnistheoretisch, noch moralisch, noch im allemal kasuistisch-opportunistischen Verhalten -, kann vollends nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts kein Menschen als todbewegte Wesen gleich achtendes Wort f\u00fcr kollektive Gewalt wahrhaft gesprochen werden. Erfahrungen, als da waren und sind: Nazismus und Stalinismus, die dyslogen Parallelerscheinungen; Jahrzehnte westlich gepr\u00e4gter, weltweit angewandte kolonial- neokolonialer Modernisierungstheorie und Entwicklungspraxis; andauernde, ja vermehrte Ungleichheit unten den negativ vergesellschaftenden, ethnisierenden, durchstaateten und aggressiv miteinander konkurrenzgehetzten L\u00e4ndern und L\u00e4nderbl\u00f6cken im kapitalistisch pulsierenden Hunger nach m\u00e4chtigem Wachstum und wachsender Macht.<\/p>\n<h3>II.<\/h3>\n<p>Diese eindeutige Feststellung mitten in der Aggressionsdynamik unserer Tage steckt voll der abgr\u00fcndigen Risiken.<\/p>\n<p>Dem t\u00e4glich katastrophisch aufgehobenen Risiko aktueller Gewalt. Dem in gleicher Weise t\u00e4glich sich wiederholenden Dilemma, so man \u00fcberall pr\u00e4sente Sinne hat, zwischen der oft plausibel wirkenden &#8222;L\u00f6sung&#8220;, ein Ende des Schreckens mit Schrecken bewirken zu k\u00f6nnen, statt den Schrecken ohne Ende genozidal ausbluten und ausmorden zu lassen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die nie ganz vergehende Hoffnung, dass Verdammte der Erde, sich gewaltig emanzipierend Luft schaffen, wenngleich keine allgemeine Befreiung nach dem Klassenkampf noch glaubhaft am geschichtlichen Horizont zuk\u00fcnftig winkt. Keine geschichtsphilosophisch hypothesenpor\u00f6s fundierte Utopie darf heute noch Handeln leiten.<\/p>\n<p>Also gibt es keine moralisch oder menschenrechtlich sauberen H\u00e4nde. Ein mehrfaches Verhaltensgemisch ist mit verschiedenen Akzenten zu \u00fcben peinlich. Gewaltkn\u00e4uel sind im komplexen Hin und Her genetisch aufzudr\u00f6seln. Solche sind gegenw\u00e4rtig zu einfach zu entdecken. In afrikanischen L\u00e4ndern, beispielsweise der &#8222;DR Kongo&#8220; oder anders, Afghanistan oder, am schwierigsten: Israel\/Pal\u00e4stina. Keine Letztursachen sind zu finden.<\/p>\n<p>Keine linearen Kausalsequenzen. Vor allem sind abstrakte Moralisierungen zu vermeiden. Deutlich aber d\u00fcrfte jeweils werden: es gibt keine alexandrinischen Knoten-Schwert-Zerschlagungsl\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Das pazifistisch Schwierigste ist geboten: blutige Widerspr\u00fcche aushalten zu k\u00f6nnen, ohne das &#8222;Schwert zu nehmen&#8220; als Mittel der angeblich letzten Hand. Z\u00fccken tun es fast immer die Kinder, die Jungen, herrschafts- und kriegsalt zum Morden missbraucht.<\/p>\n<h3>III.<\/h3>\n<p>Pazifismus im Sinne des gelebten MathiasclaudiusK\u00e4thekollwitzverzweiflungsschreis ist also alles andere als ein quietistisch gutes Gewissen unter himmlischem Friedensblau.<\/p>\n<p>Vielmehr Geschichts- und Gegenwartswissen &#8211; das wahre heilig n\u00fcchterne Wissen &#8211; das skrupul\u00f6s Ereignisse zusammensieht und ergr\u00fcndet: Dass kollektive Gewalt, wie und wo sie immer ge\u00fcbt und gerechtfertigt werden mag, Schillers Fluch erweitert, der Magie enteignet, durch und durch menschent\u00fcmlich: &#8222;Das ist der Fluch des kriegerischen Tuns, dass es fortdauernd schlafendwachende Gewalt muss bewirken.&#8220;<\/p>\n<p>Kollektive Gewalt ereignet sich nie voraussetzungs- und folgenlos. Kassandra, von Christa Wolf, der ein wenig \u00e4lteren Schwester gestaltet, wusste es. Alle kollektive Gewalt, in Form des pseudoneuen Krieges zumal, reicht lange kriegsheckend zur\u00fcck. Sie wirkt bis zum n\u00e4chsten Krieg in innerer und \u00e4u\u00dferer R\u00fcstung nach. Sie bereitet denselben. Kriege waren und sind totalit\u00e4r, auch als &#8222;Kabinetts- und Staatenkriege&#8220; verharmlost. Damit sie das Unwort und die Untat unserer europ\u00e4isch angels\u00e4chsischen Zeit, &#8222;humanit\u00e4re Interventionen&#8220; legitimieren und nation-building als nation-killing.<\/p>\n<p>Nebenher schlachtet man, randst\u00e4ndig als Ferment von Zivilisation und Menschenrechten gutgesagt, europ\u00e4isch &#8222;Untermenschen&#8220; anderer L\u00e4nder progressiven Muts. Der ICC sorgt nun f\u00fcr das von einseitigen Interessen gestrickte Leichentuch einer Weltgerechtigkeit. Insgesamt arbeitet man globaliter mit den Waffen des Kapitals indirekt, dem schattengleich die direkten, l\u00e4ngst ihrerseits abstrakt gewordenen Waffensysteme folgen.<\/p>\n<p>Von den Drohnen bis hin zu den Atombomben wirksam besonders vor ihrem Einsatz. Anders gesagt: kollektive Gewalt ist nie auf Formen und Funktionen &#8222;chirurgischer Operationen&#8220; begrenzt. Und setzte man voraus, dass die Instrumente und Fertigkeiten chirurgischer Operationen problemlos dem angeblich aseptischen Fortschritt wissenschaftlich heilsamen Fortschritts gem\u00e4\u00df entwickelt und fortgeschrieben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nicht nur Blut ist ein besonderer Saft. Kollektive, gegebenenfalls staatlich legitimierte Gewalt als Ausdruck und Abbruch menschlichen Handelns setzt heute mehr denn je voraus, dass sie akkumuliert, modernisiert und dauernd zu handen sei. Das, was man eingeschr\u00e4nkt Aufr\u00fcstung und die Pr\u00e4senz milit\u00e4rischer Infrastruktur l\u00e4ngst vor aller Verwendung nennt. Gewalt penetriert allseits als der die Menschen und ihre Organisationen in ihrem Umfang nachhaltig sozialisierende Faktor. Er pr\u00e4gt nicht nur alle Innen- und Au\u00dfenpolitik. Ihr ist letzten Endes durchgehend die Gewalt als Transpolitische Ressource zuhanden. Sie besitzt, nur dem Anscheine nach paradox, als emphatisch physische letzten Endes t\u00f6tend vernichtende Gewalt, die Funktion einer h\u00f6chst wirksamen Metaphysik der Politik.<\/p>\n<p>Diese ist u. a. greifbar in der konstitutiven Bedeutung des Ausnahmezustands am Rande und unter allen Normen (der Verfassung und des Rechts). Anders gesagt: ebenso wohl innere b\u00fcrgerliche, prinzipiell an Gleichberechtigung orientierte und sie realisierende Politik, als auch und vor allem internationale, v\u00f6lkerrechtlich ausgerichtete Politik, in Zeiten globaler Interdependenz zumal, kann nur zur P O L I T I K sich emanzipieren, notabene von ihrem kriegerischen, von ihrem genozidalen Sklavendasein, wenn Kriege nicht mehr die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sind. Sonst wird, mehr als Clausewitz einr\u00e4umte, vor allem mehr als alle die Politiker, ihre politikwissenschaftlichen &#8222;Dominikaner&#8220;, als canes dominationis, und alle B\u00fcrgerInnen zugeben oder ahnen, &#8222;Politik&#8220; immer vor allem Krieg mit sublimeren Mitteln imitieren.<\/p>\n<h3>IV.<\/h3>\n<p>Kurz und vor dem Hintergrund komplexer Einsichten gilt klipp und klar: R\u00fcstung, Milit\u00e4r und Krieg, Bev\u00f6lkerungen in Waffen einerseits und sei es &#8222;nur&#8220; kognitiv und habituell, Menschenrechte und Demokratie andererseits schlie\u00dfen einander aus. Da kann man mit Tucholsky keine &#8222;kleinen Kompromisse&#8220; machen. Konsequent stellt die Behauptung &#8222;gerechter Kriege&#8220; eine individuelle und kollektive T\u00e4uschung dar, geschehe sie auch, wie meist, in der Form einer Selbstt\u00e4uschung. Ebenso sind Stellvertreterkriege zugunsten einer besseren Gegenwart oder Zukunft nicht zu rechtfertigen. Es sei denn letztlich mit Gewalt. Ich verzichte darauf auch &#8222;nur&#8220; die Kriege Revue passieren zu lassen, die in meiner einigerma\u00dfen bewussten Lebenszeit gef\u00fchrt worden sind mit humanen Kosten und Folgen angesichts derer wir alle todesgeschockt erstarrten und nur noch traumatisch posttraumatisch eine Art dahinsiechendes Leben f\u00fchren k\u00f6nnten. Wir werden ihrer jedoch nie auf einmal inne. Davor sch\u00fctzt uns das Lebenssieb unseres nachhaltig erodierenden Ged\u00e4chtnisses. &#8222;Meine&#8220; Kriege beg\u00e4nnen mit dem vom nationalsozialistischen Deutschland, meinen Eltern, mir schier dreij\u00e4hrig am 1.9.1939 um 5.45 Uhr mit dem \u00dcberfall auf Polen inszenierten 2. Weltkrieg. Ihn habe ich kindlich wohl erst wahrgenommen, als meine Mutter um ihren 1942 gefallenen Bruder weinte und als mir die Vorstellung kn\u00e4blichen Spa\u00df bereitete, herabtropfende Bomben k\u00f6nnten Mainwasser aufspritzen lassen.<\/p>\n<p>Am Exempel des ungeheuerlichen II. WK und der &#8222;Endl\u00f6sung der Judenfrage&#8220; in ihm fiele es am schwersten, das Argument hinterher durchzuhalten, Kriege, auch Kriege gegen ein zur Todesschwadron umfunktioniertes, Todesk\u00f6pfe als Herrschaftszeichen w\u00e4hlendes nazistisches Land und seine \u00fcberwiegend mehrheitliche Bev\u00f6lkerung, seien nicht als &#8222;gerechte Kriege&#8220; zu adeln. Ich gehe an dieser Stelle nicht darauf ein. Jedes Schlagwort stopfte als Bumerang den geschw\u00e4tzigen Mund. Ich sage nur, dass ich, umzirkte man den Kontext weiter mein zentrales Argument durchhalten k\u00f6nnte: es gibt keinen human rechtfertigbaren Krieg heute. Mir geht es allerdings nicht darum, von der Gegenwart und heute m\u00f6glichen Einsichten aus, die uns bekannten menschlicher Vergangenheiten antihistorisch abstrakt zuzurichten. Pazifistisch gilt wie auch sonst zuerst: Hic Rhodos hic salta! ((1))<\/p>\n<h3>V.<\/h3>\n<p>Wenn man meiner \u00dcberzeugung folgt, dass sich Krieg, schon in seiner Inkubation, Demokratie und Menschenrechte ausschlie\u00dfen, die Letztgenannten als striktes Tandem verstanden &#8211; und nicht erst, wenn der kriegerische Not- oder Ausnahmezustand eingetreten ist -, dann tritt die pazifistische &#8218;Reserve&#8216; in einem permanenten Unruhestand. Dann wird n\u00e4mlich einsichtig, dass der Pazifismus als Kern der Menschenrechte in selbstredend radikaldemokratischer Form und die Menschenrechte als Mutterboden des Pazifismus eine Politik der ersten Person Singularis und Pluralis in panoptischen, mehr noch in panergetischen und\/oder panpraktischen Sinn bedeutet. Sprich: es gibt kein humanes Gebiet, das ohne &#8211; k\u00fcchenlateinisch &#8211; habitus pacificus zu betreten und in dem nicht mit solchen habitus zu handeln w\u00e4re. Sobald man nach Kriegsursachen nicht prim\u00e4r waffenz\u00e4hlerisch oder heute in neoliberal kapitalismusexpansiver, sog. modernistischer Perspektive Ausschau h\u00e4lt, kann man ein hier nur anzutupfendes Dreifaches wissen. Zum einen: Konflikte und Aggressionen unter Menschen sind menschlich. Diese Einsicht geht weit \u00fcber Freuds bedenkenswerte Antwort hinaus, mit der er Einsteins Frage erwiderte: ob denn &#8211; mit Kant zugespitzt zu reden &#8211; &#8222;ewiger Frieden&#8220; unter Menschen ausgeschlossen sei.<\/p>\n<p>Zum zweiten: die anhaltende Chance, kollektive Gewalt in heutigen und zuk\u00fcnftigen Zeiten in \u00fcberfreudschem Sinne zu sublimieren, manchen gesellschaftliche Organisationsformen in der F\u00fclle der Gesellschaften erforderlich.<\/p>\n<p>Sie haben vor anderem, den Hauptskandal von Menschenrechten und Demokratie dauernd zu bearbeiten und abzubauen zu suchen: die nicht qua Geburt und individuellem Werden fort und fort geh\u00e4ufte, herrschaftsvielf\u00e4ltig ausgebeutete, selbst herrschaftsf\u00f6rmige Ungleichheit unter den Menschen.<\/p>\n<p>Zum dritten: Menschen und Gesellschaften wandeln sich und lernen, sie entlernen auch, wie sie vergessen. O schlimme, denkmalsgef\u00fcllte und gerade darum vergessende BRD!<\/p>\n<p>Darum ist die Aufgabe menschlich unendlich, Gesellungsformen der Menschen zu finden, zu stabilisieren, erneuernd zu ver\u00e4ndern, die auf dem Plafond struktureller Gleichheit vielerlei Formen differenzierten Zusammenlebens anstrengend lustig erproben, fast Chaplins &#8222;Goldrausch&#8220; gleich. Parallelgesellschaften, Organisationsformen im Sinne von Diasporai u. \u00e4. m. Das w\u00e4re, gegens\u00e4tzlich zur kapitalistisch, wissenschaftlich, technologischen Innovationstollerei humaner Hybris des Strebens der Edelsten, der Phantasiereichen, der sozialen Imaginationen wert.<\/p>\n<h3>VI.<\/h3>\n<p>Pazifismus im Kontext materialisierter Menschenrechte sind also ein umfassendes politisches und je spezifisches Gesamtprogramm. Darum gilt: wer von Pazifismus schweigt, kann von Menschenrechten nicht reden und umgekehrt. Das hei\u00dft aber zugleich: die Aufgaben sind riesig. Ihrer angesichtig gilt es den Forderungen des Tages zu gen\u00fcgen. Auch diesen kann nur gem\u00e4\u00df der Einsicht Gandhis gefolgt werden: der Weg ist das Ziel, sprich die Art, wie man ihn mit lebenslangem Atem geht. Mittel und Ziel m\u00fcssen \u00fcbereinstimmen. Die Tr\u00e4ume eines anderen Deutschland inmitten eines anderen Europa haben nicht lange gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>In der Regel waren sie nicht genug durchdacht. Sie wurden auch nur von Minderheiten angestrebt. Beispielsweise eine Bundesrepublik ohne Bundeswehr. Lange erfroren sie im Kalten Krieg. Sie wurden innen und au\u00dfen Feind verstellt. Als sich dann 1990 eine Chance zu bieten schien, war die Alt-BRD viel zu staatkonventionell, liberaldemokratisch magers\u00fcchtig und kriegerisch feindverstockt. Ein anderes Europa ging &#8211; strukturell antidemokratisch und funktionell als versuchter kapitalistischer Gro\u00dfraum in der EU &#8211; den krisengesch\u00fcttelten Gang der Konkurrenz der Machtbl\u00f6cke im Kontext organisierter Verantwortungslosigkeit des Weltmarkts.<\/p>\n<p>Uns heutigen tut Not, den gegenw\u00e4rtigen Gefahren einer Weltmilit\u00e4rundwirtschaftsmacht Bundesrepublik Deutschland im Umkreis von EU und NATO, soweit immer wir k\u00f6nnen und wo immer m\u00f6glich, mit aufkl\u00e4renden St\u00f6rungen entgegenzutreten. Radikal. Indem wir dies tun, sollten wir uns auch in der Erinnerung an die vielen Personen und Gruppen st\u00e4rken, die zuerst der &#8222;Wiederaufr\u00fcstung&#8220; Anfang der 50er Jahre opponiert haben; die danach \u00fcber den &#8222;Antiatomkampf&#8220; die britisch erfundenen Osterm\u00e4rsche einf\u00fchrten; bis die Opposition gegen die &#8222;Nachr\u00fcstung&#8220; expandierte und zur ersten Etappe des Komitee f\u00fchrten. Der Widerspruch ist schwer auszuhalten: zwischen den dauernd lauernden und dauernd gegenw\u00e4rtigen Kriegsgefahren und ihren Interessenhintergr\u00fcnden und dem demonstrativ Wenigen, das wir auf die Beine bringen.<\/p>\n<p>Dennoch und gerade deswegen: Mehr denn je gilt in der radikalen antimilitaristischen Opposition nicht m\u00fcde zu werden und zugleich den Kampf gegen Gewalt mit dem Kampf gegen Ungleichheit zu verbinden. Und das zuerst in der BRD. Weil wir dort in der Regel am ehesten phantasievoll Sand im Getriebe sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Postskriptum<\/h3>\n<p>Der 8j\u00e4hrige, der am 16.3.1945 am Rande der Hindenburgstra\u00dfe, wohlbemerkt, das mehrgeschossige Haus niederbrennen sah, Stabbrandbomben auf Schritt und Tritt, rauchvergiftete Menschen wankten dahin, Tote gesellten (!) sich am n\u00e4chsten Vormittag nach wagenremisiger Nacht hinzu, dieser Achtj\u00e4htige, Nazikind, kann nun als alter Mann \u00fcber der Mitsiebziger Greisenschwelle, von der erfahrenen Hoffnung durchdrungen und Angst, der docta spes Ernst Blochs, keine albernen Hofferei, kann schlechterdings nicht verstehen, dass das Land, in dem er infolge der Gnade der sp\u00e4ten Geburt lebt, dass die Bundesrepublik Deutschland kriegsger\u00fcstet weltweit in ihrem Interesse, Kriege zu f\u00fchren, erpicht ist. Dieser Acht- und F\u00fcnfundsiebzigj\u00e4hrige f\u00fchlt und benimmt sich darob als Displaced Person, sympathievoll mit all den vielen sozial ortlosen Displaced Persons dieser Welt.<\/p>\n<p>Und er opponiert der Geschichts-, der Gegenwarts- und der Zukunftsvergessenheit mit all seinen schwachen, immer schw\u00e4cher werdenden Kr\u00e4ften in jeder radikalen und das hei\u00dft zugleich gewaltfreien Form. Solange der Atem reicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschenrechte kriegerisch verteidigen? Zur Aktualit\u00e4t des streitbaren Pazifismus in der kapitalistisch globalisierten und hochger\u00fcsteten Welt I. Nicht am 16., 17. und 18. 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